Energiewende : Am Ende zahlt der Stromkunde

Der Bau von Windparks auf hoher See soll endlich vorankommen. Doch die Vorschläge der Bundesregierung enthalten noch viel Konfliktpotenzial.
Offshore Windpark Baltic 1 in der Ostsee © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Die Errichterschiffe sind geordert, die gigantischen Windräder auch. In wenigen Wochen will das Unternehmen Global Tech 1 mit dem Bau eines Windparks in der Nordsee beginnen. 80 Windräder mit einer Leistung von 400 Megawatt sollen sich rund 180 Kilometer nördlich von Bremerhaven drehen. Das entspricht, zumindest theoretisch, der Leistung eines kleinen Kohlekraftwerks.

Das Problem: Die Steckdose auf See, also der Netzanschluss, verzögert sich. Inzwischen ist der zuständige Netzbetreiber Tennet schon mehr als ein Jahr im Verzug – zum Ärger des Hamburger Unternehmens. Denn was ist, wenn der Windpark steht, aber keinen Strom ins Netz einspeisen kann?

Wer zahlt in einem solchen Fall den millionenschweren Ausfall? Schließlich garantiert das Erneuerbare-Energien-Gesetz für jede Kilowattstunde Offshore-Windstrom rund 19 Cent. Bislang ist völlig unklar, welche Haftungs- und Schadensersatzregelungen in solchen und anderen Fällen gelten.

Diese Unklarheit hat den Ausbau der Windkraft auf See seit Monaten blockiert. Denn welcher Investor gibt bereitwillig Geld, wenn er nicht weiß, mit welchen Summen er im Ernstfall haftet? Bestes Beispiel ist der japanische Mitsubishi-Konzern, der bislang seinen Einstieg beim Stromnetzbetreiber Tennet von der Klärung der Haftungsfrage abhängig macht .

Seit Dienstag ist die Frage nun geklärt. Bundesumweltminister Peter Altmaier ( CSU ) und sein Kollege, Bundeswirtschaftsminister Philip Rösler ( FDP ), haben ein Papier vorgelegt , das nach der Sommerpause in einem Gesetz zur Beschleunigung des Offshore-Ausbaus münden soll. Es ist einmal mehr ein Versuch der Bundesregierung , den Ausbau der Offshore-Windenergie zu fördern. Erst vergangenes Jahr wurde ein milliardenschweres Kreditprogramm aufgelegt. Unter anderem dürfen die Netzbetreiber sich nun die Kosten von den Stromkunden teilweise über steigende Netzentgelte zurückholen. Zudem einigten sich die Minister darauf, in den kommenden Monaten einen Netzentwicklungsplan für Offshore-Wind aufzustellen.

Aufatmen in der Branche

In der Branche sorgt die Einigung für Erleichterung. Die Firmen hoffen auf den lang ersehnten Neustart und dass der Ausbau nun endlich vorankommt. "Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung", sagt eine Sprecherin des Windparks Global Tech 1. Netzbetreiber Tennet zeigt sich ebenfalls zufrieden und bezeichnete das Papier als "wesentliche Weichenstellung".

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Kommentare

36 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Wozu eigentlich Offshore-Kraftwerke??

Wenn ich mich recht erinnere, haben Rösler und Altmaier die drastische Absenkung der Photovoltaikvergütungen mit steigenen Kosten für den Verbraucher begründet.
Und was passierte hier? 100%ige Absicherung der Stromerzeugung auf Kosten des Verbrauchers, chaotische Netze, die noch gebaut werden müssen und Milliardenkredite für eine Branche, die vor Geld kaum laufen kann.
Und bezahlen soll diese Irrsinn natürlich der Verbraucher.
Das die Politik zufrieden ist, kann ich sehr gut nachvollziehen. Denn es werden Gelder in Kapitalsammelbecken geschaufelt, die vor Geld schon überquellen. Das bedeutet möglicherweise sichere Jobs für einige Politiker oder auch sichere Spenden für Parteien.

Und bezahlen soll diese Irrsinn natürlich der Verbraucher.

