Energie: "Big Oil wird aggressiver"
Der Fotograf Edward Burtynsky reiste jahrelang um die Welt, um das Geschäft der Ölindustrie zu dokumentieren. Er sagt: Die Branche steht vor dem Todeskampf.
© Edward Burtynsky/Courtesy Nicholas Metivier, Toronto und Stefan Röpke, Köln

Öltanker, die in Bangladesch abgewrackt werden, fotografiert von Edward Burtynsky im Jahr 2000
ZEIT ONLINE: Herr Burtynsky, benutzen Sie eigentlich Tupperware?
Edward Burtynsky: Bestimmt.
ZEIT ONLINE: Dann geht es Ihnen ja wie den meisten von uns: Wir verwenden Plastikdosen und Kleidungsstücke, ohne darüber nachzudenken, dass sie Öl enthalten – einen Rohstoff, mit dem wir doch eigentlich sparsam umgehen wollen.
Burtynsky: Es ist schlicht unmöglich, sich vom Strom der Produkte und damit vom Erdöl unabhängig zu machen. Selbst unser Essen enthält in gewisser Weise Öl, wegen der Düngemittel und der Lastwagen, die Lebensmittel durchs Land fahren. Die einzige Chance, ohne Erdöl zu leben, ist in der Wildnis nach Hasen zu jagen und Fische zu fangen.
ZEIT ONLINE: Sie fotografieren seit mehr als zehn Jahren die Förderung von Öl und die Umweltschäden, die dadurch entstehen. Warum wissen wir so wenig darüber?
Burtynsky: Weil die meisten von uns in ihrer vertrauten Welt leben, zwischen Arbeit und Wohnung. Wir müssen uns die Frage nicht stellen, wo die Dinge herkommen, die uns umgeben. Bevor ich anfing, die Ölförderung zu fotografieren, ging es mir ja genauso.
ZEIT ONLINE: Wie kamen Sie damals auf das Thema?

Der kanadische Fotograf Edward Burtynsky, geboren 1955, porträtiert in Langzeit-Projekten den Einfluss der Menschen auf die Natur. Seine Fotografien wurden unter anderem in Sammlungen der National Gallery of Canada, der Bibliotèque Nationale in Paris, dem Museum of Modern Art und dem Guggenheim Museum in New York aufgenommen. In Deutschland zeigt das C/O Berlin seine Ausstellung Oil bis zum 9. September 2012.
Burtynsky: Ich war 1995 mit dem Auto unterwegs, um Kohleminen zu fotografieren. Auf der Strecke ging mir das Benzin aus. Ich saß im Wagen und bemerkte, dass die Straße gerade neu asphaltiert worden war. Dann sah ich auf mein Armaturenbrett aus Kunststoff, auf meine Kleidung mit Synthetikfasern – alles, was mich in diesem Moment umgab, war zum Teil aus Öl gemacht. Also beschloss ich, die Landschaften zu erkunden, in denen Erdöl gefördert wird und die Herstellungsprozesse zu fotografieren: in den Raffinerien, in der Konsum- und Motorkultur und schließlich auf Schrottplätzen.
ZEIT ONLINE: Was war in dieser Zeit Ihre größte Erkenntnis?
Burtynsky: Dass alles, was das Wachstum der Bevölkerung und Wirtschaft in den vergangenen Jahren angetrieben hat, auf dieser scheinbar unerschöpflichen und billigen Energieform beruht. Als ich in den fünfziger Jahren geboren wurde, gab es 2,4 Milliarden Menschen auf der Welt. Mittlerweile sind es mehr als sieben Milliarden. Dazwischen lag keine grüne Revolution, wie viele denken, sondern die Ölrevolution: Die Mechanisierung der Landwirtschaft, der Einsatz von Düngemittel hat es der Menschheit ermöglicht, so schnell zu wachsen. Der Preis ist eine ungeheure Zerstörung.
ZEIT ONLINE: Welches Bild der Zerstörung hat Sie besonders beeindruckt?
Burtynsky: Was ich in Bangladesch gesehen habe, werde ich nie vergessen. Dort zerlegen Menschen für einen Dollar am Tag die völlig verseuchten Öltanker aus der Ersten Welt. Viele erblinden durch die Gifte nach einigen Jahren, keiner wird älter als 40. Ich fühlte mich zurückversetzt in die Zeit der Industrialisierung und musste an die Beschreibungen Charles Dickens’ in Hard Times denken. Ich hätte niemals gedacht, dass Menschen auf der Welt so arbeiten.




