StudienkrediteUS-Akademiker ächzen unter der Schuldenlast

Uni-Absolventen in den USA haben zunehmend Mühe, ihre staatlichen Studienkredite abzuzahlen. Der Kongress hält die Zinsen niedrig, doch Experten sehen darin keine Lösung.

US-Präsident Barack Obama diskutiert mit Studenten und ihren Eltern über Studentenkredite: Anfang Mai 2012 in der Washington-Lee High School in Arlington, Virginia.

US-Präsident Barack Obama diskutiert mit Studenten und ihren Eltern über Studentenkredite: Anfang Mai 2012 in der Washington-Lee High School in Arlington, Virginia.

Amerikanische Studenten können aufatmen. Ein bisschen zumindest. Der US-Kongress entschied Ende der vergangenen Woche, die Zinsen auf staatlich geförderte Studienkredite ein weiteres Jahr niedrig zu halten. Es wurde auch allerhöchste Zeit: Am Sonntag wäre die Zinsminderung ausgelaufen, und die Rate hätte sich auf einen Schlag verdoppelt, von 3,4 auf 6,8 Prozent. Am Ende aber wussten Demokraten wie Republikaner, dass dies angesichts des kräftig steigenden Volumens von Studienkrediten in den USA nicht zu rechtfertigen gewesen wäre.

Spätestens seitdem der Schuldenstand der Studienkredite vor ein paar Wochen die Marke von 1.000 Milliarden Dollar überschritten hat, ist klar: Hier geht es längst nicht mehr um tragische Einzelschicksale unglücklich verschuldeter Hochschulabsolventen, die durch die Medien gejagt werden. Das Problem ist zu einem für die gesamte Volkswirtschaft, die größte der Welt, angewachsen und könnte weitreichende Konsequenzen haben, wenn die Politiker in Washington nicht endlich entschieden eingreifen. Daher hat auch Präsident Barack Obama die enormen Studienkreditschulden kürzlich zu einem seiner Hauptwahlkampfthemen gemacht.

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Endlich ist das Thema auf die Agenda gelangt, meint US-Experte Mark Kantrowitz, der sich schon seit Jahren damit beschäftigt. Lange Zeit war er mit seinen Warnungen bei den Politikern im Kongress und in der US-Notenbank Federal Reserve auf taube Ohren gestoßen. "Eine Billion Dollar Schulden ist ein Meilenstein, das setzt die Gesetzgeber mächtig unter Druck", sagt er. Die Lage ist angespannt: In den vergangenen zehn Jahren ist der Schuldenstand um rund 500 Prozent gestiegen. Vor Kurzem erst hat er damit die Gesamtschuld der Kreditkarten überholt. Im Schnitt hat ein US-Akademiker rund 27.000 Dollar Schulden, bei Medizinern kann der Betrag aber schnell auch sechsstellig sein.

Abzahlen bis zur Rente

Das Dilemma: Angesichts der immer noch schwächelnden US-Wirtschaft haben amerikanische Uni-Absolventen zunehmend Schwierigkeiten, ihre Kredite abzuzahlen. Geringe Gehälter, Behelfsjobs oder Arbeitslosigkeit lassen dafür einfach nicht genug übrig. Darüber hinaus haben diese jungen Amerikaner aber häufig auch nicht ausreichend Geld für diverse andere Dinge wie Auto, Haus oder Altersvorsorge. Viele Studienkreditnehmer werden ihre Schuld nicht in den zehn Jahren tilgen können, die normalerweise für staatliche Kredite vorgesehen sind.

Vielmehr sieht es nach heutigem Stand danach aus, dass viele Schuldner – erst recht solche mit privaten Krediten – bis weit ins Berufsleben oder gar bis zu dessen Ende das Darlehen werden abzahlen müssen. Schon heute summiert sich die Studienschuld der Amerikaner im Alter von über 60 Jahren bei insgesamt 36 Milliarden Dollar. Und weil viele Eltern für die Studienkredite ihrer Kinder bürgen, ist auch ihre Kaufkraft gehemmt. So wächst sich das Problem der jüngeren Generation zu einer gewaltigen Last für die gesamte Wirtschaft aus.

