Euro-KriseSpekulanten wetten gegen den Euro

Die Folgen eines Euro-Crashs wären desaströs für Europa und die ganze Welt. Dennoch setzen Spekulanten aus dem Nicht-Euro-Raum Milliardensummen gegen die Einheitswährung. von Henrik Mortsiefer

Ein Händler an der Börse in New York

Ein Händler an der Börse in New York  |  © Spencer Platt/ Getty Images

Mario Draghi hat die Märkte verzaubert. Aber die Angst vor einem Zerfall der europäischen Währung hat der EZB-Präsident noch nicht vertrieben. Seine Ankündigung, "alles Notwendige" für den Euro tun zu wollen – nicht sofort, aber bald –, hat den Kurs der Währung in den Keller rutschen (Donnerstag) und dann in die Luft gehen lassen (Freitag).

Die Nervosität auf dem Devisenmarkt spielt dabei Draghis mächtigen Gegenspielern in die Hände , die an der amerikanischen Terminbörse zu finden sind: Hedgefonds und Spekulanten aus dem Nicht- Euro-Raum wetten hier mit Milliardensummen auf den Kollaps der Gemeinschaftswährung . An der Chicago Mercantile Exchange (CME), der weltweit wichtigsten Terminbörse, sichern sich die professionellen Anleger gegen Wechselkursschwankungen ab. Dabei setzen sie seit Monaten eine Menge Geld darauf, dass das Krisenmanagement in Frankfurt am Main und Brüssel scheitert. "Die Wetten gegen den Euro laufen seit einem Dreivierteljahr auf hohem Niveau", sagt Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen ( Helaba ). Von "extremen Werten" spricht Jörg Scherer, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

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Genau beziffern lässt sich das Volumen zwar nicht. Aber es geht um Milliarden, die in der Lage wären, den Euro in die Knie zu zwingen. Nach zuletzt verfügbaren CME-Angaben, die die Engagements der Anleger auf einen steigenden und fallenden Euro-Kurs miteinander verrechnen, stehen unter dem Strich 155.000 Kontrakte. Ein außergewöhnlich hoher Wert, der zeigt: Per saldo geben die Profis dem Euro derzeit keine Chance.

Spekulanten und Fondsanleger könnten danebenliegen

Anleger in europäischen Rentenfonds teilen diesen Pessimismus: Allein im ersten Halbjahr zogen sie rund vier Milliarden Euro ab. Gleichzeitig sammelten Rentenfonds, die auf US-Anleihen setzen, mehr als vier Milliarden Euro ein. "Der Trend war auch im Juli stabil", sagt ein Sprecher des Fondsverbandes BVI.

Doch mit diesem Kalkül könnten sowohl die Spekulanten als auch die Fondsanleger danebenliegen. Bei Marktbeobachtern setzt sich die Meinung durch, dass die EZB glaubwürdiger als bisher die Anti-Euro-Fraktion zurückdrängen könnte. "Aus Euphorie über Draghis Ankündigung wurde zunächst Ernüchterung. Aber der starke Euro am Freitag zeigt: Es ist richtig, was die Europäische Zentralbank macht", sagt Jan Gengel, Volkswirt und Portfoliomanager bei der Weberbank. Die EZB habe ihre Bereitschaft signalisiert, auf dem Anleihemarkt zu intervenieren, aber sie wolle dabei den Rettungsschirm ESM einbeziehen, der den Schuldenländern nur unter strengen Auflagen Hilfe leistet. "Damit hat sie den Ländern keine Freikarte ausgestellt", sagt Gengel. Er schließt nicht aus, dass der Euro in den kommenden Wochen zulegt.

Leserkommentare
  1. bei seiner Ankündigung, so der heutige "Spiegel". Also war es eine one-man-show.

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    Zitat K Nr. 1: "Draghi soll nichts "Präzises" im Sinn gehabt haben bei seiner Ankündigung, so der heutige "Spiegel". Also war es eine one-man-show."

    Draghi hat meines Wissens bei seiner Ankündigung auch nicht behauptet, er habe ganz bestimmte Maßnahmen im Sinn.
    Warum soll seine Ankündigung eine one-man-show gewesen sein, wenn er sich innerlich nicht auf bestimmte Maßnahmen festgelegt hatte. Umgekehrt gefragt: Weshalb wäre seine Ankündigung keine one-man-show gewesen, wenn er "Präzises" im Sinn gehabt hätte, ohne es zu nennen?

    Kurzum: was bitte, Ex-Kanzlerschmidt, wollen Sie uns mit Ihrem Kommentar eigentlich überhaupt sagen? Geht's nicht auch eine Nummer weniger kryptisch?

    könnte eben doch in dem einen oder anderen EU-Land problematisch sein.

