Leserartikel

EnergiewendeDer Mythos vom teuren Ökostrom

Dank der regenerativen Energien sinken die Preise an der Strombörse. Davon hat der private Verbraucher aber bisher nichts, schreibt Leser Christian Synwoldt.

Regelmäßig werden Strompreiserhöhungen damit begründet, dass mehr Ökostrom erzeugt wird. In Wahrheit wird Strom durch regenerative Energien immer billiger. Nur leider kommt bei den privaten Verbrauchern davon nichts an.

Leserartikel auf ZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE präsentiert regelmäßig ausgewählte Leserartikel, die unsere eigenen Inhalte um zusätzliche Meinungen, Erfahrungsberichte und Sichtweisen bereichern. Vor der Veröffentlichung nehmen wir mit den Autoren Kontakt auf und sprechen über den Text, anschließend wird der Leserartikel von uns redigiert und bebildert. Auch bei Leserartikeln, die unter Pseudonym veröffentlicht wurden, kennt die Redaktion Namen und Anschrift des Autors. Alle weiteren Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.

Leserartikel schreiben

Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Was freut, ärgert oder verwundert Sie? Welches Buch, welche Musik oder welchen Film würden Sie gerne einmal auf ZEIT ONLINE rezensieren? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihren Leserartikel. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie alle wichtigen Hinweise, wie Sie beim Verfassen Ihres eigenen Artikels für ZEIT ONLINE vorgehen sollten.

Zur Artikeleingabe

Der ZEIT-ONLINE-Wald

Als symbolisches Dankeschön pflanzen wir für jeden Leserartikel, den wir veröffentlichen, einen Baum. Dabei arbeiten wir mit iplantatree.org zusammen. Zum Start des neuen Leserartikel-Projekts haben wir schon 1000 Bäume in Berlin Friedrichshagen gepflanzt und hoffen, dass daraus im Lauf der Jahre ein ganzer ZEIT-ONLINE-Wald wird. Mehr Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.

An der Energiebörse EEX ist der Strompreis in den letzten zwölf Monaten um mehr als dreißig Prozent gesunken. Selbst langfristige Stromkontrakte werden heute rund 20 Prozent günstiger gehandelt als noch vor einem Jahr.

Anzeige

Die Preise sinken, weil grüner Strom die Erzeugnisse konventioneller Kraftwerke aus dem Markt verdrängt. An der Strombörse heißt das "Merit-Order-Effekt". Besonders Strom aus Photovoltaik-Anlagen macht teure Spitzenlastkraftwerke zunehmend überflüssig. Wenn tagsüber der Stromverbrauch am höchsten ist, liefern die Anlagen den größten Beitrag. Aber auch bei verhangenem Wetter, also selbst im Frühjahr und Herbst, werden die Spitzenlastkraftwerke kaum noch benötigt.

Im vergangenen Jahr lag der Beitrag aus regenerativen Energien bereits bei zwanzig Prozent der gesamten in Deutschland benötigten Strommenge. Der weitere Zubau von Wind- und Photovoltaikanlagen, insbesondere zum Jahresende 2011, wird sich erst dieses Jahr vollständig bemerkbar machen, so dass für 2012 eine Marke von 25 Prozent wahrscheinlich ist. Der Strompreis an der Börse dürfte also weiter sinken.

Christian Synwoldt

ist Diplom-Ingenieur und hat sich beruflich auf das Thema Stromerzeugung spezialisiert. Er hat dazu zwei Bücher veröffentlicht und ist Lehrbeauftragter am Umwelt-Campus Birkenfeld der Fachhochschule Trier.

Die privaten Verbraucher merken bisher nichts von den fallenden Preisen. Seit dem Jahr 2000, als das Energieeinspeisegesetz (EEG) in Kraft trat, sind die Strompreise für private Haushalte um zwölf Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Das liegt aber nicht am Ökostrom. Der Anteil der EEG-Umlage an der Preissteigerung beträgt lediglich 3,6 Cent. Mehr als zwei Drittel der Erhöhung beruhen nicht auf der zunehmenden Stromerzeugung aus Sonne, Wind und Wasser.

Der Mythos vom unsozialen Ökostrom, der dazu führt, dass manche Haushalte ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, ist ein Ablenkungsmanöver der Energiekonzerne. Sie wollen weiterhin mit konventionell erzeugtem Strom Milliardengewinne machen und halten deshalb die Preise hoch. Die Politik lässt die hohen Preise zu und verursacht dem Steuerzahler jährlich weitere Kosten in Milliardenhöhe, indem sie Emissionszertifikate verschenkt, die Konzerne teilweise oder vollständig von der Energiesteuer befreit, keine Haftpflichtversicherungen für Kernkraftwerke verlangt und Atommülllager auf Staatskosten betreibt. Die Liste ließe sich fortsetzen. Die Kosten, die so entstehen, sind auf keiner Stromrechnung aufgeführt.

