Miethäuser in Germering bei München (Archivbild) © Alexandra Beier/Getty Images

Wer in einer deutschen Großstadt eine Mietwohnung sucht, kennt das Problem: Bezahlbares ist schwer zu finden. Vor allem Wohnungen in Zentrumsnähe, mit guter Verkehrsanbindung oder in begehrten Vierteln sind teuer. Geringverdiener haben kaum Chancen, sie zu bekommen; oder sie werden aus ihrem angestammten Quartier verdrängt, weil Wohlhabende nachziehen und die Mieten deshalb steigen.

Lässt man aber die regionalen Unterschiede außen vor, wird schnell deutlich, dass die deutschen Wohnungsmieten in den vergangenen Jahren eher moderat gestiegen sind – und die Teuerung wurde nicht durch die Immobilienpreise getrieben, sondern durch die rasant steigenden Energiekosten. Die Kaltmieten hingegen verteuerten sich sogar unterdurchschnittlich, zeigt die amtliche Statistik. Gleiches gilt für die Nebenkosten, die nichts mit der Energieversorgung zu tun haben, beispielsweise die Gebühren für die Müllabfuhr.

Die Verbraucherpreise stiegen von 1995 bis Juli 2012 um knapp 30 Prozent. Die Warmmieten legten im gleichen Zeitraum um etwa 40 Prozent zu. Die Nettokaltmieten verteuerten dagegen lediglich um 25 Prozent. Ungefähr parallel zu den Nettokaltmieten stiegen die kalten Nebenkosten – das sind alle Nebenkosten ohne Heizöl, Gas, weitere Brennstoffe und Strom. Die Energiekosten stiegen im gleichen Zeitraum um rund 110 Prozent (s. Grafik).

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Nicht immer war die Energie ein solcher Kostentreiber. In den sechziger Jahren stiegen Mieten und Energiepreise in Westdeutschland fast im Gleichschritt – mal überholte die Mietinflation die Energieteuerung, mal war es umgekehrt. Erst mit der zweiten Energiekrise 1979 änderte sich das. Bis weit in die achtziger Jahre hinein stiegen die Energiepreise stark an.

Verändert hat sich im Lauf der Jahrzehnte, wie viel Geld die Deutschen für ihre Wohnung ausgeben. Im Jahr 1962 beispielsweise gingen die amtlichen Statistiker davon aus, dass die privaten Haushalte im Schnitt rund elf Prozent ihres Budgets für Mieten aufwenden und etwas mehr als vier Prozent für Strom, Gas und Heizung. Damals war die Kohle noch der gebräuchlichste Brennstoff. Mitte der neunziger Jahre zahlte eine Durchschnittsfamilie etwa 27,5 Prozent ihrer Gesamtausgaben für die Warmmiete und rund 5,6 Prozent für Haushaltsenergie; heute sind es etwas mehr als 30 Prozent Miete und ungefähr sechs Prozent Energiekosten.

Zugleich zeigen Erhebungen, dass die Wohnfläche pro Kopf in Deutschland seit den sechziger Jahren bis heute stetig steigt. Nur in den Jahren der Wiedervereinigung wurde der Trend kurz vorübergehend gebremst. Aufgrund der besseren Dämmung sinkt zwar der Bedarf an Heizenergie je Quadratmeter Wohnfläche – weil pro Person aber mehr Platz zur Verfügung steht, ging der Energiebedarf pro Kopf in den vergangenen Jahren nur wenig zurück. Möglicherweise liegt es also zumindest zum Teil an den immer größeren Wohnungen, dass die Menschen stetig mehr für Miete und Energie ausgeben.

Und natürlich geht in der amtlichen gesamtdeutschen Statistik unter, dass es r egional große Unterschiede gibt. In wirtschaftlich schwachen Gegenden oder dort, wo viele Menschen ein eigenes kleines Häuschen besitzen, beispielsweise im Saarland oder in der Pfalz , verlief der Anstieg zuletzt eher moderat, heißt es beim Statistischen Bundesamt . Überdurchschnittlich hoch sei die Teuerung hingegen vor allem in wirtschaftlich starken Regionen und in den Städten: im Süden und Südwesten Deutschlands, entlang der Rheinschiene hoch über das Rhein-Main-Gebiet bis Düsseldorf , sowie in Berlin und Hamburg zogen die Mieten zuletzt am stärksten an.