  2. ... sondern unser Umgang mit dieser.
    Ich befürworte nach wie vor nicht nur einen Erhalt, sondern eine Ausweitung der Euro-Zone.
    Aber: Weshalb soll es in einer freiheitlichen Marktwirtschaft illegitim sein, auch mit Spekulationen gegen Währungen sein Geld zu machen? Da müssen wir eben einfach besser sein, denn ein prosaisches "Pfui, das tut man doch nicht!" ist sicher eher ein unzureichendes Gegenmittel.

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    der Euro wurde ja gerade deswegen eingeführt, weil Anfang der 90er Jahre der EWS faktisch an Währungsspekulationen zusammenbrach.

    Das damit verbundene Risiko ergibt sich erst aus der galoppierenden Staatsverschuldung, die den Regierungen jeden Handlungsspielraum nimmt und sie abhängig von Gläubigern macht, was in absolutem Gegensatz zu ihrer demokratisch begründeten Legitimierung steht.

    k.

    • Obscuro
    • 05. August 2012 14:56 Uhr

    Ich sehe das ähnlich wie sie. Soll Europa wachsen. (Auch wenn ich das Europa Parlament so wie es jetzt organisiert ist eindeutig Undemokratisch ist.)

    Mich stört nur das wenn Banken sich verzocken sie mit Steuergeldern gerettet werden.
    Sobald die ersten Versicherungen Pleite gehen werden die auch gerettet. Das widerspricht den oft Zertierten Gesetz des Marktes.

    • Askay
    • 05. August 2012 16:38 Uhr

    von Positionen auf fallenden EUR, dass sie die EUR Positionen derer die halt EUR haben oder haben müssen, absichern.

    Denn fällt der EUR, gewinnen diese an Wert und kompensieren so den Verlust von nicht im EUR Raum beheimateten EUR Besitzern.

    Das hat erst mal gar nichts mit "Wette" zu tun.

    DAZU IST DIESES INSTRUMENT GEDACHT

    Da ist es auch egal, wenn man dann falsch liegt und der EUR nicht fällt. Man hat ja dafür bezahlt, dass einem Spekulanten das Risiko abnehmen. Das sind die Absicherungskosten.

    Haben viele Firmen oder Teilnehmer mit hohem Engagement im EUR Angst, dann sichern sie auch alle ab - so kommt es zu Milliardenbeträgen.

    Die Spekulanten aber, die nehmen gerade die Gegenposition an, nämlich, "der EUR steigt". So transferieren die EUR Besitzer ihr Risiko auf diese.

    Der Artikel reiht sich damit also vermutlich ins sattsam bekannte, gedankenlose Spekulantenbashing und würdigt nicht deren gesellschaftlich wertvolle Position.

  3. Mehr Drama, Baby - Das ist das ganze Geschäftsmodell, mancher Großbanken.

    Sie gehen zu den Regierungen und sagen: Wie sind Pleite und brauchen Geld. Gebt ihr uns kein Geld und wir fallen, geschieht folgendes:

    Die Erde wird stehen bleiben, die Sonne sich verfinstern und wir werden alle Sterben.

    Und ihr, liebe Politiker, werdet die ersten sein beim Sterben. Keine Wiederwahl, kein Grüß-August-Posten in der Wirtschaft.

    Das Modell funktioniert noch viel besser, als das alte Bestechungs-Modell.

    Innerhalb von vier Jahren wurden so Billionen an Steuergeldern in USA und Europa abgesaugt.

    Es ist im Kern keine Euro-, oder Staatsschuldenkrise, sondern eine Banken- und Finanzwirtschaftskrise.

    Merkel hat hier vollumfänglich versagt, alle Versprechen einer Regulierung der Finanzmärkte gebrochen.

    So wurde aus einem Ende mit Schrecken, ein Schrecken ohne Ende.

    Jetzt wird der ganze Mist der EZB vor die Tür gekippt.

    Und Mutti glaubt sich damit aus dem Schneider und macht das, was sie am besten kann. Nichts.

    • oiso
    • 05. August 2012 14:24 Uhr

    ....,dass die Demokratie in Europa harte Einschnitte erleidet. "Der Showdown wird im September stattfinden, wenn das Bundesverfassungsgericht grünes Licht gegeben hat."
    Nach dieser Aussage wird nichteinmal über eine Ablehnung nachgedacht. Interessant.

    Zur Krisenfrage: Es ist eine Geldsystemkrise und nichts anderes. Hätten die Banken und Staaten 2008 nicht gemeinsam interveniert und Merkel+Steinbrück nicht gesagt "Die Einlagen sind sicher" hätte es schon vor 4 Jahren Bankruns und einen Reset gegeben.

