Die Euro-Krise sorgt weiterhin für gedämpfte Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Wie das ifo-Institut mitteilte, schätzen die Unternehmen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage und ihre Aussichten in den kommenden sechs Monaten schlechter ein als erwartet. Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel von 105,2 auf 103,3 Punkte. Es ist der dritte Rückgang in Folge und der schlechteste Wert seit März 2010.

Besonders schlecht ist die Stimmung in der Industrie. "Die Kapazitäten werden von den Unternehmen klar weniger ausgelastet", sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Hoffnungsträger bleibt das Auslandsgeschäft: Die Exporterwartungen verschlechterten sich nur leicht. Ein Grund dafür ist der schwache Euro, der deutsche Exporte in Übersee verbilligt.

Das Ifo-Institut rechnet deshalb nur mit einem Mini-Wachstum. Sowohl im zweiten als auch im dritten Quartal werde das Bruttoinlandsprodukt nur um etwa 0,1 Prozent zulegen, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. "Deutschland schlägt sich im Vergleich zum Rest von Europa gut. Es könnte noch schlimmer laufen."

Auch im Großhandel und auf dem Bau trübte sich die Stimmung ein. Einziger Lichtblick im Juli war der Einzelhandel. Hier stieg das Geschäftsklima weiter, die Kaufleute beurteilten sowohl ihre Lage als auch die Aussichten besser als im Vormonat. "Der Konsum ist weiter robust", sagte Wohlrabe angesichts spürbarer Lohnzuwächse und der steigenden Beschäftigung. "Der private Verbrauch ist noch nicht von der Krise erfasst."