KapitalmarktFrankreich startet eigene Finanztransaktionssteuer

In der EU blockieren viele Länder die Einführung einer neuen Steuer auf Börsengeschäfte. Frankreich geht nun voran mit einer eigenen Abgabe – aber mit Einschränkungen. von dpa

Die Fassade der alten Pariser Börse

Die Fassade der alten Pariser Börse  |  © John Schults/Reuters

Beim Kauf zahlreicher französischer Aktien wird nun eine Finanztransaktionssteuer fällig. Die Abgabe in Höhe von 0,2 Prozent muss auf Geschäfte mit Papieren von Unternehmen gezahlt werden, die ihren Hauptsitz in Frankreich haben. Ausgenommen ist allerdings der Handel mit Aktien von Gesellschaften, deren Börsenwert unter der Schwelle von einer Milliarde Euro liegt.

Eine weitere neue Steuer in Höhe von 0,01 Prozent erhebt Frankreich auf bestimmte Transaktionen im Hochfrequenzhandel und besondere Geschäfte mit Kreditausfallversicherungen (CDS) auf EU- Staatsanleihen . Im Gegensatz zur Abgabe auf Aktiengeschäfte betrifft diese allerdings lediglich Unternehmen und Personen, die in Frankreich steuerpflichtig sind. Vollkommen steuerfrei bleibt zunächst der Kauf normaler Unternehmens- und Staatsanleihen.

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Die Einführung der Finanztransaktionssteuer war im Frühjahr unter der konservativen Regierung des damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy beschlossen worden. Dessen sozialistischer Nachfolger François Hollande will sie nun möglichst schnell verschärfen und sie auf alle Finanztransaktionen ausdehnen.

Aktien von 109 Unternehmen betroffen

In einem ersten Schritt beließ er es allerdings dabei, den Steuersatz auf die Aktiengeschäfte anzuheben. Die Erhöhung von 0,1 auf 0,2 Prozent passierte erst wenige Stunden vor Inkrafttreten der Abgabe durch das Parlament.

Nach Angaben der französischen Regierung werden in diesem Jahr die Aktien von 109 Unternehmen von der Steuer betroffen sein. Darunter sind die des Autobauer Renault oder des Luxusgüterkonzerns LVMH. Die neuen Abgaben sollen jährlich einen Milliardenbetrag in den Staatshaushalt bringen.

Eine europaweite Finanztransaktionssteuer auf sämtliche Finanzmarktgeschäfte und -produkte ist wegen des Widerstands von Ländern wie Großbritannien bislang nicht in Sicht. Mindestens neun Befürworter-Staaten wollen eine solche Abgabe allerdings im Rahmen einer "verstärkten Zusammenarbeit" als Vorreiter einführen. Unter ihnen ist neben Frankreich auch Deutschland. Bestimmte Arten einer Finanztransaktionssteuer gibt es nach Angaben der EU-Kommission bereits in etlichen EU-Staaten wie Belgien , Zypern , Finnland , Griechenland oder Irland .

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Leserkommentare
  1. und zwar bereits seit dem Jahr 1694 für den Handel mit inländischen Aktien. Steuereinnahmen zu normalen Zeiten (also außerhalb der Krise) ca. 6 Mrd. pro Jahr.

    Es wundert mich, dass dem Autor dieses Artikels diese Information offensichtlich nicht vorliegt. Aber hier gern die Quelle des britischen Finanzamtes.

    http://www.hmrc.gov.uk/sdrt/intro/basics.htm

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    Und betrifft nur den stockkonservativen Aktienhandel.

    Warum sich UK gegen die Einführung einer Finanztransaktionssteuer sträubt, welche dann auch die brisanten Hochfrequenzgeschäfte belastet, bleibt ein Rätsel.
    Denn gerade deren Minimalrenditen sind nur im blitzschnellen Umwälzen von gigantischen Finanzvolumina erzielbar.
    Also läppische 0,0x% Steuer darauf würden viele Geschäfte unrentabel machen und damit die Finanzmärkte stabilisieren.

    Die Einführung einer europaweiten Finanztransaktionssteuer ist überfällig, die angedachte Höhe von 0,01-0,2% ausgesprochen maßvoll und für die Realwirtschaft unschädlich.
    Hoffen wir jetzt mal auf die Schwarmintelligenz.

    k.

  2. Liest sich wie ein Gesetz zur Deindustrialisierung Frankreichs...

    Multinationale Firmen werden das Land verlassen, treffen wird es also nur Firmen, die nicht groß genug sind Frankreich zu verlassen.

    Und vor allem wird diese Steuer die Geldanlagen der kleinen Leute treffen, die in Fonds investiert haben. Die dürfen die Steuer dann zahlen. Alle anderen handeln schlicht im Ausland.

    Hollande kollaboriert super mit Deutschland, er legt seine eigene Wirtschaft zu Füßen Deutschlands, die selbst nach einer EURO Abschaffung von der totalen Deindustrialisierung des restlichen Europas profitieren werden.

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    hinzu kommt, dass man ja eigentlich davon ausgehen würde, dass Hollande aktuell alle Hebel in Bewegung setzen würde, um einheimische Unternehmen zu stärken anstatt sie zu schwächen.