 
Leserkommentare
    • Yeti-1
    • 30.07.2012 um 17:03 Uhr

    Wenn man für den Ökostrom keine Gesamtrechnung aufmacht, kann man zu überhaupt keinen aussagekräftigen Ergebnissen kommen. Der Autor gesteht dies selbst zu, indem er auf angebliche nicht einbezogenen Kosten "konventioneller" Energieerzeugung hinweist. Weitere Schlüsse zieht er daraus nicht. Was in diesem Artikel geschrieben wurde, als Milchmädchenrechnung zu beschreiben, wäre schon ein starkes Kompliment. Gibt es in Deutschland ein Gesetz, das Denken einzustellen, wenn man sich ökologisch engagiert? Würde mich interessieren.

    5 Leserempfehlungen
    • Time24
    • 30.07.2012 um 17:04 Uhr

    ... ist, dann können wir ja auch die Förderungen streichen.

    Die Förderungen wären eh sinnvoller bei den Speichertechnologien aufgehoben. Denn bisher ist es kaum möglich das Überangebot von Solarstrom so zu speichern, dass er Nachts verwendet werden kann. Genau so ist es bei Strom aus Windkraft. Speicherung kaum möglich. Und nur mit vernünftiger Speicheung werden wir langfristig ganz auf fossile Brennstoffe verzichten können.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bei der Photovoltaik wird genau das passieren: Die EEG-Vergütung ist dieses Jahr schon geringer als der übliche Haushaltskundenpreis (incl. Konzessionsabgabe, Netzentgelt, EEG-Umlage, Stromsteuer, Mehrwertssteuer usw.). Eigenheimbesitzer können den Strom besser selbst nutzen und Überschüsse in eine große Batterie packen als diese einzuspeisen.
    Ein Problem sind Eigentümergemeinschafter oder Häuser, in denen Mieter wohnen. Hier würde der Strom an Dritte verkauft, wodurch Steuern und Umlagen fällig würden, so dass es - bei einer unterstellten weiteren Entwicklung wie bisher - noch etwa 10 Jahre dauern bis die Netzparität erreicht ist.
    Das EEG war als Anschubfinanzierung gedacht, damit sich der Marklt entwickeln kann. Bislang hat es da seine Aufgabe gut erfüllt. Bei der Photovoltaik ist bereits absehbar, wann es sch selbst überflüssig macht, auch beim Wind dürfte sich das in den nächsten Jahren langsam zeigen, aber es wird noch einige Jahre dauern.

    Bei der Photovoltaik wird genau das passieren: Die EEG-Vergütung ist dieses Jahr schon geringer als der übliche Haushaltskundenpreis (incl. Konzessionsabgabe, Netzentgelt, EEG-Umlage, Stromsteuer, Mehrwertssteuer usw.). Eigenheimbesitzer können den Strom besser selbst nutzen und Überschüsse in eine große Batterie packen als diese einzuspeisen.
    Ein Problem sind Eigentümergemeinschafter oder Häuser, in denen Mieter wohnen. Hier würde der Strom an Dritte verkauft, wodurch Steuern und Umlagen fällig würden, so dass es - bei einer unterstellten weiteren Entwicklung wie bisher - noch etwa 10 Jahre dauern bis die Netzparität erreicht ist.
    Das EEG war als Anschubfinanzierung gedacht, damit sich der Marklt entwickeln kann. Bislang hat es da seine Aufgabe gut erfüllt. Bei der Photovoltaik ist bereits absehbar, wann es sch selbst überflüssig macht, auch beim Wind dürfte sich das in den nächsten Jahren langsam zeigen, aber es wird noch einige Jahre dauern.

    • WmdE
    • 30.07.2012 um 17:36 Uhr

    Erdkabelverlegung kostet 8-10x soviel wie die der Oberleitungen und die Wartung ist um ein vielfaches höher.

    Antwort auf "Die Propagandaschlacht"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Genau diese Art von vollkommen undifferenzierter und unqualifizierter Meinungsmache betreibt die Energieindustrie.

    Haben sie gelesen, dass ich geschrieben habe, dass bis 110 KV keine preislichen Vorteile bei der Freileitung liegen?

