Umweltminister Peter Altmaier (CDU) mit dem Vizepremier Katars, Abdullah bin Hamad al Attiyah © Wolfgang Kumm/GettyImages

Wenn Claudia Salerno und Todd Stern an einem Tisch sitzen und keine Gläser zu Bruch gehen, ist das im Kontext internationaler Klimaverhandlungen schon ein großer Erfolg. Claudia Salerno ist die Chefverhandlerin Venezuelas und bei mehreren Klimagipfeln durch eher bizarre Äußerungen aufgefallen. Todd Stern ist Chefverhandler der USA und hat 1997 schon einen ernsthaften Beitritt seines Landes zum Kyoto-Protokoll für Bill Clinton verhindert, bevor dessen Nachfolger George W. Bush den endgültigen Abschied von einem globalen Klimaabkommen verkündet hat. Beide saßen am Montag und Dienstag beim 3. Petersberger Klimadialog friedlich an einem runden Tisch in Berlin und bekundeten im Kreis von 33 weiteren Umweltministern den Willen, das "Verleumden und Bloßstellen" in der Klimapolitik zu unterlassen. So hat es der deutsche Umweltminister Peter Altmaier ( CDU ) am Dienstag berichtet – allerdings ohne die beiden Antipoden zu nennen.

Der 18. Weltklimagipfel, der Ende des Jahres in Katar stattfinden wird, dürfte etwas ganz Besonderes werden. Denn erstmals ist ein Gas- und Ölförderland Gastgeber der Verhandlungen. Katars Vizepremier Abdullah bin Hamad al Attiyah, der die Konferenz gemeinsam mit Altmaier geleitet hatte, sprach von "sehr konstruktiven Gesprächen" und davon, dass der Gipfel in Doha ein "Erfolg" werden könnte. Am Montag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erläutert, worin ein Erfolg in Doha bestehen könnte. Sie wünscht sich die Vereinbarung eines Verhandlungsfahrplans bis 2015. Denn dann soll, so hat es der 17. Klimagipfel in Durban vor einem halben Jahr beschlossen, ein umfassendes Weltklimaabkommen beschlossen werden, das 2020 in Kraft treten soll.

Zudem erhofft sich Merkel einen Finanzierungsfahrplan, der den schon beim gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen beschlossenen Grünen Klimafonds von 2020 an mit jährlich 100 Milliarden Dollar füllen soll. Bonn bewirbt sich um den Sitz des Klimafonds. Die Entscheidung über den Sitz soll ebenfalls in Doha fallen. Die 35 versammelten Umweltminister und Klimaverhandler einigten sich in Berlin darauf, sich diesen Wünschen der Kanzlerin anzuschließen. Das würde einem Verhandlungsmandat entsprechen, und das wäre die Basis für ein Abkommen.

Altmaier betonte, dass alle – also auch Todd Stern, der Ölminister Saudi-Arabiens, Ali bin Abrahim al Naimi, und die indische Vertreterin Rajani Ranjan Rashmi – der Auffassung seien, dass schon vor dem Abschluss des Abkommens konkrete Klimapolitik gemacht werden müsse. Und zwar überall. Dass Katar, das mit dem Klimagipfel in Doha seinen Ruf als fortschrittliches Gasförderland schärfen möchte, mit eigenen Initiativen vorangehen könnte, ist jedoch unwahrscheinlich. Abdulla bin Hammad al Attiyah regte sich am Dienstag mächtig darüber auf, dass die Vereinten Nationen den Treibhausgasausstoß seiner Mitgliedsländer auch auf den Pro-Kopf-Ausstoß heruntergerechnet hat. Denn Katar liegt dabei mit 55,42 Tonnen pro Kopf und Jahr einsam an der Spitze. Nicht einmal die USA haben einen vergleichbaren Lebensstil zu bieten.

Doch der Vizepremier sieht das als "Trick der großen Länder". Denn immer seien die "kleinen Länder das Opfer der großen Länder". Die Luft in Doha sei klar, und das von Katar geförderte Erdgas im Vergleich zu Öl oder Kohle klimafreundlich. Altmaier mühte sich sichtlich, den Präsidenten des bevorstehenden Klimagipfels über den Klee zu loben, und behauptete, es sei ein "Glücksfall", dass Katar das Gastgeberland sei.

Erschienen im Tagesspiegel