Die Rating-Agentur Moody's will die Spitzenratings von Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg untersuchen. Sie setzte den Ausblick für alle drei Länder von stabil auf negativ. Das bedeutet, dass eine Herabstufung drohen könnte. Bislang haben die Staaten eine stabile Bestnote von Aaa. Dagegen sieht Moody's Finnlands Spitzenrating weiterhin ungefährdet.

Als Grund für die Überprüfung der Ratings nannte Moody's die steigende Unsicherheit über den Ausgang der Schuldenkrise in Europa . Es sei immer wahrscheinlicher, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen müsse , schrieben die Experten der Rating-Agentur. Selbst wenn dies nicht passiere, sei davon auszugehen, dass Länder wie Spanien und Italien weitere Hilfen bräuchten.

Dabei sei davon auszugehen, dass die europäischen Staaten mit einer sehr guten Bonität die neuen Hilfen tragen müssten, führten die Moody's-Analysten weiter aus. Deutschland und die anderen wirtschaftlich starken Länder der Euro-Zone haben die schwächeren Partner bereits finanziell unterstützt.

Bundesfinanzministerium kritisiert Rating-Entscheidung

Das Bundesfinanzministerium kritisierte die Rating-Entscheidung indirekt als einseitig und erklärte, Deutschland sei "weiterhin Stabilitätsanker in der Euro-Zone". Die von der US-Rating-Agentur genannten Risiken in der Euro-Zone seien "nicht neu, wobei die Einschätzung vor allem die kurzfristigen Risiken in den Vordergrund stellt, während längerfristige Stabilisierungsaussichten unerwähnt bleiben". An den internationalen Finanzmärkten sei das Vertrauen in Deutschland hoch.

"Die Euro-Zone hat eine ganze Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, die zu einer nachhaltigen Stabilisierung der Euro-Zone führen werden. Deutschland selbst befindet sich unverändert in einer sehr soliden Wirtschafts- und Finanzsituation", hieß es. Deutschland erwarte ab 2014 einen ausgeglichenen Staatshaushalt . Die Kapitalisierung des Bankensektors habe sich deutlich verbessert.

"Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum in Deutschland sind solide. Auch an den internationalen Finanzmärkten ist das Vertrauen in Deutschland hoch; dies spiegelt sich in den niedrigen Refinanzierungskosten deutscher Anleihen wider", meldete das Finanzministerium weiter. Die Bundesrepublik werde durch solide Wirtschafts- und Finanzpolitik ihren Status eines sicheren Hafens wahren "und seine Ankerrolle in der Euro-Zone weiterhin verantwortungsvoll ausüben".

Eine Abstufung der Note für die Kreditwürdigkeit kann zu höheren Zinsen bei der Aufnahme neuer Schulden führen. Denn Investoren müssen von einer höheren Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass sie ihr Geld nicht zurückbekommen. Im Falle Deutschlands und der anderen Länder dürfte ein Verlust des Spitzenratings indes in erster Linie einen erheblichen Imageschaden bedeuten.

Auch die führende Rating-Agentur Standard & Poor's hatte Deutschlands Topbonität zwischenzeitlich einer Prüfung unterzogen , die Note letztlich aber nicht angetastet. Dagegen haben die USA ihre Bestnote bei S&P bereits verloren – und können sich dennoch zu sehr niedrigen Zinsen frisches Geld leihen. Ein Grund dafür ist, dass viele Investoren angesichts der Schuldenkrise in Europa nicht wissen, wohin mit ihren Milliarden.