WeltbankLebensmittelpreise steigen wie nie zuvor

Die Weltbank sieht wegen schlechter Ernten die Gesundheit von Millionen Menschen bedroht. Dürren haben die Preise für Mais, Hirse und Weizen auf Rekordniveau getrieben. von afp, dpa und reuters

In Somalias Hauptstadt Mogadischu stehen Frauen für Essen an.

In Somalias Hauptstadt Mogadischu stehen Frauen für Essen an.  |  © Mohamed Abdiwahab/AFP/GettyImages

Die Nahrungsmittelpreise sind der Weltbank zufolge von Juni auf Juli im Schnitt um zehn Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr lagen sie um sechs Prozent höher. Neue Rekordstände gab es der Statistik zufolge bei Mais (plus 25 Prozent) und Soja (plus 17 Prozent). Hinter den Durchschnittswerten verbergen sich erheblich höhere Ausschläge in einzelnen Ländern, vor allem in Afrika .

Die Region südlich der Sahara erlebt die höchsten jemals ermittelten Anstiege bei Mais, zum Beispiel 113 Prozent in Mosambik . Die Sahelzone und Ostafrika werden etwa verdreifachte Preise bei Hirse registriert, zum Beispiel in Südsudan und im Sudan .

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Weltbankpräsident Jim Yong Kim warnte vor den dramatischen Folgen dieser Entwicklung. Sie bedrohe "die Gesundheit und das Wohlergehen von Millionen von Menschen", sagte er. In besonderem Maße betroffen sieht er Afrika und den Nahen Osten. "Wir dürfen nicht zulassen, dass diese historischen Preissteigerungen Familien dazu zwingen, ihre Kinder aus der Schule zu nehmen und sich auf weniger nahrhafte Lebensmittel zu beschränken, um die hohen Preise zu kompensieren", sagte Kim bei der Vorstellung des Monatsberichts der Weltbank. Er forderte die betroffenen Staaten auf, die Lage der sozial schwächsten und "am meisten verletzlichen" Bevölkerungsgruppen zu verbessern und den Preisdruck zu mindern. Die Weltbank habe ihre Hilfen für die Landwirtschaft aufgestockt – auf den höchsten Stand seit 20 Jahren.

Die Preise steigen infolge zahlreicher Dürren. Nur Reis verbilligte sich um vier Prozent. Teile der USA leiden unter der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten ; das Land liefert mehr als die Hälfte der Mais-Exporte und ein Viertel der Weizen-Exporte weltweit. Wassermangel herrscht aber auch in Osteuropa und mindert die Ernten in Russland , der Ukraine und Kasachstan.

Krise wie 2008 nicht ausgeschlossen

Eine Krise wie 2008, als die Lebensmittelpreise deutlich gestiegen waren und es in mehreren Staaten zu Unruhen kam, befürchtet die Weltbank nicht. Negative Faktoren wie schwache Ernten oder ein starker Anstieg der Energiekosten könnten die Lebensmittelpreise aber auf das Niveau von 2008 treiben.

Die Weltbank verwies darauf, dass die Preisentwicklung im vergangenen Jahr großen Schwankungen unterworfen war. Der kontinuierliche Preisanstieg zwischen Mitte 2010 und Februar 2011 sei für kurze Zeit zum Stillstand gekommen. Im April dieses Jahres seien die Preise gestiegen, im Mai und Juni gesunken, im Juli wieder stark angestiegen.

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Leserkommentare
  1. Die EU sollte unverzüglich die EU-Biokraftstoffrichtlinie aussetzen und die Bundesregierung die Verpflichtung der Mineralölkonzerne zur Beimischung von Biokraftstoffen außer Kraft setzen.
    Dieser unsinnige Lebensmittelverbrauch, um Sprit fürs Autofahren davon herzustellen, ist ein wesentlicher Preistreiber und lebensgefährlich für die Armen.

    k.

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    > Dieser unsinnige Lebensmittelverbrauch, um Sprit fürs Autofahren
    > davon herzustellen, ist ein wesentlicher Preistreiber und
    > lebensgefährlich für die Armen.

    Das sollte man als langfristige Prognose nicht aus dem Auge verlieren - im Augenblick aber wird diese Diskussion so hysterisch (und politisch manipuliert) geführt, dass die Menschen den Blick für - zumindest noch gegenwärtig - viel wichtigere Preistreiber verlieren.

    Die Preisanstiege fossiler Energieträger oder steigender Fleischkonsum (v.a. China, Indien) bzw. grundsätzlich nach veredelten Lebensmittel (statt direktem Konsum von Grundnahrungsmitteln) treiben die Preise wesentlich stärker ... von den etwas schwerer zu beeinflussenden Faktoren (Witterungsschwankungen, Missernten) oder Nachernteverlusten von bis zu 50% in manchen Ländern einmal ganz abgesehen.