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    • joG
    • 05. August 2012 15:11 Uhr

    ....Tatsache. Es wird von fast allen Marktbeteiligten, Politiker und Beamte ausgegangen, dass das Gericht den ESM durchwinken wird. Dabei ist immerzu der angegebene Grund der, dass es zu furchtbar wäre ihn zu blocken. Dabei wird auch fast immer ausgelassen, dass es dabei egal ist, ob die Verfassung gebrochen wird oder nicht. Keiner geht davon aus, dass Recht gesprochen wird sondern davon, dass Politik gemacht wird von den Richtern.

    Das ist eine wirklich zutiefst beleidigende Aussage zu dem Land der Wehrhaften Demokratie.

    • Xdenker
    • 05. August 2012 14:31 Uhr

    Die Menschen und Institutionen, die ihr Geld in Staatsanleihen von Krisenstaaten investieren, wollen gerade NICHT, dass diese Staaten Konkurs anmelden und der Euro untergeht.

    Aber sie müssen mit dem Risiko rechnen, dass genau dieses passiert. Das Risiko wird in den Zinsaatz für Staatsanleihen eingepreist und treibt ihn in die Höhe. Genau so wie die Maßnahmen zur Risikoabsicherung, die manche Investoren ergreifen und die natürlich Geld kosten.

    Das ist für mich kein Wetten, sondern wirtschaftlich durch und durch vernünftiges Handeln.

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    • aMax
    • 05. August 2012 15:39 Uhr

    ..ist es nicht zuweilen möglich, eine Ausfallversicherung
    auf dieses Risiko abzuschließen, obwohl man nicht unter den Kreditgegbern ist?

  4. "Hedgefonds und Spekulanten aus dem Nicht- Euro-Raum wetten hier mit Milliardensummen auf den Kollaps der Gemeinschaftswährung"

    versus

    "sichern sich die professionellen Anleger gegen Wechselkursschwankungen ab"

    Das erste Zitat klingt wie eine Verschwoerung boeswilliger,gieriger Spekulanten, das zweite Zitat klingt wie eine voellig legtime Handlung wie sie jeder uns von uns ausfuehren wuerde, wenn er die Mittel dazu haette.

    Beschreiben aber beide Zitate nicht ein- und denselben Vorgang?

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    • joG
    • 05. August 2012 14:41 Uhr

    ....sichert. Man braucht die "Bösen" und die Undurchsichtigkeit. Aber es ist schon erstaunlich, dass die Medien noch immer die Partei der Politik einnehmen, wo nun wirklich offensichtlich geworden ist, dass die EU Politik der gesamten Parteien und der Bürokratie auf allen Ebenen versagt hat und uns in eine schier schreckliche Position ohne Not und mit billigendem Einverständnis dieser Politiker und Bürokraten gebracht hat. Wie kann man da das verzweifelte herumschlagen dieser Gruppe aufnehmen und die "Bankster", "Hedgefonds" und "Spekulanten" angreifen. Die haben uns nur vor weiterem und noch größerem Ungemach gewarnt und bewahrt.

    • joG
    • 05. August 2012 14:35 Uhr

    .... mächtigen Gegenspielern in die Hände, die an der amerikanischen Terminbörse zu finden sind: Hedgefonds und Spekulanten aus dem Nicht- Euro-Raum wetten hier mit Milliardensummen auf den Kollaps der Gemeinschaftswährung. "

    Wenn das seine "Gegenspieler" sind, dann hat er sich in eine schlechte Ecke manövriert und hat ziemlich sicher verloren. Dann hat er aber auch nicht verstanden, worum es geht und befindet sich noch in den bürokratischen Weltanschauung seiner Karriere. Dann wäre er Betonkopf.

  5. >>Ein außergewöhnlich hoher Wert, der zeigt: Per saldo geben die Profis dem Euro derzeit keine Chance.<<

    Sind das eigentlich dieselben Profis, die die sogenannte Euro/Finanz/Schulden/Bankenkrise ausgelöst haben, durchaus auch befeuert von unser aller Gier?
    Und sind das etwa auch US-amerikanische Profis, die da gegen den Euro wetten?
    Im Grunde ist dagegen ja nichts einzuwenden, wenn mit Zockerei gegen eine Währung oder auf eine Währung massiv Geld verdient wird, ich meine, wo leben wir denn hier, in einer freien Marktwirtschaft oder was? :D

    Aber ist das dann nicht eigentlich Landesverrat, denn immerhin beschwert sich doch der amtierende Präsident ständig über die Gefahr, die von der 'Euro-Krise' für sein Land droht.

    Es ist im Grunde völlig egal, welche Währung zuerst den Bach runtergeht, der Euro oder der verdammte US-Dollar. Sicher ist nur, daß die eine der anderen folgen wird, die Reihenfolge ist irrelevant. Und auch alle Wachstumsparolen der Politik werden am weiteren Verlauf der Geschichte nichts verändern.

    Kauft Konservendosen, Leute :D

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