Der griechische Regierungschef Antonis Samaras vor dem Parlament in Athen © Oli Scarff/Getty Images

Der vorläufige Bericht der Troika aus EU-Kommission , Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank über die Umsetzungen der Reformen in Griechenland zeichnet einem Medienbericht zufolge ein katastrophales Bild. Die griechische Regierung habe 210 von rund 300 Sparvorgaben nicht erfüllt, berichtet die Rheinische Post unter Berufung auf ein Mitglied der Bundesregierung . So würden etwa bei den Privatisierungen dieses Jahr nur zwei Maßnahmen mit dem Volumen eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrages umgesetzt.

Eine ähnliche Einschätzung hatte der IWF bereits am Donnerstag gegeben. Griechenland sei bei der Umsetzung des vereinbarten Reformprogramms im Rückstand: Einige Ziele seien erreicht, und mehrere weitere seien verfehlt worden, während in einigen Fällen noch die nötigen Daten zur Bewertung fehlten, sagte IWF-Sprecher Gerry Rice. Daher seien Überlegungen über eine Nachverhandlung des Reformprogramms verfrüht.

Auch die Bundesregierung lehnt der Rheinischen Post zufolge die Forderungen der griechischen Regierung nach einem Aufschub der Sparziele um zwei Jahre als "völlig inakzeptabel" ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) habe gegenüber führenden Koalitionären versichert, dass Griechenland maximal einige Wochen Aufschub bei der Umsetzung der Defizitziele gewährt werden könnte.

Troika Ende Juli in Athen

Vom Urteil der Troika hängt jeweils die Auszahlung neuer Hilfszahlungen ab. IWF-Sprecher Rice sagte, dass die Vertreter von EU, IWF, und EZB am 24. Juli die Gespräche mit der griechischen Regierung in Athen fortsetzen werden. Es sei wichtig, das Programm wieder voll auf Kurs zu bringen. Der IWF sei offen für Diskussionen darüber, wie dies geschehen könne. Man sei aber nicht bereit, ein völlig neues Programm zu verhandeln, sagte Rice.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sagte im Deutschlandfunk , er habe das Gefühl, dass sich die Geduld der Troika dem Ende neige. Ob Griechenland überhaupt reformfähig ist, hält Rösler für eine offene Frage: "Die Erfahrungen, die wir gemacht haben, lassen mich zumindest skeptisch zurück", sagte er.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel , mahnte die Regierung in Athen zur raschen Umsetzung der Reformen. "Griechenland muss sich endlich auch helfen lassen, die Reformen anpacken und Bedingungen für Investitionen schaffen. Sonst geht es nicht. Ein Land kann nicht dauerhaft die Wirtschaftskraft eines gesamten Währungsverbunds lähmen", sagte Keitel.

Dobrindt fordert erneut Austritt

Der Industriepräsident forderte zugleich ein umfassendes Wirtschaftsprogramm für Griechenland. "Wir brauchen ein europäisch koordiniertes, von den Regierungen und der Wirtschaft befristetes Wirtschaftsprogramm für dieses Land", sagte Keitel. Der BDI würde sich daran beteiligen.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sprach sich dagegen für einen vorübergehenden Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone aus. "Von Tag zu Tag wird deutlicher, dass Griechenland nur dann eine Chance hat, wenn es den Euro verlässt", sagte Dobrindt der Zeitung. Die Politik solle Griechenland ein Angebot aus drei Elementen machen. "Erstens: Griechenland verlässt den Euro, bleibt aber in der EU. Zweitens: ein EU-Marshallplan als Wiederaufbauprogramm für die griechische Wirtschaft. Drittens: Rückkehroption in den Euro, wenn Griechenland saniert ist."