    Der Bau einer 110 KV Freileitung ist Günstiger Betrieb und Wartung aber teurer. Langfristig lohnt sich schon heute 110 KV in die Erde zu legen, auch wegen der Vermeidung der Planungs und Genehmigungshürden die ebenfalls kostern verursachen.

    380KV ist teurer aber von 10x sso teuer kann laut diesem Gutachten keine Rede sein:
    http://www.forwind.de/pub...

    Ausserdem, genug Geld haben die Netzbetreiber eigentlich ja schon bekommen um die Mehrkosten zu tragen, oder nicht?

    Wenn man von 20 Millarden jährlich nur 2 ausgibt dann hat man im 10 Jahren für ausbau und Wartun 180 Milliarden angespart.

    Das sollte doch wohl auch für Erdkablel genügen, oder nicht?

    Eigentlich ist Wartung kein Thema, Freileitungen haben v.A. höhere Übertragungsverlusste wegen niedrigerem Leiterquerschnitt.

    D.h. sie verschwenden auch noch Energie und verursachen somit Klimaschäden.

    Zitat (Gutachten Uni Hamburg):
    "Bei Freileitungen und 110-kV-VPE-Kabeln sind die Kosten für die spannungsabhängigen Verluste und die Wartungskosten gegenüber den Kosten für die stromabhängigen Verluste ver-
    nachlässigbar."

    http://www.energie.brande...

    Genau diese Art von vollkommen undifferenzierter und unqualifizierter Meinungsmache betreibt die Energieindustrie.

    Haben sie gelesen, dass ich geschrieben habe, dass bis 110 KV keine preislichen Vorteile bei der Freileitung liegen?

    Der Bau einer 110 KV Freileitung ist Günstiger Betrieb und Wartung aber teurer. Langfristig lohnt sich schon heute 110 KV in die Erde zu legen, auch wegen der Vermeidung der Planungs und Genehmigungshürden die ebenfalls kostern verursachen.

    380KV ist teurer aber von 10x sso teuer kann laut diesem Gutachten keine Rede sein:
    http://www.forwind.de/pub...

    Ausserdem, genug Geld haben die Netzbetreiber eigentlich ja schon bekommen um die Mehrkosten zu tragen, oder nicht?

    Wenn man von 20 Millarden jährlich nur 2 ausgibt dann hat man im 10 Jahren für ausbau und Wartun 180 Milliarden angespart.

    Das sollte doch wohl auch für Erdkablel genügen, oder nicht?

    Eigentlich ist Wartung kein Thema, Freileitungen haben v.A. höhere Übertragungsverlusste wegen niedrigerem Leiterquerschnitt.

    D.h. sie verschwenden auch noch Energie und verursachen somit Klimaschäden.

    Zitat (Gutachten Uni Hamburg):
    "Bei Freileitungen und 110-kV-VPE-Kabeln sind die Kosten für die spannungsabhängigen Verluste und die Wartungskosten gegenüber den Kosten für die stromabhängigen Verluste ver-
    nachlässigbar."

    http://www.energie.brande...

    • GDH
    • 30.07.2012 um 17:37 Uhr

    "Die Spitzenlastkraftwerke werden weniger gebraucht und deshalb fallen die dortigen Kosten weniger an?
    Dazu würde ich jetzt doch mal einen Einstieg in das Thema Kostenrechnung empfehlen."

    Natürlich fallen weniger Kosten an, wenn Spitzenlastkraftwerke seltener gebraucht werden. Das liegt daran, dass weniger Brennstoffe verbraucht werden.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Coiote
    • 30.07.2012 um 20:08 Uhr

    "Natürlich fallen weniger Kosten an, wenn Spitzenlastkraftwerke seltener gebraucht werden. Das liegt daran, dass weniger Brennstoffe verbraucht werden."

    Ja stimmt schon, aber die Kosten pro kwh steigen (weil ja die Unterhaltskosten für die konventionellen Kraftwerke bleiben). Eine kwh aus regenerativen Energien kostet zudem auch mehr.

    Unterm Strich substituieren wir einige ursprüngliche "konventionelle kwh" durch teuere "regenerative Energien kwh", und zudem werden die "konventionellen kwh" teurer. Auch substituiert jede "regenerative Energien kwh" weniger als eine "konventionelle kwh" (wegen stochastischer Einspeisung), was jede "regenerative Energien kwh" unterm Strich eben noch teurer macht.

