Ifo-IndexGeschäftsklima zum vierten Mal in Folge eingetrübt

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft sackt auch im August ab: Wegen der Euro-Krise rechnen die Unternehmen mit deutlich weniger Aufträgen. von reuters

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August den vierten Monat in Folge verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 102,3 Punkte von 103,2 Zählern im Vormonat, teilte das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter 7.000 Managern mit.

"Die deutsche Konjunktur schwächt sich weiter ab", sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn . Seit Mai sinkt damit das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer angesichts der weltweit trüberen Konjunkturaussichten und der Schuldenkrise in Europa .

Anzeige

Zwar bewerteten die befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage nur wenig schlechter als noch im Juli, sie senkten aber ihre Erwartungen für die kommenden Monate deutlich. "Erstmals seit fast drei Jahren sind auch die Erwartungen an das Exportgeschäft überwiegend leicht negativ", erklärte Sinn .

Stimmung schlechter in Baubranche

Die Manager beurteilten die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter. Dieses Barometer fiel um 1,3 auf 94,2 Punkte. Die Lage wurde ebenfalls etwas schlechter bewertet. Dieser Index sank um 0,3 auf 111,2 Punkte.

Als Ursache für die Entwicklung führten Fachleute das schwache Umfeld an: "Die Auswirkungen der Schuldenkrise bedrohen zunehmend auch die deutsche Wirtschaft", sagte Analyst Bernd Hartmann von der VP Bank. "Ein Ende der Krise ist nach wie vor nicht in Sicht."

Die Stimmung trübte sich sowohl in der Baubranche als auch bei den Dienstleistern sowie im Groß- und Einzelhandel ein. Lediglich in der Industrie stieg das Geschäftsklima nach drei Rückgängen in Folge etwas an, weil die Unternehmen die Lage besser bewerteten.

Bundesbank rechnet kaum mit Wachstum

Deutschland steht wegen der Rezession in der Euro-Zone vor einer Konjunkturabschwächung. Industrieaufträge, Exporte und Produktion waren zuletzt gesunken.

"Die Konjunktur in Deutschland könnte nach der Jahresmitte 2012 stärker als bisher durch die Verunsicherung im Euro-Raum beeinträchtigt werden", warnt etwa die Bundesbank . Die Deutsche Bank rechnet mit einem "Wachstum nahe der Null-Linie", weil vor allem die Exporte wegen der Schuldenkrise und schwächerer Weltkonjunktur zurückgehen dürften. Im Frühjahr hatte das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent zugelegt, zu Jahresbeginn um 0,5 Prozent.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • IzZo
    • 27. August 2012 10:58 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Bitte setzen Sie sich sachlich und konstruktiv mit dem Inhalt des Artikels auseinander. Die Redaktion/mak

  1. Ein Haushaltsplus von 8 Milliarden hören wir von der Bundesregierung, toll, die Konjunktur läuft, die Arbeitslosen schrumpfen. Dann kommt der IFO und erzählt uns wieder die umgekehrte Geschichte, die Konjunktur bricht weiter und weiter ein. Und nächste Woche kommt dann jemand anderes und erzählt wieder das Gegenteil. Und dann kommt Standard&Poors und wertet irgendwas ab. Was soll all das? Das nützt ausschließlich großen Unternehmen um ab und zu einen Grund zu haben, Stellen abzubauen. Und es hilft Spekulanten, um mit diesen Ups & Downs auf Kosten von anderen zu spielen. Weg mit solchen "Nachrichten". Sie sind so sinnvoll - aber weniger unterhaltsam - wie Fußballerinterviews.

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • G-Dog
    • 27. August 2012 12:24 Uhr

    Ich bin kein Freund des IFO, aber ihre Kritik zielt ins Leere.

    Arbeitslosenzahlen und Konjunkturdaten bilden den Zustand im Moment ab und stützt sich auf Zahlen (Bei den Arbeitslosen kann man zwar schon nicht mehr von geschönten Zahlen sprechen, die sind eher "gefälscht", aber das ist ein anderes Thema).

    Der Ifo Geschäftsklma Index bildet den Ausblick auf die Zukunft ab. Unternehmer werden gefragt, wie positiv ihr Ausblick auf das nächste Quartal ist. Es ist ein Stimmngsbarometer, mehr nicht.

    g-dog

    Zahlen in diese Richtung, Zahlen in die andere Richtung, im Tageswechsel, ob das nun Prognosen sind oder Ergebnisse. Darum gehts mir. Was soll ich mit solchen Sachen anfangen als Normalbürger? Was bringt es mir was der IFO sagt? Was bringt es mir was die Rating-Agenturen sagen? Was bringt es mir dass Frau von der Leyen die Arbeitslosenzahlen beschönigt durch den Ausschluss der Aufstocker und dergleichen und uns den blauen Himmel erzählt? Was bringt es mir dass Wirtschaft und Politik einander andauernd widersprechen und die Politik danach sagt die Bürger müssen das Vertrauen in die Wirtschaft wiedererlangen? Das ist alles ein paradoxer Zahlenleuchtreklamedschungel in dem die Menschen nicht informiert oder aufgeklärt werden sondern verwirrt und geblendet.

