BER : Berliner Großflughafen geht das Geld aus

Die Berliner Flughafengesellschaft ist mittlerweile nicht mehr kreditwürdig. Die Finanzmittel reichen im schlimmsten Fall nur bis zum November.
Ein rotes Kreuz prangt auf einer der Landebahnen des künftigen neuen Flughafens Berlin-Brandenburg (BER). © Hannibal/dpa

Nach der Kostenexplosion beim Großflughafen Willy Brandt in Schönefeld ist die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) nicht mehr kreditwürdig. Das wurde jetzt von Brandenburgs Landesregierung in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des CDU-Abgeordneten Ludwig Burkhardt erstmals eingestanden. Zugleich dementierte Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke), Mitglied im Flughafen-Aufsichtsrat und dort Chef des Finanzausschusses, am Donnerstag eine drohende Insolvenz der den Ländern Brandenburg, Berlin und dem Bund gehörenden Flughafengesellschaft.

"Die Gesellschafter werden die Solvenz der Gesellschaft gewährleisten. Die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft ist und bleibt sichergestellt“, sagte Markov. Gleichwohl wird das Geld wegen des Debakels um die Bauverzögerung am BER knapp, droht der Flughafen mittelfristig in wirtschaftliche Schieflage zu geraten. Die Finanzen der FBB stehen im Mittelpunkt der Aufsichtsratssitzung am 16. August.

"In der gegebenen Ertrags- und Kostenstruktur ist die FBB nicht in der Lage, zusätzliche Kredite aufzunehmen und zu bedienen“, heißt es in der Regierungsantwort. Hintergrund ist, dass das bisherige BER-Finanzbudget von 3,3 Milliarden Euro , davon 2,4 Milliarden Euro von der öffentlichen Hand zu 100 Prozent verbürgte Kredite, weitgehend erschöpft ist. Nach Tagesspiegel-Recherchen hat die FBB noch knapp 30 bis 50 Millionen Euro "freie“ Mittel. Die Liquidität ist bis Jahresende gesichert, im Worst-Case bis November, hieß es am Donnerstag in Gesellschafterkreisen.

Berlin, Brandenburg und der Bund versuchen derzeit, ein zweites Finanzierungspaket zu schnüren, um die auf 1,17 Milliarden Euro bezifferten Mehrkosten zu finanzieren – infolge der verschobenen Eröffnung, höheren Baukosten und Mehrausgaben für den Schallschutz von rund 50.000 Anwohnern. Brandenburg etwa hat seinen Anteil von 453 Millionen Euro im Doppelhaushalt für 2012/2013 bereits eingeplant. Da es sich um Beihilfen handelt, müssen sie von der Europäischen Kommission genehmigt werden. Bislang äußern sich die Beteiligten zuversichtlich, dass Brüssel grünes Licht geben wird. Doch wies CDU-Finanzexperte Burkhardt darauf hin, dass die EU auch eine Privatisierung des Flughafens zur Bedingung machen könnte.

Damit der Flughafen bis zur Notifizierung der Beihilfen flüssig bleibt, wird von den drei Gesellschaftern derzeit eine Brückenfinanzierung vorbereitet, über Kredite mit öffentlichen Banken und einer Privatbank, wie es heißt.

In Berlin und Brandenburg sind die drohenden Belastungen für die Landeshaushalte ein Politikum. Sie drohen in Geiselhaft für das Versagen der privatrechtlich geführten Flughafengesellschaft genommen zu werden, ohne dass es adäquate parlamentarische Kontrollrechte gäbe, kritisiert etwa Brandenburgs Grünen-Fraktionschef Axel Vogel .

Erschienen im Tagesspiegel

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Kommentare

141 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Typisch ...

... für Parteien des linken Flügelns.
Man kann es fast als Politik der Generationsbelastung nennen - einfach wild Prestigeprojekte beauftragen, ganz unabhängig, ob es finanziell bezahlbar ist oder nicht. Spielt ja auch keine Rolle, die nächste Generation kann es ja abdrücken! Und wenn sie dann abgewählt sind, kann man dann schön der FDP oder CDU die Schuld an der Misere geben, obwohl es genau diese Parteien sind, die das ökonomische Debakel geerbt haben! Und so läuft es immer bei den Linken. Von Geld keine Ahnung. Hauptsache irgendwelche Großporjekte bauen, damit der Wähler ja sieht, dass die Politik doch irgendetwas macht. Politische Konsequenzen? Ach, ist ja alles nicht so shclimm, ist ja nur das Geld künftiger Generationen, das verprasst wird!

Elbphilharmonie Hamburg

Ich glaube mit elbphilharmonie Hamburg ist genug gesagt. Und mit den ganzen Schulden die uns die Kohl Regierung aufgedrückt hat, braucht sich wohl keine Links(gerichtete) Regierung mehr Sorgen machen dass sie die größten Verschwender sind.

Was ich nur (seit Jahren) nicht verstehe. Wie können öffentliche Bauvorhaben immer und immer wieder soviel mehr kosten als vorher veranschlagt? Ich mache eine Ausschreibung, Firma x bietet mir an es für x Millionen zu machen, ich bezahle die x Millionen und dann haben sie das zu bauen. Wenn sie länger brauchen oder whatever sollen sie sich halt versichern. Aber Ausschreibungen gewinnen indem man zu niedrige Preise reinschreibt würde doch niemanden in der Privatenwirtschaft einfallen. Da sind dann überall Klauseln drin das der Bauherr haftet.

Kohls Schulden als konservativ zu verbuchen...

...ist schon extrem verdreht.

"Und mit den ganzen Schulden die uns die Kohl Regierung aufgedrückt hat, braucht sich wohl keine Links(gerichtete) Regierung mehr Sorgen machen dass sie die größten Verschwender sind."

So dumm sind Sie doch nicht, dass Sie nicht wissen, woher diese Schulden maßgeblich kommen - von den Hinterlassenschaften eines (offiziell) sehr linken Experiments hinter dem Vorhang...

Traurig!

So lange es Menschen wie Sie gibt, die sich durch schwarz-weiße Kulissen blenden lassen ohne die dunkle, graue Zone dahinter zu erkennen, so lange haben die rechten und linken Volksverräter nichts zu befürchten...

Wachen Sie auf!

Sapere Aude!

---

Frage an den Autor bzw. die Journalisten allgemein:

Welchen Grund (Sinn) hat es, wenn verschiedene staatliche "Abteilungen" (hier: Bund und die Länder Berlin und Brandenburg) eine privatrechtliche Gesellschaft gründen?

