JahresberichtIWF rügt Euro-Krisenmanagement

Probleme werden ignoriert, die richtigen Werkzeuge fehlen: Der IWF kritisiert die Euro-Länder und ihre Krisenpolitik. Reformen wie die Bankenunion müssten schnell kommen.

Mehr als zwei Jahre nach Ausbruch der Schuldenkrise in Europa stellt der Internationale Währungsfonds (IWF) der EU ein schlechtes Zeugnis aus. Die sich immer weiter verschärfende Krise sei ein Zeichen dafür, "dass die Ursachen dafür weiter nicht angegangen werden", kritisierte der IWF in seinem jährlichen Bericht. Der Weltwährungsfonds kommt darin zu dem Schluss, dass der Euro-Zone nach wie vor die grundlegenden Werkzeuge fehlten, um mit einem der Kernprobleme der Krise fertig zu werden.

In der Euro-Zone bestehe die Gefahr einer Deflation, also der Kombination von Preisverfall und Wirtschaftskrise. Besonders den Krisen-Ländern wie Griechenland, Spanien oder Italien könne dies schwer schaden. In der Euro-Zone gebe es "ungefähr eine 25-prozentige Wahrscheinlichkeit", dass es bis zum Frühjahr 2014 dazu kommen könnte, schreibt der IWF in seinem Bericht.

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Der IWF lobte in dem Bericht aber die Beschlüsse des EU-Gipfels von Ende Juni. Sie seien ein "Schritt in die richtige Richtung“. Die europäischen Staats- und Regierungschefs hatten vereinbart, auf eine Bankenunion hinzuarbeiten. Dabei sollen die Finanzinstitute einer gemeinsamen Aufsicht unterstellt und ein gemeinsamer Sicherungsfonds für Spareinlagen geschaffen werden. Dies ist aber umstritten.

Schritte Richtung Fiskalunion

Der IWF bekräftigte seine Forderung einer "vollständigen Bankenunion" mit "größerer zentralisierter Risikoteilung". Die Europäische Zentralbank (EZB) forderte den Währungsfonds auf, im Kampf gegen die Krise die Geldpolitik weiter zu lockern. Er empfahl unter anderem weitere Zinssenkungen, einen verstärkten Ankauf von Staatsanleihen besonders gefährdeter Länder in der Euro-Zone sowie zusätzliche Geldzuschüsse.

Der Währungsfonds empfahl zudem, die Haushaltspolitik der Staaten stärker zu koordinieren und damit Schritte in Richtung einer Fiskalunion zu gehen. Dazu gehörten auch geteilte Risiken: Die Euro-Staaten sollten "begrenzte, aber fortschreitende Formen der Vergemeinschaftung von Schulden" einführen. Dies sei etwa durch gemeinsame Staatsanleihen möglich. Auch ein Schuldentilgungsfonds, den Deutschland bislang ablehnt, könnte demnach hilfreich sein.

Die Euro-Krisenländer leiden unter hoher Arbeitslosigkeit, Bankenproblemen und schwacher Konjunktur. Griechenland bemüht sich weiter, eine Erleichterung seiner harten Sparauflagen zu erreichen. Die neue Regierung will Sparmaßnahmen über 11,5 Milliarden in den Jahren 2013 und 2014 auf die Jahre 2015 und 2016 verteilen. Die Wirtschaft des Euro-Krisenlandes wird nach Schätzungen auch dieses Jahr um fast sieben Prozent schrumpfen.

 
Leserkommentare
    • DDave
    • 18.07.2012 um 18:47 Uhr

    Die Probleme werden nicht angegangen, z.B. das Problem der fehlenden Bankenpleite.
    Unternehmen sind genauso systemrelevant wie Banken, aber komischerweise gibt es immer noch eine Wirtschaft, obwohl nicht nur Schlecker und Neckarmann Insolvenz angemeldet haben.
    Somit ist es noch nicht zu spät Banken pleite gehen zulassen, z.B. die HRE, Landesbanken, sowie einige andere europäische und deutsche Banken.
    Wenn der Markt erstmal die Finanzplätze gereinigt hat, dann sind auch Forderungen wie Bankenunion, gemeinsamer Sicherungsfonds nicht mehr nötig.

