Regelmäßig werden Strompreiserhöhungen damit begründet, dass mehr Ökostrom erzeugt wird. In Wahrheit wird Strom durch regenerative Energien immer billiger. Nur leider kommt bei den privaten Verbrauchern davon nichts an.

An der Energiebörse EEX ist der Strompreis in den letzten zwölf Monaten um mehr als dreißig Prozent gesunken. Selbst langfristige Stromkontrakte werden heute rund 20 Prozent günstiger gehandelt als noch vor einem Jahr.

Die Preise sinken, weil grüner Strom die Erzeugnisse konventioneller Kraftwerke aus dem Markt verdrängt. An der Strombörse heißt das "Merit-Order-Effekt". Besonders Strom aus Photovoltaik-Anlagen macht teure Spitzenlastkraftwerke zunehmend überflüssig. Wenn tagsüber der Stromverbrauch am höchsten ist, liefern die Anlagen den größten Beitrag. Aber auch bei verhangenem Wetter, also selbst im Frühjahr und Herbst, werden die Spitzenlastkraftwerke kaum noch benötigt.

Im vergangenen Jahr lag der Beitrag aus regenerativen Energien bereits bei zwanzig Prozent der gesamten in Deutschland benötigten Strommenge. Der weitere Zubau von Wind- und Photovoltaikanlagen, insbesondere zum Jahresende 2011, wird sich erst dieses Jahr vollständig bemerkbar machen, so dass für 2012 eine Marke von 25 Prozent wahrscheinlich ist. Der Strompreis an der Börse dürfte also weiter sinken.

Die privaten Verbraucher merken bisher nichts von den fallenden Preisen. Seit dem Jahr 2000, als das Energieeinspeisegesetz (EEG) in Kraft trat, sind die Strompreise für private Haushalte um zwölf Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Das liegt aber nicht am Ökostrom. Der Anteil der EEG-Umlage an der Preissteigerung beträgt lediglich 3,6 Cent. Mehr als zwei Drittel der Erhöhung beruhen nicht auf der zunehmenden Stromerzeugung aus Sonne, Wind und Wasser.

Der Mythos vom unsozialen Ökostrom, der dazu führt, dass manche Haushalte ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, ist ein Ablenkungsmanöver der Energiekonzerne. Sie wollen weiterhin mit konventionell erzeugtem Strom Milliardengewinne machen und halten deshalb die Preise hoch. Die Politik lässt die hohen Preise zu und verursacht dem Steuerzahler jährlich weitere Kosten in Milliardenhöhe, indem sie Emissionszertifikate verschenkt, die Konzerne teilweise oder vollständig von der Energiesteuer befreit, keine Haftpflichtversicherungen für Kernkraftwerke verlangt und Atommülllager auf Staatskosten betreibt. Die Liste ließe sich fortsetzen. Die Kosten, die so entstehen, sind auf keiner Stromrechnung aufgeführt.