Das einzige was mir spontan einfällt: Die Nachvollziehbarkeit der Finanzströme wird für die Öffentlichkeit erschwert...

Ja, konservativen Politikern ist noch nie ...

ein Projekt aus dem Ruder gelaufen. Ich erinnere etwa an das Denkmal, das sich Ole von Beust mit der Elbphilharomie setzen wollte, die inzwischen rund 4-mal so teuer wird, als ursprünglich kalkurliert oder an den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, dessen Kaimauer schon vor Eröffnung ein Sanierungsfall ist. Die Schlussabrechnung unter Stuttgart-21 ist auch noch lange nicht gemacht.

NEIN: Das mit dr Kostensteigerung ist kein spezifisches Problem von SPD/Linken-Politikern, das ist ein Strukturproblem bei öffentlichen Bauherrn. Im Falle des BBI/BER erinnere ich daran, dass eine Privatisierung gescheitert ist, bevor es mit dem Bau los ging und deshalb der öffentlichen Hand letztlich gar keine Wahl blieb, als es selbst in die Hand zu nehmen.

Spott und Häme auszuschütten ist einfach und billig. Der Situation gerecht wird man damit aber nicht.

ZUR Klarstellung: Ich glaube nicht, dass beim BER alles optimal gelaufen ist. Sicher sind dort Fehler gemacht worden, insbesondere hat man wohl zulange recht blind der Geschäftsführung um Rainer Schwarz vertraut. Aber das wird der Untersuchungsausschuss in Berlin wohl demnächst klären.

Deshalb: Bitte bleiben Sie bei aller verständlichen Kritik sachlich und stellen Sie keine Zusammenhänge her, wo es keine gibt. Öffentliche Bauvorhaben laufen gerne und regelmäßig kostenmäßig aus dem Ruder, gleich welcher Coleur die verantwortlichen Politiker angehören.

CHILLY

Auch schön

Auch ein schönes Beispiel wäre die U-Bahn zum Reichstag.

Und wenn dereinst die Rechnung für S21 präsentiert wird, wird es auch heißen, die Grünen haben's doch gebaut, obwohl die DB heute schon intern mit 6-7 Milliarden rechnet und der Albtraum von der CDU durchgelogen wurde.

CDU Hörige ticken so. Für früheres wird nie Verantwortung gesucht. Siehe auch NRW. Fau Kraft tut alles, was sie kann, um das, von der CDU geerbte Desaster, zu retten. Und doch behaupten die CDU Jünger hier, de SPD hätte das Land an die Wand gefahren.

Früher nannte man sowas Kadavergehorsam.

Sonnige Grüße

G-dog

Und sie?

[...], dass Sie nicht wüssten, das unter Kohl im Verlauf der Wiedervereinigung immense finanzielle Fehler gemacht wurden, um rechtzeitig zur Wiederwahl möglichst viel ostdeutsches Stimmvieh zu ködern, oder?

Die Abwicklung durch de Treuhand war ein Desaster. Der Pres für den Euro, durch Fankreich erpresst, war ein Desaster. Und z.B. Der Verkauf des Minol Tankstellennetzes an Elf Aquitaine, den Kohl selbst eingefädelt hat, war zutiefst von Korruption gekennzeichnet.

Und, finden sie sich endlich damit ab, unter allen desaströsen Verträgen, steht seit 20 Jahren eine CDU Unterschrift.

g-dog

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls

Und das zusammengerechnet ergibt dann...

...1 Billion Euro. Das glauben Sie ja selbst nicht. Ich war noch recht jung zur Teilung, aber das laute Geschreie bzgl. "sofort alles gleich machen"... das kam von den Bürgern.

Kohl hat unglaubliche Fehler bei der Wiedervereinigung gemacht. DM = OM etc. Aber, es gab auch kein Lehrbuch, wie man so etwas macht - so etwas gab es in der ganzen Geschichte noch nie.
Kohl hat den Fehler suboptimal gelöst - den Fehler, der garnicht erst hätte gelöst werden müssen, wenn andere nicht mit ihrem Gesellschafts-Experimentier-Baukasten gespielt hätten und Mauern gebaut hätten, dass keiner sieht, wie man dort misswirtschaftet.

Ich habe mein Leben noch keine CDU gewählt - ich kann mich also damit abfinden. Aber den Karren in den Dreck zu ziehen und dann auf den schimpfen, der ihn wieder rausziehen muss - das mag ich nicht.

Auch das ist ein, immer wieder gern genutztes Instrument, der konservativen Jünger.

Fällt einem inhaltlich nichts mehr ein, zeht man sich an Formulierungen hoch, oder unterstellt einach Dinge (Hawaii? Putzige Unterstellung).

Behalten Sie ruhig ihre fest verankerte Meinung, sie haben ja sonst nicht viel. Argumente z.B. Und Ihnen ihre Meinung zu nehmen, liegt mr fern, ich will die nicht haben, ich kann selber denken.

G-dog

Und man könnte auch erwähnen,

daß die Kosten, die durch die Wiedervereinigung entstanden sind, in Wahrheitheit (natürlich nicht nur) auch ein riesiges Investitionsprogramm für westdeutsche Firmen waren. Ein riesiger Absatzmarkt ist da wie aus dem nichts entstanden, was die Leute damals nicht alles gekauft, gebaut und verbraucht haben. Treuhand u.ä. wurde ja schon erwähnt. So simpel wie dargestellt ist es leider nicht.

Also, wir gehen hier in zwei verschiedene Richtungen...

...klar ist bei dem Zusammenbruch der DDR vieles falsch gemacht worden. Aber alleine, dass es eine DDR überhaupt gab, ist nicht wirklich eine Leistung der Konservativen.
Sie können doch dem neuen Generalplaner des BER, der jetzt den Flughafen unter höheren finanziellen Aufwand fertigstellen muss nicht die Schuld für die Fehler, des ursprünglichen Generalplaners geben. Genau das machen Sie, wenn Sie Kohl maßgeblich die Schuld an den Kosten der Widervereinigung geben.

Und das Argument was Sie hier bringen ist schon komisch - wohin hätte das Geld fließen sollen? Zu Ostdeutschen Firmen? Zu Firmen in die UDSSR? Die Industrie dort konnte doch die Anforderungen der Bürger nicht erfüllen. Ostdeutschland hätte zunächst ein paar Jahre auf seinem Niveau bleiben müssen. Durch die Lohnkosten wäre die Industrie von alleine dort rüber gegangen... aber es musste ja alles sofort passieren.

