Euro-KriseGrexit? In Frankreich kein Thema

Frankreich hat in der Euro-Krise kaum weniger zu verlieren als Deutschland. Trotzdem wird in Paris viel gelassener über Griechenland diskutiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande auf der Pressekonferenz am 23. August 2012 in Berlin

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande auf der Pressekonferenz am 23. August 2012 in Berlin

Es ist schon erstaunlich: In Deutschland sind Zeitungstitelseiten oder TV-Nachrichten ohne "Grexit" kaum mehr vorstellbar; in Frankreich dagegen scheint das Thema eher zweitrangig.

Am Tag nach den Beratungen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande über die Griechenland-Krise titelt an diesem Freitag etwa die Hauptstadtzeitung Le Parisien, dass einer von vier Franzosen Schwierigkeiten habe, im Urlaub abzuschalten. Libération beschäftigt sich mit der Identitätssuche der Sozialistischen Partei fast vier Monate nach dem Wahlsieg. Le Monde erscheint als Abendzeitung erst am späten Nachmittag. Die Wirtschaftszeitung Les Echos berichtet über zu erwartende Steuererhöhungen. Nur der konservative Le Figaro reißt das Thema auf der "Eins" an: "Merkel und Hollande appellieren an Griechenland, seine Verpflichtungen einzuhalten."

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Dabei ist es nicht so, dass Frankreich nichts zu verlieren hätte. Nach Deutschland ist der Nachbar der zweitwichtigste Bürge im Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) und würde im Fall des Falles mit 142 Milliarden Euro haften. Französische Banken sind stärker als ihre deutschen Konkurrenten in Griechenland engagiert. Und obendrein ist die wirtschaftliche Lage jenseits des Rheins angespannt. Die Wirtschaft stagniert; für den Herbst steht ein massiver Stellenabbau zahlreicher Unternehmen an; anstatt sich über einen Überschuss zu freuen wie in Berlin, muss Paris bis Ende 2013 mindestens 38 Milliarden Euro einsparen, um das Ziel einer Neuverschuldung von weniger als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erreichen.

Politiker, die wie der bayerische Finanzminister Markus Söder fordern, an Griechenland ein "Exempel zu statuieren", oder wie Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler meinen, ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone habe seinen "Schrecken verloren", melden sich in Frankreich jedoch nicht zu Wort. Stattdessen fordern Abgeordnete des linken Parteiflügels der PS eine Vergemeinschaftung der Schulden und die Erlaubnis für die Europäische Zentralbank, direkt Kredite an Staaten zu vergeben – andernfalls wollen sie dem Ende Juni auf europäischer Ebene beschlossenen Stabilitäts- und Wachstumspakt im Parlament nicht zustimmen. An der so viel größeren Bereitschaft zur Solidarität der Franzosen können die unterschiedlichen Reaktionen nicht liegen. In Studien, die etwa das Spendenverhalten untersuchen oder das Ausmaß ehrenamtlicher Tätigkeiten, liegt Frankreich regelmäßig weit hinter Deutschland. 

Leserkommentare
  1. ......einen guten Grund, naemlich, die Gewissheit, Deutschland wuerde ohne zu zoegern anspringen und ihnen mit dreistelligem Milliardenbetrag helfen.

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    • GDH
    • 24.08.2012 um 13:38 Uhr

    Sie meinen, wenn Frankreich Zahlungsprobleme kriegt, nachdem massenhaft Kreditgarantien für andere Euro-Länder fällig werden, könne Deutschland die auch noch auffangen?

    Das halte ich für wenig realistisch. Es gibt aber einen anderen Grund, warum man in Frankreich nicht so besorgt sein muss: Wenn es dort auch noch Zahlungsprobleme gibt, wird niemand über Staatsbankrott oder Euro-Austritt sprechen sondern dann wird es eine Lösung wie in den USA geben: Die Staatsfinanzierung läuft dann zu weiten Teilen über die EZB. Da die Eurozone kein Außenhandelsdefizit hat, wäre das für den Außenwert der Währung auch erstmal unkritisch (weniger kritisch als in den USA, eher so wie in Japan).

    Es gibt wohl kaum einen Franzosen, der glaubt, Deutschland würde tun, was Sie da behaupten. Im Gegenteil, Deutschland wird von vielen eher als knauserig und hart angesehen, wobei viele Franzosen den Deutschen durchaus zugestehen, dass sie zurecht das Portemonnaie nicht zu weit öffnen wollen. Dabei wird auch in der hiesigen Presse häufig darauf verwiesen, dass das deutsche "Wirtschaftswunder" mit Hartz IV und Niedriglöhnen bzw. stagnierenden oder sinkenden Einkommen erkauft wurde. Für die meisten Franzosen kein erstrebenswertes Vorbild. Es ist eher so, wie im Artikel beschrieben: Die Franzosen sind - wie so oft - mit sich selbst beschäftigt. Hinzu kommt noch, dass man in Frankreich vielfach der Meinung ist, dass sich die anderen Länder doch bitte an Frankreich orientieren sollten, nicht umgekehrt. Dass die Globalisierung die Spielregeln verändert hat, nehmen viele nur vage wahr und meinen, man könne die guten alten Verhältnisse durch neue Gesetze, die z.B. Unternehmensschließungen und die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland untersagen, widerherstellen, denn auch deshalb ist die Linke in Frankreich gewählt worden. Es ist natürlich verständlich, dass die Bevölkerung die vielen staatlichen Leistungen, die Rente mit 60 usw. am liebsten behalten möchte. Allein, es ist zu bezweifeln, dass dies angesichts der hohen Staatsverschuldung und der stagnierenden Wirtschaft möglich sein wird.

