Italiens Regierungschef Mario Monti hat Vorwürfe zurückgewiesen, er wolle im Kampf gegen die Euro-Krise die Parlamente in Europa schwächen. Er wünsche keineswegs eine Schwächung der Kontrollfunktion der Abgeordneten über die Regierungen, sondern im Gegenteil deren Stärkung auf nationaler wie europäischer Ebene, sagte Monti. "Die Autonomie des Parlaments gegenüber der Exekutive steht nicht zur Debatte."

Der Premier stellte in einer Mitteilung klar, er habe "in keiner Weise beabsichtigt, eine Begrenzung der parlamentarischen Kontrolle über die Regierungen herbeizuwünschen".

Monti hatte in einem Interview mit dem Spiegel gesagt, die europäischen Regierungschefs sollten sich ihre Handlungsfreiheit gegenüber den eigenen Parlamenten bei der Bekämpfung der Euro-Krise bewahren. "Wenn sich Regierungen vollständig durch die Entscheidungen ihrer Parlamente binden ließen, ohne einen eigenen Verhandlungsspielraum zu bewahren, wäre das Auseinanderbrechen Europas wahrscheinlicher als eine engere Integration". Mit dieser Einschätzung war er in Deutschland auf starke Kritik gestoßen.

Kanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert (beide CDU ) hatten das Mitspracherecht des Bundestages in der Europapolitik ausdrücklich als unverzichtbar verteidigt. Mit der Beteiligung und dem Mitbestimmungsrecht des Bundestages an den Gesetzen zum Euro-Rettungsschirm ESM befasst sich derzeit das Bundesverfassungsgericht. Am 12. September will es ein Urteil dazu verkünden , ob das Parlament in seiner Mitwirkung eingeschränkt war. 

Monti sagte, er habe mit seinen Äußerungen für einen "konstanten und systematischen Dialog" zwischen Regierungen und Parlamenten werben wollen. Bei den Verhandlungen von Regierungen auf europäischer Ebene könne "eine gewisse Flexibilität nötig sein, um zu Einigungen zu gelangen". Dies müsse aber innerhalb der mit dem Parlament vereinbarten Grenzen geschehen. Regierungen müssten sich erklären und mit den Parlamenten "dynamisch, transparent und effizient" interagieren.