@ 13 Kohls Schulden

Zitat: "So dumm sind Sie doch nicht, dass Sie nicht wissen, woher diese Schulden maßgeblich kommen - von den Hinterlassenschaften eines (offiziell) sehr linken Experiments hinter dem Vorhang..."

So dumm ist niemand - außer Herrn Kohl. Oder war es doch nur Wahltaktik, zu suggereiren, die "blühenden Landschaften" seien aus der Portokasse zu finanzieren? Was ist also verwerflicher, Dummheit oder vorsätzliche Täuschung?

Ich wollte gar nicht

einen Zusammenhang zu Kohl im Fall des Berliner Flughafen Desasters herstellen. Das war eine Antwort auf Ihren Kommentar "woher diese Schulden maßgeblich kommen - von den Hinterlassenschaften eines (offiziell) sehr linken Experiments hinter dem Vorhang". Diese Zusammenfassung ist mir vielzu eindimensional. Aber Sie schreiben ja selber, daß man Fehler gemacht hat. Mit Sicherheit weil die Erfahrung gefehlt hat und die Stimmung damals eine andere Möglichkeit nicht zugelassen hat, aber zum Teil eben auch, weil so gewünscht. Und ja ein Teil des Geldes hätte auch in ostdeutsche Firmen fließen können. Die Chance wäre sehr wohl da gewesen, einen Teil produktiv und wettbewerbsfähig zu machen. Aber Konkurrenz war nicht erwünscht. Man hätte die Treuhand so nicht installieren dürfen, man hätte die DM nicht so schnell einführen dürfen, man hätte die Lohnkosten nicht so schnell anheben dürfen u.u.. Aber das ist alles Geschichte. Entscheidend ist, daß man die Kosten nicht eins zu eins auf die Wiedervereinigung schieben kann. Wie geschrieben, in Wahrheit eben auch ein riesiges Investitionsprogramm für westdeutsche Firmen.

vive la différence

Ein kleiner aber wichtiger Unterschied:

In Bayern und Baden-Württemberg wird auch hin und wieder heftig Mist gebaut. Dort kann man aber den Schaden - so ärgerlich er ist - aus den Überschüssen ansonsten jahrzehntelanger grundsolider konservativer Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik mit Bordmitteln verkraften. Auch den besten und erfolgreichsten Privatunternehmen geht mal eine Großinvestition über den Jordan. Dafür sind andere Projekte um so erfolgreicher.

In Ländern wie Berlin und Brandenburg aber ist Inkompetenz System. Die Projekte gehen reihenweise schief und eine indolente politische Führung interessiert das auch nicht im Geringsten, da man ja nur zum Bund und zu den Südländern laufen muß und dort die Hand aufhalten. Einen nicht geringen Teil des dort erhaltnen Geldes steckt man dann in Partys, auf denen man sich neue Wohltaten ausdenken kann, um das Wahlvolk bei Laune zu halten. Die nächste Pleite kommt bestimmt - die Rechnung zahlen andere.

Und woher kommen die Überschüsse?

Von welchen Überschüssen reden Sie eigentlich? Wenn man bedenkt, dass man Jahr für Jahr mehr an Lehrern, Renovierungen der Schulen und der Infrastruktur gespart hat, nenne ich es keine Überschüsse, sondern das Leben von der Substanz - die immer mehr kaputt geht.

Das achtstufige Gymnasium war letztens ein Musterbeispiel für Betrug. Ein achtstufiges Gymnasium hat nicht mehr Fachkräfte erzeugt, sondern nur Probleme. In den Statistiken allerdings konnte man dadurch weniger Ausfälle im Unterricht verzeichnen - weil weniger Lehrer mit dem G8 gebraucht wurden und natürlich auch Kosten "senken" (wobei das Wort "senken" hier überhaupt nicht passt).

Die Vetternwirtschaft kommt teuer

Natürlich müssen vorrangig Freunde und Günstlinge mit Aufträgen bedacht werden, zu attraktiven Renditen, versteht sich, auf Kosten der Steuerzahler. Oft sind aber die Vettern und Partyfreunde gar nicht geeignet, eine gute Leistung zu erbringen.

Berlin ist besonders korrupt. Nachdem die Schulden aus dem Bankenskandal auf die Einwohner umgelenkt wurden, kommen jetzt noch die Verluste für (wie immer) misslungene Projekte zusätzlich zu den Spielverlusten für die "Rettungspakete".

"Freibeuter, ran an die Spreeperlen!

Braun ist ein typischer Vertreter von Berlins politischer Klasse. Die Bevölkerung ist ihre Beute, in der Politik wie im Privatgeschäft. Ihr Handwerk haben die Vertreter dieses Standes in einer Partei, in einem Unternehmen oder einer Kanzlei erlernt.

Neu ist das nicht. Das Bürgertum hat den König und die Aristokratie nicht von der Macht verdrängt, um der Gesamtbevölkerung eine bessere Welt zu ermöglichen. Sondern um sich die politische Macht zu sichern, mittels derer es sich dann bereichern konnte – auf Kosten des Volkes.

Berlins offizielle Verschuldung liegt heute bei rund 62 Milliarden Euro...

Wie kam es zu Berlins aussichtsloser Situation? Die Antwort ist einfach: durch die politische Klasse Berlins."

Interessanter Artikel, im Tagesspiegel erschienen:

http://www.pnn.de/kultur/...

Re: Typisch...

Etwas kurzsichtig. Wie viele Jobs hat denn der Bau geschaffen? Wie viele Einkommen haben davon Sozial- und Rentenabgaben gezahlt, zur Miete gewohnt und nebenbei auch noch konsumiert?

Also staatliche Fiskalpolitik bzw. Konjunkturprogramme zu verteufeln denkt nur von A nach B, denn die Konsumquote und Multiplikatoren auf der anderen Seite werden unterschlagen.

Und von wegen links: Das "nicht-mit-Geld-umgehen-können" hat die CDU mit Stoiber, Strauß und Schwarzgeldkonten genauso bewiesen.

Das "nicht-mit-Geld-umgehen-können" ist kein kennzeichen einer Fraktion, sondern eine Folge davon, dass keine Wirtschaftswissenschaftler Wirtschaftsminister sind.

