KonjunkturChinas Exportwachstum kommt fast zum Erliegen

Analysten rechneten bei den Ausfuhren mit einer Wachstumsrate von neun Prozent, nun ist es nur ein Prozent. Chinas Wirtschaft leidet auch unter der Krise in Europa. von dpa und reuters

Eine Stahlfabrik in Wuhan

Eine Stahlfabrik in Wuhan  |  © Stringer/Reuters

Die Schuldenkrise in Europa und die Konjunkturflaute in den USA haben den chinesischen Außenhandel unerwartet kräftig abgebremst. Im Juli exportierte das Land nach amtlichen Angaben lediglich ein Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Volkswirte hatten im Schnitt nach dem Plus von elf Prozent im Juni mit einem Anstieg der Ausfuhren um knapp neun Prozent gerechnet. Der Anstieg um ein Prozent ist die schwächste Zunahme seit Januar, als die Exporte sogar schrumpften.

Die Importe legten um 4,7 Prozent zu und damit ebenfalls deutlich weniger als erwartet. An den Börsen schürten die Daten Ängste, dass die chinesische Konjunkturentwicklung ins Stocken gerät . Auch die Industrieproduktion schwächte sich in dem Land ab. Für Juli meldete die Regierung den geringsten Anstieg seit Mai 2009. Die Finanzmärkte spekulieren auf schnelle Gegenmaßnahmen der Regierung in Peking .

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Vor zwei Jahren Industrieproduktion doppelt so hoch

Der Juli-Zuwachs der Industrieproduktion lag in China im Vergleich zu den westlichen Industriestaaten immer noch bei starken 9,2 Prozent. Aber schon der Vergleich mit Wachstumszahlen aus dem Jahr 2010 zeigt, wie stark die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt an Dynamik verloren hat. Vor etwa zwei Jahren fiel die Wachstumsrate der Industrieproduktion noch etwa doppelt so hoch aus wie der aktuelle Wert.

Einen Hinweis auf die konjunkturelle Abschwächung liefern auch die jüngsten Preisdaten. Das Abflauen der Wirtschaft lässt sich anhand der Inflationsrate ablesen. Diese ist schon in den vergangenen Monaten immer weiter zurückgefallen. Im Juli sank die Teuerungsrate zuletzt sogar unter die Marke von 2,0 Prozent auf 1,8 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang 2010.

"Es scheint nun eindeutig, dass die Inflation in diesem Jahr wahrscheinlich unter der offiziellen Zielmarke von vier Prozent liegen wird", sagte Nomura-Analyst Zhang Zhiwei. "Damit kann die Regierung den Schwerpunkt ganz klar auf das Wachstum legen." Zumal auch aus der Industrie kein Inflationsdruck kommt. Die Erzeugerpreise fielen sogar binnen Jahresfrist um 2,9 Prozent. Das ist mehr als von Analysten erwartet und der stärkste Rückgang seit Oktober 2009.

"Politische Feinsteuerung" soll verstärkt werden

Analyst Stefan Große von der Nord LB erwartet, dass weitere Lockerungen der chinesischen Geldpolitik folgen werden. "Mit der geringen Inflation wird zum einen die Gefahr sozialer Unruhen auf dem Land aufgrund der Lebensmittelpreisentwicklung geringer", sagte Große. "Zum anderen ergibt sich auch weiterer Spielraum für Konjunkturmaßnahmen nicht nur geldpolitischer Art."

Staatspräsident Hu Jintao hatte bereits angekündigt, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr stärker angeregt werden solle. Dazu will die kommunistische Führung Instrumente sowohl in der Geld- als auch bei der Fiskalpolitik einsetzen. Regierungschef Wen Jiabao sagte, die "politische Feinsteuerung" solle verstärkt werden.

Zuletzt hatte die Zentralbank mehrfach die Leitzinsen gesenkt , um das Wirtschaftswachstum mit günstigen Krediten zu unterstützen. Zudem wurde Banken die Kreditvergabe erleichtert. Im Frühjahr verlangsamte sich das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt das sechste Quartal in Folge auf das schwächste Tempo seit nunmehr drei Jahren. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 8,1 Prozent im ersten Vierteljahr.

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Leserkommentare
  1. "Vor zwei Jahren Industrieproduktion doppelt so hoch"

    Kein Wunder, dass es mit der ökonomischen Bildung der Deutschen nicht so weit her ist, wenn selbst seriöse Zeitungen es nicht schaffen Werte und Raten auseinanderzuhalten.

