EU-Kommissionspräsident Barroso (links) nach seinem Gespräch mit dem griechischen Regierungschef Samaras © Louisa Gouliamaki/AFP/GettyImages

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat Griechenland eindringlich zu größeren Fortschritten bei seinen Sparanstrengungen aufgefordert. Das Land werde der europäischen Währungsunion nur weiter angehören können, wenn es seinen Gläubigern "Ergebnisse, Ergebnisse, Ergebnisse" liefere, sagte Barroso bei einem Besuch in Athen .

" Griechenland gehört zur europäischen Familie und zur Euro-Zone, und wir wollen, dass das so bleibt", sagte Barroso nach einem Gespräch mit Regierungschef Antonis Samaras. Entscheidend dafür sei jedoch, dass die Regierung in Athen Ergebnisse liefere, sagte er mit Bezug auf die internationalen Sparvorgaben und Strukturreformen. Die Verzögerungen bei der Umsetzung müssten ein Ende haben. "Worte sind nicht genug, Taten sind wichtiger", sagte Barroso.

Samaras versicherte, seine Regierung werde konsequent Reformen und Privatisierungen angehen und den Staat verschlanken. Barroso begrüßte dies, sagte aber: "Verzögerungen darf es nicht mehr geben." Es war der erste Besuch des EU-Kommissionspräsidenten in Athen nach Ausbruch der schweren Krise in Griechenland.

"Griechen sind nicht allein"

Barroso sprach bei allem Druck den Griechen auch Mut zu. Viele Griechen glaubten, jede Hoffnung sei verloren. Das stimme nicht. Richtig sei vielmehr, "die Reformen durchzuführen, um eine Zukunft zu haben", sagte er im griechischen Fernsehen. "Die Griechen sind nicht allein." Der Verbleib des Landes in der Euro-Zone sei der einzige Weg, den Schwächeren zu helfen, sagte der EU-Kommissionschef.

Die Spitzen der drei griechischen Koalitionsparteien hatten am Donnerstag über ein neues Sparpaket in Höhe von 11,6 Milliarden Euro beraten. Der neue griechische Finanzminister Ioannis Stournaras präsentierte die Eckpunkte des Sparprogramms den Experten der Troika von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds ( IWF ). Medieninformationen zufolge sollen die Renten bei 2.200 Euro gedeckelt werden. Kürzungen soll es auch nochmals im Gesundheitsbereich geben.

Die Kontrolleure der Troika wollen sich am heutigen Freitag mit Samaras treffen. Von ihrem Bericht hängt ab, ob Griechenland weitere Gelder aus den Hilfsprogrammen bekommt oder das Land zahlungsunfähig wird. Der Bericht wird für den September erwartet.

Indirekte Kritik an deutschen Politikern

Samaras bat Barroso, sich dafür einzusetzen, dass einige andere Europäer damit aufhörten, die Reformbemühungen zu untergraben, indem sie erklärten, Griechenland werde es nicht schaffen. Damit dürfte sich der Regierungschef auf Äußerungen deutscher Politiker aus Union und FDP bezogen haben, die in den vergangenen Tagen mehrfach an Griechenlands Mitgliedschaft in der Euro-Zone gezweifelt hatten.

Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro hätte nach Ansicht von Sozialistenchef Evangelos Venizelos ein Ende des gemeinsamen Währungsraums zur Folge. Wer glaube, Griechenland müsse geopfert werden, der irre sich. "Es wird der Selbstmord der Euro-Zone werden", sagte er. Venizelos' Sozialisten sind Teil der Koalitionsregierung mit den Konservativen und der Demokratischen Linken.

Die stärkste Oppositionspartei, das Bündnis der radikalen Linken (Syriza), warnte, dass weitere harte Einsparungen das in einer tiefen Wirtschaftskrise steckende Land mit Sicherheit in die Pleite führen würden. Das Linksbündnis forderte ein sofortiges Ende der Verhandlungen mit der Troika und einen Sondergipfel der EU zu Griechenland. Bei diesem sollten alle griechischen Schulden abgeschrieben werden.