...das ist nicht "der Mensch" sondern das komische System, in dem wir gefangen sind. Fängt mit "K" an und hört mit "apitalismus" auf.
Der Wachstumszwang geht darauf zurück, ebenso wie die Tatsache, dass man nichtmal nach Alternativen sucht. Und wenn man seine Auswüchse an einer Stelle gebändigt glaubt (Europa) wuchert er an anderer umso ungehemmter.
Dass man das ganze jetzt per neoklassischer Freihandelsdoktrin global spielt, hat die Sache noch erheblich beschleunigt und verschärft und wirft sogar die entwickelten Staaten wieder zurück.
Ich denke wer sich zehn Jahre in diesem Feld bewegt wird einiges an Wissen zu der Thematik angesammelt haben, schon allein durch den KOntakt mit entsprechenden Menschen vor Ort. Mann muss nicht immer Isaac Newton heißen, um behaupten zu können dass die Schwerkraft existiert.
so lange der "Experte" meine Meinung bestätigt glaube ich auch einem Blinden der mir die Bedeutung von Farbe erklärt.
so lange der "Experte" meine Meinung bestätigt glaube ich auch einem Blinden der mir die Bedeutung von Farbe erklärt.
Es kommt bei der Herstellung von Kunstoff nicht auf das aus Öl gewonnene Naphta an, sondern auf den Kohlenstoff.
Naphta ist zwar das häufigste Ausgangsmaterial, aber wo Erdgas verfügbar ist geht das genauso.
Das Naphta wird in Ethylen zerlegt und daraus entstehen die meisten Kunststoffe.
Soso. Wirtschaftswachsum ist also böse, weil selbstzerstörend. In Griechenland, Spanien und Italien schrumpft hingegen die Wirtschaft. Ist dies, -im Gegenzug- dann nicht mindestens auch genauso zerstörerisch, was den Menschen und die Gesellschaft betrifft? Dort betet man(wie anderswo um Regen) um Wachstum, und sie würden es sicher auch tun, wenn sie zu den 50% Jugenarbeitslosen in zB. Spanien gehören würden, auch wenn das ziemlich kurzfristg und nicht bis zum Jahr 2100 zu Ende gedacht ist.
Was ist denn die Ursache des Problems in Griechenland, wenn nicht globaler Kapitalismus?
Sicherlich kann man jetzt im Nachhinein sagen, das Griechenland Wirtschaftswachstum brauch, um aus der Krise zu kommen, aber doch auch nur, weil es als einzelnes Land im globalwirtschaftlichen Kapitalismus-System gefangen ist.
Was Sie dort anbringen ist kein Argument dagegen, das Kapitalismus bzw. Wirtschaftswachstum böse ist. Natürlich brauch Griechenland Wachstum, um aus dem momentanen Tief zu kommen, aber das auch nur, weil es durch den Wirtschaftskapitalismus in dieses Tief gedrängt wurde. Die Natur verliert immer mit.
Was ist denn die Ursache des Problems in Griechenland, wenn nicht globaler Kapitalismus?
Sicherlich kann man jetzt im Nachhinein sagen, das Griechenland Wirtschaftswachstum brauch, um aus der Krise zu kommen, aber doch auch nur, weil es als einzelnes Land im globalwirtschaftlichen Kapitalismus-System gefangen ist.
Was Sie dort anbringen ist kein Argument dagegen, das Kapitalismus bzw. Wirtschaftswachstum böse ist. Natürlich brauch Griechenland Wachstum, um aus dem momentanen Tief zu kommen, aber das auch nur, weil es durch den Wirtschaftskapitalismus in dieses Tief gedrängt wurde. Die Natur verliert immer mit.
... wird von unseren Kindern als die Generation der Ausbeuter der Welt in die Gischichtsbücher eingehen.:
Wir
- verbrennen Öl und Kohle, nur um unseren Arsch mit Ohren und 100 Kilo Ballast in einem Gefährt von A nach B zu transportieren. Der Abfall wird in die Atmosphäre geblasen und erfreut unsere Polkappen.
- spalten alles Uran und ziehen die Ampere daraus. Hinterlassen tuen wir eine Wüste unkontrollierten lebensfeindlichen Atommülls.
Wir haben also allen Nutzen und zahlen nichts. Unsere Nachkommen werden's schon richten.
Dagegen ist die Eurokrise richtiger Kleinkram. Währungsschnitte gabs im letzten Jahrhundert schon mehrmals, und wir leben alle noch. Abstraktes Gedöns!
...es sind halt Menschen ;). Niemand sitzt gerne auf der "Anklage Bank" oder ist sonderlich erpicht darauf sich zu rechtfertigen oder gar sein Leben zu ändern.
Kurde Verschwörungstheorien um schmerzliche Erkenntnis zu unterdrücken oder zu verdrängen gibt es reichlich.
Und Burtynsky hat schon recht, wir denken sehr kurzfristig. Wer redet heute noch von der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko?
Man sieht das Öl nicht mehr, also ist doch alles in Ordnung.
Ich habe seit Rio den glauben entgültig verloren, das die Menschen dazu bereit sind ihre Lebensweise zu überdenken.
mfg
Man kann die Resourcenübernutzung nicht allein auf den Kapitalismus schieben. Die "real existierenden sozialistischen" Staaten verbanden immense Umweltverschmutzung mit wirtschaftlicher Ineffizienz. Nach dem Zusammenbruch der osteuropäischen Industrie Anfang der 90er Jahre konnte man eine deutliche Verbesserung von Luft- und Wasserqualität in Osteuropa feststellen. Übernutzung gab es schon immer, auch in nichtkapitalistischen Gesellschaften. Die absoluten Dimensionen der Übernutzung summieren sich jetzt aber zu einer globalen Bedrohung. Langfristig kann nur eine nachhaltige Nutzung die menschlichen Gesellschaften sichern, Wachstum führt irgendwann zum Kollaps, das ist nur eine Frage der Zeit.
In der Rubrik "Mehr zu diesem Thema" unterhalb des Interviews ist eine Bildergalerie des Fotografen enthalten.
http://www.zeit.de/wirtsc...
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