    5 Leserempfehlungen
  1. 2. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung
  2. Die Äußerungen von Fr. Lagarde laufen darauf hinaus, dass Deutschland und damit der deutsche Steuerzahler für die wirtschaftlichen/finanziellen Unzulänglichkeiten der übrigen EU-Staaten in Form von „Vergemeinschaftung“ der Schulden bezahlen soll. Meine letzte Hoffnung ist der 12 September in Form des BVerfG, dass hoffentlich diesen Irrsinn endgültig stoppen wird.

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    ... europaweite Gemeinsamkeiten, wozu auch eine einheitliche Steuerpolitik, sowie übernationale Organisationen mit weitreichenden Handlungsbefugnissen und - im Vergleich zu den nationalen Pendants - atemraubenden Möglichkeiten gehören. Sonst kann es mit einem "geeinten Europa" niemals etwas werden.

    Man darf solche Umwälzungen aber nicht unter dem Eindruck von brutalen Machtdemonstationen vornehmen, bei denen man dem Gegenüber -- hier konkret der Finanzindustrie -- den Gewinn garantiert und quasi um weitere Probleme bettelt. So kann man zu keinem machtbewussten, auch deshalb ernst genommenen, Akteur werden.

    Ebenso sind, aus einfach erkennbaren Gründen und Motiven, bestehende Verträge und Gesetze peinlich genau einzuhalten. Die jetztige Situation, die EU-Verträge zu umgehen oder auszuhebeln, und nicht einmal vor der eigenen Verfassung Respekt zu haben, ist ein deutliches Zeichen für Kontrollverlust.

    Ich denke also, wir Europäer müssen uns bewegen, dürfen uns die Handlungen und Bedingungen aber nicht von eigentlich schwächeren und zudem von uns allen abhängigen Unternehmungen und Organisationen diktieren lassen.

    Schon die Manipulationen und Forderungen bezüglich "systemrelevanter" Banken innerhalb Deutschlands hätten nie so weit gehen dürfen, wie wir praktisch erlebt haben. Die Schwäche (oder Eingebundenheit in Interessenzirkel), die sich dabei manifestiert hat, muss zwangsläufig -- auch das gut zu beobachten -- zu noch weitergehenden Forderungen führen.

    Kai Hamann

    ... europaweite Gemeinsamkeiten, wozu auch eine einheitliche Steuerpolitik, sowie übernationale Organisationen mit weitreichenden Handlungsbefugnissen und - im Vergleich zu den nationalen Pendants - atemraubenden Möglichkeiten gehören. Sonst kann es mit einem "geeinten Europa" niemals etwas werden.

    Man darf solche Umwälzungen aber nicht unter dem Eindruck von brutalen Machtdemonstationen vornehmen, bei denen man dem Gegenüber -- hier konkret der Finanzindustrie -- den Gewinn garantiert und quasi um weitere Probleme bettelt. So kann man zu keinem machtbewussten, auch deshalb ernst genommenen, Akteur werden.

    Ebenso sind, aus einfach erkennbaren Gründen und Motiven, bestehende Verträge und Gesetze peinlich genau einzuhalten. Die jetztige Situation, die EU-Verträge zu umgehen oder auszuhebeln, und nicht einmal vor der eigenen Verfassung Respekt zu haben, ist ein deutliches Zeichen für Kontrollverlust.

    Ich denke also, wir Europäer müssen uns bewegen, dürfen uns die Handlungen und Bedingungen aber nicht von eigentlich schwächeren und zudem von uns allen abhängigen Unternehmungen und Organisationen diktieren lassen.

    Schon die Manipulationen und Forderungen bezüglich "systemrelevanter" Banken innerhalb Deutschlands hätten nie so weit gehen dürfen, wie wir praktisch erlebt haben. Die Schwäche (oder Eingebundenheit in Interessenzirkel), die sich dabei manifestiert hat, muss zwangsläufig -- auch das gut zu beobachten -- zu noch weitergehenden Forderungen führen.

    Kai Hamann

  3. Bis Europa auf demokratischer Grundlage - mit Volksentscheiden - und mittels Installation basisdemokratischer Strukturen umgebaut werden kann, wird es noch etwas dauern. Der Aufbau Europas kann aber nur so erfolgen.

