Utz Claassen : Ex-EnBW-Chef rechnet mit Energiebranche ab

Die Energiebranche sei von Intrigen geprägt, sagt Utz Claassen. Das Ausmaß sei für die Öffentlichkeit kaum vorstellbar. In der EnBW-Affäre verteidigt er Stefan Mappus.
Ex-EnBW-Chef Utz Claassen © Daniel Karmann/dpa/lby

Der frühere Vorstandschef des Energiekonzerns EnBW , Utz Claassen , hat die Gepflogenheiten in der Energiebranche scharf kritisiert. "Ich habe einzelne Menschen in dieser Branche erlebt, die haben Wettbewerb nicht durch Innovation und um Kunden geführt, sondern durch Intrige und Diffamierung", sagte Claassen der ZEIT .

Er spreche mit seiner Kritik zwar Ausnahmen an, "aber es gibt diese gravierenden Ausnahmen eben auch, und dies hätte ich früher so nicht für möglich gehalten", sagte Claassen. "Die Wahrheit ist manchmal so bitter und extrem, dass sie über die Vorstellungskraft hinausgeht. Es gibt nichts, das es nicht gibt – das ist meine Erfahrung." Der ehemalige Energiemanager sagte: "Wenn die Menschen an der Basis wüssten, was es zuweilen alles gibt, dann hätten wir als Gesellschaft ein sehr ernsthaftes Problem."

Zur EnBW-Affäre und den Vorwürfen gegen den früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus äußerte sich der 49-Jährige gespalten. Es sei zwar richtig, dass der Rückkauf rechtsstaatlich aufgearbeitet werde. "Aber mir gefällt nicht, wie jetzt alle auf Herrn Mappus einschlagen, als wäre er der Einzige gewesen, der jemals in seinem Leben eine sehr teure Akquisition getätigt hätte." Man könne es in den Geschäftsberichten nachlesen: "Die EnBW hat außerhalb meiner Amtszeit selbst Käufe von Unternehmensanteilen getätigt, deren Wert prozentual zum Teil stärker berichtigt wurde als das, was man Herrn Mappus jetzt ökonomisch vorwirft."

Regierung sollte Gaskraftwerke subventionieren

Claassen äußerte sich darüber hinaus grundsätzlich zur Energiewende und forderte staatliche Subventionen für den Neubau von Gaskraftwerken. "Wir brauchen neue Gaskraftwerke, aber da derzeit niemand diese Kraftwerke baut, wird die Regierung finanzielle Anreize setzen müssen. Das wird die Steuerzahler am Ende sehr viel Geld kosten."

Claassen war von 2003 bis 2007 Vorstandschef von EnBW. Derzeit ist er Honorarprofessor an der Leibniz Universität Hannover sowie an der GISMA Business School.
 

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Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Da neue Gaskraftwerke nur Verluste bringen werden,

bleibt eventuell dem Staat sowieso nichts anderes übrig, als diese selber zu bauen. Hoffentlich hat er das Geld. Eventuell werden die Konzerne auch noch Kraftwerke an die Regierung verschenken wollen, wenn der laufende Betrieb nur Verluste bringt. (Man spart sich dann das Abwracken!)
Aber leider brauchen wir all diese Kraftwerke als Reservekraftwerke.
Die Alternativen sind: Eine neue Subvention oder Übernahme von Kraftwerken und damit auch deren Verluste durch den Staat.
Ich bin dafür, dass der Staat die neuen Gaskraftwerke baut und die Verluste aus der Staatskasse bezahlt werden. Dann werden die Steuerzahler und nicht die Sozialhilfeempfänger belastet.

Rund 1 Milliarde aktueller Kursverlust der landeseigenen

EnBW-Anteile.
““ ... Utz Claassen, hat die Gepflogenheiten in der Energiebranche scharf kritisiert““,
das ist sein gutes Recht - ein großer Nachrichtenwert steckt nicht darin.

Einen rund 5 Milliarden Euro teuren Ankauf, zulasten der BW-Steuerzahler, zu entschuldigen und Herrn Mappus rechtfertigen ist ein fragliches Unterfangen.