    Was würden Sie machen, wenn Ihr Chefredakteur erwartet, dass Sie die Nachrichtenlage zur Wirtschaftsentwicklung beobachten? Sie würden froh sein, dass Herr Sinn regelmäßig einen Index veröffentlicht, den Sie bedenkenlos - weil wissenschaftlich und angesehen - zitieren können.
    Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie das in Relation zu einem Haushaltsüberschuss oder anderen relevanten Nachrichten bringen. Das ist Sache der Stimmungsmacher, die jederzeit gute und schlechte Nachrichten für ihre Spekulationen brauchen.

    • xpeten
    • 27. August 2012 11:29 Uhr

    Man kann es nicht mehr hören - und noch weniger ernstnehmen.

    Auch die erstaunlichsten Nachrichten von weltmeisterlichen Überschüssen in der Handeslbilanz, von Steuerrekordeinnahmen und sinkenden Arbeitslosenzahlen direkt im Anschluss an die letzte Index-Trübung können nicht dazu führen,

    dass die gebeutelten bis notleidenden Unternehmer in Deutschland einmal einen positiven Eindruck bekommen. Einfach paranoid.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    [Auch die erstaunlichsten Nachrichten von weltmeisterlichen Überschüssen in der Handeslbilanz]

    Und wie kommen die zu Stande, wenn nicht durch weitere Verschuldung des Auslands?

  2. Sinnvoll wäre es einen Vergleich zwischen der Vorschau und den Istwerten zu erstellen! Wie sieht der aus?
    Dann würden Fakten vorliegen.
    In dem Falle des Berichtes handelt es sich um Spekulationen, die an anderen Stellen hier oft zensiert werden.

    Eine Leserempfehlung
    • Infamia
    • 27. August 2012 11:52 Uhr

    Wo waren diese schlauen Institute eigentlich 2008? Interessanter finde ich, dass Prognosen und Wirklichkeit komischerweise oft weit voneinander entfernt liegen. Wenn die Institute dann gefragt werden, heißt es meist, Situation X konnte niemand voraussehen. Ach, kann es sein, dass man Zukunft einfach schlecht vorhersehen kann?

    Wenn alle die künftige Situation schlechter einstufen, tritt genau das ein. Man nennt so etwas selbsterfüllende Prophezeiung. Und am Ende gewinnt immer er Spekulant, weil man auch mit Krisen wunderbar Geld verdienen kann. Der Kleinanleger, dem alle raten, es lohne sich gerade jetzt, in Aktien zu investieren, schaut in die Röhre. Am Ende bezahlt immer das letzte Glied in der Kette

    Eine Leserempfehlung
  3. 6. Bluff!

    Milliardenschwere Konjunkturpakete wurden nach 2008 auf den Weg gebracht. Wir hatten Aufschwung durch Schulden. Steuermehreinahmen, die jetzt vorhanden sind, bringen etwas zurück, was vorher um ein Vielfaches in den Markt geschüttet wurde. Jetzt zeigt sich so langsam wieder die wahre Wirtschaftskraft und die ist schwächer als uns immer vorgegaukelt wird.

  4. 7. ......

    [Auch die erstaunlichsten Nachrichten von weltmeisterlichen Überschüssen in der Handeslbilanz]

    Und wie kommen die zu Stande, wenn nicht durch weitere Verschuldung des Auslands?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • xpeten
    • 27. August 2012 13:45 Uhr
  5. Wer wundert sich, dass 7.000 befragte Manager angesichts der Nachrichtenlage und der fehlenden politischen Konzepte nur eine abwartende Haltung zur künftigen Geschäftsentwicklung haben?
    Allerdings weiß Herr Sinn bereits, dass sich die Konjunktur eintrübt. Nicht etwa, weil die Stimmung sich bereits im Investitionsverhalten niederschlägt, nein, dem Herrn Professor ist jedes Signal willkommen, das seine Weltuntergangsszenarien etwas plausibler erscheinen lässt.

    3 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Schlagworte Bundesbank | Hans-Werner Sinn | Deutsche Bank | Bruttoinlandsprodukt | Einzelhandel | Euro-Zone
Service