Beinahe hätte Daryl Larson seine Herde zu Beginn des Jahres auf 120 Kühe aufgestockt. Doch er zögerte, als sein Bruder ankündigte, aus der Farm aussteigen zu wollen, um in den Ruhestand zu wechseln. Stattdessen verkaufte er im Frühjahr 25 der Tiere. "Das war mein Glück", sagt er.

Larson, 58 Jahre alt, Hut, große Gürtelschnalle, breiter Akzent, steht mit einem Geländewagen auf seiner Weide im kleinen Ort McPherson, wenige Autominuten von seiner Farm entfernt. Die rund 70 Hektar Land sind von der Sonne ausgedörrt, das Gras ist an den meisten Stellen braun. In den Tränken für die Kühe ist kaum noch Wasser .

Noch vor wenigen Tagen, sagt Larson, habe er sich mich mit dem Wagen nicht auf die Weide getraut. Der Boden und das Gras seien so trocken gewesen, dass er Angst hatte, er könne das Feld mit dem heißen Motor in Brand setzen. Vor zwei Tagen hat es kurz geregnet, das erste Mal seit Wochen. Jetzt strahlt der Himmel über McPherson wieder blau, Wind und Hitze haben den Boden trocken geföhnt. Die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei genau null Prozent. So war es gestern, so wird es morgen wieder sein. Normalerweise beträgt die Durchschnittstemperatur im Juli in Kansas rund 30 Grad. In diesem Jahr sind es fast 39.

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Amerika erlebt die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten . Seit Monaten warten die Menschen im Corn Belt des Landes auf den erlösenden Regen. Fast 1.600 Landkreise in 32 Staaten sind zu Notstandsgebieten erklärt worden . Landwirte und Viehfarmer in Kansas, Iowa , Missouri oder Nebraska kämpfen seither um ihre Existenz, und ein Ende der Dürrezeit ist nicht in Sicht.

Daryl Larson betreibt die kleine Farm gemeinsam mit seinem Bruder in vierter Generation. Noch immer lebt er in dem gelben holzverzierten Haus, in dem er aufgewachsen ist. Als Larson 1972 mit der High School fertig war, stieg er in das Geschäft seiner Eltern ein und baute die Farm von 320 auf knapp 650 Hektar aus. In den neunziger Jahren hatte er noch 200 Kühe, zuletzt hat er die Herde auf rund 30 Tiere reduziert, mit Jungtieren sind es 55. "Kansas hat immer wieder trockene Sommer erlebt, aber an eine Dürre wie diese kann ich mich nicht erinnern", sagt er.

Dürre in Kansas - "An eine Dürre wie diese kann ich mich nicht erinnern" Daryl Larson, Viehfarmer und Getreideerzeuger in McPherson / Kansas, über die Auswirkungen der Dürre auf die Futterproduktion. Interview auf Englisch

Larson kämpft schon das zweite Jahr mit der Trockenheit. Noch im Frühjahr hatte der Viehzüchter gehofft, dass es in diesem Jahr besser werden würde. Doch als Mitte Juni der Regen ausblieb und die Temperaturen auf mehr als 40 Grad stiegen, wurde Larson nervös. Was ihn beruhigt, war der Gedanke, die Hitze könnte bald wieder verschwinden.

Doch sie blieb. Seit Mitte Juni ist das Gras nicht mehr gewachsen, die Kühe finden auf der Weide kaum noch Nahrung. Das Gras, das nicht schon verbrannt ist, bietet nicht genügend Nährstoffe. Die Tiere werden schneller krank, Kälber wachsen langsamer, weil die Muttermilch nicht genügend Energie liefert. Seit vier Wochen mischt Larson deshalb Proteine unter das Futter, deutlich früher als sonst. Das ist teuer. Rund 40 Prozent mehr kostet ihn jede Kuh in dieser Saison, schätzt der Farmer.

Dabei hat er noch Glück. Larson muss nicht wie andere jeden Tag Wasser auf die Weiden schleppen, um die Tränken zu füllen und genügend Heu-Vorräte hat er auch, um durch die nächsten Monate zu kommen. Andere, die weniger Glück haben, suchen auf Facebook , Twitter oder Craigslist nach Heu, um ihre Herden zu versorgen. Aus dem ganzen Land strömen die Rancher auf die Heu-Auktionen, die Preise liegen mit 330 Dollar je Tonne zum Teil fast doppelt so hoch wie 2011. Das Agrarministerium hat inzwischen rund 1,5 Millionen Hektar an Land zur Heuernte freigegeben. Das soll die Viehfarmer entlasten.

Einige Bauern fühlen sich trotzdem von Washington alleine gelassen. Denn während die Landwirte dank der staatlichen Ernteversicherung für viele Ausfälle entschädigt werden , gibt es ein ähnliches System vor allem für die mittelständischen Viehzüchter nicht. "Etwas, das uns in irgendeiner Form einen gewissen Mindestpreis garantiert, wäre gut", sagt Larson.