Finanzkrise : Griechenland kündigt weitere Milliarden-Kürzungen an

Einsparungen von fast 12 Milliarden Euro sollen die Troika überzeugen, Griechenland weiter Geld zu leihen. Die Kürzungen treffen vor allem Rentner und Patienten.
Der griechische Finanzminister Giannis Stournara © Angelos Tzortzinis/AFP/GettyImages

Die griechische Regierung will das Land mit weiteren Sparmaßnahmen aus der Krise holen. In den kommenden zwei Jahren sollen mehr als 11,5 Milliarden Euro eingespart werden. Am härtesten treffen diese Maßnahmen die Rentner. Wie die griechische Presse übereinstimmend berichtete, soll es künftig in Griechenland keine Renten mehr geben, die 2.200 Euro übertreffen .

Kürzungen soll es auch bei der Gesundheitsversorgung geben. Wer zu häufig zum Arzt geht, soll bezahlen. Wenn die Arztbesuche einen Wert von 1.500 Euro im Jahr übertreffen, muss der Versicherte für jeden weiteren Arztbesuch 10 Euro zahlen – und wenn er im Krankenhaus bleiben muss, 15 Prozent der Kosten selbst zahlen. Die Eckpunkte seien noch nicht endgültig, hieß es. Die Chefs der drei Parteien der Koalitionsregierung wollen im Laufe des Donnerstags über die Maßnahmen beraten.

Anschließend soll der Plan der Gläubiger-Troika vorlegt werden. In den Gesprächen mit den Vertretern von  Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) sei bisher noch keine abschließende Einigung erzielt worden, sagte ein Vertreter des Finanzministeriums nach einem Treffen des Ressortchefs Giannis Stournara mit der Troika. Man sei aber auf gutem Wege.

Derzeit überprüft die Troika, ob das von der Pleite bedrohte Land seine Sparzusagen und andere Vereinbarungen zum Hilfspaket einhält . Daran gibt es angesichts des politischen Stillstands während des langen Wahlkampfes im Frühjahr Zweifel. Ein positives Prüfergebnis ist Voraussetzung dafür, dass die nächste Tranche aus dem zweiten Hilfspaket für Griechenland ausgezahlt wird. Die Troika will Anfang September wieder nach Athen reisen.

Griechen ziehen ihr Geld von den Banken ab

Ebenfalls für Donnerstag ist auch ein Treffen des griechischen Regierungschef Antonis Samaras mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso vorgesehen.

Die Bevölkerung scheint den Versprechen der Regierung allerdings nicht zu trauen. Die Griechen heben weiterhin große Mengen Geld von den Banken des Landes ab. Die Einlagen des Privatsektors verringerten sich nach Angaben der EZB im Juni um fast fünf Prozent. Ebenso stark waren sie im Mai zurückgegangen. Die Einlagen betrugen Ende Juni demnach insgesamt 156,2 Milliarden Euro nach 164,1 Milliarden Euro im Vormonat. Dies ist der niedrigste Stand seit mehr als sechs Jahren.

Der Abfluss schwächt das durch die Schuldenkrise angeschlagene Bankensystem des Landes weiter. Die griechische Notenbank hatte hingegen mitgeteilt, im Juni und Juli sei eine Trendwende erreicht worden.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Beschliessen kann man vieles

ob es seinen Zweck erfüllt ist die Frage.
Ich glaube es nicht.
Seltsam ist auch das die fragwürdigen Behörden nun geschlossen sind aber die Angestellten wieterhin bezahlt werden.
Und noch ein seltsamer Fall ist das die Beamten keine Kürzungen befrüchten müssen.

Die interessanteste Frage ist doch: Wieviel der ausstehenden

STEUERRÜCKSTÄNDE wurden denn in den letzten 2 Jahren in Gr nach Ausbruch der Krise in Cash eingetrieben?
Wieviele Gerichtsverfahren und Verurteilungen gegen griechische Steuerhinterzieher gab es in dieser Zeit?
Von der Antwort würde ich jegliche weitere Zahlungen abhängig machen.

