Marissa Mayer : Die unverhoffte Yahoo-Retterin

Die Wahl von Marissa Mayer als neue Chefin ist ein Glücksfall für Yahoo. Mit der Wahl ist das Unternehmen wieder interessant geworden.
Marissa Mayer, Spitzenmanagerin bei Google, wechselt zu Yahoo. © Paul Zimmerman/Getty Images for TechCrunch/AOL

Von wegen Sommerloch. Die Nachricht schlug am Montagnachmittag wie eine Bombe im Silicon Valley ein. Dass mit Marissa Mayer eines der bekanntesten Gesichter von Google den Chefposten bei Yahoo übernehmen würde, damit hatte im Hightech-Tal niemand ernsthaft gerechnet. Denn es galt nur als Formalie, dass der Übergangschef Ross Levinsohn den Vorstandsvorsitz dauerhaft übernehmen würde. Der hatte zuletzt Eindruck gemacht, weil er einen Patentstreit mit Facebook gütlich beilegte. Doch der Hedgefonds-Manager Daniel Loeb, der für den Abgang von Yahoo-Chef Scott Thompson gesorgt hatte, wollte lieber einen Vorstandschef mit Produkterfahrung an der Spitze sehen. Levinsohn ist jedoch vornehmlich ein Medienmanager. Ob er bei Yahoo verbleibt, ist ungewiss.

Noch überraschender: Die Ex-Produktchefin und Vorzeigefrau von Google tritt ihren neuen Job schon am heutigen Dienstag an, pünktlich zur Bekanntgabe der neuesten Quartalszahlen, die wegen zusätzlicher Ausgaben durch Massenkündigungen wahrscheinlich schlecht ausfallen werden. Mayers Blitzübernahme legt den Schluss nahe, dass Google über die Wechselpläne informiert war. Seit Langem gibt es Gerüchte im Silicon Valley, dass Yahoo seine Anzeigenvermarktung an Google auslagern möchte. Zwar akzeptiert die kalifornische Justiz Wettbewerbsklauseln nicht, wie Hewlett Packard beim Wechsel seines langjährigen Chefs Mark Hurd zu Konkurrent Oracle bereits schmerzlich feststellen musste. Das macht das schnelle Wechseln zum Wettbewerb möglich.

Eine weitere Neuigkeit verkündete Mayer dann am Dienstagmorgen via Twitter : Sie und ihr Ehemann, der Anwalt Zachary Bogue, erwarten im Oktober ein Baby. Sie habe im Januar von ihrer Schwangerschaft erfahren und sei dementsprechend hin und her gerissen gewesen, als sie am 18. Juni den entscheidenden Anruf von Yahoo bekommen habe. Allerdings habe niemand im Unternehmen ein Problem damit gehabt, eine schwangere Chefin einzustellen, sagt Mayer. "Sie denken alle sehr fortschrittlich", sagte Mayer. Sie wird ihren neu angetretenen Job also in wenigen Monaten kurzzeitig unterbrechen und anschließend ins Unternehmen zurückkehren.

Mayer kennt Googles Strategie im Detail

Und wer Mayer kennt, weiß auch, dass die Ex-Freundin von Google-Gründer Larry Page nichts machen würde, was ihrem langjährigen Arbeitgeber vorsätzlich schädigt. Andererseits blieb Page auch nichts anderes übrig, als Mayer sofort gehen zu lassen. Denn bis vergangene Woche war sie in alle wichtigen Produktentscheidungen eng eingebunden und kennt Googles langfristige Strategie in allen Details.

In mehreren Interviews während ihrer Google Karriere hatte sie stets klargemacht, dass sie ihre Mission bei der Suchmaschine nicht nur als Job, sondern als Lebensaufgabe sah. Ihre Eltern waren geschockt, als die Stanford-Absolventin 1999 das Startup Google als ihren ersten Arbeitgeber wählte. Dort war die Informatikerin mit dem Spezialgebiet Künstliche Intelligenz Mitarbeitern Nummer 20 und die erste weibliche Entwicklerin überhaupt.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Das liebe ich an der ZEIT ...

... sie ist eine alte Dame / alter Herr (Dönhoff / Schmidt) und doch stets wie ein Kind zu starten. Gerne nimmt man erste Anzeichen für Wendemarken und der Indikativ ist seit Jahrzehnten die Hauptausdrucksform, besonders in den Futuren I und II.

Zitat aus dem Artikel oben: "Die unverhoffte Retterin" Frau Mayer. Das liest sich wie der Titel zur Geschichte der erfolgreichen Bergung eines Ertrinkenden.

Leider, leider, leider sieht die Wirklichkeit aber so aus: Yahoo ist seit über 10 Jahren ein Dauersanierungsfall und zahlreiche "Retter" an der Spitze gaben sich die Klinken in die Hand. Nichts spricht dafür, dass Yahoo ein auskömmliches Dasein zwischen den Mühlsteinen Google, Apple & Cie finden könnte. Dem Geschäftsmodell fehlen die Alleinstellungsmerkmale und seit rund 10 Jahren geht es beständig bergab.

Von einer "unverhofften Retterin" kann nur bei begeisterungsfähigen Leuten die Rede sein, die lästige Implikationen in der Sache auch mal beiseitelassen.

Gratulor zu dem Artikel !

Als Google noch eine "Garage" war ...

... hat man offensichtlich keine sonderlich professionellen Arbeitsverträge geschlosssen. Die gute Marissa (Employee #18) war bis zum letzten Montag Chefköchin in der Innovationsküche von Google und kennt damit sämtliche technologischen Ideen und Pläne von Google für die nächste Zeit. Normalerweise gibt es bei solchen Jobs eine Konkurrenzklausel, die bestimmt, daß leitende Angestellte mit derartig geschäftkritischem Wissen erst nach einer 1 bis 2-järigen Karenzzeit zu direkten Konkurrenten wechseln dürfen.

Ein echter Coup von Yahoo. Ob Yahoo was draus machen kann ist freilich nicht garantiert. Keine Firma kann an einer einzigen Person genesen (wohl aber von einer einzigen Person ruiniert werden). Aber helfen kann es schon.

Wer das Energiebündel Marissa Mayer mal live erlebt hat, traut ihr jedenfalls einiges zu.

Wer lesen kann

Aus dem Artikel:

"Zwar akzeptiert die kalifornische Justiz Wettbewerbsklauseln nicht, wie Hewlett Packard beim Wechsel seines langjährigen Chefs Mark Hurd zu Konkurrent Oracle bereits schmerzlich feststellen musste. Das macht das schnelle Wechseln zum Wettbewerb möglich."

Etwas merkwürdiger Satz aber durchschnittliche Lesekompetenz macht doch klar, dass "Konkurrenzklauseln" nicht viel weiter helfen.

Ansonsten bin ich gespannt ob und was bei Yahoo passiert. Gönnen würde ich ihnen ja, dass sie sich nochmal berappeln.

Wer mehr kann als lesen, ist noch besser dran

weil er weiß, daß der zitierte Fall von Mark Hurd völlig anders gelagert war.
Mark Hurd verließ nämlich nicht von sich aus HP (wofür solche Klauseln im Arbeitsvertrag sehr wohl üblich und anerkannt sind) noch wurde er mit Abfindungsvertrag entlassen (worin auch solche Klauseln üblich und anerkannt sind), sondern er wurde wegen Verstoß gegen die "Political Correctness" gefeuert. In diesem Fall sah es das Gericht als recht und billig an, daß er anheuern kann, wo immer er einen neuen Job findet. HP hat den Abgang schließlich allein zu vertreten.