EZB-Präsident Mario Draghi (links) und Finanzminister Wolfgang Schäuble in Berlin (Archivbild) © Sean Gallup/Getty Images

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bewertet die Ankündigungen der Europäischen Zentralbank positiv, alles zur Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise tun zu wollen. Der CDU-Politiker begrüße die Äußerung von EZB-Präsident Mario Draghi , die "notwendigen Maßnahmen zur Sicherung des Euro zu ergreifen", hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums vom Freitag.

Als Voraussetzung müsse aber die Politik die notwendigen Maßnahmen zur Bewältigung der Finanz- und Vertrauenskrise umsetzen, sagte Schäuble. "An erster Stelle stehen die Reformanstrengungen der Mitgliedsländer selbst."

Draghi hatte am Donnerstag gesagt, die Zentralbank werde innerhalb ihres Mandats "alles Erforderliche" tun, um den Euro zu erhalten. Er fügte hinzu: "Und glauben Sie mir, das wird ausreichen". Ein mögliches Instrument ist der Aufkauf von Staatsanleihen von Krisenstaaten , das die EZB bereits umfassend genutzt hat. Allerdings ruht das Programm seit mehreren Wochen. Weil die Zinsen vor allem für Italien und Spanien inzwischen auf Rekordhöhen gestiegen sind, wächst der Druck auf die EZB, wieder aktiv zu werden.

Merkel und Hollande wollen "alles tun"

Auch Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande äußerten sich ähnlich wie Draghi: Frankreich und Deutschland seien entschlossen, alles zu tun, um die Euro-Zone zu schützen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung vom Freitagnachmittag.

Merkel und Hollande forderten: "Hierfür müssen die Mitgliedstaaten, wie auch die europäischen Institutionen, jeweils in ihrem eigenen Kompetenzbereich ihren Verpflichtungen nachkommen." Zudem müssten die Schlussfolgerungen des letzten Euro-Gipfels von Ende Juni für eine langfristige Sicherung der Euro-Zone "rasch" umgesetzt werden.

Ein stärkeres Eingreifen der EZB könnte vor allem für Spanien wichtig werden. Nach Angaben eines Insiders hat das Land erstmals eingeräumt, dass es wegen der Schuldenkrise möglicherweise das volle Rettungsprogramm der EU und des Internationale Währungsfonds mit einem Volumen von 300 Milliarden Euro in Anspruch nehmen muss. Dies sei Thema eines Gesprächs zwischen dem spanischen Wirtschaftsminister Luis de Guindos und Bundesfinanzminister Schäuble in Berlin gewesen, meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf informierte Kreise.

Bundesbank gegen starkes EZB-Engagement

Deutschland habe der Gedanke nicht gefallen, dass das volle Programm in Anspruch genommen werde, hieß es. Eine spanische Regierungssprecherin wies die Aussagen zurück. "Wir dementieren entschieden alle derartigen Pläne." Dazu gebe es weder Überlegungen noch sei darüber diskutiert worden.

Direkte Hilfen für Spanien durch die EZB lehnte die deutsche Bundesbank weiterhin anders als Schäuble ab. Die Einschätzung zu einem solchen Vorgehen habe sich nicht geändert, sagte ein Bundesbanksprecher. Ein solches Eingreifen sei "problematisch".

Am Devisen- und Anleihemarkt herrschte nach Draghis Äußerung und den Reaktionen darauf Verwirrung darüber, ob eine große Rettungsaktion der EZB tatsächlich kommt. "Wir glauben nicht, dass die EZB schon in der nächste Woche mit neuen Maßnahmen aufwarten wird", so Rainer Sartoris, Analyst bei HSBC Trinkaus. Eine Wiederaufnahme des Anleihenkaufprogramms und eine erneute Zinssenkung seien eher mittelfristig zu erwarten. Die EZB wird am Donnerstag nach der Zinssitzung Einblick in ihren weiteren Kurs geben.

Der Euro pendelte am Freitag zwischen einem Zweieinhalb-Wochen-Hoch von 1,2333 und dem Tagestief von 1,2240 Dollar hin und her. Auch bei den Renditen zehnjähriger italienischer und spanischer Staatsanleihen herrschte ein Auf und Ab.