Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara ist dafür bekannt, wenig zimperlich mit Milliardären umzugehen. Im vergangenen Oktober brachte er den Gründer eines Hedgefonds aus Manhattan für elf Jahre hinter Gitter, weil dieser im Aktienhandel betrogen und damit ein Vermögen verdient hatte. Es war der größte Skandal um Insiderhandel, den die USA seit langer Zeit erlebt hat. Seitdem nennen ihn viele in den USA nur noch den Albtraum der Wall Street.

Anfang dieses Jahres schockte Bharara die Finanzwelt erneut. Er erhob Anklage gegen drei Mitarbeiter der Wegelin Bank , der ältesten Privatbank in der Schweiz . Sein Vorwurf: Sie habe US-Steuerzahler dazu angestiftet, die Steuergesetze der USA zu brechen. US-Bürger hätten mithilfe der Bank insgesamt 1,2 Milliarden Dollar am Fiskus vorbeigeschleust und in der Schweiz angelegt. Den drei Bankberatern droht nun bis zu fünf Jahren Haft.

In den USA wurde die Klage mit großem Jubel begleitet. "Es ist richtig, dass die US-Behörden die Schweiz unter Druck setzen", schrieb die New York Times . Und es sei falsch, ein Steuerabkommen mit der Schweiz zu schließen, so "wie es Deutschland macht".

"Freifahrtschein für Steuerhinterzieher"

Gemeint ist das Abkommen, das die Bundesregierung im September 2011 unterzeichnet hat. Demzufolge sollen deutsche Staatsbürger ihr Schwarzgeld in der Schweiz rückwirkend versteuern können – ohne strafrechtliche Konsequenzen und zu einem ermäßigten Steuersatz von 21 bis 41 Prozent. Bisher kann das Abkommen nicht in Kraft treten, weil dazu die Zustimmung des Bundesrats erforderlich ist. Die von SPD und Grünen geführten Länder aber weigern sich, die Steueramnestie abzusegnen.

Der Widerstand kommt vor allem aus Nordrhein-Westfalen. Die Behörden dort haben kürzlich verkündet, dass sie weitere CDs mit Namen deutscher Bankkunden aus der Schweiz aufkaufen wollen, um Steuersünder strafrechtlich zu verfolgen. "Das Steuerabkommen bietet Straftätern weiterhin riesige Schlupflöcher", sagt NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans . "Zusätzlich wird das hinterzogene Vermögen noch zum Super-Rabatt legalisiert. Das ist ein Freifahrtschein für Steuerhinterzieher", schimpft der SPD-Politiker.

Die Schweizer Behörden und die Bankenlobby empören sich hingegen über die Kritik aus NRW. Mit den CD-Käufen werde gegen das Bankgeheimnis verstoßen, die Methoden seien illegal, heißt es. Politiker in der Schweiz drohten, dass sie das Steuerabkommen platzen lassen würden, wenn Deutschland nicht mit den Ermittlungen aufhören sollte.

Ähnlich argumentierten die Schweizer auch gegenüber den USA. Mit den Amerikanern strebt die Berner Regierung ebenfalls ein Steuerabkommen an, um strafrechtliche Ermittlungen gegen US-Bürger mit Vermögen in der Schweiz zu unterbinden. Bisher aber hat sich US-Präsident Barack Obama darauf nicht eingelassen. Stattdessen ernannte er im Sommer 2009 den für sein rigoroses Durchgreifen bekannten Preet Bharara zum Staatsanwalt im südlichen Bezirk des Bundesstaats New York , in dem auch Manhattan liegt, wo viele international tätige Banken ihren US-Sitz haben.