Nur 500 Meter Luftlinie entfernt vom Kanzleramt tobt er, der Streit der Lobbys um die Zukunft des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). In einem Bürogebäude gleich an der Spree laden zuerst die Ökos ein. Die Branche der Windmüller stellt zusammen mit dem Ökostromproduzenten Greenpeace Energy die Studie vor Was Strom wirklich kostet .

Ergebnis: Eigentlich wäre die Kilowattstunde Strom noch mindestens zehn Cent teurer, wenn in den Kalkulationen auch die Förderungen und Subventionen für Atom- und Kohlestrom auftauchen würden. "Immer wieder müssen die erneuerbaren Energien als Preistreiber herhalten", sagt Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy, "dabei sind sie schon heute günstiger als Kohle und Atom."

Gleiches Gebäude, nur eine Stunde später, ein anderer Bürotrakt. Jetzt präsentiert die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ihre Sicht der Dinge. Die INSM wird von den Arbeitgeberverbänden finanziert, früher machte sie vor allem Werbung für neoliberale Positionen, jetzt hat sie die Energiewende entdeckt.

Sie hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) beauftragt, eine Alternative zum EEG zu entwickeln. Ergebnis: Statt EEG soll Deutschland ein sogenanntes Quotenmodell einführen. Das käme in den kommenden acht Jahren den Stromverbrauchern mindestens 52 Milliarden Euro günstiger.

Einmal davon abgesehen, welche politischen Chancen überhaupt ein Quotenmodell hätte: Der montägliche Schlagabtausch zwischen Öko- und Kohlelobby zeigt, worauf sich Deutschland in den kommenden Wochen einstellen darf. Schon jetzt vergeht kein Tag, an dem nicht Verbraucherschützer über hohe Strompreise klagen und Politiker die Energiewende infrage stellen – oder eben gerade nicht.

EEG-Festspiele im Oktober

Am 15. Oktober wird Deutschland eine Art EEG-Festspiele erleben: Dann geben die Stromnetzbetreiber bekannt, auf wie viel Cent die EEG-Umlage steigen wird, etwa fünf Cent werden es wohl werden. Zurzeit liegt ihr Anteil am Strompreis bei rund 3,6 Cent.

Sowohl die alternativen Energieerzeuger als auch die großen Stromkonzerne ringen um die Deutungshoheit bei der Energiewende. Um Politik zu machen, führen beide Seiten reihenweise Zahlen und Grafiken ins Feld. Laut Greenpeace-Studie erhielt etwa die Steinkohle-Branche seit 1970 rund 177 Milliarden Förderung. Atomstrom habe sogar 187 Milliarden Euro erhalten (Das Deutsche Atomforum dagegen spricht – kaum überraschend – von nur 17,2 Milliarden bis 2010).

Die Studie der Umweltschützer kommt auf diese Summe, weil sie unter anderem die Ausgaben für Atomforschung, die Kosten für Asse und Morsleben sowie die sogenannten windfall profits addiert. Unter Letzterem verstehen Energiefachleute den finanziellen Vorteil, den AKW-Betreiber haben, weil sie nicht am Emissionshandel teilnehmen müssen, trotzdem aber die Kosten für CO2-Zertifikate auf den Strompreis aufschlagen.