LebensmittelpreiseCommerzbank steigt aus Nahrungsmittel-Spekulationen aus

Börsengeschäfte mit Agrarprodukten gelten als Mitursache für Hungersnöte. Nach massiver Kritik will die Commerzbank nun nicht mehr auf Grundnahrungsmittel spekulieren. von dpa

Die Commerzbank beendet bei eigenen Produkten ihre Spekulationsgeschäfte auf Grundnahrungsmittel . Die zweitgrößte deutsche Großbank bestätigte, dass sie alle Agrarprodukte aus ihrem Rohstoff-Fonds ComStage ETF CB Commodity EW Index TR genommen hat. Die Bank will auch keine neuen börsennotierten Anlageprodukte auflegen, in denen auf die Preise von Grundnahrungsmitteln spekuliert wird.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch begrüßte den Schritt. "Wenn sich eine Bank nicht sicher ist, welchen Schaden ihre Rohstoffanlagen anrichten, gibt es nur einen verantwortlichen Schritt: Diese Anlagen aus Vorsorgegründen nicht mehr anzubieten", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode . Am Handeln der Commerzbank sollten sich andere Häuser ein Beispiel nehmen.

Anzeige

Die Fondsgesellschaft der Sparkassen Dekabank und die Landesbank Baden-Württemberg hatten bereits angekündigt , bei eigenen Produkten auf Investments in Agrarrohstoffe zu verzichten. Die Deutsche Bank will in diesem Jahr keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf Basis von Grundnahrungsmitteln auflegen. Eine Arbeitsgruppe soll bis Jahresende zudem Ursachen und Auswirkungen steigender Preise für Agrarrohstoffe analysieren.

Foodwatch hatte das Thema Agrarspekulationen im Oktober mit einer Studie und einem offenen Brief an den damaligen Chef der Deutschen Bank Josef Ackermann angestoßen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. des Verzichts der Banken auf bestimmte Finazprodukte feststellen dürfen.
    Oder ?

  2. Die Commerzbank hat nur bei einem ETF den Index bereinigt.

    Aktuell bietet sie 750 Produkte (Zertifikate und ETC) an, mit denen man auf steigende und fallende Nahrungsmittellpreise handeln kann.

    Basiswertsuche auf ihrer Website:
    http://www.zertifikate.co...?

    Angelblich hat die Coba laut einer Sprecherin im November 2011 beschlossen, keine neuen börsennotierten Produkte auf Basis von Grundnahrungsmitteln aufzulegen.
    Aber natürlich kann man die bestehenden Produkte weiterhin handeln.

    Wie zum Beispiel der Unlimited Turbo Bear auf Mais CBOT (WKN CB45YU). Mit dem Erwerb eines Knock-Outs kann der Anleger überproportional an der Entwicklung des Basiswertes partizipieren.

    Gibt es auch noch auf den CBOT für Weizen, Reis, Sojabohnen.

    Also das Bereinigen eines ETF ist noch lange nicht die Verabschiedung aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Hajekk
    • 09. August 2012 18:42 Uhr

    Der Einfluss von Rohstoffspekulationen ist bis heute absolut unbewiesen. Schade dass die Commerzbank sich der linksgrünen Marktskepsis ergibt und aus Angst um ihren "guten" Ruf einknickt.
    Der ETF090 war ein echtes Schmankerl..

    Spekulationen mit "Nahrungsmittel" laufen nur über derivative Futurekontrakte und nicht am Spotmarkt.
    Würden die Futurekontrakte durch spekulative Nachfragesteigerung so sehr steigen, dass es sich für die Spekulanten lohnen würde diese einzulösen um sie auf dem Spotmarkt zu handeln, so müssten sie Lagerhallen mieten, Transportkosten einrechnen usw.
    Dazu würde sich die Nachfrage vom Futurekontraktmarkt auf den Spotmarkt verschieben - wodurch die Futurekontrakte wieder im Wert sinken. Ergebnis: Die Gewinnspanne wird wegarbitriert, nach Kosten(Lagerung, Transport usw) lohnt sich das Geschäft nicht.
    Deshalb ist bis heute auch kein nennenswerter mittel- und langfristiger Einfluss von Rohstoffspekulation bewiesen!
    Und das sagt selbst Paul Krugman - der ja nun kein "rechter Ökonom" ist..

    • Xdenker
    • 10. August 2012 10:02 Uhr

    wenn nur die politische Korrektheit gestützt werden kann.

