Innenpolitisch ist die Reform heikel. Die Italiener, die anfangs außerordentliches Vertrauen in die Regierung Monti gesteckt haben, werden immer skeptischer. Zwar genießt Monti noch die breite Unterstützung einer überparteilichen Mehrheit im Parlament – offiziell bis zum Ende der Legislatur im Jahr 2013. Doch mit dem Unmut in der Bevölkerung wächst auch die Versuchung, den Wahlkampf schon jetzt beginnen zu lassen.

Ein alter Bekannter wartet dabei wieder auf seine Chance: Silvio Berlusconi hat angekündigt, bei der Wahl erneut anzutreten. Bis zu 30 Prozent der Stimmen könnte er ergattern, ergab zuletzt eine Umfrage. Für Europa wäre eine Wiederwahl Berlusconis ein Horrorszenario. Der frühere Staatschef hat mehrmals angedeutet, dass er im Falle seines Sieges eine Anti-Euro-Allianz anführen werde.

Monti konnte innenpolitische Angriffe bisher damit kontern, dass er das Reformprogramm als notwendiges Übel darstellen konnte, um das Vertrauen der Märkte und der Regierungen in Europa zurückzugewinnen. Seine Botschaft: Wenn Italien nur guten Willen zeige, werde Europa bei der Finanzierung der Staatsschulden schon helfen. Die hohen Zinsen, die Italien dennoch weiterhin am Anleihemarkt zahlen muss, erschweren nicht nur den Sparkurs des Landes, sondern widersprechen auch der Geschichte, die Monti den Bürgern seit Monaten erzählt.

Auch Italiens Banken leiden unter dem unstabilen Anleihemarkt. Die Geldinstitute des Landes sitzen auf einem Riesenberg von Staatsanleihen. Je mehr Zinsen der italienische Staat für seine Schulden bezahlen muss, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass es zum Staatsbankrott kommt. Das bedeutet wiederum schlechtere Bonitätsnoten für die Banken, die dementsprechend einen schwierigeren Zugang zu frischem Kapital haben. Die Folge ist eine Kreditklemme, durch die das Land tiefer in die Rezession rutscht.

Für Monti ist daher wichtig, dass die Zinsspanne zwischen den deutschen und italienischen Staatsanleihen bald sinkt. Vor dem EU-Gipfel vor zwei Wochen warnte Monti vor einer "Katastrophe", falls Europa sich nicht auf kurzfristige Maßnahmen einigen könne, um den Zinsdruck für die Krisenstaaten zu nehmen. Wenn die Italiener entmutigt würden, könnte das "politische Kräfte" freisetzen, die die europäische Integration und den Euro "zur Hölle fahren lassen", sagte der Premier.

Wohl auch deshalb bestand Monti nach der Verhandlungsnacht in Brüssel auf seinen politischen Sieg. Sein Land könne im Extremfall künftig Hilfen aus Europa beantragen , ohne strenge Auflagen und den Einzug der Troika fürchten zu müsse, verkündete Monti damals. Als Angela Merkel vor Kurzem Zweifel an seiner Deutung anmeldete, sagte Monti: "Wenn einige Regierungschefs die Bedeutung von wichtigen Entscheidungen minimieren, ist es schwierig, das Vertrauen der Finanzmärkte zu gewinnen."

Dass es vor allem darum geht, die Finanzmärkte zu beeindrucken, verriet Monti unlängst selbst. Gefragt, ob Italien bald Hilfen aus dem europäischen Rettungsfonds beantragen werde, antwortete der Premier: "Es wäre gewagt, zu sagen, dass Italien die Hilfe des Stabilitätsfonds nie brauchen wird." Sein Land sei aber nicht Griechenland , Portugal oder Irland . "Bei uns würde es nur darum gehen, den Anleihenmarkt zu stabilisieren."