Libor-ManipulationUSA beschuldigen britische Notenbank im Zinsskandal

Die EU-Kartellaufsicht ermittelt in der Libor-Affäre. Schon vor vier Jahren hatte der heutige US-Finanzminister Geithner bessere Kontrollen der Zinsfestlegung angemahnt.

US-Finanzminister Timothy Geithner

US-Finanzminister Timothy Geithner

In der Affäre um Zinsmanipulationen durch Großbanken gerät die britische Notenbank in Erklärungsnot. Die USA haben die Bank of England (BoE) bereits vor vier Jahren zu Änderungen bei der Festsetzung des Londoner Zinssatzes Libor gedrängt. Dies belegen Dokumente, die die New Yorker Notenbank (Fed) nun veröffentlichte.

Der Londoner Interbankenzins Libor wird einmal täglich ermittelt und legt fest, zu welchem Preis sich Banken untereinander Geld leihen. Zugleich ist er der Maßstab für viele weitere Finanzgeschäfte.

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Als damaliger Fed-Regionalchef empfahl der heutige US-Finanzminister Timothy Geithner in einer privaten E-Mail an BoE-Chef Mervyn King sechs Möglichkeiten, um die Glaubwürdigkeit des Libor-Satzes zu stärken. Die New Yorker Fed machte mit Nachdruck deutlich, dass sie auf erste Zweifel an der Festsetzung des Interbanken-Zinssatzes vor vier Jahren sofort reagiert habe. In einem zweiseitigen Memo schlug Geithner dem BoE-Chef King unter anderem vor, so etwas wie Musterverfahren einzuführen, um den Libor festzusetzen, auch um unbeabsichtigte oder vorsätzliche Falschmeldungen zu vermeiden.

EU-Wettbewerbskommissar Almunia droht

Den Druck in der Zinsaffäre erhöht nun auch die EU: Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia drohte, in den Bankensektor einzugreifen, sollte sich der Manipulationsverdacht bestätigen. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf ein mutmaßliches Kartell, das bei der Feststellung der Zinsen zusammengearbeitet habe, sagte Almunia.

Sollte sich der Verdacht der Beeinflussung bestätigen, "werden wir die notwendigen Schritte unternehmen, um einen Kulturwechsel im Bankensektor anzutreiben", sagte Almunia. Die EU räume der Untersuchung eine hohe Priorität ein. Es gehe neben dem Libor auch um den Euribor (die Zinssätze für Banken innerhalb Europas) und den Bankenzinssatz in Tokio.

Analysten der US-Großbank Morgan Stanley schätzen, dass auf die in den Skandal verwickelten Institute bis 2014 Zahlungen von 14 Milliarden Dollar zukommen könnten. Einer ganzen Reihe von internationalen Großbanken – darunter Barclays, JPMorgan, Deutsche Bank, Societe Generale und HSBC – wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor mit falschen Angaben zu ihren Gunsten manipuliert zu haben.

Die BoE hat bereits Andeutungen des bisherigen Barclays-Chef Bob Diamond zurückgewiesen, dass sie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise falsche Angaben zur Ermittlung des Libor-Satzes gutgeheißen habe. Barclays hatte als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt und muss nun eine Strafe von einer halben Milliarde Dollar zahlen. Diamond trat danach als Barclays-Chef zurück.

Der Libor ist zwar der weltweit bedeutendere Satz, in Europa jedoch spielt der Euribor für einige Produkte eine wichtigere Rolle. Die EU-Kommission hatte vergangenes Jahr Untersuchungen gegen zahlreiche europäische Großbanken wegen mutmaßlicher Manipulationen des Euribor eingeleitet.

 
Leserkommentare
  1. ....nach Mappus-ENBW wohl der Witz des Tages,,,,,
    "Analysten der US-Großbank Morgan Stanley schätzen, dass auf die in den Skandal verwickelten Institute bis 2014 Zahlungen von 14 Milliarden Dollar zukommen könnten. Einer ganzen Reihe von internationalen Großbanken – darunter Barclays, JPMorgan, Deutsche Bank, Societe Generale und HSBC – wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor mit falschen Angaben zu ihren Gunsten manipuliert zu haben."
    Das sind konservative Annahmen..... wie bei einem ehrenwerten Kaufmann üblich....

