Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ( DIW ) schlägt vor, zum Abbau der Schulden in Europa Bürger mit großem Vermögen oder hohem Einkommen in stärkerem Maß heranzuziehen. Der Staat könne sie durch eine einmalige Abgabe belasten, die sukzessive ganz oder auch nur teilweise zurückgezahlt werde, heißt es in einer DIW-Studie .

"Man könnte das mit einer Zwangsanleihe kombinieren, indem die betroffenen Abgabepflichtigen Schulden übernehmen müssen", sagte Studienleiter Stefan Bach dem Handelsblatt . "Je nach Konsolidierungsfortschritt beim Staat können diese Anleihen dann später zurückgezahlt und auch verzinst werden." Wenn das nicht der Fall sei, dann gehe das Ganze in eine Vermögensabgabe über.

"Den hohen Staatsschulden stehen staatliche Vermögen und hohe private Vermögen gegenüber", schreibt das DIW im Fazit der Studie. "Diese Vermögen sollten verstärkt zur Entschärfung der Schuldenkrise mobilisiert werden." Mit Zwangsanleihen und einmaligen Vermögensabgaben könnten Privathaushalte mit hohen Vermögen und Einkommen zur Refinanzierung und zum Abbau der Staatsschulden herangezogen werden, ohne dass eine Dämpfung der Konsumnachfrage zu befürchten wäre. Die Erhebung solcher Abgaben sei aber nicht einfach, da die Vermögenswerte ermittelt sowie Steuerflucht und -hinterziehung unterbunden werden müssten, schreibt das DIW.

Ab 250.000 Euro würde die Abgabe greifen

Die Berechnungen des Instituts kommen zu dem Ergebnis, dass sich bei einer Abgabe, die ab einem individuellen Vermögen von 250.000 Euro (bei Ehepaaren 500.000 Euro) erhoben wird, eine Bemessungsgrundlage von 92 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ergibt. "Ein Zwangskredit oder eine Abgabe in Höhe von zum Beispiel zehn Prozent auf diese Bemessungsgrundlage könnten somit gut neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts mobilisieren – rund 230 Milliarden Euro." Damit würde auch der gestiegenen Ungleichheit in der Vermögensverteilung entgegengewirkt.

Der Schuldenstand in Deutschland ließe sich damit ein deutliches Stück näher an die 60-Prozent-Grenze nach den Maastrichter Kriterien zurückführen. Steuerpflichtig wären laut der Expertise die reichsten acht Prozent der deutschen Bevölkerung. Sie müssten damit rechnen, dass auf Immobilienvermögen, Geldvermögen und Betriebsvermögen zugegriffen würde. Die DIW-Experten sind überzeugt, dass auf diesem Weg auch in den Krisenländern der Eurozone wie Griechenland , Spanien und Italien erhebliche Einnahmen erzielt werden könnten.