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    • joG
    • 10. August 2012 11:36 Uhr

    ...oft entsetzt bin von als Tatsachen verkleidete Meinungen, wie sie hier in den Medien laufend verkündet werden, ISt die Meldung zurückgehender Wirtschaftsaktivität in China tatsächlich beunruhigend. Es ist eben schon so, dass wir nicht "abkekoppelt", wie ein ehemaliger Finanzminister sagte, sind. Wir sind Teil des Geschehens. Und eine der Gründe für die rückläufige Wirtschaftsaktivität in China, USA oder Indien ist der Hasardeursritt der Euroländer. Es sind nur Chinesen oder Inder und die Amis haben es sich sowieso selbst zuzuschreiben.

    Das wäre ja nicht schlimm, aber es beginnt sich auf uns zurück zu wirken. Wie werden wir das aber sehen, wenn in sagen wir 6 Monaten oder 12 die Arbeitslosigkeit beginnt wieder zu steigen und die Garantien an EFSF, ESM oder Bundesbank werden nicht gedeckt?

    Derselbe Fehler in Bezug auf die Industrieproduktion:

    "Auch die Industrieproduktion schwächte sich in dem Land ab."

    Diese wuchs weiterhin, nur verlangsamt. Man sehe z.B. hier:

    http://www.handelsblatt.c...

    Man bekommt das Gefühl nicht los, daß es Menschen gibt, die sich das Szenario herbeiwünschen, um dann laut ausrufen zu können: "Da läuft der Dieb, haltet ihn!"

  2. ist es halt, dass das eine das andere beeinflußt und das weltweit.

    eine krise in den abnehmerländern muss doch zwangsläufig -mit einem entsprechenden zeitversatz- eine krise in der herstellerländern mit sich führen.

    somit hat die abwärtsspirale europa verlassen - es sieht nicht gut aus!

  3. ist mir unbegreiflich. Genauso wie ich nicht verstehe, dass schon wieder alle Panik bekommen, weil die Erwartungen der Analysten nicht eintreffen. Also wenn man inzwischen etwas wissen sollte, dann das. Ich frage mich wirklich warum man wie der Elefant im Porzellanladen Analysten ständig wie Gurus nachläuft ohne mal selbst nachzudenken. Überhaupt kam noch nie etwas gutes dabei raus, wenn die Regierung pauschal Konjunkturmaßnahmen vornimmt ohne zu gucken was am Ende dabei herauskommt.

  4. dass illegale portugiesische Arbeiter aus Angola abgeschoben werden, die USA haben eine Verschuldung angehäuft, die sie nie wieder in den Griff bekommen können...
    ...Tja, und deswegen exportiert China weniger...äh gleichviel...ach nein, immernoch mehr als im letzten Jahr...

    Was für ein Drama: die Weltwirtschaft legt ein Jahr Pause ein (nur beim Wachstum und auch nicht so wirklich), ich glaube das ist zu verkraften. Der seit 5000 Jahren "abzusehende" Kollaps Chinas wird das wohl kaum sein....

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    ... wie entschieden hier z. T. die Performance der chinesischen Wirtschaft verteidigt wird, frage ich mich, wo die Kritik war, als so getan wurde, als gäbe es für Chinas ökonomisches Wachstum überhaupt keine Grenzen. Presseberichterstattung tendiert halt zu Übertreibungen, mal so, mal so. Und mal stört's die einen, mal die anderen.

    Auch die Vorhersage, die USA könnten ihre Verschuldung nie wieder in den Griff bekommen, fällt in die Kategorie der Übertreibungen, und dass portugiesische Arbeiter versucht haben, womöglich illegal in Angola zu arbeiten, finde ich ebenso wenig ehrenrührig, wie illegale Einwanderung nach Europa. Hier drückt sich ein Denken in Hierarchien aus, die wir so langsam (oder besser noch: sehr schnell) hinter uns lassen sollten.

    Niemand muss "unparteiisch" sein - weder der Leser, noch der Autor. Aber in diesem speziellen Artikel sehe ich noch nicht einmal eine Verzerrung.

    • joG
    • 10. August 2012 11:36 Uhr

    ...oft entsetzt bin von als Tatsachen verkleidete Meinungen, wie sie hier in den Medien laufend verkündet werden, ISt die Meldung zurückgehender Wirtschaftsaktivität in China tatsächlich beunruhigend. Es ist eben schon so, dass wir nicht "abkekoppelt", wie ein ehemaliger Finanzminister sagte, sind. Wir sind Teil des Geschehens. Und eine der Gründe für die rückläufige Wirtschaftsaktivität in China, USA oder Indien ist der Hasardeursritt der Euroländer. Es sind nur Chinesen oder Inder und die Amis haben es sich sowieso selbst zuzuschreiben.