Aktuell haben wir da einen Kinderarzt. Ich lach mich tot. Der kann sicher gut Windpocken diagnostizieren, aber was hat der denn für eine Ahnung von VWL, geschweige denn im Wirtschaftsministerium verloren?

DAS ist unser Problem. Wir brauchen Profs und Kompetenz in der Politik, nicht PR-Berater und Juristen.

Märchenstunde zur Sommerzeit

"Wenn man bedenkt, dass man Jahr für Jahr mehr an Lehrern, Renovierungen der Schulen und der Infrastruktur gespart hat"

So?

Fakten:

Planmäßige Lehrer an Gymnaisen im Haushaltsplan des Freistaats Bayern:
2000 15091
2005 16102
2010 19305
2012 19466

Baumaßnahmen dito.
Alles in den öffentlich, sogar im Internet zugänglichen Haushaltsplänen nachprüfbar.

Die Überschüssen kommen aus der Wirtschaftskraft dieser Länder und die kommt nicht von ungefähr, sondern daher, daß es dort Rahmenbedingugen gibt, die erfolreiches Wirtschaften ermöglichen. Daran ist die jeweilige Poltik nicht ausschließlich aber wesentlich beteiligt.

P.S.: Es Stimmt, daß es z.B. auch in München etliche marode Schulgebäude und Kliniken gibt. Für die ist - jetzt kommts - die Kommune der Sachaufwandsträger. Womit wir wieder bei Rot-Grün wären.

Nicht ernst gemeint, oder?

Zitat: In Bayern und Baden-Württemberg wird auch hin und wieder heftig Mist gebaut. Dort kann man aber den Schaden - so ärgerlich er ist - aus den Überschüssen ansonsten jahrzehntelanger grundsolider konservativer Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik mit Bordmitteln verkraften.

Der Allergrundsolideste war Mappus, der die hauptsächlich atombetriebene EnBW überteuert zurückkaufte. Der solide Konservative hat auch leider nicht bemerkt, dass auf überteuerte Beteiligungen der EnBW ein hoher Abschreibungsbedarf besteht.
Solide geht es weiter mit dem unsäglichen S 21, das kosten- und planungsmäßig BER weit in den Schatten stellen wird.
Solide auch das: Landesdefizit BW 42 Mrd., Schulden der Eigenbetriebe 14 Mrd., implizite Staatsschulden 20 Mrd., Lohn-/Gehalts-/Pensionskosten am Haushalt 40%.

Soll ich jetzt für 58 Jahre CDU/FDP dankbar sein?

Bitte machen Sie mal beide Augen auf!

Antwort auf Nr. 6: FreiheitsGeist: „Typisch für die Parteien des linken Flügels“

Ach ja, wie schön ist die Welt, sieht man immer nur die Hälfte! Ok, in Berlin wird das Projekt BER recht stümperhaft geplant und durchgeführt. Nur ist das nichts Neues, weder in Berlin noch anderwo, Herr/Frau FreiheitsGeist.

Erinnern Sie sich noch an die Herren Diepgen, ehedem Berliner Regierender Bürgermeister [CDU] und Landowski, ehedem Vorstandschef der BerlinHyp-Bank [CDU], die 2000 die Berliner Bank-Gesellschaft an die Wand gefahren und so Berlin erst an den finanziellen Abgrund getrieben haben? Da trifft aber voll zu: „einfach wild Prestigeprojekte beauftragen, ganz unabhängig, ob es finanziell bezahlbar ist oder nicht. Spielt ja auch keine Rolle, die nächste Generation kann es ja abdrücken!“

Wenn wir schon bei den talentierten „rechten“ Geldverwaltern sind: sagt Ihnen das Stichwort Bankenskandal der Bayern-LB durch Kauf der Hypo Alpe Adria was? Geschätzte 2-3 Mrd. Euro Verlust.

Direkt neben Bayern liegt Baden-Württemberg: mal was von Herrn Mappus gehört, der ca. 840 Mio Euro zuviel für ein Energieunternehmen gezahlt hat?

Oder Hamburg: wie schauts da mit der ominösen neuen Oper im Hafen-Viertel aus? Kostet glatt das doppelte, da hat Ole von Beust [CDU] aber auch gar kein glückliches Händchen gehabt – da finanzielle Desaster geerbt haben übrigens die Sozialdemokraten.

Verehrter/verehrte FreiheitsGeist, im „Geldverschenken“ sind CDU/CSUFDP/SPD aber wirklich auf gleicher Augenhöhe!

Doch, genau mit Bayern muss man das vergleichen....

...denn Bayern hat bis 1987 Förderung erhalten (wobei diese extrem niedrig lag) und diese Förderung auch genutzt. Denn nun zahlt Bayern die meisten Förderungen und hat schon weit mehr gezahlt, als erhalten - auch Inflationsbereinigt. Beide Tabellen finden Sie auf Wikipedia.
Natürlich kommen in der Erfolgsgeschichte von Bayern auch ein paar andere Faktoren zu tragen.

Blablabla, Linkenbashing und so

Die konservative Regierung hat weitaus mehr Schulden gebracht!
Wer hat denn auf Bankenrettungen gesetzt?
Wer hat denn bitte die Rentenkassen leer geräumt?
Wer subventioniert denn das Bildungssystem nur mangelhaft?
Wer hat denn den ESM ins Spiel gebracht und die Eurorettungen?

Das alles war die CDU! Von schwarzen Kassen usw. mal gar zu schweigen.

Berlin ist so ziemlich neben Köln die korrupteste Hochburg Deutschlands und wohl genau der empirische Beweis dafür, warum in Deutschland das Korruptionsgebot der UN nicht unterzeichnet wurde.

Wer glaubt, dass es nur die Baukosten wären die bei solchen Großprojekten explodieren der glaubt auch an den Weihnachtsmann!

Aber das ist halt Berlin! Verschwender Deutschlands für die Gelder anderer Länder!

Richtig ist, dass Bayern seit einigen Jahren ...

einen Überschuss im Landeshaushalt hat, wenn man von dem Jahr absieht, in dem das Land die BayernLB mit rund 10 Mrd. € stützen musste, weil diese sich u.a. mit der Hypo-Alpe-Adria heftigst verspekuliert hatte. Das Land Baden-Württemberg hat selbst unter den Ministerpräsidenten der Union immer noch eine Neuverschuldung im Landeshaushalt ausgewiesen. Von daher war es dort mit den "Überschüssen" nicht so weit her.