    Diese Transaktionssteuer bezieht sich aber nur auf inländische Unternehmen. Aktieninvestoren machen eine Renditerechnung auf, bei der sie die Steuern natürlich einrechnen. Das macht es dann lukrativer, in ausländischen Unternehmen zu investieren.

    Kanada ist diesbezüglich wesentlich schlauer. Es gibt eine Liste des Finanzamtes mit einheimischen Unternehmen. Wer in ein solches Unternehmen investiert, hat erhebliche Steuervorteile, was sich z.B. in einem erhöhten Steuerfreibetrag UND einem niedrigeren Steuersatz niederschlägt. Das wiederum hat zur Folge, dass sehr wenig Kaptial aus Kanada herausfließt, sondern im Land investiert wird. Das war u.a. einer der Gründe, weshalb Kanada relativ wenig von der Finanzkrise gebeutelt wurde. Die Probleme, die sie hatten, lagen in der grenzüberschreitenden Finanzierung von US-Immobilien.

    " ... wird die kleinen Leute treffen mit 0.2%!"

    sollten sie 0.2 Prozent nicht gefühlsmäßig bewerten können, schlage ich Ihnen den Gebrauch eines Taschenrechners vor.

    • tchonk
    • 01. August 2012 13:57 Uhr

    "Multinationale Firmen werden das Land verlassen, treffen wird es also nur Firmen, die nicht groß genug sind Frankreich zu verlassen.
    Und vor allem wird diese Steuer die Geldanlagen der kleinen Leute treffen, die in Fonds investiert haben. Die dürfen die Steuer dann zahlen. Alle anderen handeln schlicht im Ausland."

    Klingt wie aus einer Broschüre von Lobbyisten.

    Also bei dem Betrag wird das sicher einen volkswirtschaftlichen Schaden von jährlich 300 Milliarden Euro verursachen. 2 Millionen Arbeitsplätze wird das Land verlieren und der kleine Sparer verliert ebenfalls jährlich 100.000 Euro pro Kopf. Lässt sich ganz leicht ausrechen.

    Man braucht nur die richtige/falsche Motivation.

    "Liest sich wie ein Gesetz zur Deindustrialisierung Frankreichs...

    Multinationale Firmen werden das Land verlassen, treffen wird es also nur Firmen, die nicht groß genug sind Frankreich zu verlassen."

    Was zu beweisen wäre. Ich bin gespannt, ob das so kommen wird oder ob Frankreich dem Rest der Welt beweist, dass es geht, auch die Wirtschaft an den Kosten zu beteiligen. Wenn es nach der Wirtschaft geht, kostet ja eigentlich alles irgendwie Arbeitsplätze. Warten wir es doch mal ab, ob die Wirtschaft nicht doch angemessen an den Kosten beteiligt werden kann. Wenn ja, wird es Zeit, dass auch in Deutschland die Wirtschaft wieder mehr an den Kosten der Allgemeinheit beteiligt wird. Bisher wurde sie ja immer reichlich entlastet, hat aber im Gegenzug selten die versprochenen Arbeitsplätze gebracht.

  3. hinzu kommt, dass man ja eigentlich davon ausgehen würde, dass Hollande aktuell alle Hebel in Bewegung setzen würde, um einheimische Unternehmen zu stärken anstatt sie zu schwächen.

    Diese Transaktionssteuer bezieht sich aber nur auf inländische Unternehmen. Aktieninvestoren machen eine Renditerechnung auf, bei der sie die Steuern natürlich einrechnen. Das macht es dann lukrativer, in ausländischen Unternehmen zu investieren.

    Kanada ist diesbezüglich wesentlich schlauer. Es gibt eine Liste des Finanzamtes mit einheimischen Unternehmen. Wer in ein solches Unternehmen investiert, hat erhebliche Steuervorteile, was sich z.B. in einem erhöhten Steuerfreibetrag UND einem niedrigeren Steuersatz niederschlägt. Das wiederum hat zur Folge, dass sehr wenig Kaptial aus Kanada herausfließt, sondern im Land investiert wird. Das war u.a. einer der Gründe, weshalb Kanada relativ wenig von der Finanzkrise gebeutelt wurde. Die Probleme, die sie hatten, lagen in der grenzüberschreitenden Finanzierung von US-Immobilien.

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    • Hickey
    • 01. August 2012 12:42 Uhr

    ist das ein schlechter Vorschlag.

  4. " ... wird die kleinen Leute treffen mit 0.2%!"

    sollten sie 0.2 Prozent nicht gefühlsmäßig bewerten können, schlage ich Ihnen den Gebrauch eines Taschenrechners vor.

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    Das Problem ist, dass Fonds für Kleinanleger nicht häufig umschichten werden und bei jedem Handel diesen Aufschlag erheben.

    Andere Fonds investieren gleich im Ausland, ohne diese Steuer.