    Das wäre ja nicht schlimm, aber es beginnt sich auf uns zurück zu wirken. Wie werden wir das aber sehen, wenn in sagen wir 6 Monaten oder 12 die Arbeitslosigkeit beginnt wieder zu steigen und die Garantien an EFSF, ESM oder Bundesbank werden nicht gedeckt?

    Antwort auf "Hinweis"
    • Xdenker
    • 10. August 2012 12:18 Uhr

    Durch die beträchtliche Abwertung des Euro auch gegenüber dem Renminbi (rund 25% in 4 Jahren) sind Waren aus China im Euroraum teurer geworden und oder die Gewinne der chinesischen Exportindustrie geschrumpft. Auch der US Dollar hat gegenüber dem Renminbi in den letzten beiden Jahren rund 10% an Wert verloren, was Chinas Exporte auch in die USA erschwert. Das erklärt aber nur einen Teil der Abschwächung der chinesischen Wachstumsdynamik. bemerkenswert ist, dass auch die Importe, insbesondere die aus den USA, trotz deren Verbilligung, zurückgehen. Das deutet auf eine Abkühlung der Dauerüberhitzung hin. Die Frage ist, ob die Landung eine eher weiche sein wird, oder doch härter als gemeinhin erwartet. Die deutschen Exporte nach China scheinen ja weiter zu wachsen.

  5. Derselbe Fehler in Bezug auf die Industrieproduktion:

    "Auch die Industrieproduktion schwächte sich in dem Land ab."

    Diese wuchs weiterhin, nur verlangsamt. Man sehe z.B. hier:

    http://www.handelsblatt.c...

    Man bekommt das Gefühl nicht los, daß es Menschen gibt, die sich das Szenario herbeiwünschen, um dann laut ausrufen zu können: "Da läuft der Dieb, haltet ihn!"

    Antwort auf "Hinweis"
    • genius1
    • 10. August 2012 16:09 Uhr

    Das Schuldgeldsystem braucht Wachstum. Kein Wachtum - weniger Kredite - das Geld wird immer weniger!

    Aber alle sollen Sparen, wie Spanien, Griechenland, Italien und andere staaten!

    Alles ala Brüning - dabei soll die Wirtschaft wachsen? Wie denn wenn die kleinen Leute immer weniger Kaufkraft haben, und noch private Vorsorge fürs Alter betreiben sollen?

    Erst kommt die Rezession dann die Depression. Am Ende haben alle Verloren!

    Nachzulesen Kommentar 86:

    http://www.zeit.de/wirtsc...

    Keine Reform des Geldsystems - keine Lösung aller jetzigen Probleme!

    Muss doch langsam mal Begriffen werden!?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dazu fällt mir http://www.ftd.de/politik... ein.
    schuldgeld bedingt nicht zwingend wachstum da sich die umlaufgeschwindigkeit anpassen kann. es wird erst problematisch wenn viele "gleichzeitig" ihre schulden zurückzahlen möchten.
    100 GE bei der Bank (B). 10 GE an 10 schuldner (s) bei 10%. wenn nun alle nach einem jahr ihre schuld von insgesamt 100 GE zurückzahlen möchten ist zu wenig geld im umlauf und der zins muss über neuen kredit aufgenommen werden oder der schuldner fällt aus.
    wird die laufzeit auf 2 jahre gestreckt, dann müssen pro jahr 55 GE bezahlt werden (der einfachheit halber 55 GE). da die bank ihrerseits das geld wieder über gehälter, mieten, steuern, werbung, gewinnausschüttung, inv. usw. in den umlaufbringt und sagen wir 50 GE wieder zurückführt sind im 2. jahr wieder 95 GE vorhanden und kein problem die 55 GE zurückzuzahlen.
    es geht also nicht, dass alle zur selben zeit geld zurückzahlen möchten, ohne dass sich an anderer stelle wieder jemand verschuldet. in den krisenstaaten sind sowohl die privaten haushalte als auch der staat hoch verschuldet, somit...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Konjunktur | China | Außenhandel | Bruttoinlandsprodukt | Finanzmarkt | Geldpolitik
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