Euro-KriseGriechenlands Banken fehlt Geld und Vertrauen

Das größte Problem Griechenlands sind mittlerweile die Banken. Denn nur mit einer funktionierenden Kreditvergabe kommt das Land aus der Rezession. von 

Eine Filiale der National Bank of Greece in Athen

Eine Filiale der National Bank of Greece in Athen  |  © Angelos Tzortzinis/AFP/GettyImages

Die Krise in Griechenland verläuft seit bald zweieinhalb Jahren nach dem immer gleichen Prinzip. Kaum scheint ein Problem gelöst, taucht schon das nächste auf. So ist es auch in den vergangenen Monaten gewesen: Schuldenschnitt, Wahlen, drohender Euro-Austritt, Neuwahlen.

Die Angst vor einem Austritt aus der Währungsunion ist erst einmal gebannt. Die neue Regierung bekennt sich zum Sparkurs der Troika und will lediglich einige Details nachverhandeln. Aber das nächste Problem wartet schon: Die Banken haben kaum noch Geld, um die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen.

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Zugespitzt hat sich die Lage in der Zeit vor und zwischen den beiden Wahlen. Aus Angst vor einer Rückkehr zur Drachme haben viele Bürger in Griechenland ihre Ersparnisse von der Bank geholt . Sie fürchteten, dass ihr Vermögen mit einem möglichen Austritt aus der Währungsunion drastisch an Wert verliert.

Allein in den beiden Wochen vor dem ersten Wahlgang sind mindestens vier Milliarden Euro abgezogen worden. Seit Ausbruch der Krise im Dezember 2009 haben Sparer nach Angaben der griechischen Notenbank insgesamt etwa 80 Milliarden Euro von den griechischen Banken abgehoben.

Fünf Milliarden Euro zurückgeflossen

Der Wahlsieg de Nea Demokratia hat die Lage zumindest an der Oberfläche wieder etwas beruhigt. Es seien rund fünf Milliarden Euro auf Konten griechischer Bürger zurückgekehrt, sagte der Vorstand einer der größten griechischen Privatbanken kürzlich. "Im Juni hatten wir erstmals haben eine positive Bilanz." Allerdings befindet sich weiterhin noch viel Kapital im Ausland.

Zacharias Zacharakis
Zacharias Zacharakis

Zacharias Zacharakis ist Nachrichtenredakteur bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Nach Einschätzung des griechischen Finanzwissenschaftlers Nikolaos Milonas von der Universität Athen fehlt den Banken derzeit vor allem Geld, um Kredite an Unternehmen zu vergeben, damit diese in neue Projekte investieren und dadurch Arbeitsplätze schaffen. "Nur die besten oder sichersten Kunden bekommen noch Kredit", sagt Milonas. Selbst wenn Unternehmer nur bereits abgeschlossene Aufträge finanzieren wollten, sei das unglaublich schwer. Die Banken hätten Angst, dass am Ende eine Seite doch nicht mehr zahlen kann.

Ohne funktionierende Kreditvergabe aber kann die Wirtschaft in Griechenland nicht aus der Rezession kommen, in der sie seit fünf Jahren steckt. "Das Land steckt nicht nur in einer einfachen Rezession. Selbst gut laufende Unternehmen gehen pleite, weil der Geldkreislauf zusammengebrochen ist", sagt der Athener Finanzwissenschaftler Yanis Varoufakis. "Kredit ist die Lebensader der Wirtschaft, doch in Griechenland gibt es keinen Kredit und kein Vertrauen mehr."

Leserkommentare
  1. Entfernt, da polemisch. Danke, die Redaktion/se

    2 Leserempfehlungen
  2. Und Griechenland hat NUR Hauptprobleme und nicht ein Hauptproblem.

    Grüße
    Pitti Griffi Della Rovere

    6 Leserempfehlungen
  3. Sie verwechseln Symptome mit den Ursachen. Mit Ursachen ist nicht Schuld gemeint, sondern das Ergebnis einer nüchternen, d.h. rationalen Analyse.

    Eine Leserempfehlung
    • Hamit
    • 10. Juli 2012 19:06 Uhr

    Wo ist das Problem?

    1. Die private Geldwirtschaft an die Wand fahren lassen
    2. Filialnetz aus der Konkursmasse übernehmen
    3. Überflüssige Bankhäuser veräußern
    4. Etablierung einer Staatsbank
    5. Erlös aus der Verwertung der bankrotten Banken bereitstellen für die Spareinlagen

    9 Leserempfehlungen
    • scoty
    • 10. Juli 2012 19:20 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/se

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt, bitte verzichten Sie auf diskriminierende Kommentare. Danke, die Redaktion/se

    • Chali
    • 10. Juli 2012 19:58 Uhr

    " bitte verzichten Sie auf diskriminierende Kommentare"
    schrieb die Redaktion unter Beitrag 8.

    Dem entnehme ich, dass Ihr Kommentar nicht zu den diskriminierenden gerechnet wird.

    • NDM
    • 10. Juli 2012 19:27 Uhr

    "Die Kreditausfallrate in Griechenland ist in den vergangenen Jahren von etwa vier auf nun 15 Prozent gestiegen. Das Land steckt in einem Teufelskreis: Die Rezession verschärft die Lage für die Banken, die wiederum mit Krediten geizen und so die Rückkehr zu Wachstum erschweren."

    Ob ausgerechnet Merkels Austeritätsforderungen dabei helfen, kann getrost bezweifelt werden.

    8 Leserempfehlungen
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    von 4% hilft eigentlich nichts mehr, bei 15% braucht man über Kreditvergabe gar nicht mehr nachdenken, das kann keine Bank tragen und 20% Marge zahlen die Kunden ja auch nicht.

    • keibe
    • 10. Juli 2012 19:28 Uhr

    "Das größte Problem Griechenlands sind mittlerweile die Banken.",

    da es mir absolut untypisch zu sein scheint.

    3 Leserempfehlungen
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    der war gut

  4. Entfernt, bitte verzichten Sie auf diskriminierende Kommentare. Danke, die Redaktion/se

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Europäische Union | Geld | Europäische Zentralbank | Griechenland | BIP | Bank
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