Griechen und Renten

Renten müssen erst auf 2.200€ gedeckelt werden?
Wie genau haben es denn so viele Griechen geschafft auf solche staatliche Mondrenten zu kommen?

In Deutschland sind so um die 2.100/2.200€ das theoretische Maximum, was man an staatlicher Rente bekommen kann, wenn man von der Schule ab gänzlich ohne Lehrzeit schon mehr verdient als die Beitragsbemessungsgrenze.
Wenn man als 14jähriger schon so dick Knete macht wären noch ca. 2.400€ Rente möglich. Aber so oft dürfte das wohl bei uns nicht vorkommen.

Achja, bei der Rechnung geht man natürlich davon aus mit 65 in Rente zu gehen und nicht mit 50 wie am Mittelmeer.

Richtig

Absolute Zustimmung - normalerweise reagiere ich ja etwas dünnhäutig wenn Sparmaßnahmen mal wieder zu lasten des Sozialstaates gehen sollen (und frage mich auch hier, warum es nicht an die Beamtengehälter im gehobenen Dienst geht), aber hier scheint es ausnahmsweise mal nicht den Sozialstaat ansich zu treffen (auch wenn es in der Überschrift so suggeriert wird) sondern eine sinnvolle Maßnahme zu sein - allein dass mit den Krankenkosten muss noch etwas genauer differenziert werden, d.h. Ausnahmeregelungen für wirklich chronisch Kranke Patienten geben, die aus echt dringendem Anlass so oft zum Arzt müssen)...

realitaet in griechenland

sieht aber eher so aus, das ca. 2/3 nicht mal 600 € rente erhalten...das war wohl 2010 und eine pauschale rentenkuerzung iHv 10% lag bis heute dazwischen.

wieviele griechen jetzt von so einer deckelung betroffen sein werden,
kann man sich denken.
der spareffekt duerfte somit auch gegen NULL gehen.

leider sind diese reuters/ dpa verbreiteten meldungen oftmals nur billige textbausteine die dankend von den sog. qualitaetsmedien weiter geschleudert werden.

Hier wird deutlich,

dass es sich bei der griechischen Staatspleite um ein vielschichtiges Problem handelt. Ganz sicher tragen exzessive Rentenentwicklungen ihren Teil zu dem Dilemma bei. Manchmal bekommt man geradezuden Eindruck, die Griechen hätten mit der Euro-Einführung jedes Gefühl für den Wert des Geldes verloren. Dazu kommt eine Regierung, die bei ihren Sparmaßnahmen nur den arbeitenden Teil der Bevölkerung in Anspruch nimmt, die Vermögenden aber verschont. Trotz all dieser Tatsachen bleibe ich aber dabei, dass sich das griechische Dilemma letztlich vor allem auf eine weltweite Ungleichverteilung von Vermögen und damit auf den Zinseszinseffekt zurückführen lässt. Denn alle Sparmaßnahmen dienen genau genommen nur dem Zweck, die Umverteilung von unten nach oben nicht zu blockieren. Das ist kein griechisches Problem, sondern ein Problem der Exponentialrechnung. Denn man merke sich eines: Vermögen - Schulden = 0.

http://politpoems.blogspo...

Ich würde viel lieber lesen,

dass die Reeder endlich Steuern zahlen müssen oder dass all diejenigen, die im Ausland Immobilien erwerben, mit 25 Prozent Pauschalsteuer belastet werden, die man dann nach Griechenland schickt.

Die europäische Steuergemeinschaft paukt zockende "Investoren" aus dem Schlamassel, damit hinterher bei den Patienten gekürzt wird?

Ach ja, ich vergaß: Erfolgsschlager Hartz-Reformen. In Deutschland hat man diese Umverteilung schließlich auch gemacht.

Ich bin keine Linke, nie gewesen, aber ich vermisse den Aufschrei.