    Etwas überspitzt formuliert:
    Mit Sprit- und Energiesparen (auch fossil) und weniger Fleischkonsum könnten wir die E10 Debatte wesentlich entspannter und sachlicher führen ...

    Aber ach ... plötzlich können wir den schwarzen Peter nicht mehr auf "die Politik" und "die Energiebosse" abwälzen, sondern werden mit unseren eigenen Konsumgewohnheiten zu Mittätern?

    Lieber nicht. Also doch: E 10 ist an allem schuld !!!

    Gruß,
    Tezcatlipoca

  2. Das marktwirtschaftliche Prinzip von Angebot und Nachfrage, die wesentliche Preisbildungskriterien sind, gilt selbstverständlich in ALLEN Daseinsbereichen. Weshalb auch nicht? Immer, wenn diese Mechanismen ausgehebelt wurden (also sozialisisch-kommunistische Gesellschaftsstrukturen "aus dem Lauf der Gewehre" durchgesetzt wurden), kam es zu einer dauerhaften wirtschaftlichen Verelendung verbunden mit einer politischen Unterdrückung.
    Verglichen damit sind moderat ansteigende Nahrungsmittelpreise in einer freien Gesellschaft eher die sprichwörtlichen Peanuts.

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    Wird die landwirschaftliche Anbaufläche verringert, so werden die Lebensmittelpreise steigen. Wächst die Bevölkerung steigen sie ebenfalls. Kommen dann noch Lobbyisten auf die Idee ständig wachsende Anteile dieser Fläche der Lebensmittelproduktion zu entziehen, und werden dafür auch noch mit Subventionen belohnt, dann müssen die Lebensmittelpreise noch weiter steigen.

    Deutschland sorgt mit der E10 Gesetzgebung -völlig unabhängig vom freien Markt - für steigende Lebensmittelpreise. Da kann die profitierende Industrie sagen was sie will - hier existiert ein Gesetz, dass eigentlich verbrecherisch ist.

    Das marktwirtschaftliche Prinzip darf SELBSTVERSTÄNDLICH NICHT IN ALLEN Daseinsbereichen gelten. Gerne für Zahnpasta, Ananas, Auto , Telefon, Musik, Urlaubsreisen. Aber wo menschliche Grundbedürfnisse betroffen sind, müssen Einschränkungen zugelassen werden. Wo persönliches Glück (Gesundheit) oder die Natur (Regen) EInfluss nehmen, muss im Sinne der Allgemeinheit gegengesteuert werden, auch und gerade auf Kosten einzelner (der Profiteure). Vernichtete Lebensmittel oder "Biokraftstoffe" treiben den Brotpreis? Hohe Nachfrage wegen vieler Krebspatienten lassen den Medikamentenpreis steigen? Knappes Bauland lässt Mieten wuchern? Wenn hier der Markt gelten soll, dann muss die Nachfrage sinken - in diesen Fällen würde das bedeuten: verhungern, leiden, obdachlos. Man kann jedem nur wünschen, nicht in eine solche, nicht selbst zu verantwortende Situation zu geraten.

    • ach_ne
    • 31. August 2012 12:57 Uhr

    jeder kann etwas gegen steigende Lebensmittelpreise tun: Weniger Fleich essen. Die größte Lebensmittelvernichtungsmaschinerie ist die Massentierhaltung, da hier Tonnen an Getreide, Mais und Soja verfüttert werden um nur einen Bruchteil dessen als Fleisch zurück zu erhalten.
    Wer Fleisch aus Massentierhaltung isst, tötet Menschen.

  3. Wird die landwirschaftliche Anbaufläche verringert, so werden die Lebensmittelpreise steigen. Wächst die Bevölkerung steigen sie ebenfalls. Kommen dann noch Lobbyisten auf die Idee ständig wachsende Anteile dieser Fläche der Lebensmittelproduktion zu entziehen, und werden dafür auch noch mit Subventionen belohnt, dann müssen die Lebensmittelpreise noch weiter steigen.

    Deutschland sorgt mit der E10 Gesetzgebung -völlig unabhängig vom freien Markt - für steigende Lebensmittelpreise. Da kann die profitierende Industrie sagen was sie will - hier existiert ein Gesetz, dass eigentlich verbrecherisch ist.

  4. "Finanzhändler treiben kurzfristig die Preise für Getreide – und warnen vor langfristiger Knappheit." ( http://www.zeit.de/2012/3... )

    Nun gut, Herr Schieritz machte uns in der ZEIT deutlich, daß es tausend Gründe neben Dürre und Spekulation für die Preissteigerungen gäbe, was den Anleger wohl beruhigen sollte. Ansonsten zeigt die aktuelle Situation nur sehr schön, wie unrecht er hat und wie sich gewunden wird, nur um weiter auf Kosten der Ärmsten der Welt hier fette Gewinne einzustreichen.