Eine ganz spannende Frage bleibt

wie lange der so gefundene Kompromiss Bestand haben wird.
Ja gewiss die Haftungsfrage ist von Bedeutung, aber es wird ja auch deutlich: mit einer Regelung im juristischen Sinne alleine sorgt man nicht dafür, dass auch nur eine einzige Kilowattstunde Strom zu den Verbrauchern in den Süden der Republik fließen kann. Ohne ein entsprechend ausgebautes Leitungsnetz sind sämtliche Pläne für Windparks an der Nordseeküste nicht realisierbar.
Wie der Ausbau der Stromnetze mit dem notwendigen Tempo vonstatten gehen soll, dies ist bislang völlig offen. Im Gegenteil es steht zu befürchten, dass diesbezüglich die nächste Bundesregierung noch einmal ganz von vorne beginnen muss.
Dass der Markt eben doch nicht alles regeln kann, zeigt das Beispiel der USA: obwohl dort die Stromerzeuger weitestgehend freien Handlungsspielraum haben, ist das dortige Netz weitestgehend veraltet.

Mal wieder ein Kontraartikel

Mal wieder gibt es ein Kontraartikel zu den Erneuerbaren. Dabei weiß jedes Kind, das neue Technologien am Anfang Probleme machen, und das alternative Energien "alternativlos" sind.

Stellen sie sich vor wir sind das erste Land, dass ihren Strom komplett aus erneuerbaren Energien schöpft. Auch wenn es teurer ist (auf dem Papier, wenn man die Atommüllentsorgung dazu rechnet, und die Schäden durch die Klimaveränderung sähe die Rechnung anders aus) wird es den anderen Ländern zeigen, dass es geht. Diesen Titel empfände ich als viel ehrenvoller als (Waffen-)Exportweltmeister.

Ich verstehe Ihre Polemik nicht!

Dass es sehr teuer wird ist doch informierten und nicht von Ideologien verblendeten Menschen klar. Dieser Artikel schildert doch nur dass keiner sein Geld ohne Subventionen und staatliche Garantien in diese Pleite versenken will.
Übrigens: Das der Kunde bezahlt ist bei jedem Artikel so. Nur das hier die teure Erzeugung vorgeschrieben wird ist wahrscheinlich einmalig. (Oder wo erheben wir noch Einfuhrzolle?)

Alternativloses Schmalbrett...

...es gibt deutlich mehr als Wind und Sonne - und selbst wenn nur 50% damit (heute schon mehr als 20%!) vom DE-
Strombedarf gedeckt würde - das ist für Sie keine Hausnummer?

Hier steuert man 100% an!

Unter Federführung McKinsey...

http://www.roadmap2050.eu/

und hier im Auftrag der Bundesregierung

http://www.umweltrat.de/c...

Sie sollten mal etwas an Ihrem Wissensstand arbeiten!

Sie mögen - mit Prognosen - sogar Recht haben....

....gilt aber dann für ALLE Prognosen!

Auch die der EVU, die EE einen max. Stromanteil von 4%
zubilligten! Der EE-Stromzuwachs ging - entgegen den Prognosen - viel schneller, als man es je erwartet hätte!

...dass in Baden-Württemberg der Strom ausginge, falls das AKW Wyhl nicht gebaut würde...

....dass seit einem Jahr im Sommer,l im Herbst, im Winter und im Frühling wegen des Abschaltens von den paar Schrottmeilern auch das Licht ausginge - dagegen hat DE dafür gesorgt - auch mit PV_ und WKA-SWtrom - dass beim
benachbarten Atomstgromland Frankreich das Licht ANBLIEB -
wofür EdF sogar bis zu 1,94 Cts./KWh zahlten. Eigentlich hätte es - nach den EVU-Prognosen, den EVU-hörigen Politschranzen und der 'obersten' Kontrollbehörde = BundesNetzAgentur genau umgekehrt sein müssen!

...wurden über Wochen alle 54 AKW in Japan vom Netz genommen (34% der japan. Stromproduktion) - auch hier ging das Licht nicht aus, unnötiges wurde wohl nicht angeschaltet und nötiges intelligenter gesteuert als bisher!

Nur:
ohne Prognose bzw. Grobplanung geht garnix, weder Stillstand (auf den die EVU zuarbeiten, offen und noch mehr verdeckt) noch überzogene Erwartungen!

Und EE entwickelt sich entgegen der negativen Prognosen so stark, dass man jetzt schon 'deckeln' will - vor allem die Kleinanlageninvestoren und dies in Millionenzahl und grossflächig.

Und bis zu 100% EE stehen nach der Roadmap2050 noch 40 Jahre z.V.

