Als Mario Monti vergangene Woche nach einem Treffen der Finanzminister vor die Presse trat, wirkte er seltsam erschöpft: "Meine Erklärungen waren nicht sonderlich präzise", entschuldigte er sich nach seinen Ausführungen. Es war ein ungewöhnlicher Auftritt des "deutschen Professors", wie Italiens Premier wegen seiner Gründlichkeit und Präzision genannt wird.

Seit rund acht Monaten ist Monti nun im Amt. Seither hat er das Land in einem Tempo reformiert, das zur Zeit seines Amtsvorgängers Silvio Berlusconi noch undenkbar war. Es ist ein kräfteraubender Prozess, der Monti innenpolitisch vor schwere Probleme stellt.

Künftig sollen nicht nur das Rentenalter von 55 Jahren an stufenweise ansteigen und Steuererleichterungen für Immobilienbesitzer gestrichen werden. Monti setzte sich auch über die Widerstände gegen seine Arbeitsmarktreform hinweg. Noch bis vor wenigen Monaten war die Lockerung des Kündigungsschutzes in Italien ein Tabu. Als die Regierung Berlusconi 2002 den betreffenden Artikel 18 des Grundgesetzes ändern wollte, gingen Millionen Italiener auf die Straße. Nun wird die Reform ohne großes Aufsehen verabschiedet.

Mit der Liberalisierung will Monti den Arbeitsmarkt beleben. Weil die Wirtschaft in der Rezession steckt, ist die Arbeitslosenquote zuletzt auf mehr als neun Prozent gestiegen. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt mehr als 30 Prozent. Viele Junge hangeln sich von Job zu Job, meist mit befristeten Verträgen. Jüngste Statistiken belegen, dass rund 3,5 Millionen Arbeitnehmer seit Jahren in befristeten Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind und dabei weniger als 850 Euro verdienen – die meisten von ihnen im öffentlichen Dienst. Sie sollen bald nach einer Schulungsphase schneller in unbefristete Verträge rutschen.

In Europa wird Monti für seine Reformen gelobt . Daheim aber hat der Premier zunehmend Schwierigkeiten, Unterstützung für seinen Kurs zu finden. Sowohl die Gewerkschaften, als auch der Industrieverband Confindustria sehen seine Arbeitsmarktreform kritisch. Dabei ist das Reformwerk noch nichts gegen das, was der Regierung Monti Im Herbst bevorsteht. Dann soll die Schrumpfung des Staatssektors beginnen. 

Seit der Wirtschaftskrise der siebziger Jahre ist der öffentliche Dienst gewaltig angewachsen. Im Dezember 2011, als die Krise in Italien ihren Höhepunkt erreicht hatte, war der Staat der einzige Arbeitgeber, der überhaupt noch Mitarbeiter einstellte. Das soll sich nun ändern. Vergangene Woche präsentierte die Regierung eine Liste von Kürzungen im öffentlichen Sektor , durch die der Staat allein in neun Monaten 10,3 Milliarden Euro sparen soll.

Den Anfang sollen die Ministerien machen. Jeder fünfte Leitungsposten soll wegfallen, jede zehnte Beamtenstelle abgebaut werden. Die Zahl der Parlamentsabgeordneten sinkt um rund 20 Prozent. Die Ausgaben für die rund 65.000 Dienstwagen der Beamten und Abgeordneten sollen um die Hälfte schrumpfen – von zwei auf eine Milliarde Euro im Jahr. Auch bei der Armee sollen rund 10 Prozent der Kosten wegfallen. Monti will außerdem rund 220 Gerichtshöfe schließen, 7.000 Krankenhausbetten abbauen und 1.152 Poststellen dicht machen.