EnergiewirtschaftDas Ölgeschäft wird immer dreckiger

Öl- und Gaskonzerne erschließen immer riskantere Vorkommen, um unseren Energiebedarf zu stillen. Die Folgen für Klima, Arbeitssicherheit und Menschenrechte sind enorm. von 

Auf einer Produktionsanlage des russischen Ölkonzerns Rosneft in Westsibirien wird Gas abgefackelt (Archivbild).

Auf einer Produktionsanlage des russischen Ölkonzerns Rosneft in Westsibirien wird Gas abgefackelt (Archivbild).  |  © Tatyana Makeyeva/AFP/Getty Images

Der Öl- und Gasindustrie geht es wie der modernen Industriegesellschaft: Sie steckt in einem möglicherweise unlösbaren Dilemma. Sie soll umwelt- und klimafreundlicher werden – aber der nicht nachlassende Energiebedarf sowie die Tatsache, dass konventionelle Öl- und Gasquellen nach und nach zur Neige gehen, treibt sie dazu, immer riskantere und schmutzigere Reserven zu erschließen.

Seit Langem beteuert die Branche, wie wichtig ihr der Klimaschutz und der Ausbau der erneuerbaren Energien seien. Doch in ihrem Geschäftsgebaren schlägt sich das nur begrenzt nieder. Auch die Sicherheit der Ölarbeiter und die Einhaltung der Menschenrechte sind oft ein Problem. Das zeigt eine Studie von oekom research , einer Rating-Agentur, die sich auf die Bewertung von Unternehmen, Ländern und Branchen nach Nachhaltigkeitskriterien spezialisiert hat.

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Die oekom-Daten belegen, dass der Ausstoß von Kohlendioxid pro gefördertem Fass Öl oder der äquivalenten Menge an Gas in den vergangenen Jahren so gut wie nicht gesunken ist. "In manchen Fällen gab es zuletzt einen Rückgang, bedingt unter anderem durch die Krise sowie durch die zeitweilig niedrige Nachfrage und die niedrigen Ölpreise", sagt Kristina Rüter, die Autorin der Studie . "Aber tendenziell wird die Förderung CO2-intensiver." Nur ganz wenige Unternehmen setzten sich überhaupt konkrete Emissionsziele; und der Ausbau der erneuerbaren Energien "bleibe, sofern überhaupt ein Thema, ein Randgeschäft".

© ZEIT ONLINE

Wie viel Treibhausgase durch die Öl- und Gasförderung in die Atmosphäre gelangen, unterscheidet sich je nach Unternehmen stark (s. Grafik). Integrierte Öl- und Gaskonzerne – also Konzerne, die den Rohstoff nicht nur fördern, sondern auch weiterverarbeiten – pusten je Fass zwischen 20 und 130 Kilogramm Kohlendioxid in die Luft. Firmen, die vor allem Öl aus Teersand gewinnen oder Kraftstoffe durch Kohleverflüssigung herstellen, sind um ein Vielfaches schmutziger. Am klimaschädlichsten ist die Kohleverflüssigung mit bis zu 3.000 Kilogramm Kohlendioxid pro Fass. Die Ölförderung aus Teersand verursacht immerhin noch bis zu 400 Kilogramm.

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Wie sehr ein Konzern die Luft verschmutzt, hänge vor allem von der Lage der Reserven und von der Art des geförderten Rohstoffs ab, erklärt Rüter. "Wird schweres oder leichtes Öl gefördert? Hat es einen hohen Schwefelgehalt? Wird offshore gebohrt, vielleicht sogar in der Tiefsee, oder an Land? Wie lang sind die Transportwege?" Je schwerer das Öl sei, je tiefer gebohrt werden müsse, je aufwändiger der Transport, desto höher seien der Energiebedarf und damit die Emissionen. "Man kann zwar durch eine effiziente Anlagetechnik in den Raffinerien oder durch die Wahl der Transportmittel Energie sparen. Aber die Möglichkeiten sind begrenzt, solange man keine Entscheidung trifft, auf besonders energieintensive Fördermethoden zu verzichten."