Genau deswegen hatte die Regierung vor vier Jahren, mitten in der Krise also, die Zinsminderung für staatlich subventionierte Studienkredite beschlossen. Sie sollte ursprünglich zum 1. Juli auslaufen. Damit hätten 7,4 Millionen amerikanischer Studenten künftig höhere Zinsen zahlen müssen. Auf sie wären durchschnittlich Mehrkosten in Höhe von 1.000 Dollar zugekommen. Genau daran hakten auch die Verhandlungen im Kongress: Den Studenten diese Kosten abzunehmen, kostet den Staat sechs Milliarden Dollar. Die Parteien stritten bis zuletzt, wo diese Summe herkommen soll. Am Ende überwog aber die Sorge vor negativen Schlagzeilen. Der Mehraufwand wurde nun doch in Kauf genommen.

Leserkommentare
  1. Ich hörte vor einigen Monaten eine Sendung im Radio über die Studienkredite in den USA.

    Dort wurde erwähnt, dass diese Kredite nicht durch Privatkonkurs abgeschüttelt werden können. Diese Schulden bleiben quasi ein Leben lang am Schuldner haften. Durch diese Eigenschaft, wurden die Studienkredite begehrt als Anlageform (Bündeln und weiterverkaufen).

    Prinzipiell lässt sich festhalten, dass jede Form von Fremdfinanzierung eine reine Problemverlagerung in die Zukunft darstellt.

    Für Politiker mag das noch ein schönes Schlupfloch sein (nach meiner Amtszeit die Sintflut), aber für junge Menschen oder gesamte Volkswirtschaften kann sich das schnell zu einem großen Problem auswachsen, denn der Investor will ja Zins und Zinseszins.

    4 Leserempfehlungen
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    Stimmt, auch die Umlagefinazierung aus öffentlichen Mitteln verlagert das Problem in die Zukunft.
    Sobald die Wirtschaft schwächelt fehlt das Geld, egal ob das der privaten oder öffentlichen Hand.
    Wenn ein Absolvent keinen adäquaten Job findet kann er weder in Modell 1 seinen Studienkredit zurückzahlen noch zahlt er in Modell 2 Steuern, aus denen die Mittel für nachfolgende Studenten gezogen werden.
    Wenn allerdings die Wirtschaft gut läuft ist es nicht unangemessen, den Absolventen, der dann einen adäquaten Job hat, an den Ausbildungskosten zu beteiligen.
    Das hiesige Bafög scheint bei allen Mängeln (Stipendien u.ä. sind übrigens nie hoch genug und man muss immer zuviel zurückzahlen) da grundsätzlich eine ganz brauchbare Mischlösung zu sein.

    Stimmt, auch die Umlagefinazierung aus öffentlichen Mitteln verlagert das Problem in die Zukunft.
    Sobald die Wirtschaft schwächelt fehlt das Geld, egal ob das der privaten oder öffentlichen Hand.
    Wenn ein Absolvent keinen adäquaten Job findet kann er weder in Modell 1 seinen Studienkredit zurückzahlen noch zahlt er in Modell 2 Steuern, aus denen die Mittel für nachfolgende Studenten gezogen werden.
    Wenn allerdings die Wirtschaft gut läuft ist es nicht unangemessen, den Absolventen, der dann einen adäquaten Job hat, an den Ausbildungskosten zu beteiligen.
    Das hiesige Bafög scheint bei allen Mängeln (Stipendien u.ä. sind übrigens nie hoch genug und man muss immer zuviel zurückzahlen) da grundsätzlich eine ganz brauchbare Mischlösung zu sein.

  2. Stimmt, auch die Umlagefinazierung aus öffentlichen Mitteln verlagert das Problem in die Zukunft.
    Sobald die Wirtschaft schwächelt fehlt das Geld, egal ob das der privaten oder öffentlichen Hand.
    Wenn ein Absolvent keinen adäquaten Job findet kann er weder in Modell 1 seinen Studienkredit zurückzahlen noch zahlt er in Modell 2 Steuern, aus denen die Mittel für nachfolgende Studenten gezogen werden.
    Wenn allerdings die Wirtschaft gut läuft ist es nicht unangemessen, den Absolventen, der dann einen adäquaten Job hat, an den Ausbildungskosten zu beteiligen.
    Das hiesige Bafög scheint bei allen Mängeln (Stipendien u.ä. sind übrigens nie hoch genug und man muss immer zuviel zurückzahlen) da grundsätzlich eine ganz brauchbare Mischlösung zu sein.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Details am Rande"
  3. 3. Lustig

