Der Hauptbahnhof in Thessaloniki © Sakis Mitrolidis/AFP/Getty Images

Wer jemals in einem Zug von Thessaloniki nach Athen gesessen hat, der wird es bereits wissen: Die staatliche griechische Bahn ist weder schnell noch modern. Die Waggons sind alt und abgenutzt, die Bahnhöfe heruntergekommen. Seit vielen Jahren schreibt das Unternehmen Verluste. Pro Jahr muss der griechische Steuerzahler dreistellige Millionenbeträge zubuttern.

Wie viele andere Staatsbetriebe soll die marode Bahngesellschaft Trainose nun verkauft werden, um das Schuldenproblem des Landes zu lindern . Der Verkauf ist Teil des großen Privatisierungsprogramms der Troika, das die neue griechische Regierung umsetzen muss. Geschieht dies nicht, drohen die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) die Hilfskredite für Griechenland einzustellen.

Noch vor den Wahlen gründete die Vorgängerregierung den Hellenic Republic Asset Development Fund, der die Privatisierung etlicher Staatsbetriebe abwickeln soll. Die Website des Privatisierungsfonds gleicht einem Onlineshop, der zahlungskräftige Investoren vor allem aus dem Ausland anlocken soll. Linke Kräfte in Griechenland haben für den Fonds ein deutsches Wort gefunden: Treuhandanstalt – in Anspielung auf den Verkauf der Volkseigenen Betriebe der DDR.

" Anlagen nicht unter Wert verkaufen "

Wie nach der Wende würde in Griechenland ein Milliardenvermögen überhastet und viel zu billig verscherbelt, sagt Oppositionsführer Alexis Tsipras , der Vorsitzende des linken Parteienbündnisses Syriza. Er lehnt das Sparprogramm der Troika ab. Seine Partei wurde bei der Wahl aber nur zweistärkste Kraft.

"Internationale Investoren nehmen den Bürgern Strom-, Wasser-, Gasleitungen und das Schienensystemen einfach weg", beklagt Tsipras . Nur weil die bisherigen öffentlichen Betreiber häufig defizitär seien, könnten die bestehenden Systeme und Anlagen nicht unter Wert verkauft werden.

Auf der langen Liste des griechischen Privatisierungsfonds stehen Unternehmen, Immobilien und Grundstücke. Zu den größten Betrieben zählen neben der Bahngesellschaft die staatlichen Gas- und Wasserversorger, Flughäfen und Häfen, ein Nickelproduzent, die Post-, die Glücksspiel- und eine Erdölgesellschaft.

Die Regierung hofft, mit den Verkäufen bis zum Jahr 2015 etwa 19 Milliarden Euro einzunehmen. Bislang sind jedoch nur 1,8 Milliarden Euro zusammen gekommen, obwohl das Programm bereits seit etwa einem Jahr läuft. Dass es nicht schneller und effizienter voran geht, hat viele Gründe.