    Da der Strom aus konventionellen Kraftwerken zwangsläufig teurer wird, kann man nicht einfach nur die EEG-Umlage mit auf die Stromrechnung addieren. Die Kritik im Beitrag Nr. 18 mit dem Titel "Sie machen es sich leicht." erscheint mir ziemlich treffend.

    Beitrag 33 hat Ihnen das Problem schon aufgezeigt.
    Es gibt im Grunde stückkostenseitig (hier: Preis pro KWh) kaum was Schlimmeres als gering ausgelastete Spitzenlastabdecker, die trotzdem sicherheitshalber eine hohe Leistung vorhalten müssen.
    Die auf die Stückzahlen (KWh) umzulegenden Fixkosten (sie brauche ja ein stets hochfahrbares Kraftwerk oder einen Pumpspeicher) lassen die bei der temporären relativ geringen Produktion (Stromerzeugung in Spitzenlastzeiten) anfallenden variablen Kosten (Brennstoff) eher läppisch aussehen.

    • Coiote
    • 30.07.2012 um 20:08 Uhr

    "Natürlich fallen weniger Kosten an, wenn Spitzenlastkraftwerke seltener gebraucht werden. Das liegt daran, dass weniger Brennstoffe verbraucht werden."

    Ja stimmt schon, aber die Kosten pro kwh steigen (weil ja die Unterhaltskosten für die konventionellen Kraftwerke bleiben). Eine kwh aus regenerativen Energien kostet zudem auch mehr.

    Unterm Strich substituieren wir einige ursprüngliche "konventionelle kwh" durch teuere "regenerative Energien kwh", und zudem werden die "konventionellen kwh" teurer. Auch substituiert jede "regenerative Energien kwh" weniger als eine "konventionelle kwh" (wegen stochastischer Einspeisung), was jede "regenerative Energien kwh" unterm Strich eben noch teurer macht.

    Da der Strom aus konventionellen Kraftwerken zwangsläufig teurer wird, kann man nicht einfach nur die EEG-Umlage mit auf die Stromrechnung addieren. Die Kritik im Beitrag Nr. 18 mit dem Titel "Sie machen es sich leicht." erscheint mir ziemlich treffend.

    Beitrag 33 hat Ihnen das Problem schon aufgezeigt.
    Es gibt im Grunde stückkostenseitig (hier: Preis pro KWh) kaum was Schlimmeres als gering ausgelastete Spitzenlastabdecker, die trotzdem sicherheitshalber eine hohe Leistung vorhalten müssen.
    Die auf die Stückzahlen (KWh) umzulegenden Fixkosten (sie brauche ja ein stets hochfahrbares Kraftwerk oder einen Pumpspeicher) lassen die bei der temporären relativ geringen Produktion (Stromerzeugung in Spitzenlastzeiten) anfallenden variablen Kosten (Brennstoff) eher läppisch aussehen.

    • Bornie
    • 30.07.2012 um 17:50 Uhr

    Es ist schlichtweg eine Lüge wenn man schreibt der EEG Strom wäre billig.
    Der Einspeisende bekommt einen festgelegten Preis, diesen hat der Netzbetreiber zu zahlen, der Netzbetreiber muss den Strom abnehmen und am Markt anbieten. Die Folge ist Mittags ist ein riesengrosses Überangebot da der Strom wird verschenkt, Kraftwerke werden vom Netz genommen um das Überangebot nicht weiter zu verschärfen. Sobald die Sonne ihren Zenit überschritten hat geht dieses Zwangsangebot wieder zurück, die Kraftwerke werden wieder angefahren. Auch An- und Abfahren dieser Kraftwerke kostet Geld und vernichtet Energie. Das hat der Endverbraucher zu zahlen, er will ja Strom Verbrauchen. EEG Anlagen sind nicht Störfallsicher, nicht Schwarzlastfähig, können keinen Phasenschieberbetrieb fahren. Ja man kann mit seiner Photovoltaikanlage nicht mal den eigenen Bedarf decken wenn die Energieversorgung unterbrochen ist, es fehlt ja das die Netzfrequenz prägende Netz. Schöne neue Welt in der Elektrotechnik von Sozialarbeitern, Theaterwissenschaftlern und Priestern erklärt wird.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Praktisch jeder Wechselrichter und Frequenzumrichter - und damit jede aktuell errichtete Photovoltaik- und Windenergieanlage - ist blindleistungsfähig, verfügt über Einrichtungen zur Spannungshaltung und wäre darüber hinaus auch in der Lage, einen Beitrag zur Frequenzhaltung zu liefern.
    Wenn RWE behauptet, der Generator im Kernkraftwerk Biblis wird demnächst dazu benutzt, um mit Hilfe von Wirkleistung Blindleistungskompensation zu betreiben, dann nur deshalb, weil nahezu sämtliche Netzbetreiber nicht in der Lage sind, die gemäß EEG für die Anlagenbetreiber von (großen) PV- und Windanlagen vorgesehenen Steuereinrichtungen per Fernsteuerung zu nutzen. Angesichts der Tatsache, dass Windenergieanlagen, die vor dem Jahreswechsel 2014/2015 ans Netz gehen, einen Systemdienstleistungsbonus erhalten, muss entweder von einem Schnittstellenchaos oder einem mehr oder weniger bewußten Boykott ausgegangen werden.

