In den Ermittlungen um die Libor-Zinsaffäre stehen die US-Staatsanwälte und europäischen Wettbewerbsbehörden laut Kreisen kurz vor den ersten Festnahmen von Händlern. Demzufolge haben mehrere Staatsanwälte aus Washington kürzlich Kontakt mit den Rechtsvertretern der verdächtigen Personen aufgenommen und ihnen mitgeteilt, dass die Strafanträge und Festnahmen bevorstehen könnten. Die ersten Festnahmen sind bereits in den nächsten Wochen möglich, hieß von mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Personen.

Die Wettbewerbsbehörden arbeiten daran, mehrere Großbanken der Manipulation zu überführen und mit Strafen zu belegen. Weltweit wird gegen mehr als ein Dutzend internationaler Großbanken ermittelt, weil sie in der Finanzkrise ab 2007 den Libor mit manipuliert haben sollen. Dieser Zinssatz wird einmal täglich in London ermittelt. 18 internationale Banken melden dem britischen Bankenverband die Zinsen, zu denen sie sich von anderen Banken Geld leihen können. Auf dieser Basis ermittelt der Verband in London den Referenzzins. Er dient als Grundlage für zahlreiche Geschäfte von Hypotheken über Kreditkarten bis hin zu Derivaten.

Als bisher einziges Geldhaus hat die britische Bank Barclays ein Fehlverhalten von Händlern eingeräumt. Sie muss eine halbe Milliarde Dollar Strafe zahlen.

Deutsche Bank sichert sich  Kronzeugenstatus

Die Ermittlungen in der Bundesrepublik konzentrieren sich auf die Deutsche Bank. Sie ist seit der Auflösung der WestLB als einziges deutsches Institut an der Libor-Festsetzung beteiligt. Bei der Deutschen Bank läuft deswegen eine Sonderprüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ( BaFin ).

Finanzkreisen zufolge wurden in der Deutschen Bank nach internen Untersuchungen bereits zwei Händler beurlaubt. Auch heißt es, das Institut habe sich bei der EU und in der Schweiz einen Kronzeugenstatus gesichert. Damit würde die Bank im Falle einer möglichen Strafe einen Nachlass bekommen. Die Vereinbarung mit den Ermittlern gehe jedoch nicht mit einem Schuldeingeständnis einher, heißt es im Umfeld der Bank.