Nahrungsmittelkrise "Biokraftstoff E10 hat nie funktioniert"
Die Verbraucherzentrale hält den Biokraftstoff für gescheitert, Umwelt- und Hilfsorganisationen fordern ein sofortiges Aus. Nur der Umweltminister setzt noch auf E10.
Die Forderungen zur Abschaffung des umstrittenen Biokraftstoffs E10 mehren sich. Die Umweltorganisation Greenpeace setzt sich aufgrund weltweiter Getreideknappheit für ein sofortiges Aus des Biosprits ein. Die Organisation verweist darauf, dass in Deutschland jährlich aus etwa 1,5 Millionen Tonnen Getreide Ethanol hergestellt werde. Zusätzlich importiere Deutschland etwa die Hälfte des eingesetzten Ethanols aus dem Ausland: "Insofern entlastet tatsächlich ein E10-Verbot den Getreidemarkt", sagte Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter.
Die Diskussion über eine Abschaffung von E10 war diese Woche von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) ausgelöst worden. Die Vorräte an Getreide sind laut Weltgetreiderat in den vergangenen Jahren stark geschrumpft – von 175 Millionen Tonnen 2010 auf aktuell nur noch etwa 100 Millionen Tonnen. Weltweit aber werden inzwischen 150 Millionen Tonnen Getreide jährlich zu Ethanol verarbeitet. Ohne die Ethanol-Erzeugung wären also die Getreidelager sehr gut gefüllt, und es gäbe keine Knappheit.
Seit 2011 gibt es in Deutschland den Kraftstoff mit einem zehnprozentigen Ethanolanteil. Union und FDP hatten die Einführung im Rahmen der Energiewende beschlossen.
Strengere CO2-Grenzwerte statt Biosprit
Das Hauptproblem in Deutschland ist laut Greenpeace-Experten Hofstetter die Beimischungsregelung: "Die Kraftstoffproduzenten müssen hohe Strafabgaben zahlen, wenn sie die staatlich vorgegebenen Biokraftstoffquoten nicht erreichen, und machen daher sogar an den Tankstellen E10 billiger als Normalbenzin, obwohl sie Agrosprit beim Einkauf viel mehr kostet als fossiler Kraftstoff", sagte der Greenpeace-Experte. "Das ist ein Irrsinn, den die Autofahrer über insgesamt höhere Preise zahlen müssen."
Als Alternative zum Biosprit fordert Greenpeace strengere CO2-Grenzwerte und sparsamere Autos. "Technisch ist es heute doch längst möglich, den Spritverbrauch drastisch zu senken. Allein es fehlt an der Umsetzung bei der Autoindustrie", kritisierte Hofstetter.
Die Hilfsorganisation Misereor fordert ebenso die Abschaffung von E10. Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel schreibt in der Bild am Sonntag: "Biosprit muss abgeschafft werden, denn er verschärft den Hunger in der Welt. Mit dem Import von Ethanol und Biodiesel in die EU trage die Politik zum Hungerproblem weltweit bei.
- Datum 18.08.2012 - 16:00 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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bevor Sie so daherschreiben: Der Kraftstoffverbrauch der Autos auf dem Markt ist in den vergangenen Jahrzehnten drastisch reduziert worden (um ca. 30 - 40 %), was eine große Leistung war. Dieses weiß jeder, der sich mit Technik ein bißchen auskennt. Aber Industrie bashen ist natürlich einfacher, als sich sachkundig zu machen.
...mit höchsten Zuwachsraten, über Autobahnen und durch Städte geprügelt, zum Imagegewinn ihrer Fahrer, verbrauchen mehr Sprit denn je.
...mit höchsten Zuwachsraten, über Autobahnen und durch Städte geprügelt, zum Imagegewinn ihrer Fahrer, verbrauchen mehr Sprit denn je.
...mit höchsten Zuwachsraten, über Autobahnen und durch Städte geprügelt, zum Imagegewinn ihrer Fahrer, verbrauchen mehr Sprit denn je.
"Menschen zu halten"
...
Denn unsere Regierung weiß, was sie tut. Seit 1990 wurde mir Kapitalismus verordnet, und den lebe ich jetzt aus. Mein Auto beschwert sich nicht über den Billigkraftstoff, also tanke ich ihn. Ob irgend jemand deswegen verhungert - die Regierung wird's richten. Dafür werden doch Abgeordnete und Regierende bezahlt. Mögen die ganzen Weltverbesserer doch die korrekten Abgeordneten wählen! Ich kaufe billig, weil ich den Kapitalismus zu leben habe. Wenn E10 teurer als Super wird, tanke ich eben Super. Ganz einfach.
