Medikamente : Inder sollen kostenlose Nachahmer-Medizin bekommen

Mit einem Milliardenprogramm will Indiens Regierung seine Bevölkerung kostenlos mit Generika versorgen. Bis 2017 soll die Hälfte der Inder erreicht werden.
Nachahmermedikamente bald kostenlos? Ein indisches Kind bekommt eine Impfung gegen Polio verabreicht. © Divyakant Solanki/EPA/dpa

Indien will mit einem Milliarden-Gesundheitsprogramm die medizinische Versorgung der Bevölkerung verbessern. Künftig sollen die 1,2 Milliarden Inder umsonst sogenannte Nachahmer-Medikamente zur Verfügung gestellt bekommen. Die Pläne seien bereits im vergangenen Jahr verabschiedet, bislang aber nicht veröffentlicht worden, sagten Regierungsvertreter.

Mit der Umsetzung der Pläne soll bis Ende des Jahres begonnen werden. Bis April 2017 soll gut die Hälfte der Bevölkerung in den Genuss von kostenlosen Medikamenten kommen. Das Vorhaben hat insgesamt ein Volumen von 5,4 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr hat Indien für die Gesundheitsversorgung seiner Bevölkerung pro Kopf etwa 4,50 Dollar ausgegeben.

Ärzte bekommen künftig dann von der Regierung eine Liste mit Generika, die sie ausgeben dürfen. Die Verschreibung von Originalmedikamenten soll mit einer Strafe belegt werden.

Nachteil für die Großen?

Die kostenlose Herausgabe von Nachahmer-Medikamenten dürfte vor allem für die großen Pharmakonzernen ein Nachteil sein. Indien gilt als einer der am schnellsten wachsenden Märkte für Medikamente und ist für Unternehmen wie Bayer , Pfizer , GlaxoSmithKline oder Merck von besonderem Interesse. Von den Regierungsplänen profitieren dürften dagegen Generika-Hersteller wie Dr. Reddy's oder Cipla.

Die indische Regierung möchte mit ihren Plänen ein Gesundheitssystem reformieren, in dem die Versorgung noch oft ein Luxus ist und in dem auf Privatkliniken vier Mal so viele Ausgaben entfallen wie für staatliche Krankenhäuser. Die Nachahmer-Medikamente sollen nur in öffentlichen Kliniken angeboten werden.
 

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Kommentare

31 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Acto ist in dem Fall egal,

Indien hat eine tolle Generika Industrie und braucht nichts zu importieren. bei Acta geht es vor allem um Medikamente, die in Indien hergestellt und in Länder exportiert werden, die kein Infrastruktur für eigene Generika haben.

Teilweise sind solche in EU unter Patent, da Indien erst seit 2005 Produkte zur Patentierung zulässt. Außerdem kann es ein Compulsory Licensing geben, nach Doha Paragraph 6 mit WTO TRIPS vereinbar.

Entwicklungsleistungen.....

Nichts dagegen, allerdings geben diese Pharmaunternehmen mehr für Marketing aus, als für Forschung. Man bedenke, dass man mehr Geld für Produkte bezahlt, nur damit man hier Ärzte und Co. bestechen kann (Qualität?).

Nutzungslizenzen - ja. Allerdings auch nur bis dahin, wo die Forschungskosten (+ 20 - 30 % Gewinn) gedeckt sind.

Aber es ist schon interessant, dass man hier von Wettbewerb redet, aber Oligopolen immer bessere Mittel zum Machterhalt gibt - egal ob die Produkte besser werden oder nicht.

Werbungskosten...

sind auch Ausgaben, die in den Preis miteinfließen.

Währe es Ihnen recht, wenn Sie für ein Produkt noch zahlen müssten, wenn die Prüfung der Medikamente mit diesem Geld "freundlicher" gestaltet wird? Wäre es Ihnen recht, wenn man Ihnen das Medikament verschreibt (obwohl es ein besseres gibt), nur weil der Arzt dafür Geld bekommt (Sie aber weniger davon haben, aber für die Werbung zahlen müssten)?

Und wenn die Ausgaben für Marketing den der Entwicklung und Forschung weit übersteigen, dann sollte man sich doch fragen, inwieweit der hohe Preis für Medikamente gerechtfertigt ist. Nur weil man eine Oligopolstellung im System hat?

......