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    • joG
    • 13.07.2012 um 18:48 Uhr

    ...für Euribor sind außer:
    "Instructions To bbalibor Contributor Banks
    A. An individual bbalibor contributor panel bank will contribute the rate at which it could borrow funds, were it to do so by asking for and then accepting interbank offers in reasonable market size, just prior to 1100 London time.
    ...."

    Das ließe Vieles offen. Da hat Geithner natürlich recht.

    • joG
    • 13.07.2012 um 18:48 Uhr

    ...für Euribor sind außer:
    "Instructions To bbalibor Contributor Banks
    A. An individual bbalibor contributor panel bank will contribute the rate at which it could borrow funds, were it to do so by asking for and then accepting interbank offers in reasonable market size, just prior to 1100 London time.
    ...."

    Das ließe Vieles offen. Da hat Geithner natürlich recht.

    • Lukan
    • 13.07.2012 um 17:56 Uhr

    allgemein, sind ja wohl der größte Zinsmanipulator überhaupt.
    Dass nun ausgerechnet Bailout-Geithner als stellvertretendes Sprachrohr der Federal Reserve solche Töne spuckt, ist ja an Hohn schon kaum mehr zu überbieten.

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    Schon komisch, wenn man bedenkt, dass die letzten Krisen (dotcom, subprime, Euro..) gerade von den Notenbanken, allen voran die FED ausgelöst wurde.

    http://www.youtube.com/wa...

    Die österreichische Schule hat die passenden Erklärungen dafür seit bald 100 Jahren, auch schon Nobelpreise dafür bekommen (http://de.wikipedia.org/w...)

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    Schon komisch, wenn man bedenkt, dass die letzten Krisen (dotcom, subprime, Euro..) gerade von den Notenbanken, allen voran die FED ausgelöst wurde.

    http://www.youtube.com/wa...

    Die österreichische Schule hat die passenden Erklärungen dafür seit bald 100 Jahren, auch schon Nobelpreise dafür bekommen (http://de.wikipedia.org/w...)

  2. 3. [...]

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  3. "Systhemrelevante Pleiten", LIBOR, Lehmann......
    .
    REICHT ES IMMER NOCH NICHT?
    .
    Was muss noch alles passieren, damit dem Bankensector ENDLICH einmal wieder Zügel angelegt werden.
    .
    Ihre Grundfunktionen, bereitstellen von Krediten für die Wirtschaft, kommen sie nicht mehr nach. Sie machen sogenannte "Geschäfte" die ganze Volkswirtschaften zum Einsturz bringen. Helfen sicht- und beweisbar bei Betrug, Steuerhinterziehung.....usw.
    .
    Wie nennt man einen Wirtschaftszweig, eine Gruppe die vereint so sichtbar und fortdauern gegen Recht und Gesetz verstößt?
    .
    Richtig: Kriminelle Vereinigung aka Mafia!
    .
    Es REICHT!
    .
    Wenn sich die "politischen" Eliten (was ist das überhaupt) nicht nachsagen lassen wollen, sie hätten das gleiche "Label" verdient, muss jetzt ganz FIX etas geschehen.
    .
    Die Indizien und beweise reichen doch wohl aus. Da muss man nicht mehr warten bis in X Jahren ein Urteil in Xter Instanz gefällt worden ist, das die Banken den LiBOR zu Ihren Gunsten gefäscht haben. Wer will mit solchen Aussagen Zeit für wen gewinnen.
    .
    So langsam verstärkt sich die Meinung bei mir, das die "Methoden von 1789 ff oder von Nov. 1918 doch wieder aus dem Schrank geholt werden müssen.
    .
    Noch sehr pazifistische und gewaltfreie Gruesse
    Sikasuu
    (Der immer noch an einen Rechtsstaat und an eine Regierung glaubt, die die interessen der Mehrheit vertritt!)
    .
    Mal sehen wie das BVerfG entscheidet? :-(((
    @redaktion: Sorry, das musste mal raus!

    4 Leserempfehlungen
    • joG
    • 13.07.2012 um 18:39 Uhr

    ....viel zu tief waren, ist eindeutig. Die EZB, BoE und Fed gaben den Banken vor allem in Europa riesige Mengen Geld, weil sie im Interbankenmarkt zu Libor und Euribor keines bekamen. Damit waren offensichtlich diese zwei Indizes keine Marktzinsen.