    Eine diktatorische, undemokratische Vorgehensweise ist abzulehnen und äußerst gefährlich für uns alle. Die Europäer wollen kein von den "Märkten" regiertes und gemäß ihren Anforderungen strukturiertes Europa, das irgendwann durch Volksaufstände und Chaos unbewohnbar wird.

    Aber trotzdem kann sofort etwas getan werden. Wir müssen sofort die globale Finanzbranche regulieren und die Angriffe gegen die Staaten Europas unterbinden - die im Wechselspiel von globalen Banken und Ratingagenturen durchgeführt werden (Zins erhöhen, weil Rating schlecht - Rating abwerten, weil Zins hoch - Zins erhöhen, weil ...). Sonst werden der Reihe nach alle europäischen Länder angegriffen werden, auch und gerade Frankreich und Deutschland.

    Erschreckend - was Banken so treiben: Europa wird angegriffen, einfache Bürger, der Mittelstand und die Realwirtschaft werden abgezockt und in Bedrängnis gebracht (z.B. Libor), kriminelle Machenschaften werden durchgezogen - alles für den Profit! Zumindest wir in Europa müssen uns dagegen schützen - durch Regulierung, weitgehende Regeln und Strafen bei Fehlverhalten für die Finanzbranche.

    Zähler auf fast 30'000:

    http://www.verfassungsbes...

    Petition:

    http://www.avaaz.org/de/b...

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    "Bis Europa auf demokratischer Grundlage - mit Volksentscheiden - und mittels Installation basisdemokratischer Strukturen umgebaut werden kann, wird es noch etwas dauern. Der Aufbau Europas kann aber nur so erfolgen." -

    Das wollen Sie uns nicht wirklich an tun, oder?

    "Bis Europa auf demokratischer Grundlage - mit Volksentscheiden - und mittels Installation basisdemokratischer Strukturen umgebaut werden kann, wird es noch etwas dauern. Der Aufbau Europas kann aber nur so erfolgen." -

    Das wollen Sie uns nicht wirklich an tun, oder?

  4. Niedrigzinspolitik + hohe Staatsverschuldung + inflationär hoher Geldumlauf + Niedriglohnpolitik (reale Einkommensverluste der breiten Bevölkerung) = japanische Krankheit.

    Schon mal jemand über höhere Zinsen nachgedacht? JA: Ich kenne die ökonomischen Modelle. In Japan sieht man die Folgen.

    DAS PROBLEM: Kapital ist etwas anderes als Papiergeld. Deflation haben wir, weil niemand mehr Vertrauen in die Märkte hat. Da hilft alles Papiergeld nichts. Nicht einmal eine Inflation. Negativzinsen heißt: Geh woanders hin. Arbeite woanders. Investiere woanders.

    Sonderfall USA: Das Kapital hat sich großenteils schon ausgelagert (siehe Indusrtrieverlagerung, siehe erst jüngst wierdeer Romneys Geldanlagen), das Desaster ist nur noch nicht so sichtbar, weil Weltwährung etc.

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  5. Mit ihren Wundermitteln haben IWF und Weltbank schon ganze Kontinente für Jahrzehnte in den wirtschaftlichen Tiefschlaf versetzt.

    Jetzt sind sie in Europa angekommen. Wir brauchen euch nicht, auch keine Fiskalunion.

    Unser Geldsystem ist dank Giralgeldschöpfung und Zinseszinsmechanismus hoffnungslos aus dem Ruder gelaufen. Das ist das Kernproblem, für die es keine sog. Hilfen bzw. Rettungen mehr gibt. Was hier inszeniert wird ist der restlose Ausverkauf unserer Volkswirtschaften - so lange wie noch möglich.

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    @ albert.berlin 18.07.2012 um 19:01 Uhr
    6. Restloser Ausverkauf statt Hilfen

    "Unser Geldsystem ist dank Giralgeldschöpfung und Zinseszinsmechanismus hoffnungslos aus dem Ruder gelaufen"

    Und das ist systemimmanent!

