"Die USA müssen in der Biosprit-Politik handeln, um eine Nahrungskrise zu verhindern", schreibt der Generaldirektor der UN-Welternährungsorganisation FAO , José Graziano da Silva in der Financial Times . Die schlimme Dürre im Land habe die Maispflanzen bereits schwer beschädigt. "Wir hatten in diesem Jahr eine Rekord-Maisernte erwartet." Jetzt aber gäben die vertrockneten Felder nur noch einen mickrigen Ertrag. Da Silva bezeichnet die Konsequenzen für die Versorgung der Welt mit Nahrung als "ernst".

Allein im Juli sei der Maispreis um 23 Prozent gestiegen. Schon jetzt sei Mais teurer als in den Jahren 2008 und 2011. In seinem Gefolge steige auch der Weizenpreis.

Dass Da Silva auf das Jahr 2008 verweist, ist eine deutliche Warnung: Es war das Jahr einer weltweiten Nahrungskrise . In vielen Ländern kam es zu Unruhen , weil Lebensmittel nahezu unbezahlbar wurden. Gerade Entwicklungsländer traf die Krise hart – denn es sind die Armen, die einen Großteil ihres Einkommens für Nahrung ausgeben müssen, um zu überleben. Käme es erneut zu einer Nahrungskrise wie vor vier Jahren, wäre es nicht anders.

USA treiben Weltmarktpreise

Ernteausfälle, wie sie die USA gerade verzeichnen, beeinflussen schon für sich genommen den Weltmarkt; schließlich ist das Land der größte Getreideexporteur der Welt. Doch in diesem Jahr melden auch andere wichtige Getreideproduzenten schlechte Ernten, unter ihnen Russland , die Ukraine und Kasachstan.

Es sei nicht überraschend, dass in den Medien derzeit über die Gefahr einer neuen Nahrungskrise berichtet werde, schreibt Da Silva. Ob es aber wieder zu einer solchen Krise komme, hänge aber nicht nur von der Dürre und den Ernteausfällen ab, sondern auch davon, "wie die Staaten auf die Preisbewegungen reagieren".

Da Silva verweist auf die wachsende Konkurrenz um Mais, Zucker und Ölsaaten. Sie alle können zur Herstellung von Lebensmitteln ebenso verwendet werden wie zur Futter- und Agrotreibstoff-Produktion. Durch die steigenden Preise werde der Wettbewerbsdruck zwischen Nahrungs- und Biospritherstellern wahrscheinlich zunehmen, schreibt der FAO-Chef. "Ein Weg, die Anspannung des Marktes zu lindern, wäre, die Biotreibstoff-Förderung zu reduzieren oder vorübergehend auszusetzen."

Derzeit gingen rund 40 Prozent der US-Maisernte in die Herstellung von Biosprit. "Eine sofortige, vorübergehende Aussetzung der Förderpolitik würde den Markt aufatmen lassen und es erlauben, dass ein größerer Teil der Ernte für Nahrungsmittel und Futter verwendet werden kann."