    "Die Gelassenheit der Franzosen haette.......
    ......einen guten Grund, naemlich, die Gewissheit, Deutschland wuerde ohne zu zoegern anspringen und ihnen mit dreistelligem Milliardenbetrag helfen."

    Frankreich leiht zur Zeit (wie Deutschland) zu Negativzinsen Geld. Vielleicht sollte man in die Deutsche Arroganz etwas Realität einfließen lassen und nicht alle nicht-germanischen Länder in einen Sack stecken.

    • GDH
    • 24.08.2012 um 13:38 Uhr

    Sie meinen, wenn Frankreich Zahlungsprobleme kriegt, nachdem massenhaft Kreditgarantien für andere Euro-Länder fällig werden, könne Deutschland die auch noch auffangen?

    Das halte ich für wenig realistisch. Es gibt aber einen anderen Grund, warum man in Frankreich nicht so besorgt sein muss: Wenn es dort auch noch Zahlungsprobleme gibt, wird niemand über Staatsbankrott oder Euro-Austritt sprechen sondern dann wird es eine Lösung wie in den USA geben: Die Staatsfinanzierung läuft dann zu weiten Teilen über die EZB. Da die Eurozone kein Außenhandelsdefizit hat, wäre das für den Außenwert der Währung auch erstmal unkritisch (weniger kritisch als in den USA, eher so wie in Japan).

    Es gibt wohl kaum einen Franzosen, der glaubt, Deutschland würde tun, was Sie da behaupten. Im Gegenteil, Deutschland wird von vielen eher als knauserig und hart angesehen, wobei viele Franzosen den Deutschen durchaus zugestehen, dass sie zurecht das Portemonnaie nicht zu weit öffnen wollen. Dabei wird auch in der hiesigen Presse häufig darauf verwiesen, dass das deutsche "Wirtschaftswunder" mit Hartz IV und Niedriglöhnen bzw. stagnierenden oder sinkenden Einkommen erkauft wurde. Für die meisten Franzosen kein erstrebenswertes Vorbild. Es ist eher so, wie im Artikel beschrieben: Die Franzosen sind - wie so oft - mit sich selbst beschäftigt. Hinzu kommt noch, dass man in Frankreich vielfach der Meinung ist, dass sich die anderen Länder doch bitte an Frankreich orientieren sollten, nicht umgekehrt. Dass die Globalisierung die Spielregeln verändert hat, nehmen viele nur vage wahr und meinen, man könne die guten alten Verhältnisse durch neue Gesetze, die z.B. Unternehmensschließungen und die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland untersagen, widerherstellen, denn auch deshalb ist die Linke in Frankreich gewählt worden. Es ist natürlich verständlich, dass die Bevölkerung die vielen staatlichen Leistungen, die Rente mit 60 usw. am liebsten behalten möchte. Allein, es ist zu bezweifeln, dass dies angesichts der hohen Staatsverschuldung und der stagnierenden Wirtschaft möglich sein wird.

    "Die Gelassenheit der Franzosen haette.......
    ......einen guten Grund, naemlich, die Gewissheit, Deutschland wuerde ohne zu zoegern anspringen und ihnen mit dreistelligem Milliardenbetrag helfen."

    Frankreich leiht zur Zeit (wie Deutschland) zu Negativzinsen Geld. Vielleicht sollte man in die Deutsche Arroganz etwas Realität einfließen lassen und nicht alle nicht-germanischen Länder in einen Sack stecken.

    • Ron777
    • 24.08.2012 um 13:29 Uhr

    Man kann sich nur über Dinge aufregen bzw. über diese diskutieren, wenn sie öffentlich diskutiert werden. Dies ist in Frankreich nicht der Fall. Die staatlichen und auch privaten Nachrichtenkanäle sind unter der direkten oder indirekten Fuchtel des Präsidenten. Wer hier nicht spurt, bekommt einen Anruf aus dem Élysée-Palast und ist weg vom Fenster. Und genau diese Art von Scheindemokratie macht sich nun auch in Brüssel breit.

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    • Chali
    • 24.08.2012 um 13:31 Uhr

    ... falls das hier als Teil einer Serie anzusehen ist.

    Ich meine damit den ... ja ... Rückzug Finnlands aus dem Euro. Die müssten nämlich auch zahlen. Und hätten nichts davon gehabt.

    Bekanntlich hat ja Finnland eine viel bessere Bildung als die anderen Euro-Staaten, für die Finnen muss es doch ein Geschenk des Himmels sein, sich im letzten Moment aus dem Griff des Euro befreiene zu können.

