Währungsfonds-Bericht : IWF hält Deutschlands Exportstärke für riskant

Der Internationale Währungsfonds attestiert Deutschlands Wirtschaft Solidität, warnt aber vor ihrer Exportabhängigkeit. Die Regierung müsse die Binnennachfrage stärken.
Fahrzeuge von Audi und Volkswagen im Hafen von Emden © Sean Gallup/Getty Images

Deutschland muss seine Wirtschaft nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds möglichst schnell aus der Abhängigkeit von anderen Teilen der Welt befreien. Die derzeit beachtliche ökonomische Lage in der Bundesrepublik stütze sich zu sehr auf den Export, sagte IWF-Volkswirt Subir Lall, als er einen entsprechenden Länder-Bericht vorstellte . Der derzeit gute wirtschaftliche Ausblick könne sich deutlich eintrüben, wenn die Konjunktur außerhalb deutscher Grenzen nachlasse, Ölpreise scharf anstiegen oder sich die Eurokrise verschärfe. Deutschland müsse mehr tun, um die Nachfrage im Inland zu erhöhen.

Insgesamt halten die IWF-Experten Deutschlands Wirtschaft für verwundbar. Eine Verschärfung der Euro-Schuldenkrise könnte die Aussichten auf anhaltendes Wachstum zunichte machen. "Deutschland ist eine der offensten großen Volkswirtschaften weltweit", schrieben die Fonds-Experten in dem Bericht. Das mache Deutschland aber extrem anfällig für negative Entwicklungen von außen, sowohl in der Euro-Zone als auch in der Weltwirtschaft.

Auch die Industriestaatenorganisation OECD hatte vor wenigen Tagen vor den Risiken der Euro-Krise gewarnt. Die Einschätzung des Währungsfonds stützt sich auf einen Besuch von IWF-Mitarbeitern in Deutschland von Ende April bis Anfang Mai, bei dem sie auch mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) und Bundesbankchef Jens Weidmann sprachen.

Gefährliche Abwärtsrisiken

Der Fonds nannte es bemerkenswert, wie Deutschland bislang durch alle Widrigkeiten gesteuert sei. Er erhöhte denn auch seine Prognose für das deutsche Wachstum im laufenden Jahr um 0,4 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. Die Schätzung für das kommende Jahr nahm der Fonds aber um 0,1 Prozentpunkte auf 1,4 Prozent zurück. Allerdings deute einiges darauf hin, dass insbesondere die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt langsam ende.

Aufgabe der Politik sei es, die deutsche Wirtschaft stärker gegen Abwärtsrisiken abzusichern, schrieben die Fachleute. Dabei gehe es neben der Stabilisierung der Euro-Zone auf mittlere Sicht vor allem um eine Stärkung des Wachstumspotenzials.

Die deutsche Finanzentwicklung beurteilte der Fonds positiv. Die Defizitquote des Staates werde von einem Prozent der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr auf 0,7 Prozent in diesem und auf 0,4 Prozent im nächsten Jahr fallen. Insgesamt befinde sich die Entwicklung der öffentlichen Finanzen auf einem guten Weg, auch wenn die Gesamtverschuldung des deutschen Staates im nächsten Jahr oberhalb von 80 Prozent bleiben werde.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Äusserst spannend...

...das mittlerweile gar der IWF Thesen von sich gibt, die die Partei DIE LINKE in Deutschland schon lange vertritt.

Diese Aussagen lesen sich wie eine Rede des geschätzten Dr. Gregor Gysi.

Wen das irritiert... sollte sich vielleicht mal über die Springer/Bertelsmann Propaganda hinaus über die Partei DIE LINKE informieren.

Die Linke hat nicht.....

.....immer unrecht. Vieles ist unsinnig. Aber es ist sicher, dass es den meisten Deutschen schlechter gegangen ist diese letzten Jahre, weil Deutschland so viel Exportüberhang hatte. Da nun auch noch die Ersparnisse in der Krise verschwunden sind, steht auch zukünftiger Konsum geringer zu sein, als man sparte.

Ja. Das Deutsche Modell war und ist defekt. Ganz schlecht wurde es mit dem Eurobeitritt. Aber das ist eigentlich nie ein Geheimnis gewesen. Nur wollte es keiner hören. Ich habe im Laufe der Jahre viele Gespräche zu diesem Thema geführt.

nicht immer unrecht...

... will ja implizieren das sie zumeist unrecht hätten.

Nun, nachdem ich in den letzten Jahren viele Bundestagsreden der Linken verfolgt habe, muss ich sagen, das es, bis auf einige wenige ewig gestrige in der Partei (zu unrecht von den Springer/Bertelsmann Lohnschreibern als regelfall deklariert um die ganze Partei, ja die gesamte Linke politische Gesinnung, zu diffamieren), die Linke die einzige Partei ist, die die Konzepte hat, die uns von kompetenten (Kapitalismusaffinen) Leuten dann ein paar Jahre später empfohlen werden.

Die Fähigkeit der Linken, Politikprophetie zu betreiben ist unangefochten groß, ich glaube, sie sollte die möglichkeit haben, diese Kompetenz umzusetzen. Eine starke Linke würde uns weiterhelfen.