Bundeskanzlerin Angela Merkel © John Thys/SFP/GettyImages

Ein Staatsbankrott Griechenlands wird Medienberichten zufolge immer wahrscheinlicher. Die wichtigsten Geldgeber des hoch verschuldeten Landes, allen voran Deutschland, sind nach Informationen der Süddeutschen Zeitung nicht bereit, weitere Finanzhilfen zu gewähren. Da Griechenland aber weitere Kredite von bis zu 50 Milliarden Euro benötige, werde ein Bankrott des südeuropäischen Landes immer wahrscheinlicher.

Es sei undenkbar, dass Kanzlerin Angela Merkel ( CDU ) noch einmal vor den Bundestag trete und um Zustimmung für ein drittes Griechenland-Paket bitte, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die Bundesregierung . Tatsächlich habe Merkel schon bei den jüngsten Parlamentsbeschlüssen zur Schuldenkrise Probleme gehabt, die Koalition weitgehend geschlossen hinter sich zu vereinen. Auf ein weiteres Mal werde sie es – gerade im Fall Griechenland – nicht ankommen lassen.

Medienberichten zufolge ist auch der Internationale Währungsfonds ( IWF ) nicht zu weiteren Hilfszahlungen bereit . Der IWF habe bereits signalisiert, dass er sich an weiteren Griechenland-Hilfen nicht beteiligen werde, hatte der Spiegel berichtet . Damit wird eine Pleite des Landes im September wahrscheinlicher, hieß es. Sollte der IWF aussteigen, werde Griechenland keine weiteren Finanzhilfen mehr bekommen, sagte der Unions-Fraktionsvize Michael Meister dem Kölner Stadt-Anzeiger . "Dann ist die Grundlage für weitere Zahlungen nicht mehr gegeben. Denn dann fehlt das Geld."

Wahlkampf hat Reformen verhindert

Grund für den weiteren Finanzierungsbedarf Griechenlands ist der Süddeutschen Zeitung zufolge ein Fehlbetrag in zweistelliger Milliardenhöhe im Sanierungsprogramm des Landes, weil während des Dauerwahlkampfs im Frühjahr fast alle Reformvorhaben liegen geblieben seien. Die griechische Regierung hatte deshalb bereits mehr Zeit für die Konsolidierung des Haushalts und der Umsetzung von Strukturreformen gefordert. Nach Angaben der Zeitung würden damit aber die im zweiten Hilfspaket zugesagten 130 Milliarden Euro nicht ausreichen. Die griechische Regierung müsse entweder entgegen ihrer Wahlversprechen noch mehr sparen, oder aber die internationalen Geldgeber müssten weitere Kredite im Umfang von bis zu 50 Milliarden Euro zur Verfügung stellen.

Dazu ist die Bundesregierung aber nicht bereit. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte der Bild -Zeitung, wenn es Verzögerungen in Griechenland beim Sparprogramm gegeben habe, müsse das Land diese aufholen. Schäuble wollte keine Prognose über dessen Zukunft in der Euro-Zone abgeben. "Wenn der Troika-Bericht vorliegt, wird die Euro-Gruppe beraten", sagte er.

Rösler spekuliert über Austritt

Den Bericht will zwar auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) abwarten. Doch hatte er am Wochenende kaum noch Chancen auf einen Verbleib in der Euro-Zone gesehen. " Wahrscheinlich werde das Land seine Auflagen nicht abarbeiten können, hatte Rösler der ARD gesagt . "Wenn Griechenland seine Auflagen nicht erfüllt, dann kann es keine weiteren Zahlungen mehr an Griechenland geben." Das Land werde dann zahlungsunfähig sein. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone habe aber "längst seinen Schrecken verloren".

Derzeit prüft die Troika aus EU-Kommission , Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF, inwieweit Griechenland seine Reform- und Sparverpflichtungen erfüllt. Bis Ende 2014 muss die Regierung den internationalen Vorgaben zufolge sein Haushaltsdefizit drastisch verkleinern. Dabei hofft sie auf weitere Finanzhilfen in Höhe von 12,5 Milliarden Euro im August und September. Denn weitere Einsparungen, so fürchten die Griechen, würden die Wirtschaft endgültig abwürgen. Das Land befindet sich bereits das fünfte Jahr in Folge in der Rezession.