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    unweigerlich die Frage: wieso und warum haben sie sich in diesen Wahnsinn_EURo eingefunden? Und nicht wie andere, "weniger gebildete" Nordeuropäer wie Dänemark oder Schweden, außer vor geblieben?

    • pat
    • 24.08.2012 um 15:48 Uhr

    Fixit heißen? Ich würde gern mal einen Euroschein sehen, der tatsächlich aus diesen "bezahlten Schulden" für die PIIGS stammt.

    unweigerlich die Frage: wieso und warum haben sie sich in diesen Wahnsinn_EURo eingefunden? Und nicht wie andere, "weniger gebildete" Nordeuropäer wie Dänemark oder Schweden, außer vor geblieben?

    • pat
    • 24.08.2012 um 15:48 Uhr

    Fixit heißen? Ich würde gern mal einen Euroschein sehen, der tatsächlich aus diesen "bezahlten Schulden" für die PIIGS stammt.

    • Afa81
    • 24.08.2012 um 13:36 Uhr

    "anstatt sich über einen Überschuss zu freuen wie in Berlin, muss Paris bis Ende 2013 mindestens 38 Milliarden Euro einsparen"

    Ich sehe da kein Problem, man hat ja Gott sei dank kürzlich einen engagierten Sparfuchs zum Präsidenten gewählt, der mit seiner bodenständigen finanziellen Weitsicht dem Volk schon frühzeitig reinen Wein eingeschänkt hat und Blut, Schweiß und Tränen prophezeite.

    Senkung des Rentenalters, Einfrieren der Totalen Steuer auf Benzin und noch viele andere Spartipps werden ihm dabei sicher hilfreich sein...

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    • GDH
    • 24.08.2012 um 13:38 Uhr

    Sie meinen, wenn Frankreich Zahlungsprobleme kriegt, nachdem massenhaft Kreditgarantien für andere Euro-Länder fällig werden, könne Deutschland die auch noch auffangen?

    Das halte ich für wenig realistisch. Es gibt aber einen anderen Grund, warum man in Frankreich nicht so besorgt sein muss: Wenn es dort auch noch Zahlungsprobleme gibt, wird niemand über Staatsbankrott oder Euro-Austritt sprechen sondern dann wird es eine Lösung wie in den USA geben: Die Staatsfinanzierung läuft dann zu weiten Teilen über die EZB. Da die Eurozone kein Außenhandelsdefizit hat, wäre das für den Außenwert der Währung auch erstmal unkritisch (weniger kritisch als in den USA, eher so wie in Japan).

  2. Es gibt wohl kaum einen Franzosen, der glaubt, Deutschland würde tun, was Sie da behaupten. Im Gegenteil, Deutschland wird von vielen eher als knauserig und hart angesehen, wobei viele Franzosen den Deutschen durchaus zugestehen, dass sie zurecht das Portemonnaie nicht zu weit öffnen wollen. Dabei wird auch in der hiesigen Presse häufig darauf verwiesen, dass das deutsche "Wirtschaftswunder" mit Hartz IV und Niedriglöhnen bzw. stagnierenden oder sinkenden Einkommen erkauft wurde. Für die meisten Franzosen kein erstrebenswertes Vorbild. Es ist eher so, wie im Artikel beschrieben: Die Franzosen sind - wie so oft - mit sich selbst beschäftigt. Hinzu kommt noch, dass man in Frankreich vielfach der Meinung ist, dass sich die anderen Länder doch bitte an Frankreich orientieren sollten, nicht umgekehrt. Dass die Globalisierung die Spielregeln verändert hat, nehmen viele nur vage wahr und meinen, man könne die guten alten Verhältnisse durch neue Gesetze, die z.B. Unternehmensschließungen und die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland untersagen, widerherstellen, denn auch deshalb ist die Linke in Frankreich gewählt worden. Es ist natürlich verständlich, dass die Bevölkerung die vielen staatlichen Leistungen, die Rente mit 60 usw. am liebsten behalten möchte. Allein, es ist zu bezweifeln, dass dies angesichts der hohen Staatsverschuldung und der stagnierenden Wirtschaft möglich sein wird.

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  3. Jeder Tag den Griechenland nicht pleite geht ist für die Franzosen ein gutes Geschäft. Frankreich ist / war in Griechenland stark engagiert (Deutschland kaum) und braucht jeden Tag um vor der Pleite sein Geld abzuziehen, was es auch massiv tut. Stattdessen wird fast ausschließlich deutsches öffentliches Geld nach Griechenland gepumpt. Alleine über 1ooMrd. via Target2. Frankreich hat in der Summe in der letzten Zeit Griechenland nichts gegeben, sondern Geld abgezogen.

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  4. "Frankreich hat in der Euro-Krise kaum weniger zu verlieren als Deutschland."

    Der Vergleich, zwischen einem der jederzeit Suizid begehen könnte und jemand der noch einigermaßen durchs Leben humpelt, hinkt gewaltig.

    Griechenland, Spanien und Italien haben auch viel zu verlieren. Nur würde keiner auf die Idee kommen ihre Situation mit der Deutschlands zu vergleichen.

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