Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker hat vor einem Zerfall der Euro-Zone gewarnt. Um den Euro zu retten, sei keine Zeit mehr zu verlieren, sagte Juncker der Süddeutschen Zeitung . "Wir sind an einem entscheidenden Punkt angekommen", sagte Juncker weiter. "Wir müssen jetzt mit allen verfügbaren Mitteln überaus deutlich machen, dass wir fest entschlossen sind, die Finanzstabilität der Währungsgemeinschaft zu gewährleisten."

Zugleich bestätigte der Euro-Gruppen-Chef, dass sich die Euro-Länder zusammen mit dem Rettungsfonds EFSF und der Europäischen Zentralbank (EZB) darauf vorbereiten, notfalls Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder aufzukaufen. Daran bestehe kein Zweifel, sagte er. "Es ist noch zu entscheiden, was genau wir wann machen werden."

Die Welt rede darüber, ob es die Euro-Zone in einigen Monaten noch gebe, kritisierte Juncker. Deswegen stünden alle Länder und Institutionen nun noch entschiedener zur Währungsunion: "Wir sind fest entschlossen, den Euro in seinem Bestand, also mit allen Euro-Ländern, und in seiner Bedeutung zu halten. Alles Geschwätz über den Austritt Griechenlands ist da nicht hilfreich."

"Deutschland behandelt Euro-Zone wie eine Filiale"

Ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion gehöre "nicht zu meiner Arbeitshypothese", fügte der Eurogruppen-Chef hinzu. "Wer denkt, dass die Probleme dadurch behoben würden, dass man Griechenland ausschließt oder fallen lässt, hat die eigentlichen Ursachen der Krise nicht erkannt."

Zuletzt hatte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) gesagt, für ihn habe ein Austritt Athens "längst seinen Schrecken verloren". Weitere Politiker der Regierungskoalition hatten sich ähnlich geäußert.

Juncker warf Deutschland vor, es mache "andauernd Innenpolitik in Sachen Euro-Fragen". "Warum behandelt Deutschland die Euro-Zone wie eine Filiale?", fragte er. Juncker sprach sich ferner für die Einführung eines hauptamtlichen "europäischen Finanzministers" aus. Dieser müsse "eine prominente Persönlichkeit sein, die durchaus nationale Haushaltspläne stoppen kann".

Über die Probleme in der europäischen Währungsunion wollen auch US-Finanzminister Timothy Geithner und sein deutscher Kollegen Wolfgang Schäuble ( CDU ) sprechen. Geithner besucht Schäuble in dessen Urlaubsort auf der Nordseeinsel Sylt . Am Abend wollte Geithner dann den EZB-Präsidenten Mario Draghi in Frankfurt am Main treffen. Geithner hat die Europäer wiederholt aufgefordert, die Euro-Krise durch beherzte Maßnahmen zu überwinden.