US-Dürre Wie Biosprit die Nahrung verteuert
Immer mehr Feldfrüchte werden in Biosprit umgewandelt, das treibt die Preise auf den Weltmärkten. Die Industrieländer sollten ihre Förderpolitik überdenken.
Vielleicht hat Mais einfach zu viele gute Eigenschaften. Kaum eine Pflanze wächst so schnell wie er. Mais ist sättigend und nahrhaft; das wichtigste Grundnahrungsmittel in vielen Ländern Lateinamerikas und Afrikas. Der größte Teil der weltweiten Ernte wird aber als Tierfutter genutzt. Seine Stärke kann zu Kunststoffen weiterverarbeitet werden, und man kann Treibstoff aus Mais gewinnen, um fossile Brennstoffe zu ersetzen.
Neben Weizen und Reis ist der Mais das meistangebaute Getreide der Welt. Weil er so vielfältig genutzt werden kann, wird aber auch viel über ihn gestritten. Derzeit wird Mais wieder knapp. Deshalb fragen sich viele, ob man eine knappe Frucht, die so dringend benötigt wird für die Ernährung der Welt, dem Lebensmittelmarkt entziehen darf, um sie stattdessen zur Energiegewinnung zu nutzen?
Für viele ist das eine Frage des Überlebens. Arme sind auf günstige Grundnahrungsmittel angewiesen. Doch die gegenwärtige Dürre in den USA dezimiert die Ernte und lässt die Preise weltweit steigen – auch die von Weizen und anderen Agrarprodukten. Der Welternährungsorganisation FAO zufolge ist Getreide fast so teuer wie im April 2008, als die Preise den bisherigen Rekordwert erreichten. Hungerrevolten waren damals die Folge der Teuerung. Jetzt warnen die Vereinten Nationen vor einer vergleichbaren Krise.
Streit um Biosprit
FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva forderte die USA unlängst auf, ihre Biosprit-Subventionen auszusetzen. Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter, sagt, auch die EU müsse einen solchen Schritt tun.
In Deutschland debattieren Politiker, Entwicklungs- und Umweltorganisationen über den Verkauf des Treibstoffs E10 und darüber, ob angesichts der Knappheit auch die Beimischung von Biosprit zu konventionellem Treibstoff überdacht werden sollte, wie die Deutsche Welthungerhilfe fordert. Der Organisation zufolge importiert die EU 27 Prozent ihres Bioethanol- und 18 Prozent ihres Biodieselbedarfs. "Diese Politik steht der Verwirklichung des ersten Millenniumsziels – der Halbierung des Anteils der Hungernden bis 2012 – entgegen." Denn die Ackerflächen, die im Ausland zum Anbau von Export-Energiepflanzen genutzt werden, stehen nicht mehr für die lokale Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung.
Kein Geld, kein Essen
Hunger hat viele Ursachen: Naturkatastrophen, Kriege, Armut, mangelndes Angebot auf lokalen Märkten. Doch häufig haben Hungernde schlicht zu wenig Geld, um Nahrung zu kaufen – und die Förderpolitik der Industriestaaten hat die Nachfrage erhöht und treibt so die Agrarpreise zusätzlich in für sie unerreichbare Höhen.
In den USA werden mittlerweile schon rund 40 Prozent der Maisernte zu Ethanol verarbeitet. Solche Größenordnungen beeinflussen den Markt maßgeblich. Der Anteil des Biosprits an der weltweiten Ernte ist der FAO zufolge geringer, wenngleich etwas schwer zu beziffern (s. Grafik). Doch wenn wegen Dürren das Nahrungsangebot ohnehin knapp ist, können auch kleine Mengen, die in die Biospritproduktion fließen, die Preise bewegen.
© ZEIT ONLINE
Die FAO-Statistiker erfassen den Mais nicht separat, sondern zählen ihn mit allen anderen Getreidesorten außer Weizen und Reis als "Grobkorn" ("coarse grains"). Vorläufigen Daten zufolge wurden im vergangenen Jahr aus zwölf Prozent aller coarse grains weltweit Biotreibstoff hergestellt. Meist ging es dabei um Ethanolproduktion aus Mais. In Zukunft soll der Anteil den FAO-Prognosen zufolge leicht steigen und im Jahr 2012 bei 14 Prozent liegen.
Der Anteil der globalen Zuckerernte, die zu Ethanol umgewandelt wird, ist weit höher. Schon jetzt liegt er bei 19 Prozent, bis 2012 soll er auf 34 Prozent steigen. Brasilien ist der wichtigste Produzent, und auch Zucker-Ethanol wird von der Politik massiv gefördert. Auf die Lebensmittelpreise habe das jedoch relativ geringe Auswirkungen, sagt ein FAO-Sprecher: "Zucker ist im Gegensatz zu Mais kein Grundnahrungsmittel, und Brasiliens Zucker ist kein Exportgut, von dem die Nahrungssicherheit anderer Länder abhängt."
Wie viel ein Biosprit-Moratorium aber wirklich bringen würde, ist nicht ganz klar.
- Datum 23.08.2012 - 13:30 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 34
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Die Frage ist lediglich, auf welcher Seite des McDrive in Zukunft der Nachschub stockt. Auf was ist der konsumfreudige Industrieländer eher zu verzichten bereit?
auch an dieser Stelle gern mal darauf, das die Kritiker vielleicht vorher auch mal an die Lebensmittelverschwendung der Discounter und Supermaerkte achten, da gehen weit mehr Lebensmittel unverbraucht und unverdorben direkt in die Tonne. Aber sich ueber Biosprit echauffieren, wenn allein in Deutschland 250Mio Tonnen Lebensmittel einfach weggeworfen werden, oder durch die Normung unter dem radar schon vorher aussortiert weden.