Weil Nachhaltigkeit aber nicht nur mit dem Ausstoß von Treibhausgasen zu tun hat, hat oekom auch untersucht, wie stark die Konzerne darüber hinaus die Umwelt verschmutzen, wie hoch ihr Ressourcenverbrauch allgemein ist und welche Risiken ihre Arbeiter eingehen müssen. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Verschwendung, Unfälle, Umweltschäden

Der Druck auf die Unternehmen, verbrauchte Reserven "schnellstmöglich und vollumfänglich zu ersetzen" sei immens, heißt es in der Studie. Das treibe die Konzerne dazu, immer größere Risiken einzugehen. Zunehmend würden auch schwer zugängliche Vorkommen in der Tiefsee oder in der Polarregion erschlossen. Die Folge seien ein steigender Ressourcenverbrauch, systematische Umweltverschmutzungen und immer häufigere "folgenschwere Unfälle" – unter anderem, weil "sichere, umweltverträgliche Technologien (noch) nicht verfügbar sind". Eine Trendwende sei nicht in Sicht. 

Leserkommentare
    • Handryk
    • 16. August 2012 16:11 Uhr

    Es ist eine Farce ständig gegen die Öl- und Gasindustrie zu wettern. Wir konsumenten haben das Heft - gerade in diesem Segment - in der Hand. Also hören wir für unser Unvermögen Schuldige zu suchen.

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    Der Konsument hat es in der Hand. So ein Humbug, 1000fach in der Realität widerlegt. Bestes Beispiel; Atomausstieg. Es war ein langer Kampf bis dahin, mit massenhaften, jahrelangen Konsumentenprotesten und trotzdem wollte die schwarz/gelbe Wirtschaftsvertretungsregierung ihn wieder kippen.

    Der Konsument hat kaum bis keine Einflussmöglichkeiten da er Konsument ist und kein steuernder Faktor, bis auf ganz wenige Ausnahmen. So lange von Regierungsseite keine Gesetze zu einem Umsteuern erlassen werden, die durchaus auch den freien Markt einschränken und in eine bestimmte Richtung lenken müssen, wird sich nichts tun. Konzerne lachen Konsumenten hinter dem Rücken aus, auch wenn sie ein ernstes Gesicht machen wenn sie auf Missstände angesprochen werden.

    Es ist schon mit dem Glauben an einen Gott zu vergleichen wer an die Selbstregulierung der Märkte über die Einflussmöglichkeiten der Konsumenten glaubt. Eine Regierung sollte in Summe das Beste für seine Bevölkerung auf lange Sicht anstreben. Was passiert real? Es geht um Parteipolitik, Machtkämpfe und den Einfluss von Lobbyisten (Korruption, genau genommen), anstatt darum was langfristig das Beste für die Bevölkerung ist. Nur um kurzfristiges Denken, ganz im Sinne der Wirtschaft, um Stimmenfang und ähnlichen Unfug den, außer Politikern und Managern, keiner braucht.

    Was wir brauchen ist eine Vision für das 21. Jhdt und den Weg dahin. Weg von dem Mist der unser Leben und Denken aktuell beherrscht, weg von "Alternativlosigkeit".

  1. besteht ja noch Hoffnung, dass doch noch mal ein bisschen Verantwortungsbewusstsein einkehrt. Aber viel mehr Sorgen würden mir auch eher die Unternehmen aus China machen, die überall da weitermachen wo sich westliche Unternehmen verweigern.

    • joG
    • 16. August 2012 16:24 Uhr

    ....wird und will dass der Travers zu anderen Energieträgern halbwegs effizient verläuft, so ist die Regulierung einzelner Güter, Faktoren oder Industrien ziemlich fehlgeleitet. Wenn man will, dass ein Gut weniger konsumiert bzw eingesetzt wird, erhöht man dessen Preis. Es gibt Ausnahmen aber sie sind selten. Es gilt fast immer:

    Steigt der Preis=>fällt die Verwendung.

    Daher ist es auch so komisch, wie die EU mit den Zertifikaten fuchtelt und schwindelt. Das wäre das Instrument. Man weiß, wie es geht. Man tut so, als würde man es verwenden. Aber es ist verlogen heiße Luft.

    Vergessen Sie diese Artikel, es sei denn Sie wollen irrationale Regulierung erreichen, indem Sie die Bevölkerung aufhetzen. Das ist kontraproduktiv und erweckt falsche Hoffnungen. Wie das ganze Geschwätz zum Euro früher. Die Leute glauben man böte eine Lösung und stellen später fest, dass sie falsch informiert wurden. Das ist schlecht.

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    Es mag sein Sie haben Recht, kurzfristig kann es einen Effekt geben, aber langfristig gesehen geht es mit Sicherheit so weiter wie immer.

    Firmen und Unternehmen werden die Mehrkosten wie bei allem einfach in ihre Produkte ein preisen und der Konsument bezahlt.

