KrisenpolitikAmerika wächst, Europa spart

Was hilft in der Krise? Die EU und die USA könnten voneinander lernen. Beide brauchen eine Strategie, die Wachstum und Schuldenabbau ins Gleichgewicht bringt.

Angela Merkel und Barack Obama auf dem G-20-Gipfel im Mai 2012

Angela Merkel und Barack Obama auf dem G-20-Gipfel im Mai 2012

Ist Amerika ein Vorbild? Rund um den Globus verdüstern sich die Konjunkturaussichten. Die Euro-Zone rutscht in eine Rezession. Die US-Wirtschaft aber wächst. In jedem der letzten zwölf Monate kamen 80.000 bis 250.000 neue Jobs hinzu. Die Arbeitslosenrate ist noch hoch (8,2 Prozent), sinkt aber seit zwei Jahren. Offenbar gehen die USA mit diesem Teil der Krise – der Aufgabe, Wachstum zu schaffen – besser um als Europa.

Lässt sich daraus lernen? Ja. Die EU muss sich freilich auch nicht verstecken. Die Krise hat eine zweite Seite, die öffentliche Verschuldung. Alle Welt redet von der Schuldenkrise im Euro-Raum. Tatsächlich sind die Zahlen für die USA beunruhigender. Die öffentlichen Schulden betragen 16 Billionen Dollar, mehr als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). In der EU liegen die Schulden bei 82 Prozent des BIP, in der Euro-Zone bei 87 Prozent. Europa hat begonnen, den Anstieg zu bekämpfen, nicht zuletzt auf deutschen Druck. Die USA verschulden sich weiter, liegen gleichauf mit Portugal und Irland und bewegen sich auf italienische Verhältnisse zu. Sollten sie also von Europa lernen?

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In der aktuellen Krise ist Amerika besser darin, Wachstum zu schaffen – und Europa darin, die Schuldenspirale zu bekämpfen. Doch beide achten zu wenig auf die Konsequenzen. Nötig wäre eine Strategie, die Wachstum und Schuldenabbau ins Gleichgewicht bringt. Die USA machen Konjunkturpolitik, ohne sich um die Schulden zu scheren. Europa betreibt Budgetsanierung, als müsste es sich um das Wachstum nicht kümmern. In beiden Fällen wird der Preis nun beunruhigend hoch. So hoch, dass er den jeweiligen Erfolg zunichtemacht. Amerikas Wachstum ist zu sehr über neue Schulden finanziert und wird in Rezession umschlagen, sobald der Zwang zur Budgetdisziplin unausweichlich wird. Europas Schuldenkonsolidierung ist prinzipiell richtig. Wenn sie aber eine Rezession auslöst und die Steuereinnahmen einbrechen, ist kein Geld da, um die Schulden abzubauen.

In Amerika droht der Absturz zum Jahreswechsel. Dann rächt sich, dass die US-Politik die Probleme seit Jahren vor sich hergeschoben hat. Im Januar 2013 greifen die "automatischen Kürzungen" in den Verteidigungs- und Sozialetats, auf die sich Demokraten und Republikaner im Sommer 2011 bei der letzten Erhöhung der Schuldenobergrenze geeinigt hatten – ein fauler Kompromiss, damit kein Lager seiner Klientel im Wahljahr 2012 Einsparungen zumuten musste. Parallel enden Bushs Steuererleichterungen für alle Einkommensklassen. Und es laufen die reduzierten Sätze für die Sozialabgaben aus; sie waren in der Finanzkrise herabgesetzt worden, damit die Bürger mehr Geld im Portemonnaie haben, um es auszugeben und die Konjunktur anzukurbeln. Auch dieses Geschenk wurde durch neue Schulden finanziert, da die Auszahlungen aus den Sozialkassen nicht sanken.

Wenn alle drei Änderungen 2013 greifen, wird der US-Wirtschaft Kaufkraft in Höhe von drei bis vier Prozent des BIP entzogen; das zarte Wachstum schlüge in Rezession um. Wenn der Kongress dagegen die Vergünstigungen verlängert, werden die US-Schulden weiter steigen.