    Meiner Kenntnis nach gibt es keinerlei belastbare Belege dafür, dass Rohstoffonds, der Handel an Warenterminbörsen oder generell das Hedging (Kurssicherungsgeschäfte) Volatilität oder Knappheit befördern. So viel zum Grundsätzlichen. Es mag aber durchaus Finanzprodukte geben, die das tun. Ein Hinweis auf schädliche Spekulation wäre, wenn in Phasen der Knappheit eines Rohstoffes dessen Lagerbestände nicht abgebaut würden.

    • Afa81
    • 09. August 2012 15:38 Uhr

    ...staatlicher Hand ist, finde ich kommt das etwas spät...

    Aber, lieber spät als nie!

    • Horka
    • 09. August 2012 15:57 Uhr

    Getreide als Agrarprodukt war der Ausgangspunkt für die Entstehung der Börse in den USA und somit des Handels und der Spekulation mit Aktien.
    Spekulationsgewinne gehen immer zu Lasten eines Teils der Spekulierenden sowie anderer Menschen und sind nicht das Ergebnis tatsächlicher Arbeit.
    Wenn man also konsequent wäre, dann ......

  3. Hmm, man könnte ja immernoch mit "Biokraftstoffen" spekulieren. :-)

    • Askay
    • 09. August 2012 18:35 Uhr

    oder auch die anderen deutschen Banken - Alles viel zu teuer.

    Commodities oder Options darauf sollte man beim Broker handeln.

    • Hajekk
    • 09. August 2012 18:42 Uhr

    Der Einfluss von Rohstoffspekulationen ist bis heute absolut unbewiesen. Schade dass die Commerzbank sich der linksgrünen Marktskepsis ergibt und aus Angst um ihren "guten" Ruf einknickt.
    Der ETF090 war ein echtes Schmankerl..

    Spekulationen mit "Nahrungsmittel" laufen nur über derivative Futurekontrakte und nicht am Spotmarkt.
    Würden die Futurekontrakte durch spekulative Nachfragesteigerung so sehr steigen, dass es sich für die Spekulanten lohnen würde diese einzulösen um sie auf dem Spotmarkt zu handeln, so müssten sie Lagerhallen mieten, Transportkosten einrechnen usw.
    Dazu würde sich die Nachfrage vom Futurekontraktmarkt auf den Spotmarkt verschieben - wodurch die Futurekontrakte wieder im Wert sinken. Ergebnis: Die Gewinnspanne wird wegarbitriert, nach Kosten(Lagerung, Transport usw) lohnt sich das Geschäft nicht.
    Deshalb ist bis heute auch kein nennenswerter mittel- und langfristiger Einfluss von Rohstoffspekulation bewiesen!
    Und das sagt selbst Paul Krugman - der ja nun kein "rechter Ökonom" ist..

    • Askay
    • 09. August 2012 19:05 Uhr

    ....die gesellschaftlich wertvolle Aufgabe übernehmen, den Hedgern die Risiken abzunehmen und die Märkte liquide zu halten. Das machen wir ohne dafür bezahlt zu werden, völlig auf eigenes Risiko.

    Es ist schon obszön was ab und an über diesen ganz normalen wichtigen Wirtschaftszweig zu lesen ist: ...."gelten als Mitursache für Hungersnöte."

    Sowas setzen nur Typen wie Thilo Bode von Foodwatch in die Welt. Gerne übersieht er dabei die reale Preisentwicklung und verbreitet lieber Lügen. Wheat ist von 1250 in 2008 auf um die 400 in 2010 gefallen und auch bei Corn gings erst mal munter nach unten um erst jetzt, durch die Trockenheit, nicht die Spekulanten, wieder zu steigen.

    Im Gegensatz zu vielen Kommentatoren schreiben z.B. sogar die Autoren der jüngsten "Blasenstudie" aus Münster

    "As generally accepted, futures trading is a valuable activity since it improves price discovery, enhances market eciency, increases market depth and informativeness and
    contributes to market completion"

    Sie fordern wegen der "financialization of agricultural" als neue Assetklasse nur Positionslimite, wie sie die CFTC sowieso einführt.

    Ohne ein Vielfaches an Spekulation finden die Hedger keinen Gegenpart auf jedem Preisniveau und die Märkte verlieren an Bedeutung und zersplittern sich unkoordiniert in Darkpools.

    Kontrolle gibts dann gar keine mehr und Preise werden sprunghaft und nicht mehr aussagekräftig. Große bekommen bessere Preise, Kleine fallen durchs Raster - bis zur Pleite.

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Commerzbank | Josef Ackermann | Agrarprodukt | Brief | Chef | ETF
Service