Skandalbank HSBC : Profite standen über dem Gesetz

Über Jahre nutzte HSBC offenbar jede Chance, um Profit zu machen, auch gegen geltendes Recht. Jetzt dafür eine Strafe zu zahlen, könnte der Bank finanziell leichtfallen.
Irene Dorner, HSBC-Nordamerika-Chefin, und Stuart Levey, Chef der HSBC-Rechtsabteilung, in der Anhörung des Senats zu den Vorwürfen gegen ihre Bank © Mark Wilson/Getty Images

Drogengeld, Terrorunterstützung, Geldwäsche: Die Vorwürfe gegen die HSBC sind nicht neu. Schon vor neun Jahren geriet die amerikanische Tochter der Bank in den Fokus der Aufsichtsbehörden. Damals forderten die New Yorker Notenbank und die Aufseher des Bundesstaats New York das Institut auf , strikter gegen verdächtige Geldbewegungen auf seinen Konten vorzugehen. Die Bank gelobte Besserung.

Doch gebessert hat sich offensichtlich in den vergangenen Jahren so gut wie nichts. Das belegt der Untersuchungsbericht des US-Senats, in dem die Parlamentarier der HSBC jetzt vorwerfen, das US-Finanzsystem für die Geschäfte von Drogenkartellen und Terroristen geöffnet zu haben. Der 340 Seiten dicke Report listet die Verstöße detailliert auf . So wird erstmals klar, wie umfassend die Verfehlungen der Bank waren.

Die HSBC tat nichts dagegen, dass Drogenbosse ihre Dienste nutzen konnten. Sie bewegte enorme Summen über Ländergrenzen hinweg, ohne zu prüfen, woher das Geld stammte – zum Teil in Form von unlesbar unterschriebenen Dollar-Reiseschecks, einem probaten Mittel der Geldwäsche. Sie ermöglichte finanzielle Transaktionen, an denen Kunden aus dem Iran , Sudan , Birma, Kuba , Nordkorea und anderen Ländern beteiligt waren, obwohl die US-Rechtsprechung das ausdrücklich verbietet.

Allein die Transaktionen mit dem Iran beliefen sich im Zeitraum von 2001 bis 2007 auf 16 Milliarden Dollar. Die Bank ignorierte Verbindungen ihrer Kunden zum Terrorismus; und sie bot eine besondere Form von Konten an, deren Inhaber geheim bleiben konnten.

Rücktritt des HSBC-Chefkontrolleurs

All das war über Jahre hinweg gängige Geschäftspraxis, ohne dass die Aufsichtsbehörden ernsthaft etwas dagegen unternahmen. Um zu erklären, wie das geschehen konnte, wurden Topmanager der Bank am Dienstag vor das "Unterkommittee für Heimatsicherheit und Regierungsangelegenheiten" des US-Senats zitiert. Neben ihnen waren Vertreter der Finanz- und Sicherheitsbehörden als Zeugen geladen.  

Es dauerte Stunden, bis alle Fragen der Senatoren beantwortet waren. Eine Einsicht, die sich aus dem Anhörungsmarathon ergab: Offenbar war der Fehler schon in der Struktur der Bank angelegt. HSBC sei zu schnell gewachsen, sagte Stuart Levey, der Chef der HSBC-Rechtsabteilung,der vor seinem Wechsel zu dem Geldhaus als hoher Beamter des amerikanischen Finanzministeriums ausgerechnet für den offiziellen Kampf gegen die Terrorfinanzierung zuständig war. Daraus sei eine "dezentralisierte Managementstruktur" entstanden, in der sich keine übergreifenden, im ganzen Konzern gültigen Standards durchsetzen ließen.

Der Chef der internen Kontrollabteilung der Bank, David Bagley, kündigte seinen Rücktritt an. Zehn Jahre lang hatte Bagley den Posten des internen Chefkontrolleurs inne – dennoch, so erklärte er vor dem Ausschuss, habe es ihm wegen der komplexen Unternehmensstruktur der Bank an Autorität gefehlt, um in allen Abteilungen die nötigen Standards durchzusetzen.