Falls vorher in Zentraleuropa kein SuperGAU alle Prognosen über den Haufen bläst!

700 tWh/a in 2050 - lächerlich.

Der Umweltrat schreibt: 700 tWh/Jahr können erwartet werden bis 2050, wenn der gesamte Pkw-Verkehr umgestellt wird und relativ geringe Effizienzsteigerungen erreicht werden.

Im Jahr 2000 wurden in Deutschland 470 tWh erzeugt.
Im Jahr 2006 waren es bereits 600 tWh,
also 130 tWh mehr. - obwohl in dieser Zeit die Ökosteuer doch eigentlich den Verbrauch drosseln sollte.
Daran sieht man doch schon, was diese Annahmen wert sind!

Wollen sie die Stromzuteilung einführen um dieses Ziel zu erreichen?
Sonnige Grüße
Hadebe

Viel Geld für nichts

Und hier die Daten des statistischen Bundesamtes:
Von 1985 (!) bis 2004 hat sich der Strompreis nur marginal verändert. War so bei 9 Cent/Kwh.
Und die monopolkapitalistischen und profitgierigen Großversorger haben gute Gewinne gemacht und Steuern gezahlt.
Heute sind sie alle in den Miesen.
2005 wurden 553 Twh konventionell erzeugt und 502 Twh verkauft. 33 Twh waren "erneuerbare". 2010 wurden 519 Twh konventionell erzeugt und 478 Twh verkauft. 83 Twh waren "erneuerbare".
Die "erneuerbaren" werden für irrwitzige Beträge eingekauft und für noch mehr Geld wieder vernichtet.
Wenn der Zufallsstrom reinschwappt wird konventioneller Strom aus der Phase genommen oder landet im Dampfumformer.
CO2-Ersparnis ist ungefähr Null.
Manchmal hat man Glück und die Alpenländer kaufen den Strom an der Börse und pumpen damit ihre Speicher hoch. Strom verschenken ist dann noch billiger als vernichten.

Weitere Verzögerungen?

Bis auf den letzten Satz war Ihr Aufsatz recht gut. Koordiniertes Vorgehen braucht sicherlich etwas mehr Anlaufzeit, aber wenn dann erst einmal alles auf der "Reihe" ist, geht's normalerweise einfacher und schneller. Selbstverständlich sollte es eine technische und keine politische Koordinierung sein.

Haben sie den wirklich gelesen.

allein der Satz ist schon eine Stilblüte
"Unter anderem dürfen die Netzbetreiber sich nun die Kosten von den Stromkunden teilweise über steigende Netzentgelte zurückholen." wo bekommen die den sonst ihr Geld her, ist wie der dt. Staat haftet nein tut er nicht, sondern der dt. Steuerzahler. So bizar es auch sein mag, das Geld kommt schon jetzt vom Kunden.

Warum klappt es denn nicht mit der Finanzierung von Windparks, ich zitiere mal weil " die kein Schwein finanzieren kann" http://www.wiwo.de/politi...

Was passiert eigentlich, wenn sich die Dt. den Strom nicht mehr leisten können, bereits jetzt können schon 600k Haushalte ihren Strom nicht mehr finanzieren, http://www.welt.de/print/...
und da die Kosten der Energiewende jetzt auch auf die Mietkosten durchschlägt http://www.swr.de/report/...
dürfte sich diese Zahl dramatisch erhöhen. Und im Ausland wird keiner diesen Irrsinn bezahlen.

Hoffe langsam wirklich auf einen Bundesstaat Europa, dann könnten die Dt. sich ihren Strom da kaufen wo er billig ist und die Marktwirtschaft würde die EE Wende in D regeln, ist doch immer die Forderung der FDP.

Da haben sie sicher Recht,

aber es ist doch lustig das alle von Freizügigkeit sprechen und ich wenn ich in D leben würde, günstig in GB übers Internet einkaufen könnte. Eine der wenigen Sachen wo es nicht geht ist Energie. Stellen sie sich mal vor sie könnten ihren Strom in GB oder Polen einkaufen, da würde aber so etwas von Bewegung in den Preis kommen.
Oder warum bezahlt man hier in Quebec 3 Euro-Cent fürs kWh und Hydro Quebec macht immer noch Milliarden Gewinn jedes Jahr, die da es sich um eine public company handelt wieder dem Bürger zu fliesst.
http://www.hydroquebec.co...