LohndebatteLammert verdächtigt Manager der Selbstbedienung

Der Bundestagspräsident äußert sich empört über die Gehälter in Führungsetagen deutscher Unternehmen: Wenn die Wirtschaft sich nicht mäßige, müsse der Staat eingreifen. von dpa

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU)

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU)  |  © Peter Endig/dpa/lah

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Höhe vieler Managergehälter in Deutschland heftig kritisiert. "Das ist nicht zu rechtfertigen, schon gar nicht mit entsprechenden Leistungs- und Verantwortungsdifferenzen. Das ist die Verselbständigung der Gehaltsfindung, die den Verdacht der Selbstbedienung nahelegt", sagte der CDU-Politiker der Süddeutschen Zeitung . Wenn die Wirtschaft sich aber nicht selbst Grenzen auferlege oder freiwillige Verpflichtungen nicht wirklich einhalte, "dann wächst der Druck zu gesetzlichen Regelungen".

Er sei "gelegentlich fassungslos über die Gedankenlosigkeit oder die Skrupellosigkeit , mit der solche Ansprüche geltend gemacht und durchgesetzt werden", sagte Lammert. Das gelte etwa für Finanzmakler, die die Folgen ihrer Fehleinschätzungen beim Steuerzahler anmeldeten und gleichzeitig vor Gericht für sich Bonusleistungen einklagten. "Die erstaunliche Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, die noch vor 15 Jahren im Ausland als kranker Mann Europas galt, ist ganz wesentlich der Lohn- und Gehaltsdisziplin der Beschäftigten zu verdanken".

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Über die Euro-Krise sagte er, sie habe dem Bundestag entgegen dem allgemeinen Eindruck nicht weniger, sondern mehr Einfluss gebracht. "Wir haben in Deutschland zum ersten Mal eine Rollenverteilung, die in der Parlamentsgeschichte untypisch ist, dass wir bei internationalen Verhandlungen quasi mit am Tisch sitzen, und am Ende über einen Vertragstext votieren, dessen Entstehen wir begleitet haben." Der Versuch, die Euro-Schuldenkrise mit immer mehr Geld zu lösen, sei aber gescheitert. "Unser Problem ist nicht, dass zu wenig Geld im System ist, sondern dass es zu wenig Regeln gibt", so Lammert.

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Leserkommentare
    • Klotzh
    • 16. Juli 2012 9:00 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich nur, wenn Sie einen sachlichen und konstruktiven Diskussionsbeitrag leisten möchten. Danke. Die Redaktion/ag

  1. Herr, die Not ist groß!
    Die ich rief, die Geister
    werd ich nun nicht los.

    Johann Wolfgang von Goethe

  2. Herr Lammert, ich kann Ihnen nur raten, sollte die Initiative erfolgreich sein, dieses Schweizer Recht auch in Deutschland zu übernehmen.

    Die Initiative verhindert zu hohe Manager-Gehälter, zu frühe Auszahlung, Anteil-Zahlung über Aktien, keine Antritts- oder Abtrittsvergütungen (goldene Fallschirme) usw.

    http://www.abzockerei.ch/...
    http://www.abzockerei.ch/...

    Es gibt auch einen Gegenvorschlag der Regierung, der aber bedeutend weniger restriktiv ist.

    • Klotzh
    • 16. Juli 2012 9:09 Uhr
    4. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke. Die Redaktion/ag

  3. aber es kommt darauf an, ENDLICH etwas zu TUN!
    Reden reicht nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entschuldigung, aber - bei allem Respekt für die Rolle des Bundestagspräsidenten - es geht ihm einen feuchten Dreck an, wer wieviel verdient.
    Das derzeitige Wirtschaftssystem funktioniert nun mal so.
    Alle Menschen, auch Manager und sogar inkompetente Vollkoffer haben ein Recht auf den Gehalt der ihnen von ihren Arbeitgebern - in den meisten Fällen die Atkienhalter - bezaht wird.
    Das geht den Herrn Lammert, das geht den Bundestagspräsidenten nichts an.
    Diese Manager arbeiten alle innerhalb eines Systems dem die Politiker ihren Segen gegeben haben.
    Sich jetzt darüber zu beschweren das der Hund beisst ist die Sauerei, nicht der Hund - der macht was in seiner Natur steckt.

  4. Oder warum sind jetzt die Manager fällig.

    Der Bundestag könnte doch mit guten Beispiel vorangehen, und das Leistungsprinzip einführen.

    • Chali
    • 16. Juli 2012 9:23 Uhr

    Es ist das Geständis symphatisch, dass er dem Treiben genauso hilflos ausgesetzt ist wie wir kleinen Leute auch.

    Aber seine vorgeschlagenen Mittel sind untauglich. Auf fie Höhe der Gehälter will ich gar keinen Einfluss nehmen. Es reicht, wenn diese vernünftig versteuert werden - ein Tribut entrichtet wird an "das System", das derartige Einkünfte ermöglicht.

    Auch das "mit am Tisch sitzen" - ganz hübsch, gewiss. Wenn man so mit richtig (enfluss)reihen an einem Tisch sitzen darf. Die einen womöglich noch beim Namen kennen und nennen. Aber das heisst ja nicht, dass man Einfluss auf die Entscheide hat, nur weil diese in geselliger Runde mitgeteilt werden. Einfluss zeigt sich darin, dass man NEIN nicht nur sagen könnte, sondern es auch mal tut. (Ich gehe dabei fteilich von der impliziten Annahme aus, dass die Interessen der Bevölkerung vertreten werden.)

    • ST_T
    • 16. Juli 2012 9:32 Uhr

    Ausgerechnet Herr Lammert muss davon reden!
    Wer erhöht denn immer pünktlich sobald es nur geht die eigenen Diäten?
    Ich weiß dass er selbst im Endeffekt nur ein Abgeordneter ist aber er ist doch selbst ein Nutznießer dieser Systeme.

    Dann davon zu sprechen jemand anderem einen Maulkorb zu verpassen halte ich für unredlich.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    >> Ausgerechnet Herr Lammert muss davon reden!
    Wer erhöht denn immer pünktlich sobald es nur geht die eigenen Diäten? <<

    ... normalerweise nicht dazu, Politikerdiäten zu verteidigen. Was Lammert da zu Recht kritisiert, spielt aber in einer ganz anderen Liga.

    Wobei man ohnehin streiten kann, ob die Diäten überhaupt zu hoch sind. Hier liegt das Problem wohl er auf Empfängerseite.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Norbert Lammert | Bundestag | Bundestagspräsident | Euro-Krise | Geld | Gericht
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