Die USA und Europa tun so, als gäbe es nur Wachstum auf Pump, durch Konjunkturprogramme und Steuergeschenke. Oder Sparen in die Rezession. Das gleicht der Wahl zwischen Pest und Cholera. Höchste Zeit für intelligentere Krisenrezepte. Auch mit Reformen sowie dem Abbau von Bürokratie und Wettbewerbshindernissen kann man Wachstum schaffen. Amerika und Europa kämen besser aus der Krise – und die Weltwirtschaft mit.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leserkommentare
  1. "Die USA verschulden sich weiter, liegen gleichauf mit Portugal und Irland und bewegen sich auf italienische Verhältnisse zu."

    Jetzt muss auch noch die USA unter den Rettungschirm!

    Für den Fiskalpakt sind sie viel zu weit gegangen.

    5 Leserempfehlungen
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    "Jetzt muss auch noch die USA unter den Rettungschirm!"
    **********************
    Können wir nicht alle drunter kuscheln?

    "Jetzt muss auch noch die USA unter den Rettungschirm!"
    **********************
    Können wir nicht alle drunter kuscheln?

    • Chali
    • 16.07.2012 um 15:14 Uhr

    ... ins Gleichgewicht bringt"

    Ja, die müsste man haben!

    Dazu müsste aber vorab(!) mindestens sichergestellt werden, dass die Banken nicht private Schulden schneller sozialisieren als die Steuerzahler geschröpft werden.

    Dann müsste Schluss sein mit dem System, für das die Banken relevant sind.

    Und genau das kann ja niemand wollen.

    2 Leserempfehlungen
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    • Chali
    • 16.07.2012 um 15:33 Uhr

    Oh ja, sicher. Zunächst einmal, dass "die öffentliche Verschuldung" mit der ganzen Sache nichts zu tun hat, mag auch "alle Welt" davon reden. Es redet ja auch nicht "alle Welt" davon, sondern nur die "deutschen Ökonomen".)

    Dann:
    Dass die Krise auch noch andere Seiten hat, so zum Beispiel die private Verschuldung, in Spanien AKA Immobilien-Blase.

    Was nun die Gleichsetzung von "Wachstum der US-Wirtschaft" mit neuen Jobs anbetrifft, so sollten wir, die deutschen Normalbürger, das eher fürchten. Die neuen Jobs sind billig und prekär, d,h., "wir" dürfen für mehr dafür zahlen. Denn wir sind es ja, die diese Art "Arbeit" subvebtionieren.

    • Chali
    • 16.07.2012 um 15:42 Uhr

    ... ins Gleichgewicht bringt"

    Die müsste dann auch sicherstellen, dass sich das Wachstum auch dem Staatshaushalt in Form von Steuern zufliesst.

    Da gibt es freilich ein probates Mittel:
    Unternehmenssteuern herunter, AKA Steuergeschenke auf Pump.

    • Chali
    • 16.07.2012 um 15:33 Uhr

    Oh ja, sicher. Zunächst einmal, dass "die öffentliche Verschuldung" mit der ganzen Sache nichts zu tun hat, mag auch "alle Welt" davon reden. Es redet ja auch nicht "alle Welt" davon, sondern nur die "deutschen Ökonomen".)

    Dann:
    Dass die Krise auch noch andere Seiten hat, so zum Beispiel die private Verschuldung, in Spanien AKA Immobilien-Blase.

    Was nun die Gleichsetzung von "Wachstum der US-Wirtschaft" mit neuen Jobs anbetrifft, so sollten wir, die deutschen Normalbürger, das eher fürchten. Die neuen Jobs sind billig und prekär, d,h., "wir" dürfen für mehr dafür zahlen. Denn wir sind es ja, die diese Art "Arbeit" subvebtionieren.

    • Chali
    • 16.07.2012 um 15:42 Uhr

    ... ins Gleichgewicht bringt"

    Die müsste dann auch sicherstellen, dass sich das Wachstum auch dem Staatshaushalt in Form von Steuern zufliesst.

