Selten hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ( DIW ) ein so großes Aufsehen erregt wie unser Bericht zu einer Vermögensabgabe und Zwangsanleihen. Der zentrale Gedanke ist schlicht und ergreifend: Weltweit steht den staatlichen Schulden ein Mehrfaches an privatem Vermögen gegenüber. Ein Großteil dieser Vermögen entfällt auf die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung, in Deutschland sind es sogar rund zwei Drittel der gesamten Vermögen. Selbst eine Abgabe in geringer Höhe kann schon ein beträchtliches Aufkommen erzielen – und den Staat bei den Bürgern entschulden.

In einigen Zeitungen und bei den Wirtschaftsverbänden kommt dergleichen Gedankengut natürlich nicht gut an. Die FAZ diagnostiziert eine "Zwangsneurose", die darin besteht, dass die Deutschen erst für überschuldete Euro-Staaten haften und dann noch dann noch ihr Geld beim Finanzminister abliefern sollen. Die Welt beklagt "kalte Enteignungsfantasien", auch das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft spricht von Enteignung. "Was die Banken nicht raubten, verlangen die Ökonomen", konstatiert der Blogger Don Alphonso auf den Seiten der FAZ und widmet sich ausführlich den "Hunnenplänen des DIW". Und die NZZ beklagt : "Deutsche Ökonomen blasen zum Halali auf die Reichen."

Geht es auch ein paar Nummern kleiner? Dass wir mit unserem Vorschlag nicht den Ludwig-Erhard-Preis gewinnen würden, hatten wir schon vorher geahnt. Der Kollaps der Finanzindustrie, die nachfolgende Finanz- und Wirtschaftskrise und die Europäische Schuldenkrise waren allerdings in den gängigen Modellen der Ökonomenzunft auch nicht vorgesehen. Da sind unorthodoxe Lösungsvorschläge gefragt.

Doch zur Sache: Einige der Kritiker beklagen die Pläne für zusätzliche Zwangsabgaben und verweisen auf die Möglichkeiten, Reiche über normale Steuern an den Kosten zu beteiligen. Doch auch Steuern sind Zwangsabgaben ohne Gegenleistung ( § 3 Absatz 1 Abgabenordnung ). Jede Steuer ist im Grunde eine Enteignung. Dafür bekommt der Bürger mehr oder weniger gute Leistungen des Staates. Zum Beispiel eine Garantie für die Spareinlagen durch die Bundeskanzlerin oder einen Bail-out für notleidende Banken. Ist da eine einmalige Versicherungsprämie von zehn Prozent auf die Pro-Kopf-Vermögen von mehr als 250.000 Euro zu viel verlangt?

Ein Staatsbankrott träfe die Reichen noch härter

Hinzu kommt: Die Staatsschulden von heute sind die Steuern von morgen. Wer die wann und wie bezahlen soll, ist letztlich eine politische Frage. Man kann auch die Mehrwertsteuer erhöhen, wie es der Sachverständigenrat für seinen Schuldentilgungspakt vorschlägt, oder die Ökosteuer. Dann zahlen aber vor allem die kleinen Leute. In den vergangenen 15 Jahren wurden hohe Einkommen und Vermögen steuerlich entlastet und die Konsumsteuern erhöht. Gleichzeitig sind nur die hohen Einkommen nennenswert gestiegen und die großen Vermögen entsprechend gewachsen, während die Masseneinkommen stagnierten und die Niedriglöhne gesunken sind. Ist da eine einmalige Abgabe von zehn Prozent auf persönliche Vermögen von mehr als 250.000 Euro wirklich zu hoch?

Vor allem sollten die Kritiker berücksichtigen: Staatspleiten und ein unkontrolliertes Auseinanderbrechen der Euro-Zone würden die deutschen Auslandsvermögen spürbar entwerten, die Finanzmärkte längere Zeit zum Erliegen bringen und Deutschland in eine schwere Rezession stürzen. Das würde die Vermögen der reichsten zehn Prozent sicher mehr als zehn Prozent kosten – von den Folgewirkungen der Krise auf die breite Bevölkerung einmal ganz zu schweigen. Das gleiche gilt für eine schleichende Inflation in Kombination mit niedrigen Zinsen ( financial repression ), wie sie sich für die nächsten Jahre abzeichnet. In der Euro-Zone ist eben einiges schlecht gelaufen, aber da muss man jetzt durch.