Ich weiss schon, es ist unausrottbar in den deutschen Hirnen eingebrannt, dass die "Roten" mit dem Geld nicht umgehen können und überhaupt völlig unfähig sind, ein Gemeinwesen zu organisieren. Ob ein - vorurteilsfreier - Blick in die Geschichte dieses Vorurteil wirklich bestätigt, daran habe ich so ganz massive Zweifel. Gerade ein Blick nach Baden-Württemberg zeigt, dass die damalige CDU-Regierung unter Mappus entgegen den damaligen Beteuerungen mit ihrem EnBW-Deal eben wohl doch den Landeshaushalt belasten wird, da die Dividenden nicht mehr ausreichen, die Zinsen für die Finanzierung abzudecken.

CHILLY

Erklärung bitte

Könnten Sie das "Berlin ist so ziemlich neben Köln die korrupteste Hochburg Deutschlands" ein wenig erläutern. Mir ist noch nicht so ganz klar aus welchen Fakten Sie das schließen. Den West-Berliner Filz des letzten Jahrhunderts bitte ich da mal auszuklammern. Das hat seine eigenen Gründe. So wirkt das zu mindest auf mich ein wenig aus Vorurteilen entstanden.

Und zum Satz "Aber das ist halt Berlin! Verschwender Deutschlands für die Gelder anderer Länder!" kann man auch sagen, daß am Beispiel Flughafen das Geld wieder zurück an Firmen aus anderen Bundesländer geflossen ist. Oder was denken Sie, wer diesen Flughafen gebaut hat?

Wirklichkeit

Könnten Sie mir bitte erklären, inwiefern "In Ländern wie Berlin und Brandenburg aber ist Inkompetenz System. Die Projekte gehen reihenweise schief...". Vielleicht waren Sie ja noch nie in Berlin oder haben die Entwicklung nicht so richtig mitbekommen, aber Berlin wurde doch in den letzten 20 Jahren komplett umgeflügt. Es ist fast unmöglich all die Projekte aufzuzählen, die in Berlin nicht schief gegangen sind. Alleine die ganze Berliner Innenstadt wurde von Grund auf neu gebaut oder erneuert, gewaltige Infrastrukturprojekte, man weiß gar nicht wo man aufhören soll. Es mag Ihnen unter dem Eindruck der beiden Bauvorhaben BND und BER so vorkommen, aber das spricht nicht für die allgemeine Inkompetenz, die Sie unterstellen. Das es hier zu Problemen gekommen ist, hat z.T. ganz andere Ursachen.

Von der CDU in NRW geerbtes Desaster? - @ K Nr. 24

Auszug aus Kommentar von G-Dog: "Siehe auch NRW. Fau Kraft tut alles, was sie kann, um das, von der CDU geerbte Desaster, zu retten."

Auch wenn CDU'ler ein von der CDU in NRW angerichtetes Desaster bestreiten sollten, so werden sie doch Ihre Einschätzung, G-Dog, goutieren, Hannelore Kraft tue alles, um das von der CDU geerbte Desaster zu retten. Wenn Hannelore Kraft das Desaster tatsächlich zu retten versucht, will sie es ja wohl zumindest aufrechterhalten, wenn nicht gar vergrößern. :-)

Ich habe schon ein paar Mal in Kommentaren zu Artikeln die Behauptung gelesen, die seit 2010 NRW-regierende rot-grüne Koalition sei für den schlechten Zustand des Landes nicht verantwortlich, sondern habe ihn geerbt, ohne dass ein einziges Argument für diese Behauptung angeführt wurde (, angeführt werden konnte?), wie auch hier.

Argumente verleihen einer Behauptung Überzeugungskraft und helfen, die Richtigkeit einer Behauptung darzulegen.

Zehn-Minuten-Transrapid - @ K Nr. 8

"Ach, das ist doch Kappes. Das hat nichts mit links oder rechts zu tun (so wie vieles nicht), sondern schlichtweg mit Inkompetenz. Beispiele aus dem konservativen Lager gibt es zuhauf. Elbphilharmonie (CDU), der ZEHN MINUTEN!!!-Transrapid von Ede Stoiber,..."

Wobei Stoibers ZEHN-MINUTEN!!!-Transrapid von der CSU letztlich abgelehnt und diese Projekt-Idee nicht verwirklicht wurde ...

Nachträgliche Änderungen

Das mit der Ausschreibung und der Lieferung des Bauprojektes hätte bei der Elbphilharmonie vielleicht funktionieren können, wenn nicht der Senat NACH dem ZUschlag der Ausschreibung einen weiteren Saal hinzu geplant haben wollte.
So geht es eigentlich bei fast allen Kostenexplosionen wenn man genauer hinschaut.
Da wird etwas ausgeschrieben, ein Unternehmen erhält den Zuschlag und dann möchte der "öffentliche" Bauherr plötzlich irgendwelche Extraleistungen (gerne genommen: mehr und andere sanitäre Anlagen als geplant, andere Böden, Wände, Decken etc.) oder Änderungen - und da langt das beauftragte Unternehmen natürlich hin.

Berlin bringt Schande über Deutschland

Es ist wirklich haarsträubend, welche Schande Berlin über Deutschland bringt. Man muss sich mal vergegenwärtigen, was Bewrlin ist:

Die Hauptstadt Deutschlands!

Gleichzeitig aber Hart IV-Hochburg, Tansferleistungsempfänger, Nahverkehrsversager und Subventionsverschwender wie keine andere Stadt in Deutschland.

Die Pleite BERs war vorhersehbar und ist absolut hausgemacht. Berlin scheint von inkompetenten Tagträumern gelenkt zu werden, wenn nicht sogar Schlimmeres.

Es ist unfassbar und als Deutscher schäme ich mich für meine Hauptstadt.

Wir hätten etwas besseres verdient.

Nicht zu einfach machen...

"Gleichzeitig aber Hart IV-Hochburg, Tansferleistungsempfänger, Nahverkehrsversager und Subventionsverschwender wie keine andere Stadt in Deutschland."

