Harvard-Studenten feiern ihren Abschluss. © Brian Snyder/Reuters

Für den englischen Historiker Thomas Fuller bestand kein Zweifel: "Reich sind nur die, die wahre Freunde haben", sagte Fuller vor fast 400 Jahren. Was mit Blick auf emotionale Fragen zweifellos bis heute stimmt, ist im Wirtschaftsleben allerdings nicht zwangsläufig der Fall.

Wenn es um materielle Dinge geht, erweisen sich Freundschaften mitunter als Risikofaktor – das zeigt ein dreiköpfiges Forscherteam der US-Elite-Universität Harvard in einer jetzt veröffentlichten Studie. Zu viel gegenseitiges Vertrauen unter Geschäftsleuten macht offenbar nachlässig und führt mitunter zu schlechteren wirtschaftlichen Ergebnissen, lautet das Fazit der Studie mit dem Titel The Cost of Friendship .

Das Forschertrio hat die ökonomische Bedeutung von Freundschaft am Beispiel von amerikanischen Investoren untersucht, die junge Unternehmen mit Wagniskapital versorgen. Die Wissenschaftler betrachten dabei jeden einzelnen Partner einer Venture-Capital-Gesellschaft ganz individuell. In der Branche ist Teamwork an der Tagesordnung: In aller Regel investiert nicht ein Kapitalgeber allein in ein Start-up, sondern holt sich einen oder mehrere Partner aus anderen Gesellschaften ins Boot – unter anderem, um die eigenen Risiken zu reduzieren.

Für die Ökonomen hat die Venture-Capital-Branche einen weiteren Vorteil: Der Erfolg oder Misserfolg eines Investments lässt sich einfacher messen als in den meisten anderen Wirtschaftszweigen. Als geglückt gilt ein Engagement immer dann, wenn das Unternehmen später an die Börse gebracht werden kann.

Sympathie kann teuer werden

In mühsamer Handarbeit haben die Harvard-Ökonomen Paul Gompers, Vladimir Mukharlyamov und Yuhai Xuan eine Datenbank mit detaillierten biografischen Informationen für mehr als 3.500 amerikanische Wagniskapitalgeber aufgebaut. Zwischen 1975 und 2003 beteiligten sich diese Personen an fast 12.000 Unternehmen.

Die Forscher recherchierten für jeden einzelnen Investor, an welchen Universitäten er studiert hat und wer seine früheren Arbeitgeber waren. Die Ökonomen kennen zudem sein Geschlecht und seinen ethnischen Hintergrund. Die Analyse dieser Datenflut legt bemerkenswerte Muster offen: Wagniskapitalgeber suchen sich ihre Geschäftspartner auffallend häufig auf der Basis persönlicher Sympathien aus. So tun sie sich zum Beispiel überproportional oft mit Investoren zusammen, die an der gleichen Universität studiert haben oder die sie von einem früheren Arbeitgeber kennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem gemeinsamen Investment kommt, ist bei solchen Übereinstimmungen um 20 Prozent größer. Noch stärker ist der Effekt bei Investoren, die der gleichen ethnischen Minderheit angehören.

Dieser Befund bestätigt die Beobachtung von Sozialpsychologen, dass Menschen eine Vorliebe für Partner haben, die ihnen ähnlich sind. Für Wagniskapital-Geber kann diese Neigung aber teuer werden. Investments, bei denen die Partner aufgrund persönlicher Sympathien ausgewählt wurden, gehen häufiger schief: Die Erfolgswahrscheinlichkeit sinke um bis zu 25 Prozent, schreiben die Forscher. Ganz anders sieht es aus, wenn man sich seine Partner nicht aufgrund des Nasenfaktors, sondern anhand ihrer Qualifikationen aussucht.

Wer sich zum Beispiel mit dem Absolventen einer Elite-Universität zusammentut, darf auf deutlich üppigere Erträge hoffen. Die Wahrscheinlichkeit, das Start-up später erfolgreich an die Börse zu bringen, steigt dann um neun Prozent. Wer reich werden will, sollte also mit seinen Freunden keine Geschäfte machen.

Erschienen im Handelsblatt