Der EnBW-Kaufpreis war offenbar zu hoch, das ist aber nur Schwachpunkt.
Der einseitige Verweis auf die japanische Atommisere (ab 11.03.2011), der immer wieder zur Entschuldigung vorgebracht wird, bedient nur Vorwände, er soll Fehler vertuschen, denn lange vor dem Kauf gab es kritische Bewertungen, bedingt durch Risiken im EnBW – Beteiligungs - Portfolio und der einseitigen Ausrichtung auf die Kernkraft. Ein Beispiel, finanzen.net, 14. 09. 2010 – rund 3 Monate vor dem Kauf:

““ EnBW dürfte von dem deutschen Atomkompromiss hart getroffen werden. Man gehe bei der Société Générale davon aus, dass das EnBW-Management zügig reagieren werde und eine Dividendensenkung, eine Budgetkürzung oder den Verkauf von Assets beschließen werde. .... Angesichts der höheren Unsicherheitsfaktoren habe man das Kursziel für die Aktie von 35,00 EUR auf 34,00 EUR herabgesetzt.““
http://www.finanzen.net/a...

Kaufpreis, je Aktie € 41,50 reiner Anteilspreis, ohne Nebenkosten
rund 4,7 Milliarden Euro.
Aktueller Kurswert € 32,37 =
3,7 Milliarden Euro.
http://www.finanzen.net/a...

“ Claassen will 265 Millionen Dollar

Nach 74 Tagen bei Solar Millennium “

n-tv, 02. April 2012:
““ Der juristische Streit zwischen der insolventen Solar Millennium AG und ihrem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Utz Claassen geht weiter. Der Manager, der im März 2010 nach nur 74 Tagen im Amt zurückgetreten war, fordert von Solar Millennium und einigen Tochtergesellschaften in den USA 265 Mio. Dollar Schadenersatz, wie das Unternehmen mitteilte. Verantwortliche des Konzerns hätten durch rufschädigende Äußerungen gegenüber Öffentlichkeit und Presse nach seinem Ausscheiden Claassens Reputation als Manager geschädigt, lautet die Begründung in der Klageschrift. Infolgedessen habe er seitdem keine adäquaten Mandate mehr bekommen. ““
http://www.n-tv.de/wirtsc...

Es macht wenig Sinn das fragwürdige Auftreten von Herrn Claasen weiter zu erörtern.
Sein EnBW-Wirken und andere Tätigkeiten in der Energiewirtschaft und sonstigen Bereichen ist skandalträchtig und anrüchig, höflich und sachlich ausgedrückt.
http://www.udo-leuschner....

Mit der Veröffentlichung, gleich einer Pressesprecher-Verlautbarung, wird offenbar
weder journalistischer Sorgfalt, noch dem allgemeinen Verständnis von Anstand und Recht, entsprochen.
Den Ankauf der EnBW-Anteile 06.12.10 durch das Land BW haben die seinerzeitige schwarz-gelbe BW-Landesregierung und deren Abgeordnete zu verantworten, nicht Herr Mappus. Der Kauf war – ohne wenn und aber – verfassungswidrig.

Solar Millenium

dort hat er 9 Mio € Antrittshonrar erhalten und weiter 7 Mio
als Abfindung nach nicht einmal 3 Monaten Anwesenheit verlangt.
Zur Info : Solar World ist pleite.
Ich lehne es ab, von einem solchen intriganten Mann irgendwelche Äusserungen über Kollegen anzuhören.
Seine Vorschläge kann er in die Tonne treten, da er sich als Mensch disqualifiziert hat und wir nicht wissen können, welche Interessen er verfolgt, vielleicht wird er ja von Gaskraftwerksherstellern dafür bezahlt.

Solange er...

...derart vage bleibt, hätte er sich die Sprüche auch sparen können.

Und der Grund für seine Aussage?: Wikipedia ist deutlicher:
"Anfang April 2012 verklagte Claassen seinen ehemaligen, inzwischen insolventen Arbeitgeber vor einem US-amerikanischen Gericht im Bundesstaat Kalifornien auf 265 Millionen US-Dollar Schadensersatz. Er begründet seine Klage mit einer vermeintlichen Rufschädigung durch Unternehmensvertreter. Wegen deren Äußerungen gegenüber der Presse und der Öffentlichkeit habe er keine neue Anstellung gefunden."

Der mehrfache Millionär, der auch schon gegen EnbW klagte, kann den Hals offenbar nicht voll genug bekommen. Natürlich werden solche Klagen, des offenbar besten Managers der Welt, die Zahlungen an Mitarbeiter und Gläubiger zusätzlich reduzieren.

Herr Claasen hat also durchaus recht, wir hier unten verstehen schon lange nicht mehr, in welcher Welt sich diese Herrschaften bewegen...