Und hat damit zum ersten male erreicht, dass ich ihm Zustimme.
Die Lobenshymne von Altmayer:
"ein sehr vielseitiger und zuverlässiger erneuerbarer Energieträger, der eine wichtige Rolle für die zukünftige Energieversorgung unseres Landes spielt"
sollte man sich nur dann erlauben, wenn 100 Prozent des Energieträgers im eigenen Land produziert wird und dies zusätzlich zu dem, was zu Ernährungszwecken angebaut wird.
Welcher Umweltminister denn?
Altmaier + Nibel... ?
Vielleicht kommt noch der Rösler, der dringend die Welt retten will.
Und im Grunde geht es dem Normalen Autofahrer nur darum, das der Motor nicht kaputt geht.
Eine seltsame Koalition.
Es geht nur um den Motor.
Da hat er ja schwer gepunktet, der Herr Entwicklungsminister. Und damit von den Hauptursachen der Verknappung, gegen deren Bekämpfung seine FDP hinhaltenden Widerstand leistet, wirksam abgelenkt: Spekulation, Klimawandel und Überindustrialisierung der Landwirtschaft.
Natürlich kann man hier und heute auch die Agrospritproduktion verantwortlich machen, vor allem, wenn sie brutal und umweltzerstörend betrieben wird wie z.B. in Indonesien. Die Menschheit wird aber kurz über lang nicht umhin kommen, die globalen Anbaukapazitäten auf Ernährung und Energie-/Treibstofferzeugung zu verteilen: So sind z.B. elektrobetriebene Flugzeuge und Schiffe Illusion, und auch der Bodenverkehr wird bei der Elektromobilität an harte physikalische Grenzen stoßen (ich fahre übrigens einen Vollhybrid). Wenn die fossilen Reserven in absehbarer Zeit zu Ende gehen, wird die Menschheit entscheiden müssen, ob sie (unter Einsatz von Ochsenpflügen) 9 Milliarden Fußgänger ernähren will oder 2 Milliarden (für mehr wird's nicht reichen) in etwa den erreichten Standard erhalten kann. Mit anderen Worten: Das Dauergejammer über sinkende Geburtenraten muss endlich aufhören.
Und noch zur hysterisch aufgebauschten Anti-E10-Kampagne: Ich vertraue der Kompatibilitätserklärung meines Kfz-Herstellers und fahre seit März 2011 ausschließlich E10. Da ich seit eh und je akribisch und lückenlos über den Verbrauch Buch führe, kann ich guten Gewissens sagen: Mehrverbrauch unter der Nachweisgrenze.
das hat ganz andere gründe. zum einen die wegwerfhaltung unserer gesellschaft (ca die hälfte aller lebensmittel landet aufm müll) zum anderen die fixierung auf tierische produkte, die eine ressourcenverschwendung sondergleichen ist. Außerdem ist eine weltweit mangelhafte umverteilung von nahrungsmitteln mitschuld, denn wer geld hat denkt sich "nach mir die sintflut" und daraus resultiert dann hunger in gewissen teilen der welt.
und bevor zensiert wird, das hat mit dem artikel insofern etwas zu tun als dass biokraftstoffen gerne angehängt wird wegen ihnen würden menschen hunger leiden. dem ist nicht so. ich halte sie trotzdem nicht für eine potentielle lösung.
Da haben Sie vollkommen recht, und um den eindimensionalen Blick auf den neuen Bösewicht E10 etwas zu relativieren, ein paar Fakten:
Wer sagt, dass wegen E10 Menschen verhungern, vergisst womöglich einen noch größeren Beitrag zur Lebensmittelverknappung, und zwar die Viehzucht und somit den eigenen (!) Fleischkonsum, denn
"Während der zwei Jahre dauernden Mast eines Rinds von 600 Kilogramm Gewicht ergibt sich folgende Ökobilanz:
Verbrauch von 3,5 Tonnen Soja und anderem Getreide als Futtermittel (zwischen 7 und 16 Kilogramm Futtermittel pro Kilogramm Fleisch),
Verbrauch von 600.000 Liter Wasser für den Anbau der Futtermittel,
Verbrauch von 14.000 Litern Trinkwasser für das Tier,
Verbrauch von 2.500 Litern Treibstoff als Energie für Landrodung, Futtermittelanbau usw.,
Freisetzung großer Mengen Kohlenstoffdioxid, Methan und Dung.