Also, Berlin ist sicher nicht der große Sparfuchs. Aber was Sie hier schreiben, kann ich teilweise nicht so stehen lassen. Fragen Sie sich mal, warum in Berlin so viele Hartz IV Empfänger leben. Weil Berlin, im Gegensatz zum Rest Deutschlands eine gute Infrastruktur für Hartz IV Empfänger bietet. Auf dem Land, wo ich aufgewachsen bin, könnte ein Hartz IV Empfänger doch kaum überleben. In Berlin fahren die schwarz und kommen überall hin, sammeln Flaschen und können sich so täglich bis zu 50 Euro dazu verdienen, haben Suppenküchen und die Lebenshaltungskosten sind ohnehin sehr niedrig.
Zum Nahverkehrsversager muss ich sagen - da es mich ja auch selbst trifft (lebe jetzt in Berlin), dass es hier schwer ist zu vergleichen. Wenn in Ihrer Stadt drei Busse fahren, dann ist dieser Nahverkehr logistisch nicht mit dem von Berlin zu vergleichen. Warum ausweichen - kein Nahverkehrsnetz in Deutschland ist mit dem in Berlin vergleichbar. Darüber hinaus ist die BVG sehr günstig. Beides kann auf Dauer nicht gut gehen.

Also, will Ihnen nicht ganz widersprechen, aber diese beiden Punkte sind nicht so einfach, wie Sie das hinstellen...

Vergessen

Man vergißt gerne, daß der Industriestandort Berlin zwei drastische Einschnitte zu verkraften hatte: Erst die Teilung, mit dem Niedergang der Industrie in West-Berlin und dann die Wiedervereinigung und dem anschließenden Währungsschock, der die Industrie in Ost-Berlin fast vollständig vernichtet hatte. Fahren Sie mal durch Berlin und schauen Sie sich die riesigen Industriebrachflächen an. Davon hat sich Berlin bis heute nicht erholt. Die Pleite der Investitionsbank darf natürlich auch nicht vergessen werden. Und peinlich müsste Berlin Ihnen auch nicht sein, erzählen Sie versuchsweise mal im Ausland, daß Sie aus Berlin kommen und achten Sie auf die Reaktion.

Auch beim Thema BER ist man auf einem Auge blind. Dieses Fiasko haben Firmen und nicht die Regierung und schon gar nicht die Berliner verursacht. Als Beispiel das Hauptproblem mit dem Brandschutz, das ja der Grund für den Bauverzug ist, hier hat eine Firma (nicht aus Berlin) unter Vortäuschung falscher Tatsachen nicht zulassungswürdige Brandschutzklappen geliefert. Ich wünschte mir da eine differenzierte Sichtweise.

Die Standortfrage

war sicherlich eine politische, man wollte eben einen stadtnahen Flughafen und hat sich dann für Schönefeld entschieden. Da gab es ja schon einen. Ich finde das ist zu mindest nicht die schlechteste Entscheidung gewesen. Auch wenn das die paar verbeamtete und verrentete Anwohner dort jetzt anders sehen mögen. In Berlin und Umgegebung wird diese Entscheidung sehr wohl begrüßt. Und Berlin braucht dringend einen neuen Flughafen. Es ist schon jetzt so, daß die beiden Flughäfen völlig überlastet sind.

Es bleibt aber, daß der man den Flughafen schon längst in Betrieb genommen hätte, wenn es nicht Firmen gegeben hätte, die dieses Chaos angerichtet haben. Stellen Sie sich das doch mal praktisch vor. Wie hätte ein Regierender Bürgermeister sich bis ins letzte Detail über den Zustand informieren sollen. Natürlich hat er da Menschen vertraut. Auch die Diskussion mit den öffentlichen Bauträgern kann ich nicht nachvollziehen. Sie sind nun einmal die größten Auftragsgebern. Ein Bauvorhaben wie ein Flughafen wird doch von keiner privaten Firma in Auftrag gegeben. Man könnte sich maximal fragen, warum Verträge meist so schlecht ausgestaltet sind, daß es keine Möglichkeit für eine Regressforderung gibt. Es mag ein Grund sein, daß die beteiligten Firmen dann wahrscheinlich Pleite gehen würden.

Ich habe es gerade schon erwähnt, ...

man wollte ursprünglich den Flughafen privatisieren. Das ist aber gescheitert, da alle Interessenten zwar spätere Gewinne voll und ganz in die eigene Tasche stecken wollten, für die Risiken der Kostensteigerung etc. sollte aber die öffentliche Hand uneingeschränkt einstehen. Das haben die Politiker dann - zum Glück - nicht mitgemacht.

Ferner: Berlin hatte unter Thilo Sarrazin im Jahr 2007 einen ausgeglichenen Haushalt. Das haben so manche West-Bundesländer selbst zur damaligen Zeit nicht geschafft. Man sollte daher nicht auf einem so hohen Ross sitzen, zumal an der Flughafengesellschaft nicht nur Berlin, sondern auch Brandenburg und der Bund beteiligt ist. Gerade zu letzterem hatte der Bundesrechnungshof jüngst in einem Bericht beklagt, dass der Bund seine Aufsichtsrechte unzureichend wahrgenommen habe. Deshalb: Bitte die Häme nicht nur über Berlin/Wowereit (sicher als Aufsichtsratsvorsitzender in der Primärverantwortung, aber eben nicht alleine) ausschütten, sondern auch an die anderen Beteiligten denken. Gerade bei Herrn Ramsauer bin ich mir nicht so sicher, ob er wirklich das Beste für den BER will oder ob man in München nicht froh ist, wenn es keine Konkurrenz für den Flughafen München als Deutschlands Airport Nr. 2 gibt.

CHILLY

Richtig...

...ja, das sehe ich genauso. Wowereit kann nicht alles wissen. Er ist zwar Chef des Aufsichtsrats, aber er kann nicht jede Rauchklappe persönlich überprüfen - dafür ist er auch nicht ausgebildet. Aber darum geht es nicht.
Ich kaufe es Wowereit nicht ab, dass er vier Wochen vor geplanter Eröffnung erst erfahren hat, dass es sich um fast ein Jahr verzögern wird. Und, eben weil ich versuche, parteipolitisches Kalkül hier außen vor zu lassen muss jetzt auch Wowereit eine gewisse Kritik vertragen. Mappus, den man stoppen wollte, bevor der Bau überhaupt beginnt und wo das Hauptargument hervorgebracht wurde, dass der Bahnhof teurer wird... musste viel mehr ertragen.
Wowereit hat die Menschen immer spät informiert. Immer schön scheibchenweise. Er hat genau das gemacht, wofür man Mappus und Wulff kritisiert hat und da kann es nicht sein, dass er jetzt dank Wowi-Sympathie-Bonus weiter in die Kameras grinst.