    "Die Euro-Krise ist jedoch nicht nur ein währungsspezifisches Phänomen.
    Die Krise reflektiert auch das Endstadium unseres Geldsystems.
    Dieses beruht auf eine stetige Ausweitung der globalen Schuldenmenge.
    Letztlich ist mit der Einführung des Euro die Enteignung deutschen Volksvermögens eingeleitet werden"
    Prof. Senf
    mmnews.de/mmnewstv/%3Cwbr%3E5440-euro-diefalle-schnappt-zu#13426878387802&if_height=206

    Das bedeutet,

    a) egal, was beschlossen, verkündet, beteuert, angemahnt, gefordert, gerügt, gelobt wird, die sogen. "Rettung" des Kunstproduktes Euro bedeutet für Deutschland den Ausverkauf.

    b) auch die Einführung einer nationalen Währung für Deutschland wird bei Beibehaltung des Zinssystems irgendwann systemimmanent wieder zu unbeherrschbaren Schulden führen

    c) ist der Gedanke der zinsfreien Finanzierung vor allem staatlicher Aufgaben ein logischer Schluss

    d) müssen die Grundübel - Geldsystem, unkontrollierbarer Fusionen, auch ein Eurosien gehört dazu - behoben werden.

    Prof. Bernd Senf EURO ist FEHLKONSTRUKTION
    youtube.com/watch?v=zNdYekfUJ5M

    Hintergründe zum Euro-Crash
    freitag.de/autoren/haraldmuenzhardt

    Ganz tolle Lösungen
    "Geldlawine" Jörg Gastmann

    @ albert.berlin 18.07.2012 um 19:01 Uhr
    6. Restloser Ausverkauf statt Hilfen

    "Unser Geldsystem ist dank Giralgeldschöpfung und Zinseszinsmechanismus hoffnungslos aus dem Ruder gelaufen"

    Und das ist systemimmanent!

    "Die Euro-Krise ist jedoch nicht nur ein währungsspezifisches Phänomen.
    Die Krise reflektiert auch das Endstadium unseres Geldsystems.
    Dieses beruht auf eine stetige Ausweitung der globalen Schuldenmenge.
    Letztlich ist mit der Einführung des Euro die Enteignung deutschen Volksvermögens eingeleitet werden"
    Prof. Senf
    mmnews.de/mmnewstv/%3Cwbr%3E5440-euro-diefalle-schnappt-zu#13426878387802&if_height=206

    Das bedeutet,

    a) egal, was beschlossen, verkündet, beteuert, angemahnt, gefordert, gerügt, gelobt wird, die sogen. "Rettung" des Kunstproduktes Euro bedeutet für Deutschland den Ausverkauf.

    b) auch die Einführung einer nationalen Währung für Deutschland wird bei Beibehaltung des Zinssystems irgendwann systemimmanent wieder zu unbeherrschbaren Schulden führen

    c) ist der Gedanke der zinsfreien Finanzierung vor allem staatlicher Aufgaben ein logischer Schluss

    d) müssen die Grundübel - Geldsystem, unkontrollierbarer Fusionen, auch ein Eurosien gehört dazu - behoben werden.

    Prof. Bernd Senf EURO ist FEHLKONSTRUKTION
    youtube.com/watch?v=zNdYekfUJ5M

    Hintergründe zum Euro-Crash
    freitag.de/autoren/haraldmuenzhardt

    Ganz tolle Lösungen
    "Geldlawine" Jörg Gastmann

  6. ' Griechenland bemüht sich weiter, eine Erleichterung seiner harten Sparauflagen zu erreichen'
    Wenn es sich ja statt dessen um Reformen bemühen würde ......

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    Reform heisst ja Wiederherstellung.....was genau soll wieder hergestellt werden? Der Status Quo ante Troika? Schön wär´s....geht aber nimmer.

    Reform heisst ja Wiederherstellung.....was genau soll wieder hergestellt werden? Der Status Quo ante Troika? Schön wär´s....geht aber nimmer.

    • Marula
    • 18.07.2012 um 19:05 Uhr

    Und wieder einmal die letzte Chance für Europa. Nicholas Spiro, Geschäftsführer bei Spiro Sovereign Strategy in London, meinte laut "Daily Telegraph", der IWF-Bericht sei wie eine "Wunschliste von Investoren", gerichtet an Deutschland und die EZB.
    Die Wunschliste der Steuerzahler sähe wohl anders aus.

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