    Dass die Hypothese den Politikern gefiel, man könnte zu den sehr geringen Zinsen Geld bekommen gefiel, ist klar, weil die Alternative höhere Zinsen bedeutet hätte, die die Wirtschaften abgewürgt hätten.

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    Das primäre Interesse der Staaten bzw. der Politik ist, sich unbegrenzt möglichst billig verschulden zu können - wie jeden Tag eindrucksvoll zu erleben ist (Rettungsschirme, Haftungsübernahmen, Eurobonds, etc.). Und glaube doch niemand, die EZB, die Fed oder die BoE seien unabhängig von der Politik. Das sind sie höchstens auf dem Papier. So wie alles in der Welt der Politik, das Vertrauen schaffen soll, allenfalls auf dem Papier existiert.

    Das primäre Interesse der Staaten bzw. der Politik ist, sich unbegrenzt möglichst billig verschulden zu können - wie jeden Tag eindrucksvoll zu erleben ist (Rettungsschirme, Haftungsübernahmen, Eurobonds, etc.). Und glaube doch niemand, die EZB, die Fed oder die BoE seien unabhängig von der Politik. Das sind sie höchstens auf dem Papier. So wie alles in der Welt der Politik, das Vertrauen schaffen soll, allenfalls auf dem Papier existiert.

    • joG
    • 13.07.2012 um 18:48 Uhr

    ...für Euribor sind außer:
    "Instructions To bbalibor Contributor Banks
    A. An individual bbalibor contributor panel bank will contribute the rate at which it could borrow funds, were it to do so by asking for and then accepting interbank offers in reasonable market size, just prior to 1100 London time.
    ...."

    Das ließe Vieles offen. Da hat Geithner natürlich recht.

  4. werden von den gleichen Leuten nach derselben Methode festgelegt: sie werden hinter verschlossenen Türen ausgeschachert. Dass die Fed eine „private public partnership“ ist, in der die Privatbanken eindeutig den Ton angeben und deren Gründung auf eine Intrige von internationalen Bankiers zurückgeht, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

    Insgesamt hängen Produkte in Höhe von 350 Bio $ am Libor (Dirk Müller). Hier wurden seit Jahrzehnten in einem unvorstellbaren Ausmaß Gewinne ergaunert.

    Dabei ist zu beachten, dass auch der Derivatehandel von den üblichen Verdächtigen aus dem „Money Trust“ (JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Morgan Stanley) ohne jede staatliche Aufsicht „over the counter“ läuft, New York Times, „A Secretive Banking Elite Rules Trading in Derivatives“:

    http://www.nytimes.com/20...

    Die „International Derivatives Clearing Group“, die unter dem Motto „Connecting the OTC Market with a Central Clearing Solution” ihr Unwesen treibt, setzt autonom fest ob z.B. ein „Default“ vorliegt oder nicht und entscheidet damit z.B. im Fall Griechenland über den „Wert“ von billionenschweren Credit Default Swaps und kann damit Großunternehmen wie AIG in den Konkurs treiben, die dann vom Finanzminister oder der Zentralbank gerettet werden.

    Der größte Witz ist dabei, dass dieser ganze Sumpf unter dem Namen „DIE MÄRKTE“ als freie Marktwirtschaft verkauft wird, dessen astronomische Gewinne angeblich auf Leistung beruhen.

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    • joG
    • 13.07.2012 um 20:17 Uhr

    ...aber da müssten Sie schon genauer sein. Die zwei sind eigentlich kaum zu vergleichen. Aber lesen Sie einfach nach. Dann sprechen wir weiter.

    • joG
    • 13.07.2012 um 20:17 Uhr

    ...aber da müssten Sie schon genauer sein. Die zwei sind eigentlich kaum zu vergleichen. Aber lesen Sie einfach nach. Dann sprechen wir weiter.

  5. Wohl eher nicht. Mein Libor Jolly ...

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    • joG
    • 13.07.2012 um 20:57 Uhr

    ... Konsequenzen?

    • joG
    • 13.07.2012 um 20:57 Uhr

    ... Konsequenzen?

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