    Das ist ein System Problem der kleine Mann bezahlt immer, er bezahlt selbst denn wenn er gar nicht weiss das er bezahlt.

    Man müsste schon das gesamte Wirtschafts und Finanzsystem verändern, um einen Sinnvollen Effekt hin zu bekommen. Die Leute müssen zum Job kommen und dafür nutzen sie das Auto.

    Man müsste ihnen schon die Notwendigkeit nehmen, einen Job anzunehmen der weit von ihrem Wohnort entfernt ist.

    Auf den ersten Blick klingt Preis erhöhen immer Logisch, aber wenn man ein wenig nachdenkt über die Folgen, weiss man das es nichts bringt.

    Der Preis steigt, der Arbeiter verlangt mehr Lohn, Der Chef erhöht die Preise seiner Produkte. Alles was Sie erreichen ist den Preis von allem nach oben zu drücken und die welche von System ausgespuckt wurden sind wieder einen grossen Schritt mehr ausgeschlossen.

    Preise erhöhen wäre der falsche Schritt.

    • Vulki
    • 16. August 2012 20:44 Uhr

    Mehrere Probleme gibt es beim Erhöhen der Preise (= Steuern auf den Verbrauch von fossilen Brennstoffen).
    Erstens führen hohe Energiepreise zur Abwanderung von Industrie. Siehe etwa Deutschland: Die Erhöhung des Strompreises auf Grund der Energiewende und der EEG-Umlage führt zur Abwanderung von Industrie. Um das zu verhindern, werden energieintensive Wirtschaftszweige davon befreit... was nicht mal so blöd ist. Die Alternative ist schlicht, dass solche Industrie in Länder mit niedrigen Energiepreise auswandert.
    Zweitens würde die Form von Energiepreiserhöhung, die tatsächlich zum gewünschten Einsparen von Energie führen könnte, zu erheblichen Einbußen beim Lebensstandard führen. Inklusive sozialer Verwerfungen (gibt es jetzt schon), weil so etwas natürlich immer zuerst zu Lasten der sozial Schwachen geht.

  2. Redaktion

    Liebe/r Handryk,

    besonders eindrucksvoll - und besonders bedrückend - hat das der Journalist Bill McKibben im aktuellen "Rolling Stone" beschrieben: Wir alle scheitern an den Erfordernissen der Energie- und Klimapolitik. Und die Ölindustrie wäre wirtschaftlich gesehen völlig verrückt, würde sie die im Moment noch im Boden befindlichen fossilen Reserven nicht fördern. Ein sehr langer Text, aber nicht minder lesenswert: http://www.rollingstone.com/politics/news/global-warmings-terrifying-new...

    Herzlich,

    Alexandra Endres

  3. Der Konsument hat es in der Hand. So ein Humbug, 1000fach in der Realität widerlegt. Bestes Beispiel; Atomausstieg. Es war ein langer Kampf bis dahin, mit massenhaften, jahrelangen Konsumentenprotesten und trotzdem wollte die schwarz/gelbe Wirtschaftsvertretungsregierung ihn wieder kippen.

    Der Konsument hat kaum bis keine Einflussmöglichkeiten da er Konsument ist und kein steuernder Faktor, bis auf ganz wenige Ausnahmen. So lange von Regierungsseite keine Gesetze zu einem Umsteuern erlassen werden, die durchaus auch den freien Markt einschränken und in eine bestimmte Richtung lenken müssen, wird sich nichts tun. Konzerne lachen Konsumenten hinter dem Rücken aus, auch wenn sie ein ernstes Gesicht machen wenn sie auf Missstände angesprochen werden.

    Es ist schon mit dem Glauben an einen Gott zu vergleichen wer an die Selbstregulierung der Märkte über die Einflussmöglichkeiten der Konsumenten glaubt. Eine Regierung sollte in Summe das Beste für seine Bevölkerung auf lange Sicht anstreben. Was passiert real? Es geht um Parteipolitik, Machtkämpfe und den Einfluss von Lobbyisten (Korruption, genau genommen), anstatt darum was langfristig das Beste für die Bevölkerung ist. Nur um kurzfristiges Denken, ganz im Sinne der Wirtschaft, um Stimmenfang und ähnlichen Unfug den, außer Politikern und Managern, keiner braucht.

    Was wir brauchen ist eine Vision für das 21. Jhdt und den Weg dahin. Weg von dem Mist der unser Leben und Denken aktuell beherrscht, weg von "Alternativlosigkeit".

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Öl- und Gasindustrie"
  4. Es mag sein Sie haben Recht, kurzfristig kann es einen Effekt geben, aber langfristig gesehen geht es mit Sicherheit so weiter wie immer.