Auch das noch innerhalb der EU viele Agrarflaechen brach liegen, weil das subventioniert wird um die lebensmittelpreise stabil zu halten und sie nicht etwa nach unten absinken laeßt.
So ein Bloedsinn diese Debatten, wenn man anderswo groeßere Probleme hat
http://youtu.be/n73UfDZbjdo
falscher Absatzprognosen. Diese Situation ist nicht gewollt und häufig unvermeidbar. Sie ist vergleichbar mit den Speiseresten im Speiselokal.
falscher Absatzprognosen. Diese Situation ist nicht gewollt und häufig unvermeidbar. Sie ist vergleichbar mit den Speiseresten im Speiselokal.
Reklame eines Stadtwerkes:
http://www.stadtwerke-pei...
Die sind noch stolz darauf.
Dass ist leider die Folge eines politischen Umfeldes, indem "Bio" pauschal als gut gilt und wenn man sich für Umwelt einsetzt, hat man automatisch immer Recht und Argumente gelten nichts. Die Zeit hat dieses Klima lange mit gefördert.
Mittlerweile wird klar, dass die Lage nicht so einfach ist. Biosprit hat Folgen für die Nahrungsmittelproduktion. Elektroautos erhöhen den Stromverbrauch, was problematisch ist, wenn man gleichzeitig aus zwei wichtigen Energiequellen aussteigt. Die Batterien in Elektroautos beinhalten wiederum Umweltgifte. Wasser zu sparen, kann zu Problemen mit den Leitungen führen usw. usf.
Das Gegenteil von "gut" ist bekanntlich oft "gut gemeint". Etwas mehr Vernunft und ein rationales Abwägen von Vor- und Nachteilen vermeintlicher Umweltmaßnahmen würde allen Beteiligten gut tun.
E10 ist ein Herzensprojekt von Frau Merkel.
Als die CO2-Zielwerte für die in Europa produzierten PKW bis 2020 verhandelt wurden, konnte Frau Merkel erreichen, dass die 10 % CO2 des E10 von dem Durchschnittsverbrauch abgezogen werden. Das bedeutet, dass die deutschen Autobauer fortfahren können, ihre Großkarossen zu bauen bzw. weniger Strafsteuern pro produziertem PKW bezahlen müssen.
So lange E10 bei der CO2-Zielvorgabe eingerechnet wird, ist E10 nicht gut gemeint, sondern gut gemacht - in Frau Merkels Denke.
E10 ist ein Herzensprojekt von Frau Merkel.
Als die CO2-Zielwerte für die in Europa produzierten PKW bis 2020 verhandelt wurden, konnte Frau Merkel erreichen, dass die 10 % CO2 des E10 von dem Durchschnittsverbrauch abgezogen werden. Das bedeutet, dass die deutschen Autobauer fortfahren können, ihre Großkarossen zu bauen bzw. weniger Strafsteuern pro produziertem PKW bezahlen müssen.
So lange E10 bei der CO2-Zielvorgabe eingerechnet wird, ist E10 nicht gut gemeint, sondern gut gemacht - in Frau Merkels Denke.
herausstellt. Auch Herr Trettin ist mitverantwortlich für die Hungernden in der Welt. Es war schließlich seine Idee, denn Biosprit in Deutschland einzuführen. Daran will er sich heute aber nicht mehr erinnert werden.
Aber Politiker und Verantwortung sind sich zwei widersprechende Dinge. Ich frage mich allerdings, warum er auf den Fotos immer so grinst.
Die Böden der amerikanischen Maisfelder haben stellenweise 60cm tiefe Austrocknungsrisse. Nur mit großflächigem Spritzen und Düngerzufuhr ist man am Ende der Entwicklung. Hier entsteht Wüste! Auf dem Mars findet man möglicherweise mehr Bodenleben.
Würden die Amerikaner das Wasser, was zum gießen der Rasen verwendet wird und damit stattdessen Felder bewässern, wäre vermutlich alles halb so wild. Aber im Land der unbegrenzten Möglichkeiten lässt man sich lieber von einer Homeownerassociation vorschreiben, welchen Farbton die Fläche vor dem Haus zu haben hat.
Verbrauchen Sie auch schon weniger Wasser, damit die Wasserknappheit in Burkina Faso geringer wird?
Die Entfernungen sind vielleicht ähnlich groß wie zwischen Landesteilen der USA.
Verbrauchen Sie auch schon weniger Wasser, damit die Wasserknappheit in Burkina Faso geringer wird?
Die Entfernungen sind vielleicht ähnlich groß wie zwischen Landesteilen der USA.
Man sollte die Energiebilanz einer Biogasanlage offen legen lassen:
Energie/treibstoffkosten
für Aussaat und Bearbeitung
der Mais/getreideflächen
Treibstoffkosten für
Feldpflege, Ausbringung
von Dünger Und Spritzmitteln
Energie/Treibstoffkosten
für Ernte und Bevorratung
Energie für Betrieb der Anlage
Transportbänder/Umwälzung usw.
Treibstoffkosten für Lagerung
und Transport sowie Ausbringung
der Abprodukte auf die Felder
(Risiko für Grundwasserver-
seuchung beachten !)
bereitgestellte Fördermittel
Menge/Wert der
verkauften Energie
Saldo
Ich weiß nicht...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren