Ein Händler an der Börse in New York © Spencer Platt/ Getty Images

Mario Draghi hat die Märkte verzaubert. Aber die Angst vor einem Zerfall der europäischen Währung hat der EZB-Präsident noch nicht vertrieben. Seine Ankündigung, "alles Notwendige" für den Euro tun zu wollen – nicht sofort, aber bald –, hat den Kurs der Währung in den Keller rutschen (Donnerstag) und dann in die Luft gehen lassen (Freitag).

Die Nervosität auf dem Devisenmarkt spielt dabei Draghis mächtigen Gegenspielern in die Hände , die an der amerikanischen Terminbörse zu finden sind: Hedgefonds und Spekulanten aus dem Nicht- Euro-Raum wetten hier mit Milliardensummen auf den Kollaps der Gemeinschaftswährung . An der Chicago Mercantile Exchange (CME), der weltweit wichtigsten Terminbörse, sichern sich die professionellen Anleger gegen Wechselkursschwankungen ab. Dabei setzen sie seit Monaten eine Menge Geld darauf, dass das Krisenmanagement in Frankfurt am Main und Brüssel scheitert. "Die Wetten gegen den Euro laufen seit einem Dreivierteljahr auf hohem Niveau", sagt Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen ( Helaba ). Von "extremen Werten" spricht Jörg Scherer, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Genau beziffern lässt sich das Volumen zwar nicht. Aber es geht um Milliarden, die in der Lage wären, den Euro in die Knie zu zwingen. Nach zuletzt verfügbaren CME-Angaben, die die Engagements der Anleger auf einen steigenden und fallenden Euro-Kurs miteinander verrechnen, stehen unter dem Strich 155.000 Kontrakte. Ein außergewöhnlich hoher Wert, der zeigt: Per saldo geben die Profis dem Euro derzeit keine Chance.

Spekulanten und Fondsanleger könnten danebenliegen

Anleger in europäischen Rentenfonds teilen diesen Pessimismus: Allein im ersten Halbjahr zogen sie rund vier Milliarden Euro ab. Gleichzeitig sammelten Rentenfonds, die auf US-Anleihen setzen, mehr als vier Milliarden Euro ein. "Der Trend war auch im Juli stabil", sagt ein Sprecher des Fondsverbandes BVI.

Doch mit diesem Kalkül könnten sowohl die Spekulanten als auch die Fondsanleger danebenliegen. Bei Marktbeobachtern setzt sich die Meinung durch, dass die EZB glaubwürdiger als bisher die Anti-Euro-Fraktion zurückdrängen könnte. "Aus Euphorie über Draghis Ankündigung wurde zunächst Ernüchterung. Aber der starke Euro am Freitag zeigt: Es ist richtig, was die Europäische Zentralbank macht", sagt Jan Gengel, Volkswirt und Portfoliomanager bei der Weberbank. Die EZB habe ihre Bereitschaft signalisiert, auf dem Anleihemarkt zu intervenieren, aber sie wolle dabei den Rettungsschirm ESM einbeziehen, der den Schuldenländern nur unter strengen Auflagen Hilfe leistet. "Damit hat sie den Ländern keine Freikarte ausgestellt", sagt Gengel. Er schließt nicht aus, dass der Euro in den kommenden Wochen zulegt.