    Da gibt es freilich ein probates Mittel:
    Unternehmenssteuern herunter, AKA Steuergeschenke auf Pump.

  2. Die USA werden niemals Probleme wegen ihrer Schulden haben. Wieso sollten sie? Wenn die Kohle nicht mehr reicht, überfällt man eben ein anderes Land und plündert es aus. Das hat schon immer funktioniert. Und das kurbelt auch die Wirtschaft kräftig an. Die Waffenindustrie wird viele viele Arbeitsplätze schaffen. Das wusste auch schon ein bestimmter Herr in Deutschland, der vor einigen Jahrzehnten die Macht hier übernommen hat.

    4 Leserempfehlungen
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    aber die USA haben immer noch den Vorteil einer eigenen Notenbank.

    Was für ein Quatsch. Krieg wirft nur Profit ab, wenn man die Kosten externalisieren kann (Steuerzahler). Man muss nur einen Blick auf die historische Neuverschuldung und die Kriege werfen um den Zusammenhang zu erkennen.

    Im übrigen frag ich mich ob der Autor Tomaten auf den Augen hat: Wo wächst Amerika? Die Arbeitslosenzahlen sprechen eine andere Sprache. Und mittlerweile müssen die USA 4 bunte Papierfetzen drucken um $1 "Wachstum" zu generieren, jeder weitere Dollar generiert immer weniger Wachstum.

    Und jeder ökonomisch gebildete erkennt, dass es nur funktioniert, weil der Dollar die Weltreservewährung ist. Die USA ist ein Parasit, der auf Kosten der Welt lebt: Bunte Papierscheinchen werden exportiert und dafür bekommt man Waren. "Wachstum" wird dort durch Konsum generiert, nicht Produktion (wieder mal der Verweis auf die Arbeitslosenzahlen). Ein Zukunftsmodell? Sollte Europa das selbe versuchen, würde der Euro ins Bodenlose fallen...

    aber die USA haben immer noch den Vorteil einer eigenen Notenbank.

    Was für ein Quatsch. Krieg wirft nur Profit ab, wenn man die Kosten externalisieren kann (Steuerzahler). Man muss nur einen Blick auf die historische Neuverschuldung und die Kriege werfen um den Zusammenhang zu erkennen.

    Im übrigen frag ich mich ob der Autor Tomaten auf den Augen hat: Wo wächst Amerika? Die Arbeitslosenzahlen sprechen eine andere Sprache. Und mittlerweile müssen die USA 4 bunte Papierfetzen drucken um $1 "Wachstum" zu generieren, jeder weitere Dollar generiert immer weniger Wachstum.

    Und jeder ökonomisch gebildete erkennt, dass es nur funktioniert, weil der Dollar die Weltreservewährung ist. Die USA ist ein Parasit, der auf Kosten der Welt lebt: Bunte Papierscheinchen werden exportiert und dafür bekommt man Waren. "Wachstum" wird dort durch Konsum generiert, nicht Produktion (wieder mal der Verweis auf die Arbeitslosenzahlen). Ein Zukunftsmodell? Sollte Europa das selbe versuchen, würde der Euro ins Bodenlose fallen...

  3. 4. .....

    "Auch mit Reformen sowie dem Abbau von Bürokratie und Wettbewerbshindernissen kann man Wachstum schaffen."

    Und wer, wenn nicht die EU, ist Experte im Bürokratieabbau?

    Eine Leserempfehlung
  4. aber die USA haben immer noch den Vorteil einer eigenen Notenbank.

    Eine Leserempfehlung
    • Chali
    • 16.07.2012 um 15:33 Uhr

    Oh ja, sicher. Zunächst einmal, dass "die öffentliche Verschuldung" mit der ganzen Sache nichts zu tun hat, mag auch "alle Welt" davon reden. Es redet ja auch nicht "alle Welt" davon, sondern nur die "deutschen Ökonomen".)

    Dann:
    Dass die Krise auch noch andere Seiten hat, so zum Beispiel die private Verschuldung, in Spanien AKA Immobilien-Blase.