    Also alle Ausreden wurden von der ZEIT schon geliefert - nun fehlt noch in ein paar Wochen der große humanitäre Aufschrei, mit Spenden zu helfen. Dazu TV-Bilder startender Cargo-Flugzeuge und Minister und Journalisten beim Weizen-verteilen in Afrika. Gruppenbild mit lächelnden Kindern inclusive.

    Dass Fehlernährung und täglicher Mangel genau die gleichen Horrorauswirkungen auf lokale Ökonomie und Entwicklung haben - egal, liest ja eh keiner und gibt auch keine guten Bilder.

    Es ist schon erstaunlich, wie hier in der ZEIT einerseits die 100% Lobbyposition der Banken und Transnationalen Argrar-Industrie redaktionell von Herrn Schieritz vertreten wird und gleichzeitig die Auswirkungen des propagierten Systems als Naturkatastrophe beklagt werden.

    Es ist die Gleichgültigkeit und der Zynismus, der täglich tausende Menschen unterernährt und entwürdigt zurücklässt.

    • Xdenker
    • 31. August 2012 13:18 Uhr

    Der Ökolandbau verschwendet knappe Anbaufläche und treibt die Nahrungsmittelpresie. Für Deutschland zum Beispiel gilt, dass der Flächenertrag von "Bio"-Weizen nicht einmal halb so hoch ist wie im konventionellen Anbau (für die Erzeugung der selben Menge Weizens also mehr als doppelt so viel Fläche benötigt wird) und der Preis um das 2,7-fache über dem des konventionellen Weizens liegt: http://www.oekolandbau.de...

    Diese Relationen mögen von Region zu Region und Produkt zu Produkt variieren. Das Phänomen aber ist ein systemisches und gilt überall. Bei weiter wachsendem Ökolandbau dürfte das zu einem ernsten Problem werden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wie kommen Sie denn auf den 2,7 fachen Preis des Weizens, Xdenker?

    Sollten Sie die unterschiedlichen Erträge schlicht ins Verhältnis gesetzt haben?
    Dann möchte ich Ihnen nicht zu nahe treten, aber dann zeigen Sie dadurch an, keine Ahnung von Landwirtschaft zu haben.

    Seriös würde ihre Rechnung erst, wenn Sie erstens den Beobachtungszeitraum auf mindestens 10 Jahre festlegen würden und dann doch bitte auch ALLE Up- & Downstream Faktoren einberechnen würden. - Das ist recht komplex und eignet sich nicht für Polemiken hier.

    Zudem muß man schlicht anerkennen, daß die Nordeuropäische Produktivität (!) des Weizenanbaus nur peripher etwas mit den aktuellen Endverbraucherpreisen in Mozambique zu tun hat. Sprich Sie malen das falsche Ungetüm an die Wand.

    Die Umstellung auf vernünftige Anbaumethoden, die nicht nur neue Probleme schaffen ist höchst angezeigt.

  5. Ich denke nicht, dass die Tierzucht oder "E10" etc. fuer die Verknappung der Lebensmittel verantwortlich sind. in vergangener Zeit wurden Lebensmittel tonnenweise ins Meer geschuettet, nur um die Preise zu halten. Wo ist eigentlich der Butterberg hin?

  6. Wie kommen Sie denn auf den 2,7 fachen Preis des Weizens, Xdenker?

    Sollten Sie die unterschiedlichen Erträge schlicht ins Verhältnis gesetzt haben?
    Dann möchte ich Ihnen nicht zu nahe treten, aber dann zeigen Sie dadurch an, keine Ahnung von Landwirtschaft zu haben.

    Seriös würde ihre Rechnung erst, wenn Sie erstens den Beobachtungszeitraum auf mindestens 10 Jahre festlegen würden und dann doch bitte auch ALLE Up- & Downstream Faktoren einberechnen würden. - Das ist recht komplex und eignet sich nicht für Polemiken hier.

    Zudem muß man schlicht anerkennen, daß die Nordeuropäische Produktivität (!) des Weizenanbaus nur peripher etwas mit den aktuellen Endverbraucherpreisen in Mozambique zu tun hat. Sprich Sie malen das falsche Ungetüm an die Wand.

    Die Umstellung auf vernünftige Anbaumethoden, die nicht nur neue Probleme schaffen ist höchst angezeigt.

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    • Xdenker
    • 31. August 2012 14:09 Uhr

    In den Link schauen.

    Bio braucht überall mehr Fläche und höhere Preise. Das ist systembedingt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
  • Schlagworte Bevölkerungsgruppe | Dürre | Energiekosten | Ernte | Gesundheit | Jim Yong Kim
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