Die Krise in Griechenland verläuft seit bald zweieinhalb Jahren nach dem immer gleichen Prinzip. Kaum scheint ein Problem gelöst, taucht schon das nächste auf. So ist es auch in den vergangenen Monaten gewesen: Schuldenschnitt, Wahlen, drohender Euro-Austritt, Neuwahlen.

Die Angst vor einem Austritt aus der Währungsunion ist erst einmal gebannt. Die neue Regierung bekennt sich zum Sparkurs der Troika und will lediglich einige Details nachverhandeln. Aber das nächste Problem wartet schon: Die Banken haben kaum noch Geld, um die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen.

Zugespitzt hat sich die Lage in der Zeit vor und zwischen den beiden Wahlen. Aus Angst vor einer Rückkehr zur Drachme haben viele Bürger in Griechenland ihre Ersparnisse von der Bank geholt . Sie fürchteten, dass ihr Vermögen mit einem möglichen Austritt aus der Währungsunion drastisch an Wert verliert.

Allein in den beiden Wochen vor dem ersten Wahlgang sind mindestens vier Milliarden Euro abgezogen worden. Seit Ausbruch der Krise im Dezember 2009 haben Sparer nach Angaben der griechischen Notenbank insgesamt etwa 80 Milliarden Euro von den griechischen Banken abgehoben.

Fünf Milliarden Euro zurückgeflossen

Der Wahlsieg de Nea Demokratia hat die Lage zumindest an der Oberfläche wieder etwas beruhigt. Es seien rund fünf Milliarden Euro auf Konten griechischer Bürger zurückgekehrt, sagte der Vorstand einer der größten griechischen Privatbanken kürzlich. "Im Juni hatten wir erstmals haben eine positive Bilanz." Allerdings befindet sich weiterhin noch viel Kapital im Ausland.

Nach Einschätzung des griechischen Finanzwissenschaftlers Nikolaos Milonas von der Universität Athen fehlt den Banken derzeit vor allem Geld, um Kredite an Unternehmen zu vergeben, damit diese in neue Projekte investieren und dadurch Arbeitsplätze schaffen. "Nur die besten oder sichersten Kunden bekommen noch Kredit", sagt Milonas. Selbst wenn Unternehmer nur bereits abgeschlossene Aufträge finanzieren wollten, sei das unglaublich schwer. Die Banken hätten Angst, dass am Ende eine Seite doch nicht mehr zahlen kann.

Ohne funktionierende Kreditvergabe aber kann die Wirtschaft in Griechenland nicht aus der Rezession kommen, in der sie seit fünf Jahren steckt. "Das Land steckt nicht nur in einer einfachen Rezession. Selbst gut laufende Unternehmen gehen pleite, weil der Geldkreislauf zusammengebrochen ist", sagt der Athener Finanzwissenschaftler Yanis Varoufakis. "Kredit ist die Lebensader der Wirtschaft, doch in Griechenland gibt es keinen Kredit und kein Vertrauen mehr."