    Was nun die Gleichsetzung von "Wachstum der US-Wirtschaft" mit neuen Jobs anbetrifft, so sollten wir, die deutschen Normalbürger, das eher fürchten. Die neuen Jobs sind billig und prekär, d,h., "wir" dürfen für mehr dafür zahlen. Denn wir sind es ja, die diese Art "Arbeit" subvebtionieren.

    3 Leserempfehlungen
  5. "In der aktuellen Krise ist Amerika besser darin, Wachstum zu schaffen – und Europa darin, die Schuldenspirale zu bekämpfen."

    Korrektur: Die USA sind besser darin, sich auf Pump noch ein wenig Wachstum zu kaufen, und die Europäer darin, Versprechungen zu geben, die sie weder halten wollen noch können. Dank ihrer desaströsen Währung stehen die Chancen der Eurozone ausgezeichnet, dass sie noch viel tiefer in die Rezession rutscht. So wie der Euro vor Beginn der Krise als Brandbeschleuniger wirkte, ist er jetzt der Mühlstein, der am Hals der "Zonis" hängt und verhindert, dass diese ihre Probleme in Griff bekommen.

    Die Situation Griechenlands z.B. wäre auch ohne den Euro nicht gerade rosig, hat aber erst durch diesen jene desaströse Qualität bekommen, die wir an an dieser Volkswirtschaft so alternativlos schätzen gelernt haben.

    Auch wenn der Autor des Artikels gegenteiliger Meinung sein mag, aber "intelligentere Krisenrezepte" die man sich auf die Schnelle aus dem Ärmel schüttelt, sind kein Ersatz für das jahrzehntelange völlige Fehlen von Intelligenz in der Wirtschafts- und Währunspolitik. Wenn zudem die Krisenmanager identisch sind mit den Verursachern der Krise, ist bez. der Erfolgsaussichten eine gewisse Skepsis angebracht.

    Für wirklich elegante Lösungen ist die Zeit ohnehin schon längst abgelaufen.

    8 Leserempfehlungen
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    "Die USA sind besser darin, sich auf Pump noch ein wenig Wachstum zu kaufen" schrieb der werte Mitforist.

    Damit hat er es auf den Punkt gebracht.

    Eine vergleichbare Augenwischerei ist die Meldung des Tages: Die Bundesregierung hat klargestellt, dass sie die Haftung für die geplanten Hilfszahlungen an spanische Banken beim spanischen Staat sieht.

    Was sie nicht klargestellt hat, ist die Tatsache, dass die Bundesregierung für den spanischen Staat bürgt, der sich mit eben diesen Bankschulden übernehmen wird. Was inzwischen 250 (nicht mehr 172, wie vor kurzem gemeldet) Volkswirte auf die Palme bringt, die zu Recht befürchten, dass am Ende Deutschland für einen beträchtlichen Teil der Schulden aufkommen muss.

    http://www.statistik.tu-d...

    "Die USA sind besser darin, sich auf Pump noch ein wenig Wachstum zu kaufen" schrieb der werte Mitforist.

    Damit hat er es auf den Punkt gebracht.

    Eine vergleichbare Augenwischerei ist die Meldung des Tages: Die Bundesregierung hat klargestellt, dass sie die Haftung für die geplanten Hilfszahlungen an spanische Banken beim spanischen Staat sieht.

    Was sie nicht klargestellt hat, ist die Tatsache, dass die Bundesregierung für den spanischen Staat bürgt, der sich mit eben diesen Bankschulden übernehmen wird. Was inzwischen 250 (nicht mehr 172, wie vor kurzem gemeldet) Volkswirte auf die Palme bringt, die zu Recht befürchten, dass am Ende Deutschland für einen beträchtlichen Teil der Schulden aufkommen muss.

    http://www.statistik.tu-d...

    • Chali
    • 16.07.2012 um 15:36 Uhr

    AKA Arbeitnehmer-Rechte? Umweltauflagen?

    Ich erinnere an den Artikel neulich über Thyssen in Brasilien!

    2 Leserempfehlungen

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