[Das ist eine ganz andere Frage und es zeigt ein ziemlich tiefgründiges Unverständnis der hinter menschlichem Handeln stehenden Zwänge und Gesetze, so zu argumentieren wie Sie.]

Eins nennen Sie aber nicht:

Diese Gesetze sind keine Naturgesetze, sondern sind von den Menschen erschaffen. Genau wie diese erschaffen wurden, können diese auch geändert werden. Es gibt mehr als Kapitalismus und Sozialismus.

Alternativlosigkeit endet immer im Fiasko, denn dahinter steht ein Naturgesetz. Anpassen oder zu Grunde gehen. Funktioniert ein System nicht mehr (oder teilweise), so muss dieser verändert bzw. durch ein anderes abgeschafft werden. Die Frage ist wohl, worauf wir unser Blickfeld richten.

Antibiotika

Ich hoffe das in Indien, Antibiotika nicht zu den kostenlos verteilten Medikamenten gehört. Ein allzu sorgloser Umgang fördert Resistenzen gegen Antibiotika und stellt ein globales Risiko für die Gesundheitsversorge dar. Deshalb hätte ich es gut gefunden wenn dieser Artikel speziell auf Antibiotika und die Risiken der Kostenlosen Verteilung eingegangen währe. Die Frage Zum Beispiel ob Antibiotika nur dann ausgegeben wird, wenn es tatsächlich medizinisch notwendig ist oder dort Antibiotika sorglos bei vielen Krankheiten ausgegeben wird, um bei Spezialmedikamenten zu sparen.

Antwort

Nein es ist nicht egoistischer Natur. Wenn ein Inder eine schwere Bakterielle Infektion hat soll Ihm das Antibiotika gegeben werden. Ich finde es auch falsch von den armen Indern zu erwarten sich an die Forschungskosten zu beteiligen, während die reichen Inder sich durchaus beteiligen könnten. Was ich meine sind leichte Infektionen,Krankheiten wo Antibiotika eingesetzt wird ohne das Antibiotika überhaubt zur Krankheit passt. Antibiotika als Allheilmittel. Antibiotika als Kostenlose Pille. Die gleiche Meinung hätte ich auch gegenüber Deutschen, wo Ärzte auch mal Antibiotika verschreiben weil Patienten meinen sie bräuchten das.

Es wird allgemein der Schatz Antibiotika nicht genug beachtet. Man siehe allein schon Massentierhaltung wo präventiv Antibiotika verabreicht wird und die toten Hühner mehrere Tage unendeckt im Stall liegen bleiben. Schrimpsfarmen etc.

Und die Forschung wird nicht so schnell neue Antibiotika liefern können, wie die Gesellschaft Antibiotika verschleißt. Der Artikel, das Indien neuerdings Medikamente kostenlos verteilt hört sich für mich nicht nur positiv an.Zumal ich schon von resistenten Erregern speziell aus Indien gehört habe. Ich hätte mir daher gewünscht das der Artikel auch mögliche negative Konsequenzen recherchiert und mit benennnt, oder zumindest meine Befürchtungen widerlegt.

Zweifelhaft

Je mehr Indien in die soziale Entwicklung, die Bildung und den Wohlstand seiner Bevölkerung investiert (und medizinische Grundversorgung gehört eindeutig dazu) - desto geringer wird letztendlich auch die Geburtenrate werden. Die veringerte Säuglingssterblichkeit und die erhöhte Lebenserwartung wiegen diesen Faktor dabei nicht auf, sodass die Bevölkerung Indiens sich mit steigendem Wohlstand und rationaler Bevölkerungspolitik (ich würde wie in China hier eine Ein-Kind-Politik forcieren) eher stabilisiert als explodiert.

Unglaublich

Das indische Bevölkerungswachstum ist ein großes Problem, dass aber mit Sichherheit nicht dadurch gelöst wird, dass man der Bevölkerung medizinische Behandlung vorenthält. Ihr Kommentar ist abstoßend bis menschenverachtend und dabei noch oberflächlich. Was wirklich dem Bevölkerungswachstum entgegenwirkt ist eine gewisse Zukunftssicherheit sowie ein hohes Bildungsniveau und sexuelle Emanzipation. Die Entwicklung all dieser Punkte wird begünstigt, wenn eine gesundheitliche Grundversorgung gewährleistet wird.