Und abschließend ist zu sagen: Wer hohe Posten mit hohen Gehälter bezieht, muss auch Verantwortung übernehmen. Und wer einen Flughafen für 2.2 Mrd. Euro plant, der am Ende dann über 4 Mrd. Euro kostet, wieso auch immer... der sollte vielleicht auch zugeben, dass er nicht der richtige Mann für solche Planungen ist. Teurer wirds immer. Aber hier reißt es ja nicht ab...

Verantwortung

Im Prinzip gebe ich Ihnen recht, wenn Sie sagen Wowereit, Platzeck und Ramsauer müssten hier Verantwortung übernehmen. Man war aus meiner Sicht hier einfach vielzu blauäugig. Diesen Kübel aber ausschließlich über die Politik und der Stadt auszuschütten wird der Sache einfach nicht gerecht. Es haben nun einmal eine handvoll Firmen einen riesen Schaden an dem Flughafen, an der Stadt und irgendwie auch an Deutschland angerichtet. Nur stört mich, daß das nicht thematisiert wird. Die wahren Verantwortlichen sitzen wo anders.

Nicht besser

Der Auftragsgeber (Geldgeber) wäre immer noch die öffentliche Hand gewesen. Es ging nur um die Bauausführung. Ursprünglich sollte das von Hochtief übernommen werden, was erst durch das Oberlandesgericht Berlin und dann wegen Finanzierungsstreitigkeiten verworfen wurde. Erst im Anschluss und nachdem der Verdacht da war, daß es Preisabsprachen zwischen Bewerben gibt, hat man sich entschieden das auf mehrere Bauträgern koordinierend aufzuteilen. Nicht weil man meinte man könnte es besser, sondern günstiger. Wahrscheinlich war man da etwas blauäugig und es war wahrscheinlich auch der entscheidene Fehler. Ob das aber was an der Kostenexplosion geändert hätte, mag man an anderen Großprojekten entscheiden. Ausgenutzt jedenfalls haben das ein paar handvoll Firmen.

Vorgehensmodell

Das es bei öffentlichen Projekten dieser Größenordnung immer Kostensteigerungen gibt, liegt hauptsächlich an der Inkompetenz der verantwortlichen Politikern, der Prämisse, alles möglichst billig zu bauen und der Verschleierung der wahren Kosten.

Wenn man von vornherein die echten Kosten akzeptieren würde und auf deren Basis ein professionelles Vorgehen bei Ausschreibung und Vergabe an den Tag legen würde, hätte man nicht diese ganzen lächerlichen Probleme, die BER und Elbphilharmonie etc. haben. Ebenso wäre das Ergebnis schlussendlich von höherer Qualität.

Aber das möchte man ja nicht, weil lieber hat man das Debakel mit exorbitanten Kostensteigerungen und Verzögerungen mit qualitativ miesen Ergebnissen hat, als zu Projektbeginn die Karten (Kosten) richtig zu kalkulieren und offen zu legen. Und dann während des Projektes noch tolle Prestigeänderungen (Andere Abzughauben für die Kantine, andere Brücken für den A380,...).

Wie es richtig geht haben die (wenn ich mich richtig entsinne) die Schweden mit der Öresundbrücke gezeigt: Zwei Ausschreibungen von unabhängigen Expertengruppen erstellen lassen, von einer dritten bewerten und auswählen lassen und darauf basierend einen Generalunternehmer beauftragen. Folge: Projekt in Zeit und Kosten fertiggestellt.

Zustimmung

ich stimme Ihnen da zu und ich finde es gut, daß die Diskussion damit ein wenig versachlicht wird. Es ist eben kein berliner Problem, sondern ein grundsätzliches. Das Beispiel der Schweden mag da ein Ansatz sein, obwohl man schon sagen muss, daß bei Projekten dieser Größenordnung die Kosteneinschätzung immer problematisch ist (siehe auch die Entwicklung des A380). Diese Vorhaben sind halt so Komplex und wesentlich umfangreicher als das von Ihnen genannte Beispiel, so daß es immer Unwägbarkeiten gibt. Man darf auch nicht vergessen, daß dieses Mehr an Geld ja nicht verschwunden ist, sondern ganz konkret in die Wirtschaft geflossen ist.

Aber prinzipiell finde ich auch, daß man die Arbeit der öffentlichen Bauträgern verbessern muss, das trifft insbesondere auch auf die ganzen Bauämter in Deutschland zu.

Flughäfen sind commodity...

Naja, Flughäfen werden täglich auf der ganzen Welt gebaut und sind eigentlich mehr 08/15 als was vollkommen Neues. Die Öresundbrücke als eine der längsten Brücken und mit der Überspannung einer Meerenge ist im Vergleich glaube ich eher einzigartig.

Die Unabwägbarkeiten in einem solchen Großprojekt sind vorhanden, aber zu einem Großteil auf den GU abwälzbar und durchaus händlbar, wenn man eben ein vernünftiges Vorgehen hat. Dies hat Berlin aber eben explizit nicht gewollt, weil es ja zu teuer gewesen wäre.

Das die Probleme bei nahezu allen öffentlichen Großprojekten bestehen, stimme ich Ihnen zu. In meinen Augen hat Berlin hier jedoch in besonderem Maße verdient gemacht, ein relativ einfaches Großprojekt massiv gegen die Wand zu setzen. Die Elbphilharmonie und S21 sind dort von anderen Herausforderungen geprägt. Ersteres wohl insb. durch CRs (Goldene Henkel) der öffentlichen Hand (auf gut Deutsch: ebenso beschissenes Management), letzteres durch seine Einzigartigkeit, technische Komplexität und den politischen Widerstand.

Und - sowohl Hamburg als auch BaWü zahlen die Zeche zu einem wesentlich größeren Anteil selbst. Berlin lässt eben genau Bayern, BaWü und Hamburg für seinen Mist zahlen.