    Praktisch jeder Wechselrichter und Frequenzumrichter - und damit jede aktuell errichtete Photovoltaik- und Windenergieanlage - ist blindleistungsfähig, verfügt über Einrichtungen zur Spannungshaltung und wäre darüber hinaus auch in der Lage, einen Beitrag zur Frequenzhaltung zu liefern.
    Wenn RWE behauptet, der Generator im Kernkraftwerk Biblis wird demnächst dazu benutzt, um mit Hilfe von Wirkleistung Blindleistungskompensation zu betreiben, dann nur deshalb, weil nahezu sämtliche Netzbetreiber nicht in der Lage sind, die gemäß EEG für die Anlagenbetreiber von (großen) PV- und Windanlagen vorgesehenen Steuereinrichtungen per Fernsteuerung zu nutzen. Angesichts der Tatsache, dass Windenergieanlagen, die vor dem Jahreswechsel 2014/2015 ans Netz gehen, einen Systemdienstleistungsbonus erhalten, muss entweder von einem Schnittstellenchaos oder einem mehr oder weniger bewußten Boykott ausgegangen werden.

  1. "Neben dem "Preistreiber" Ökostrom wird auch gerne die "Verspargelung" der Landschaft durch Windkraftanlagen beklagt oder die in K1 erwähnten hässlichen zusätzlichen Überlandleitungen, als wenn das unser größtes Problem wäre."
    ----------------------------------
    Das stimmt, solche Argumente werden oft und gerne hervorgebracht. Ich selber habe kein Problem damit, meinetwegen dürfen die Dinger gerne überall stehen.
    ....ach so, außer bei mir zu Hause und Umgebung natürlich.

  2. Praktisch jeder Wechselrichter und Frequenzumrichter - und damit jede aktuell errichtete Photovoltaik- und Windenergieanlage - ist blindleistungsfähig, verfügt über Einrichtungen zur Spannungshaltung und wäre darüber hinaus auch in der Lage, einen Beitrag zur Frequenzhaltung zu liefern.
    Wenn RWE behauptet, der Generator im Kernkraftwerk Biblis wird demnächst dazu benutzt, um mit Hilfe von Wirkleistung Blindleistungskompensation zu betreiben, dann nur deshalb, weil nahezu sämtliche Netzbetreiber nicht in der Lage sind, die gemäß EEG für die Anlagenbetreiber von (großen) PV- und Windanlagen vorgesehenen Steuereinrichtungen per Fernsteuerung zu nutzen. Angesichts der Tatsache, dass Windenergieanlagen, die vor dem Jahreswechsel 2014/2015 ans Netz gehen, einen Systemdienstleistungsbonus erhalten, muss entweder von einem Schnittstellenchaos oder einem mehr oder weniger bewußten Boykott ausgegangen werden.

    4 Leserempfehlungen
  3. Bei regenerativer Technologie gibt es prinzip-bedingt nur eine begrenzte Auslastung. Den größten Einfluss hat der Standort. Anders als bei Solaranlagen, wo es außer Fehlern bei der Wahl des Montageorts oder der Montage an sich, existieren keine technischen Einflussgrößen. (Auch Tracker helfen nur begrenzt, in Deutschland mit hohem Diffusanteil bei der Solarstrahlung noch weniger.)
    Windenergieanlagen profitieren von immer größeren Rotorradien, mehr noch, von höheren Masten. Auch Binnenlandstandorte können bei entsprechender Anlagendimensionierung 2.000 bis 2.500 Volllaststunden erreichen. Hier hat sich in den vergangenen 10 Jahren eine erhebliche Weiterentwicklung - weg von Leistungsprämisse, hin zum Ertrag - gezeigt. Offshore wird noch einmal das Doppelte an Auslastung erreicht. Damit liegen Windenergieanlagen auf hoher See in vergleichbarer Größenordnungen wie Laufwasserkraftwerke.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service