IWF-Studie : Hartes Sparen verschärft die Rezession

Griechenland hat sich mit seinen Sparbemühungen überlastet. Das legt das Ergebnis einer Studie des IWF nahe. Im Abschwung sind Ausgabenkürzungen besonders schädlich.
Ein Obdachloser schläft auf einem zentralen Platz in der griechischen Hauptstadt Athen. © dpa

Zwei Jahre mehr Zeit wünscht sich die neue griechische Regierung für die Erfüllung ihrer Sparvorgaben. Darum wird der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras Bundeskanzlerin Angela Merkel morgen in Berlin bitten. "Alles, was wir wollen, ist ein wenig Luft zum Atmen, um die Wirtschaft rasch in Gang zu bringen und die Staatseinnahmen zu erhöhen", sagte er der Bild -Zeitung .

Ausgerechnet eine Studie aus der Forschungsabteilung des Internationalen Währungsfonds ( IWF ) liefert Samaras nun gute Argumente für seine Bitte. Wer mitten in einer Wirtschaftskrise die Staatsfinanzen in Ordnung bringen will, brauche Geduld und eine ruhige Hand, lautet das Kernergebnis der Studie. Das ist pikant, weil der IWF zusammen mit der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank die Troika bildet, die Griechenland im Gegenzug für Hilfskredite ein hartes Sparprogramm auferlegt hat.

Ein Forschertrio um die IWF-Volkswirtin Nicoletta Batini hat historische Sparprogramme in Industrieländern untersucht und festgestellt, dass ein zu radikaler Sparkurs in ökonomisch schlechten Zeiten kontraproduktiv ist. "Er kann die Rezession verlängern, ohne die erwarteten Einsparungen bei den Staatsfinanzen zu bringen", schreiben die Forscher.

Sparen verschärft die Probleme

Die Studie legt also die Schlussfolgerung nahe, dass der harte Konsolidierungskurs, zu dem die Griechen gezwungen wurden, die Probleme verschlimmert hat.

Griechenland hat nach Zahlen des Sachverständigenrats so viel gespart wie kein anderes europäisches Krisenland. Zwischen 2009 und 2012 ist das Haushaltsdefizit um neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesunken. Zugleich befindet sich die griechische Wirtschaft in einer in Europa beispiellosen Rezession: Die Wirtschaftsleistung brach in den letzten Jahren um mehr als 20 Prozent ein, die Staatsschulden explodierten.

Aggressive Sparprogramme in einer Rezession können in einen Teufelskreis münden, warnen die Forscher: Sinkende Wirtschaftsleistung, schrumpfende Steuereinnahmen und niedrigere Staatsausgaben verstärken sich dann gegenseitig - ein "Schneeballeffekt". 

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

30 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Die müssen ja nicht unbedingt sparen, ...

... aber dann müssen sie eben mehr einnehmen. Aber ohne funktionierendes Steuersystem wird das nix. Vielleicht sollte Deutschland anbieten bei der Aufbauarbeit zu helfen. Ansonsten muss sich griechenland eben von Bessitz trennen. Da wären wir wieder bei den Inseln :-)

Deutschland und sein Steuersystem

halte ich nur fuer bedingt nachahmenswert, nachdem was man in letzter Zeit so gelesen hat. Inseln stehen schon zum Verkauf, was ich aber eigentlich nicht gut heisse. Man sollte sich vielleicht auf diejenigen konzentrieren, die in London Millionenbetraege fuer Wohnungen ausgeben, nur um keinen Cent Steuern zahlen zu muessen. Noch dazu finde ich diese Ueberheblichkeit Deutschlands unertraeglich, es ist ja nicht so, dass Deutschland, insbesondere deutsche Banken, nichts daran verdienen wuerden.

Für Griechenland kommt z.Zt. alles zu spät.

Natürlich muß Griechenland die Sparziele strecken: einfach nur Löhne, Gehälter, Renten und Pensionen kürzen stürzt den Staat nur tiefer in die Miesen.

Aber das ist nicht Griechenlands eigentliches und großes Problem. Dieses Land hat sich über Jahrzehnte an die jährlichen Milliarden aus den vielen Brüsseler Kassen und Töpfen gewöhnt. Mit diesen Geldern, die eben nicht aus Steueraufkommen stammen, wurden teilweise die öffentliche Haushalte finanziert - und so im Laufe der Jahre ein überdimensionierter und absolut ineffektiver Verwaltungsapparat geschaffen. Die andere Hälfte dieser Gelder floß in Kanäle, die heute gut von "ihrem Schwarzen" leben können.

Und jetzt sind es gerade die Behörden, in denen rund 50 Prozent der Angestellten nicht qua Qualifikation, sondern als Versorgungsmaschine für Parteiangehörige mißbraucht werden und die sich mit Händen und Füßen gegen jede Reform der Verwaltungen wehren. Sie haben es bis heute geschafft, alle Reformversprechungen der Politiker in dieser Beziehung zur Makulatur werden zu lassen. Hier Ordnung zu schaffen, braucht mindestens 10 Jahre.

Griechenland hat außerdem nicht einmal den Versuch unternommen, sich wenigsten einen Teil der illegal ins Ausland transferierten Gelder zurück zu holen. Ich meine, das hätte der allererste Schritt jeder Regierung sein müssen. Selbst heute läßt man noch ungebremste Kapitalflucht zu...

Das Land braucht einen kompletten Neuanfang - aber der ist in der Eurozone wirtschaftlich einfach nicht zu schaffen.

Am Kernproblem vorbei

Diese Studie geht am Kernproblem Griechenlands vorbei.Natürlich sind Investitionen gut, um eine erlahmte Wirtschaft zu beflügeln..siehe Abwrackprämie. Nur muss ein Staat sich dies auch leisten können. griechenland hat über Jahrzehnte seine Ausgaben mit allerlei Geschenken auswuchern lassen, gleichzeitig aber keine Steuern eingenommen, um das alles zu bezahlen. Korruption, Steuerhinterziehung und Vetternwirtschaft überall sind die eigentlichen Kernprobleme Griechenlands. Das gillt es zu korrigieren sonst ändert sich dort nie etwas. Das alles beneötigt sehr viel Zeit. Aber mehr Zeit bedeutet weitere Rettungsschirme, die sich niemand leisten kann.Dazu kommt noch, dass der Euro als Währung zu stark ist für eine so schwache Wirtschaft.