    Firmen und Unternehmen werden die Mehrkosten wie bei allem einfach in ihre Produkte ein preisen und der Konsument bezahlt.

    Das ist ein System Problem der kleine Mann bezahlt immer, er bezahlt selbst denn wenn er gar nicht weiss das er bezahlt.

    Man müsste schon das gesamte Wirtschafts und Finanzsystem verändern, um einen Sinnvollen Effekt hin zu bekommen. Die Leute müssen zum Job kommen und dafür nutzen sie das Auto.

    Man müsste ihnen schon die Notwendigkeit nehmen, einen Job anzunehmen der weit von ihrem Wohnort entfernt ist.

    Auf den ersten Blick klingt Preis erhöhen immer Logisch, aber wenn man ein wenig nachdenkt über die Folgen, weiss man das es nichts bringt.

    Der Preis steigt, der Arbeiter verlangt mehr Lohn, Der Chef erhöht die Preise seiner Produkte. Alles was Sie erreichen ist den Preis von allem nach oben zu drücken und die welche von System ausgespuckt wurden sind wieder einen grossen Schritt mehr ausgeschlossen.

    Preise erhöhen wäre der falsche Schritt.

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    • joG
    • 16. August 2012 19:45 Uhr

    .... Produktionsprozess mit einem teuren ersetzen kann ohne die endabnehmer zu belasten. Bei gegebener Technologie wird der Konsument weniger konsumieren müssen, wenn wir CO2 reduzieren. Der ihm entstehende Schaden fällt geringer aus, wenn man effiziente Methoden dazu einsetzt. Den Preis des CO2 Ausstoßes anzuheben ist effizienter als die Alternativen. Das Priblem damit ist, dass die Wähler merken, wieso sie weniger haben. Das überlebt keine Partei, weil es wird sehr teuer, wenn wir tun, was die Parteien sagen.

    • Andon
    • 16. August 2012 19:04 Uhr

    Sehr geehrte Frau Endres,

    wenn Sie schreiben "Am klimaschädlichsten ist die Kohleverflüssigung mit bis zu 3.000 Kilogramm Kohlendioxid pro Fass.", dann bedenken Sie bitte Folgendes: 1 Fass (Barrel)hat rund 159 Liter. Wenn Sie einen Liter Öl, Benzin oder Diesel verbrennen entstehen rund 2,5 kg CO2.
    Demzufolge wäre der Energieaufwand zur Gewinnung bei rund dem 7,5-fachen. Das ist entschieden zu hoch und wäre höchst unwirtschaftlich !
    Herzlich, Andon

  5. nimmt groteske Züge an. Ohne Oel und Energie funktioniert immer weniger. Es fängt bei Automobilen an, wo mechanische Fensterheber durch sinnlose Fahrzeugelektronik ersetzt werden, weil manche Menschen anscheinend nicht einmal die Zeit haben eine Fensterscheibe hochzukurbeln. Andere Beispiele sind elektrische Brotmaschinen. Mit dem Schneidemesser geht es doch ebenso gut. Jeder kann mal seinen Haushalt unter die Lupe nehmen und wird merken, dass viele Folgen des Überflusses absurd und unnötig sind. Ich heize ausschließlich mit Holz, ein bekanntlich nachwachsender Rohstoff, welcher sehr bedacht auf Sparsamkeit und geschickte Regulierung eingesetzt werden kann. Viele Menschen können je nach Möglichkeit darüber nachdenken, ob sie wirklich bewährte Konzepte aufgeben oder einfach vernachlässigen. Man kann an zahlreichen Ecken und Kanten sparen, die Ressourcen schonen und Verantwortung übernehmen. Bei vielen Dingen, welche als sensationeller Fortschritt verkauft werden, gibt es tatsächlich wenig Brauchbares.

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    Wenn die Halter von umweltschädlichen Fahrzeugen mit hohem Verbrauch gerecht an den Kosten des Energieverbrauchs bei der Produktion und im Fahrzeugbetrieb beteiligt würden, könnte die Nachfrage sinken. Aber die Politik will dies vermeiden (Totschlag-Argument "Arbeitsplätze")und subventioniert Energieverbrauchsmonster über Steuern bei Erwerb und Unterhalt.

    Wenn die chromblitzenden Benzinschleudern mit 200 km/h über unsere speziell dafür ausgebauten Autobahnen rasen, sieht man nichts vom dreckigen Ölgeschäft. Also ist alles gut.

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