Zinsmanipulation : Erste Festnahmen im Libor-Skandal sollen kurz bevorstehen

US-Staatsanwälte haben den Verdächtigen Strafanträge und Festnahmen angekündigt. Derweil mehren sich die Forderungen nach einer radikalen Reform der Zinsermittlung.
Der Buchstabe B wird am Hauptsitz der Barclays Bank in London hochgezogen. © Simon Newman / Reuters

In den Ermittlungen um die Libor-Zinsaffäre stehen die US-Staatsanwälte und europäischen Wettbewerbsbehörden laut Kreisen kurz vor den ersten Festnahmen von Händlern. Demzufolge haben mehrere Staatsanwälte aus Washington kürzlich Kontakt mit den Rechtsvertretern der verdächtigen Personen aufgenommen und ihnen mitgeteilt, dass die Strafanträge und Festnahmen bevorstehen könnten. Die ersten Festnahmen sind bereits in den nächsten Wochen möglich, hieß von mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Personen.

Die Wettbewerbsbehörden arbeiten daran, mehrere Großbanken der Manipulation zu überführen und mit Strafen zu belegen. Weltweit wird gegen mehr als ein Dutzend internationaler Großbanken ermittelt, weil sie in der Finanzkrise ab 2007 den Libor mit manipuliert haben sollen. Dieser Zinssatz wird einmal täglich in London ermittelt. 18 internationale Banken melden dem britischen Bankenverband die Zinsen, zu denen sie sich von anderen Banken Geld leihen können. Auf dieser Basis ermittelt der Verband in London den Referenzzins. Er dient als Grundlage für zahlreiche Geschäfte von Hypotheken über Kreditkarten bis hin zu Derivaten.

Als bisher einziges Geldhaus hat die britische Bank Barclays ein Fehlverhalten von Händlern eingeräumt. Sie muss eine halbe Milliarde Dollar Strafe zahlen.

Deutsche Bank sichert sich  Kronzeugenstatus

Die Ermittlungen in der Bundesrepublik konzentrieren sich auf die Deutsche Bank. Sie ist seit der Auflösung der WestLB als einziges deutsches Institut an der Libor-Festsetzung beteiligt. Bei der Deutschen Bank läuft deswegen eine Sonderprüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ( BaFin ).

Finanzkreisen zufolge wurden in der Deutschen Bank nach internen Untersuchungen bereits zwei Händler beurlaubt. Auch heißt es, das Institut habe sich bei der EU und in der Schweiz einen Kronzeugenstatus gesichert. Damit würde die Bank im Falle einer möglichen Strafe einen Nachlass bekommen. Die Vereinbarung mit den Ermittlern gehe jedoch nicht mit einem Schuldeingeständnis einher, heißt es im Umfeld der Bank.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Die Ironie, die Ironie....

...die Banken/Banker haben weltweit über tausend Milliarden in gewaltigen Casinospielen verschleudert, die halbe Welt ins Finanzchaos gestürzt und Millionen von Menschen arbeitslos gemacht.
Dafür wurden sie mit "golden Handshakes" bedacht und vom Steuerzahler ausgebailt.
Für das manipulieren eines Zinsatzes aber, der, wäre er NICHT manipuliert worden, die Krise wahrscheinlich nur noch schlimmer gemacht hätte, da kommt dann weltweit der Staatsanwalt, es gibt Verhaftungen usw.

„Es kommt alles aufs Höchste, sagt der Bettler, wenn ihm die Läuse am Hut herumkriechen.“
George Bernard Shaw

Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser !

zeitonline:
"Wer am Libor dreht, bewegt praktisch die gesamte Finanzwelt. Der Libor ist die Berechnungsgrundlage für die Preise von hochgerechnet 800 Billionen Dollar an Krediten, Wertpapieren und Kontrakten. Hausbesitzer, Kreditkarteninhaber, Sparer, Unternehmen und Verbraucher auf allen fünf Kontinenten sind davon betroffen. Auch für Bankmitarbeiter, etwa in der Derivateabteilung, hängen Millionengewinne und -verluste von kleinsten Verschiebungen des Libors nach oben oder unten ab."
Das wussten Insider schon vor Jahrzehnten:
"Der Bankbranche ist nicht zu trauen !" Das hat sich bis heute nicht geändert. Wenn die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden und wegen der Höhe der Betrügereien nicht für Jahre hinter schwedische Gardinen wandern, dann wird sich auch in Zukunft nichts ändern.
Sparer, Steuerzahler, Hausbesitzer, Kreditkarteninhaber, Unternehmen und Verbraucher in allen Erdteilen werden weiter betrogen.

?????

"Demzufolge haben mehrere Staatsanwälte aus Washington kürzlich Kontakt mit den Rechtsvertretern der verdächtigen Personen aufgenommen und ihnen mitgeteilt, dass die Strafanträge und Festnahmen bevorstehen könnten."

Bitte was? Ist das jetzt der neue Stil der amerikanischen Strafverfolgungsbehörden, dem Verdächtigen seine Verhaftung ein paar Tage im Voraus anzukündigen? Oder macht man das nur bei Bankern...?

Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Polizei bei einem kleinen Kreditkartenbetrüger vorfährt, an der Tür klingelt und ihm mitteilt, dass man plane, in den nächsten Tagen seine Verhaftung durchzuführen...

Warum nur bekommen das Amerikaner hin...

...wir Europäer - und insbesondere wir Deutsche - nicht? Schon 2007 hätte die Hälfte der Betrügerbuden dichtgemacht, die andere Hälfte an die harte Kandarre gehört. Steinbrücks unnötige HRE-Rettung und seine großspurige Schweizer Kavallerie: Alles nur Sprücheklopferei und Verdummung des Publikums.