    Die Zentralbanken verschleudern das Geld für 1% oder weniger, je mehr Geld die Geschäftsbanken haben wollen desto besser.
    Und wenn jemand einen Kredit für so etwas "unwichtiges" wie Bildung habe will darf er/sie 3.4% zahlen.
    Man könnte fast böse Absicht (Leibeigenschaft auf Lebenszeit) dahinter vermuten...

    7 Leserempfehlungen
    • Raig
    • 02.07.2012 um 16:26 Uhr

    ...natürlich auch nicht verstehen, dass nicht nur die Schuldtilgung das Problem ist. Die Studenten zahlen nicht nur Zinsen, sondern sie haben auch keine Chance eine Familie zu gründen. Denn jemand der Schulden hat, der hat eher einen Zweitjob als Kinder (oder er gibt ganz auf in fällt in die Langarmutsfalle).

    In der Art unterscheidet es sich nicht von der BRD: Auch werden junge Menschen mit Praktika und Erbärmlichkeitslöhnen abgespeist, während man zeitgleich mehr Leistung und Flexibilität erwartet. Heute erst wurde verkündet, dass die Geburtenzahl 2011 so niedrig wie noch nie war (abgesehen davon sieht man, wie von der Leyen/CDU gelogen hat). Man sieht es auch an den Auswanderungszahlen qualifizierter Deutscher.

    Die Demokraten haben es kaputtgemacht. Obamas Pflicht wäre es, die USA insolvent zu melden, ansonsten ist er ein Konkursverschlepper und Zukunftsverbrecher.

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  4. ...dass sich ein Studium nicht mehr lohnt. Wie oft wird denn das Studium gerade mit der Begründung des anschliessend höheren Einkommens mit diesen Gebühren belegt? Ein Studium lohne sich, heisst es da. Wenn ein Akademiker dann aber sein Leben lang an diesen Schulden hängt, hat sich gar nichts gelohnt. Das muss ziemlich frustrierend sein. Im Umkehrschluss signalisiert das aber auch:
    Studiert nur, wenn ihr euch das leisten könnt! Womit natürlich der weisse, evangelikal-konservative Geldadel der USA schön weiter an der Reproduktion seiner eigenen Schicht arbeiten kann...

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  5. ... den Zugang zum Studium ermöglichen reicht nicht. Wall Street kann die Minderprivilegierten zusätzlich ausplündern.

    Die Neofeudalen Staaten von Amerika - hier kann man lernen, was man alles vermeiden sollte.

    2 Leserempfehlungen
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    • em-y
    • 02.07.2012 um 18:26 Uhr

    als würden andere Laender oft die falschen Schlüsse aus dem Beispiel USA ziehen - man folgt, statt zu vermeiden -, finden Sie nicht?

    • em-y
    • 02.07.2012 um 18:26 Uhr

    als würden andere Laender oft die falschen Schlüsse aus dem Beispiel USA ziehen - man folgt, statt zu vermeiden -, finden Sie nicht?

  6. Die Studienkredite sind das nächste Pulverfass im großen Finanzkasino. Da gilt es dann ein Vielfaches von ein paar Immobilienkrediten zu garantieren wenn die Banken fallen.

    Die Leute können ihre sauteuren Kredite einfach nichtmehr zurückzahlen, weil die Löhne es nichtmehr hergeben.

    Das ganze System der privaten Bildung funktioniert nicht mehr.

    Wenn den USA diese Kredite um die Ohren fliegen, dann ist wirklich Endzeitstimmung.

  7. So sieht es denn also aus: Die Ungebildeten lassen wir vor die Hunde gehen, die Gebildeten überführen wir in Zinsknechtschaft - natürlich inklusive Lohndumping. Da braucht man auch keine Angst vor Revolutionen haben, selbst in einem Land voller privater Waffen. Die Leute werden 24/7 in ihren Bildungseinrichtungen und durch Fox und Co. abgestumpft und missgeleitet. Und zahlen noch dafür. Perfides System.

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