Diese Verschwendung für nur 300 Kilogramm Fleisch!
Fleischverzehr ist also die effektivste Form der Nahrungsmittelvernichtung, er verschwendet auch Energie und beeinträchtigt das Klima 13-mal stärker als pflanzliche Kost.
...
Im Schnitt verzehrt jeder Deutsche jährlich 62 Kilogramm Fleisch, das sind 170 Gramm am Tag, und das ist mehr als das Doppelte als Ernährungsexperten empfehlen."
http://www.faszination-re...
Im Übrigen ist E10 schon längst der Standardsprit in den USA geworden
Es macht überhaupt keinen Sinn das einen gegen das andere aufrechnen zu wollen oder gar nur einen Aspekt zum einzig wahren Problem zu erklären. So betrachtet ist E10 einer von vielen Punkten und es ist richtig diesen auf die Agenda zu heben. Damit auf die Agenda zu heben das Grundsatzthema Resourcennutzung, Teilhabe an Wohlstand, Verteilung von Gütern und Rohstoffen, Nahrungsmittelversorgung, Spekulation mit (künstlicher) Verknappung, und so weiter und so fort.
Das Niebel über ein gefundenes Korn mehr Zugang zum Tema gefunden hat als Altmaier gleicht einem Wunder ist aber an sich völlig belanglos. Beide werden den komplexen Themenkomplex nicht mit sogenannter linker Politik lösen wollen.
Wesentlich ist, dass über Niebelskornfindung das Thema ein hoffentlich nicht kurzfristiges Thema wird. Dafür sollte man bei aller niebelischer Stakatorhetorik für kurzes, knackiges und deshalb meist falsches tatsächlich dankbar sein.
Da haben Sie vollkommen recht, und um den eindimensionalen Blick auf den neuen Bösewicht E10 etwas zu relativieren, ein paar Fakten:
Wer sagt, dass wegen E10 Menschen verhungern, vergisst womöglich einen noch größeren Beitrag zur Lebensmittelverknappung, und zwar die Viehzucht und somit den eigenen (!) Fleischkonsum, denn
"Während der zwei Jahre dauernden Mast eines Rinds von 600 Kilogramm Gewicht ergibt sich folgende Ökobilanz:
Verbrauch von 3,5 Tonnen Soja und anderem Getreide als Futtermittel (zwischen 7 und 16 Kilogramm Futtermittel pro Kilogramm Fleisch),
Verbrauch von 600.000 Liter Wasser für den Anbau der Futtermittel,
Verbrauch von 14.000 Litern Trinkwasser für das Tier,
Verbrauch von 2.500 Litern Treibstoff als Energie für Landrodung, Futtermittelanbau usw.,
Freisetzung großer Mengen Kohlenstoffdioxid, Methan und Dung.
Diese Verschwendung für nur 300 Kilogramm Fleisch!
Fleischverzehr ist also die effektivste Form der Nahrungsmittelvernichtung, er verschwendet auch Energie und beeinträchtigt das Klima 13-mal stärker als pflanzliche Kost.
...
Im Schnitt verzehrt jeder Deutsche jährlich 62 Kilogramm Fleisch, das sind 170 Gramm am Tag, und das ist mehr als das Doppelte als Ernährungsexperten empfehlen."
http://www.faszination-re...
Im Übrigen ist E10 schon längst der Standardsprit in den USA geworden
Es macht überhaupt keinen Sinn das einen gegen das andere aufrechnen zu wollen oder gar nur einen Aspekt zum einzig wahren Problem zu erklären. So betrachtet ist E10 einer von vielen Punkten und es ist richtig diesen auf die Agenda zu heben. Damit auf die Agenda zu heben das Grundsatzthema Resourcennutzung, Teilhabe an Wohlstand, Verteilung von Gütern und Rohstoffen, Nahrungsmittelversorgung, Spekulation mit (künstlicher) Verknappung, und so weiter und so fort.
Das Niebel über ein gefundenes Korn mehr Zugang zum Tema gefunden hat als Altmaier gleicht einem Wunder ist aber an sich völlig belanglos. Beide werden den komplexen Themenkomplex nicht mit sogenannter linker Politik lösen wollen.
Wesentlich ist, dass über Niebelskornfindung das Thema ein hoffentlich nicht kurzfristiges Thema wird. Dafür sollte man bei aller niebelischer Stakatorhetorik für kurzes, knackiges und deshalb meist falsches tatsächlich dankbar sein.
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