    • ach_ne
    • 01. August 2012 11:26 Uhr

    Hier mal ein Beispiel. Bei 5000€ Geldanlage im Jahr (gibt es "kleine Leute", die mehr zur Seite schaffen können??? Vor kurzem habe ich gelesen, dass im Schnitt ca. 200€ im Monat gespart werden. Wie viel davon sind wohl Rücklagen für das neue Auto, das auf einem Tages-/Festgeldkonto "angelegt" wird?) wären dies 10€. Bei 500000€ wären dies 1000€. Aber wer legt schon 500000€ in Aktien an? Der "kleine Mann" vielleicht? Oder schließt "der kleine Mann" CDS ab???

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    Viele Fonds sichern Ihre geschäfte Tagesaktuell ab und schließen Ihre Positionen zum Börsenschluss. Je nachdem wie die Ordnung für die Margins ist, muss das entweder über die Netto oder die Bruttopositionen erfolgen.

    Geht man vom dummen Fall aus, so sind das 10 euro zweimal täglich (also pro kompletter Transaktion). Für 231 Börsentage macht das 4420 Euro Steuer auf 5000 Euro Anlage.

    Alternativ kann die Bank auch einfach aufhören die Anlagen abzusichern. Das hilft bestimmt sehr bei der stabilisierung des Bankensektors.

    Der Wahnsinn Kreditausfallversicherungen für Staatsanleihen genau dann zu verteuern wenn griechenland und co massive refinanzierungsschwierigkeiten haben wird natürlich noch bejubelt.
    Politikversagen vom feinsten. Statt einfach Kapitalerträge vernünftig zu besteuern werden Schwachsinnsteuern mit massiven verzerrungseffekten eingeführt damit der normale bürger denkt es trifft ihn nicht

  5. Finde ich gut!!!

    Was passiert werden wir sehen. Die Finanzpropheten sind immer für eine Schwarzmalerei zu haben wenn sie weniger Kasse machen. Nur die Menschen gab es vor dem Finanzwesen und wird es auch danach noch geben.

  6. Viele Fonds sichern Ihre geschäfte Tagesaktuell ab und schließen Ihre Positionen zum Börsenschluss. Je nachdem wie die Ordnung für die Margins ist, muss das entweder über die Netto oder die Bruttopositionen erfolgen.

    Geht man vom dummen Fall aus, so sind das 10 euro zweimal täglich (also pro kompletter Transaktion). Für 231 Börsentage macht das 4420 Euro Steuer auf 5000 Euro Anlage.

    Alternativ kann die Bank auch einfach aufhören die Anlagen abzusichern. Das hilft bestimmt sehr bei der stabilisierung des Bankensektors.

    Der Wahnsinn Kreditausfallversicherungen für Staatsanleihen genau dann zu verteuern wenn griechenland und co massive refinanzierungsschwierigkeiten haben wird natürlich noch bejubelt.
    Politikversagen vom feinsten. Statt einfach Kapitalerträge vernünftig zu besteuern werden Schwachsinnsteuern mit massiven verzerrungseffekten eingeführt damit der normale bürger denkt es trifft ihn nicht

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    "Der Wahnsinn Kreditausfallversicherungen für Staatsanleihen genau dann zu verteuern wenn griechenland und co massive refinanzierungsschwierigkeiten haben wird natürlich noch bejubelt."

    Griechenland und Co haben genau deshalb massive Refinanzierungsschwierigkeiten, weil sie bereits überschuldet sind und keine Sicherheiten anbieten können. Aus diesem Grund steigen dann die Kreditausfallversicherungen. Sie lassen sich das erhöhte Risiko bezahlen. Das ist ein völlig normaler Prozess.

    Italien z.b. hätte überhaupt kein Problem, sich zu finanzieren, wenn sie mit Gold besicherte Anleihen auf den Markt bringen würden. Italien hat die drittgrößten Goldreserven der Welt. Eine bessere Sicherheit gibt es kaum noch.

    Es ist aber einfacher, sich vom europäischen Steuerzahler herauspauken zu lassen, als die eigenen Vermögen zu verpfänden.

    ...haben Sie aber nicht. Die Steuern sollen genau dieses Verhalten umsteuern. Vielleicht denken Sie noch einmal nach.

  7. "Der Wahnsinn Kreditausfallversicherungen für Staatsanleihen genau dann zu verteuern wenn griechenland und co massive refinanzierungsschwierigkeiten haben wird natürlich noch bejubelt."

    Griechenland und Co haben genau deshalb massive Refinanzierungsschwierigkeiten, weil sie bereits überschuldet sind und keine Sicherheiten anbieten können. Aus diesem Grund steigen dann die Kreditausfallversicherungen. Sie lassen sich das erhöhte Risiko bezahlen. Das ist ein völlig normaler Prozess.

    Italien z.b. hätte überhaupt kein Problem, sich zu finanzieren, wenn sie mit Gold besicherte Anleihen auf den Markt bringen würden. Italien hat die drittgrößten Goldreserven der Welt. Eine bessere Sicherheit gibt es kaum noch.

    Es ist aber einfacher, sich vom europäischen Steuerzahler herauspauken zu lassen, als die eigenen Vermögen zu verpfänden.

    Antwort auf " Pro Transaktion"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Europäische Union | EU-Kommission | Nicolas Sarkozy | Renault | Aktie | Frankreich
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