Als internationale Großbank scheint die HSBC tatsächlich ein gutes Vehikel für dubiose Geldtransaktionen zu sein. Sie ist die viertgrößte Bank der Welt und in mehr als 80 Ländern aktiv. Lange war es erklärte Strategie des Geldhauses, mit einem dichten Filialnetz möglichst nah am Kunden zu sein: Die "lokale Bank der Welt", wie es in einem Werbespruch hieß. Erst im vergangenen Jahr verabschiedete sich der neue Chef Stuart Gulliver von diesem teuren Anspruch. 

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Kommentare

27 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Systemrelevanz

"Drogengeld, Terrorunterstützung, Geldwäsche: Die Vorwürfe gegen die HSBC sind nicht neu. Schon vor neun Jahren geriet die amerikanische Tochter der Bank in den Fokus der Aufsichtsbehörden. Damals forderten die New Yorker Notenbank und die Aufseher des Bundesstaats New York das Institut auf, strikter gegen verdächtige Geldbewegungen auf seinen Konten vorzugehen. Die Bank gelobte Besserung."
Haben Geheimdienste die Bank so weiterleben lassen?

Man kann nur hoffen, dass....

....die Personen von der Wechselstube bis zum Vorstand untersucht und ggf inhaftiert werden. Nach den Beschreibungen war das harte Bandenkriminalitat in Kollusion mit kriminellen Gruppen die Menschen töten. Die HSBC ist auch hier als Trinkaus und Burkhardt tätig.

Es ist durchaus möglich, dass die Amis sich irren und HSBC diese Dinge nicht getan hat. Aber man kann nur hoffen, dass das aufgeklärt wird und nicht mit einer Zahlung erledigt wird. Dazu sind die Verbrechen zu dreckig; zu Blut behaftet.

Ich kann mir sehr leicht vorstellen, dass man....

...auch im obersten Management und auch eines so großen Unternehmens ggf Inhaftiert. Da fallen mir eine ganze Rehe ein. Wenn ich es mir überlege, ist es in den USA fast so, dass man, kommt der Man in solcher Position bei so schwerwiegenden Dingen frei, dass er unschuldig ist. Das mag Einen hier wundern, aber meine Beobachtung scheint mir dies zu belegen.

Straftatbestände schaffen, als Verbrechen, nicht Vergehen!

Europaweit sollte die Einführung von Gesetzen, die bei Begehung der geschilderten Taten Haftstrafe nicht unter x Jahren vorsehen, unverzüglich auf die Tagesordnung kommen.

Anders als Sie schreiben, liegt kein "Fehlverhalten" vor, es handelt sich nicht um Fehler.

Wer vorsätzlich die Regeln bricht, muss gegenwärtigen, dass er nicht über dem Gesetz steht oder mit Geldzahlungen - aus der Portokasse - davon kommt.

Die EU-Regierungschefs sollten sich solche zu ergreifende Maßnahmen auf die AGENDA setzen.

Das Recht der Mächtigen oder die Macht des Rechts
- auch an dieser Weichenstellung wird sich die Zukunft eines friedlichen Europas entscheiden.

Islands Regierung setzt Kopfgeldjäger auf kriminelle Bankster an

Anstatt die Zerstörer von Weltwirtschaft und Gesellschaften mit Samdhandschuhen anzufassen und ihnen die Milliarden hinterher zu werfen, geht man in Island einen komplett anderen Weg. Dort hat man Großbanken wie Kaupthing, Glitnir und Landsbanki auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise zusammenbrechen lassen und urteilt deren Manager nun für ihre fehlgeschlagenen Spekulationen vor Gericht ab.

...Doch Islands Regierung geht nun noch einen Schritt weiter, indem sie einen Kopfgeldjäger zur Überführung von weiterhin auf freiem Fuß befindlichen Bankstern ansetzt. Der ehemalige Polizeileutnant Olafur Por Hauksson ist nun durch die Regierung damit beauftragt worden, Personen aus dem Finanzsektor zur Strecke zu bringen, die mit dazu beitrugen das heimische Bankensystem im Jahr 2008 kollabieren zu lassen.
http://www.wirtschaftsfac...

Ich denke es ist an der Zeit, diese Kriminellen nicht weiter mit Steuergeld zu füttern, sondern sie endlich für ihre Betrügerei vor Gericht zu stellen!