Und das die Mittel ja wieder in die Wirtschaft fließen: das ist schon richtig, aber im Endeffekt hat der Staat eben zuviel für eine im Endeffekt dank des bescheidenen Managements Berlins minderwertige Leistung bezahlt. Und dies müssen dann halt auch wieder andere über Steuern refinanzieren

Einzigartigkeit I

So 08/15 ist ein Flughafen dann doch nicht und ein "ein relativ einfaches Großprojekt" schon gar nicht. Natürlich ist es nicht der erste Flughafen, der da gebaut wurde. Aber schon alleine beim Brandschutz, der ja der Grund für den Bauverzug und die damit verbundene Kostenexplosion ist, kann man sehen, daß in diesem Projekt neue Maßstäbe gesetzt werden mussten. Und eine Brücke auch wenn noch so lang, ist zwar definitiv eine ingenieur-technische Herausforderung, aber mitnichten mit einem Projekt wie einen Großflughafen vergleichbar. Man mag denken, ja was soll da so kompliziert sein, ne Halle, Landebahnen und ein Tower. Das Problem liegt in der technischen Gebäudeausrüstung und den gesetzlichen Auflagen. Und wenn man dann auch noch Firmen hat, die sich hier bereichern wollen und Anwohner Sturm laufen, ist wohl der Satz "Einzigartigkeit, technische Komplexität und den politischen Widerstand" auch eins zu eins auf den Flughafen übertragbar.

Und ob man die Kostenexplosion auf den GU abwälzen kann, mag ich mal zu bezweifeln. Das würde sofort zur Insolvenz der Firma führen. Ich kenne zu mindest keinen Fall, wo die öffentliche Hand nicht doch am Ende das nötige Geld nachgeschossen hätte.

Sicherlich müssen die Mehrkosten dann über Steuergelder finanziert werden, die aber dann bei Firmen aus Bayern (Siemens z.B.), NRW u.u. landen. Berlin als Stadt hat davon relativ wenig, da man Schulden für diese "minderwertige Leistung" der Firmen aufnehmen muss.

Einzigartigkeit II

Ich gege Ihnen allerdings Recht, wenn Sie die wirtschaftliche Lage Berlins ansprechen. Aber wie ich schon einmal versucht hatte zu erläutern, Berlin hatte große Einschnitte zu verkraften. Teilung + West-Berliner Filz, Wiedervereinigung + Währungsschock und Pleite der Investitionsbank (auch ein Resultat der West-Berliner Provinzpolitiker). Am Ende ist von dem Industriestandort Berlin außer einem riesigen Schuldenberg nicht viel übrig geblieben. Sich davon zu erholen wird eben noch dauern. Auch hat man in den letzten 20 Jahren zu wenig Industriepolitik betrieben; der einzige Vorwurf im übrigen, den ich Herrn Wowereit mache.

Schande der frei- und willigen Unwissenheit

@ Matsushita,

da Sie wahrscheinlich weder die Entstehungsgeschichte des BBF kennen und auch wahrscheinlich gerne in Bestätigungsklischees existieren, etwas Aufklärung:
1. Der BBF wurde von einer CDU - geführten Landesregierung (Diepgen) im 1996 beschlossen. (http://www.spiegel.de/rei... )
2. Es gab bisher kein Steuergeld finanziertes Verkehrs- bzw. Bauprojekt, wo es KEINE erhebliche Kostensteigerung gab.
- http://daserste.ndr.de/pa...
- http://www.fr-online.de/m...
- http://www.wiwo.de/politi....
Warum Schande über Berlin, wenn die CDU, welche den Staatsschuldenberg in den letzten Jahren verantwortete?
Schauen Sie sich das Anwachsen der Schulden seit 2001 an! Wahrscheinlich glauben auch Sie, dass die CDU und insbesondere Frau Dr. Merkel Finanzkompetenz besitzen und Sparmeister sind. IGNORANZ der wahrhaftigen Wirklichkeit und dem GLAUBEN WOLLEN MÜSSEN - Märchenbegründer.
Ein Denkanstoß von Brecht, ein Schwabe:
Da sind die Unbedenklichen, die niemals zweifeln. Ihre Verdauung ist glänzend, ihr Urteil ist unfehlbar. Sie glauben nicht den Fakten, sie glauben nur sich. Im Notfall müssen die Fakten dran glauben. Ihre Geduld mit sich selber ist unbegrenzt.

Kostenexplosion...

Wie bereits zuvor geschrieben: Die "Kostenexplosion" ist auf den Unwillen Berlins (bzw. der öffentlichen Hand in Deutschland allgemein) zurückzuführen, eine realistische Kostenkalkulation zu akzeptieren (vgl. 1. Auschreibungsrunde, als noch GU ausgeschrieben wurden & entsprechende Angebote eingingen). Das kein Unternehmen dumm genug wäre, zu den von Berlin angedachten Konditionen die GU für einen Flughafen zu übernehmen, ist selbstverständlich, da dies die sichere Pleite wäre.

Ja, ein Flughafen ist komplex. Nein, er ist keine wirklich neue Herausforderung. Der Brandschutz ist im Endeffekt nur 1 Punkt, an dem das von Berlin übernommene Baumanagement versagt hat und mit dem man jetzt den Verzug erklärt, da Sicherheit & Personenschutz dem Wahlvolk am einfachsten zu verkaufen ist.

Das ganze Versagen im Management auf die beauftragten Subunternehmer abzuschieben und die Kostensteigerungen durch "Bereicherung" ebenjener abzutun, ist zu kurz gegriffen. Dass das Ergebnis im Endeffekt minderwertig und teurer sein wird, ist eben genau auf den Unwillen zurückzuführen, von Beginn an realistisch zu planen & sich nicht in ein politisch motiviertes Wolkenkuckucksheim zurückzuziehen.

Und bei Mehrkosten muss man immer sehen: sind diese auf CRs zurückzuführen, falsche Prämissen des Auftraggebers oder auf eine Fehleinschätzung des Auftragnehmers. Nur für Letztere ist der GU verantwortlich. Bei den goldenen Henkeln, die Politikern für ihre Prestigeprojekte einfallen, sind dies aber meist CRs.

Kommentar #138, ein gutes Beispiel

wie sehr die Meinung über Berlin in zwischen von Vorurteilen und Plattitüden geprägt ist. "Hertha BSC abgestiegen ist und dementsprechend finanziell schlecht da steht". Hertha BSC steht nicht wegen dem Abstieg finanziell schlecht da, es hat die Erholung schwieriger gemacht. Zu verantworten hat das eine gewisser Dieter Hoeneß, bekanntermaßen ein Nicht-Berliner, der den Verein bis 2009 in diese Situation geführt hat. Vorzuwerfen ist den Berlinern da nur, daß man zu lange auf die Versprechen des Herrn gehört hat. Die Wolfsburger konnten im übrigen auch Erfahrung mit seiner erfolgreichen Arbeit machen.